Housegespräch

Als ich 2008 mit Jochen Stöckle den unautorisierten Dr. House-Serienführer “Die kleine House-Apotheke” schrieb (und später “Die kleine House-Apotheke II”) wurde es uns leider verwehrt, mit Hauptdarsteller Hugh Laurie selbst ein Interview zu führen. Diese Woche kam es endlich doch noch zu einem Telefonat. Dr. House ist längst zu Ende, und Hugh Laurie ist gerade mit seiner Blues-Band auf Tournee. Unser Gespräch wurde heute in SWR3 gesendet. Wer es verpasst hat, findet hier die Übersetzung zum Nachlesen.

Sie haben im Fernsehen einen Arzt gespielt, der unglücklich war, und Sie spielen Blues auf der Bühne. Sind Sie wenigstens im wahren Leben glücklich?

Hugh Laurie: Ja, es gibt viel Glück in meinem Leben. Und das liegt vor allem an der Musik. Ich weiß, viele Leute verbinden Blues mit Sorgen und Schmerzen, aber ich finde, da steckt auch viel Freude und Glück drin, und das erlebe ich gerade. Es ist ein wunderbares Abenteuer.

War Musik machen, auch auf der Bühne, immer ein Traum für Sie?

Hugh Laurie: Ja, es war schon ein Traum. Aber ich dachte nie, dass es passieren würde. Ich konnte mir als junger Mann nie vorstellen, ein Rockstar zu sein. Rockmusik hat mich nicht gereizt. Aber wenn man älter wird, schleicht sich der Jazz an einen ran. Es ist tiefgründig. Ich will ja nicht sagen, ich sei tiefgründig. Aber ich erforsche tiefgründige Musik, und es ist eine unglaublich befriedigende Erfahrung.

Sie sind schon durch ganz Europa getourt. Welcher Auftritt war der meistgefilmte auf Handys?

Hugh Laurie: Wenn mich richtig erinnere war das Sofia. Da waren ungefähr drei Leute, die nicht gefilmt haben. Ich frage mich ja, warum nicht einfach einer mitfilmt und es allen schickt. Dann könnten sich alle anderen einfach das Konzert ansehen. Aber die gucken es wahrscheinlich jetzt noch auf ihren Telefonen. Ich verstehe es nicht, aber so ist es eben.

Kam schon mal jemand zu Ihren Konzerten, der Sie nicht als Dr. House kannte?

Hugh Laurie: Ich möchte ehrlich sein. Das ist noch nicht vorgekommen. Aber wir sind jetzt seit drei Jahren auf Tour, und mittlerweile habe ich festgestellt, dass inzwischen tatsächlich Leute wegen der Musik kommen. Sie mögen mich als Dr. House kennen, aber sie kommen nicht mehr, damit ich Anekdoten aus dem Fernsehen erzähle oder lustige Parodien mache. Sie kommen, weil das eine tolle Band ist. Und ich bin stolz drauf, dass wir eine gute Show auf die Bühne stellen. Ich war selten auf etwas so stolz. Wenn ich im Publikum säße, ich würde es lieben.

Was gibt’s außerdem noch, das Sie immer machen wollten, für das Sie jetzt endlich Zeit haben?

Hugh Laurie: Ich möchte ein Starkoch werden. Von Weltklasseformat.

Wie läuft’s?

Hugh Laurie: Überhaupt nicht gut. Ich wäre auch gerne Turniertänzer. Das sieht aber auch nicht gut aus. Nein, ich bin mehr als zufrieden. Wenn ich ein Klavier habe, ein paar Leute, denen ich was vorspielen kann und ein Glas Whiskey, dann bin ein glücklicher Mann.

Kochen Sie denn wenigstens regelmäßig für Ihre Familie?

Hugh Laurie: Nein. Ab und zu schmeiße ich mal was zusammen, aber leider fehlt mir diese Fähigkeit. Mein Beitrag ist zu essen. Das kann ich gut. Ich bin ein natürlicher Esser.

Verbringen Sie seit dem Ende von Dr. House (das in Los Angeles gedreht wurde) wieder mehr Zeit mit Ihrer Familie in England, oder sind Sie sofort auf Tour gegangen?

Hugh Laurie: Ich verbringe viel Zeit in England, aber meine Familie ist auch mit zeitweise mit auf Tour gekommen. Meine Söhne haben als Roadies gearbeitet, meine Frau war auch manchmal dabei. Wir sehen also uns deutlich öfter, seit die Serie zu Ende ist.

Mussten Sie sich nach den vielen Jahren in Los Angeles erst wieder aneinander gewöhnen?

Hugh Laurie: Ich glaube nicht, aber da müsste ich meine Familie vielleicht mal fragen. Ich glaube, wir haben das wohl ganz gut geschafft.  Am schwersten war es für die Hunde. Die Hunde waren verwirrt. Und sind es noch. Aber sie sind Hunde. Ihr Leben ist vermutlich meistens sehr verwirrend.

Sie haben während der Fußball-Weltmeisterschaft nach fast jedem Spiel was getweeted. Nur nach dem Finale gab es auf Ihrem Twitter-Account kein einziges Wort. Was muss ich als Deutscher da hineininterpretieren?

Hugh Laurie: Oh, da sollten Sie gar nichts reininterpretieren außer meinen aufrichtigen Glückwünschen. Ich kann mich an keine WM erinnern, bei der es eine Mannschaft so sehr verdient hatte wie diesmal Deutschland. Welch eine großartige Leistung. Warum habe ich nicht getweetet? Ich weiß es gar nicht. Und dieses letzte Tor – wenn man ein Tor hätte auswählen müssen, um einen guten Schlusspunkt für diese WM zu setzen, dann wäre es das gewesen. Es war großartig. Ich ziehe den Hut vor Deutschland. Herzlichen Glückwunsch.
Eine der Sängerinnen in meiner Band, Gaby Moreno, ist mit einem Deutschen verheiratet, Sebastian,  er hat uns immer aus Deutschland getweetet, wie gerade die Stimmung war, während des Finales.  Es muss so unglaublich gewesen sein.

Wie ist Ihr Verhältnis zum Fußball gerade – als Engländer?

Hugh Laurie: Es tut weh. Darin gibt’s mehr Sorgen und Schmerzen als in dem Blues, den ich spiele.  Wir müssen das machen, was Deutschland gemacht hat. Einfach nochmal ganz von vorn anfangen und überlegen, wie es jetzt weitergeht. So kann es jedenfalls nicht weitergehen. Aber wir sind ja nicht die einzigen: Italien, Portugal, Spanien. Mein Gott, Brasilien! Ich weiß nicht, ob sich Brasilien jemals erholen wird von diesem schrecklichen Abend. Großartig für Deutschland, aber schrecklich für Brasilien.

Zuschauer, die Dr. House gesehen haben, wurden schnell zu Hypochondern. Sie mussten es sogar spielen. Was hat die Serie mit Ihnen gemacht?

Hugh Laurie: Das kann ich verstehen. Mir geht’s auch ein bisschen so. Wenn man über die ganzen Symptome schrecklicher Krankheiten spekuliert, entdeckt man immer ein paar bei sich. Aber mein Vater war Arzt, und deshalb bin ich mit einer sehr robusten Einstellung   gegenüber Krankheit und Gesundheit aufgewachsen. Ich bin kein Hypochonder, aber es hat sich schon ausgewirkt auf alle, die an der Serie beteiligt waren. Manchmal war es beängstigend, aber ich glaube, ich bin nicht zu neurotisch geworden.

Erinnern Sie sich denn noch an etwas Medizinisches, das Sie gelernt haben?

Hugh Laurie: Ich habe es für den Tag gelernt, an dem ich es können musste. Aber ich habe ein Gedächtnis wie ein Goldfisch, deshalb bin ich vermutlich auch nie selbst Arzt geworden. Ich kann mir einfach nicht so viel merken. Ab und zu fällt mir wieder was ein. Aber nicht viel.
Ich habe gerade einen Film mit George Clooney gedreht, den Disney-Film „Tomorrowland“, und er erinnert sich noch an wahnsinnig viele Fachbegriffe und Krankheiten, die er behandeln musste. Er wusste viel mehr als ich, dabei hat er schon viele Jahre vor mir aufgehört, einen Arzt zu spielen. 

Ich stelle mir gerade vor, wie Sie und George Clooney ärztliche Fachgespräche führen.

Hugh Laurie: Ja, das haben wir auch gemacht. Das war sehr merkwürdig.  Wir haben uns auch gefragt, wer von uns die besseren Kunststückchen in einem Rollstuhl kann. Das haben wir beide am Set gemacht, wenn einer in der Krankenhausdeko stand. Wir haben viel gemeinsam. Hat mich sehr überrascht.

Ich glaube ja nicht, dass echte Ärzte auch Kunststücke in Rollstühlen üben.

Hugh Laurie: Wer weiß? Sie werden überrascht sein, was Ärzte alles tun, wenn wir nicht hingucken.

Wie läuft’s denn mit Ihrem zweiten Roman?

Hugh Laurie: Der verzögert sich ein bisschen.

Ich weiß. Ich habe eine bestehende Vorbestellung seit 2009.

Hugh Laurie: Oh. Da muss ich wohl was zurückerstatten. Ich muss mir die Zeit nehmen. Ich hänge weit hinterher. Aber ich möchte das auf jeden Fall machen. 

 

Michael, 27. Juli 2014, 11:38.

In Memoriam Heinz Schenk

Man will ja nicht pietätlos sein. Aber man will ja auch nicht lügen. Natürlich fand ich die meisten Darbietungen, ob humoristischer oder musikalischer Art, die Heinz Schenk in Zum Blauen Bock präsentierte, ganz schrecklich. Aber natürlich war Heinz Schenk auch über viele Jahre eine feste Größe im deutschen Fernsehen, der sich nicht reinreden ließ, der keine faulen Kompromisse machte. Er gestaltete seine Sendungen exakt so, wie er sich das vorstellte. Deshalb gab es zwar viele, die seine Sendungen nicht mochten. Aber genau deshalb gab es auch so viele, die sie liebten. Und es gab viele, die sie in ihrer Kindheit mit den Eltern guckten, ohne darüber nachzudenken, ob sie das eigentlich wollten. Wir hatten ja nichts.

Heinz Schenk war ein Entertainer vom alten Schlag, der sich nicht verbiegen ließ, und der in der Lage war, sich auch selbst auf den Arm zu nehmen, wie er u.a. als schmieriger Moderator Heinz Wäscher in Hape Kerkelings Film “Kein Pardon” zeigte. Denn Witzischkeit kennt keine Grenzen. Heute darf auch Traurischkeit dabeisein.

Heinz Schenk ist im Alter von 89 Jahren gestorben.

Michael, 1. Mai 2014, 11:36.

Sechs Wochen auf Bewährung

War es Zufall, dass nach Uli Hoeneß’ Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung die Zahl der Selbstanzeigen wegen Steuererziehung in Deutschland deutlich zunahm? Sicher nicht. Dann ist es bestimmt auch kein Zufall, dass seit Uli Hoeneß’ Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe die Anzahl der Gefängnisserien im deutschen Fernsehen deutlich zunimmt. Erst vergangene Woche begann Sky Atlantic mit der deutschen Erstausstrahlung der 17 Jahre alten US-Serie Oz – Hölle hinter Gittern, heute startet bei RTL die neue Serie Der Knastarzt (21.15 Uhr, geplant sind zunächst sechs Folgen). Vielleicht ist die Ansiedlung einer RTL-Serie im Gefängnis aber auch nur die logische Konsequenz daraus, dass die RTL-Macher für viele ihrer letzten Serienversuche eigentlich eingebuchtet gehört hätten.


Der Doktor und sein Schließer. Foto: RTL

Die Handlung von Der Knastarzt erklärt man am besten so: Haben Sie die Folge von Dr. House zu Beginn der achten Staffel gesehen, als House im Knast einsitzt, aber auch dort einen Patienten heilt? So. Hier geht es so ähnlich: Ein junger neureicher Arzt, gespielt von Bernhard Piesk, muss wegen Mordes ins Gefängnis, obwohl er doch nur eine alte Frau von ihrem Leiden erlöst hatte. Im Knast macht ihn die Anstaltsleiterin zum inhaftierten Gefängnisarzt, weil sie kein Geld hat, um einen angestellten Gefängnisarzt zu beschäftigen. Und so muss sich der neue Knastarzt durch ein paar mysteriöse Krankheitsverläufe housen, bis er am Ende eine Lösung findet.

Die Serie beginnt als leichtes Drama und hebt sich schon damit deutlich vom letzten Serienversuch Schmidt – Chaos auf Rezept ab, der als seichte Comedy begann und nur eine Woche später endete. Schon in der zweiten Folge bleibt Der Knastarzt gar nicht so leicht und zeigt auch die düsteren Seiten des Gefängnisalltags. Meine Zuchthauserfahrung reicht nicht aus, um beurteilen zu können, wie realistisch die Darstellung ist, aber meine medizinische Erfahrung reicht ja auch nicht aus, um den Arztserienanteil professionell zu beurteilen, also was soll’s. Natürlich bedient sich die Serie auch der üblichen Klischees, aber immerhin bemüht sie sich nicht gleichzeitig um jeden Preis, mit schnellen Schnitten und anderen “innovativen” Stilmitteln aus dem Rahmen zu fallen, wie es zuletzt zu oft der Fall war. Die konventionelle, vergleichsweise ruhige Erzählweise macht den Knastarzt heutzutage beinahe schon wieder unkonventionell.

Bernhard Piesk misslingt es zwar, seiner Figur irgendetwas zu verleihen, das mir als Zuschauer ihm gegenüber eine Gefühlsregung abringen würde (vielleicht ist das der Grund, warum der eindeutige Hauptdarsteller im Vorspann erst an vierter Stelle auftaucht), aber dafür ist Michael Starkl als hinterhältiger Schließer auf einem guten Weg, einer der viel gehassten Fernsehfieslinge zu werden. Die Figur darf nur nicht im weiteren Verlauf ins Fanlager des Knastarztes überlaufen. Wenn nicht, tu ich es nämlich vielleicht.

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Michael, 3. April 2014, 03:51.

Homeweh

Spoiler-Warnung: Wer in den vergangenen drei Wochen vom Carries hysterischem Dauergekreische in Homeland genervt war: Heute wird’s nochmal genauso. Aber am Ende der heutigen Episode hört sie endlich mit damit auf, und die Handlung beginnt. Dann bemüht sich die Serie, für den Rest der Staffel diese völlig verkorksten ersten vier Folgen wiedergutzumachen. Damit wir nach Folge 12 sagen können: Sie haben sich stets bemüht.

Michael, 30. März 2014, 15:12.

Tanti auguri, Mario!

Terence Hill wird heute 75. Was macht der Mann eigentlich?

Nun, er ist heute ein gefragter Fernsehschauspieler. In Italien jedenfalls. Dort spielt er in gleich zwei aktuellen Serien die Hauptrollen: In Un passa dal cielo einen Förster, und in Don Matteo einen Pfarrer, der Kriminalfälle löst. Vor allem letztere Serie ist ein langjähriger Erfolg: Seit 14 Jahren läuft sie, sie ist in der neunten Staffel, und diese Woche wurde in Italien die 190. Folge gezeigt. Die Frage ist: Warum läuft sie nicht bei uns? Schon die Rolle klingt doch wie direkt aus den Programmen von ARD und ZDF entsprungen?


Screenshot: iTunes/RAI

Don Matteo ist ein klassischer Schmunzelkrimi in der Provinz mit verschrobenen Charakteren und einem gewieften Pfarrer im Mittelpunkt. Und ohne Prügeleien. Wenn man sich die ersten Folgen ansieht, ist das alles recht langsam und betulich. Man muss allerdings bedenken, dass diese im Jahr 1999 gedreht wurden. Das Fernsehen war noch ein anderes. Es war die Zeit, als es CSI, 24 oder The West Wing noch nicht gab. Deutsche Erfolgsserien waren Dr. Stefan Frank, Stadtklinik und Hallo Onkel Doc. Es war noch dasselbe Jahrzehnt, in dem Ein Schloss am Wörthersee lief. Und das waren nur Beispiele aus dem Privatfernsehen. RTL hatte damals Interesse an Don Matteo, nahm aber doch wieder Abstand. Immerhin zwei Folgen sind synchronisiert worden, sogar mit Thomas Danneberg, der bekannten deutschen Synchronstimme von Terence Hill, und mit ein paar flapsigen Sprüchen, wie man sie von ihm gewohnt war. Die beiden Folgen sind im deutschen iTunes-Store erhältlich.

Heute würde eine solche Serie natürlich nicht mehr zu RTL oder Sat.1 passen. Aber weiterhin zu ARD und ZDF. Deren Programm hat sich ja seit den 90ern glücklicherweise nicht maßgeblich weiterentwickelt. Auf einem Sendeplatz am Dienstag um 20.15 Uhr im Ersten oder am Samstag um 19.25 Uhr im ZDF würde sich Don Matteo prima einfügen. Mit fast 200 vorliegenden Folgen könnte man auch gleich eine tägliche Ausstrahlung in den dritten Programmen angehen.

Fernsehserien aus Deutschland und Italien sind ganz offensichtlich mit den Geschmäckern der Zuschauer im jeweils anderen Land kompatibel. Nirgendwo außerhalb des deutschsprachigen Raums waren und sind so viele deutsche Serien so populär wie in Italien: La casa del guardaboschi (Forsthaus Falkenau) , Un dottore tra le nuvole  (Der Bergdoktor), Un ciclone in convento (Um Himmels Willen), Homicide Hills – Un Commissario in Campagna (Mord mit Aussicht), 14° Distretto (Großstadtrevier), Squadra speciale Cobra 11 (Sie ahnen es) und natürlich L’ispettore Derrick. Als Sat.1 die österreichisch-deutsche Koproduktion Kommissar Rex absetzte, ging das italienische RAI sogar soweit, die Serie einfach selbst weiterzudrehen, jetzt angesiedelt in Rom. Diese Folgen wiederum zeigte in Deutschland da ZDF.

Terence Hill war und ist hierzulande ein großer Star. Als seine Prügelkomödien mit Bud Spencer aktuell waren, traten die beiden ständig in großen Unterhaltungsshows wie Am laufenden Band oder Wetten, dass…?  auf. Die Filme laufen heute noch oft und mit nennenswertem Erfolg. Die Fans sind noch da.

Ob die Serie Don Matteo in Deutschland tatsächlich hätte erfolgreich etabliert werden können oder das sogar jetzt noch möglich wäre, kann man natürlich nicht sagen. Dass es niemand überhaupt versucht hat, finde ich sehr schade.

Michael, 29. März 2014, 06:47.

Verdeckte Ausstrahlung

Wenn eine US-Serie schon in der Heimat nach weniger als 13 Folgen abgesetzt wird, erreicht sie das deutsche Fernsehen in vielen Fällen gar nicht erst. Warum auch? Oft kaufen Sender allerdings große Programmpakete bei Produktionsriesen, die dann auch solchen Restmüll enthalten. Womöglich zur Polsterung der Erfolgsware, wie wenn man ein Paket verschickt und es mit alten Zeitungen ausstopft. Und für diese Fälle gibt es dann Restmüll-Sender wie RTL Nitro, die dafür da sind, das zu senden, was ihre großen Muttersender für nicht mehr oder gar nicht erst verwertbar halten.

Undercovers ist ein solcher Restmüll, dessen wenige Folgen ab heute um 22.00 Uhr in Dreierblöcken bei RTL Nitro versendet werden. Dabei hatte der Sender NBC große Hoffnungen in die Agentenserie von J.J. Abrams gesteckt, die als eine Art modernes Hart aber herzlich daherkommen sollte und durch eine ungewöhnliche Hauptdarsteller-Paarung auffiel. Nicht nur waren beide schwarz — ja, das ist immer noch ungewöhnlich im US-TV — keiner von ihnen war Amerikaner. Boris Kodjoe war in Gundelfingen bei Freiburg aufgewachsen und als Jugendlicher Fan von Simon & Simon. Kodjoe freute sich deshalb besonders, mit Gerald McRaney, einem der damaligen Hauptdarsteller, gemeinsam in Undercovers spielen zu dürfen. Wenn auch nicht sehr lange.

Undercovers startete im September 2010 in den USA und war abgesetzt, bevor das Jahr zu Ende war. Es gibt keinen Grund, sich intensiver mit der Serie zu befassen, aber es reicht mir als Anlass, den Fernsehlexikon-Podcast noch einmal auszugraben, in dem Boris Kodjoe vor vier Jahren während einer Drehpause von früher erzählte, von seinen Lieblingsserien und vom Produktionsvorlauf im amerikanischen Fernsehen. Genau wie wenig später die Serie endete auch unser Telefonat damals vorzeitig. Kodjoe musste es unterbrechen, weil er zur Arbeit gerufen wurde und rief danach nie zurück.

Hier entlang bitte.

Michael, 28. März 2014, 06:58.

How I Stretched Your Show

Grandiose Sitcom voller Witz und Charme.

Der beste Serienstart der Saison.

Mit diesen zurückhaltenden Worten pries ich vor fünfeinhalb Jahren die Deutschlandpremiere einer Serie namens How I Met Your Mother am Samstagnachmittag an.


Foto: CBS

Was ist seitdem geschehen? Nach einem aus Quotensicht bescheidenen Start, wie ihn fast alle Sitcoms in Deutschland verzeichnen, baute sich die Serie allmählich und durch Weitererzählen einen festen Fankreis auf. 2010 begann die Dauerschleifenwiederholung im täglichen Vormittagsprogramm. 2011, mit Beginn der fünften Staffel, beförderte ProSieben die Serie in die Primetime am Mittwoch. 2012 kam die Wiederholungsschleife mit mehreren Folgen an jedem Nachmittag dazu. Im August 2012 ermittelte DWDL, dass ProSieben in den vorausgegangenen 12 Monaten 2045 Folgen von How I Met Your Mother gezeigt hatte, darunter 162 verschiedene. Umgerechnet 5,6 Folgen an jedem verdammten Tag des Jahres. Kein Sender zeigte irgendeine Serie häufiger (die einzige Serie mit mehr Sendeterminen im gleichen Zeitraum war Sturm der Liebe, allerdings verteilt auf acht Kanäle: Das Erste und alle dritten Programme). Trotzdem zeigte How I Met Your Mother keine Ermüdungserscheinungen. Man darf die Sitcom also getrost als Erfolg bezeichnen.

Der US-Sender CBS, bei dem die Serie anfangs jedes Jahr von der Absetzung bedroht war, erkannte das Potenzial zum Dauerbrenner zwischenzeitlich auch. Heute ist HIMYM  dort nach The Big Bang Theory die zweiterfolgreichste Serie in der Zielgruppe.

Auf der inhaltlichen Seite bewegte sich HIMYM von der Frage weg, wie Ted die Mutter seiner Kinder kennenlernte, und letztlich war es auch egal. Ted erschien immer mehr wie eine lästige Randfigur in seiner eigenen Serie, und die eigentlichen Nebencharaktere Marshall und Lily, Barney und Robin rückten in den Mittelpunkt, hatten die interessanteren Geschichten und die lustigeren Gags. Der Humor wurde mit der Zeit immer überdrehter, absurder und comichafter, aber nicht weniger witzig.

Am kommenden Montag geht die Serie in den USA nach neun Staffeln mit insgesamt 208 Folgen Folgen zu Ende. Heute startet die finale Staffel bei uns. Ich habe lange gehadert, ob ich diese letzte Staffel immer noch empfehlen kann.


Empfehlen kann ich auf jeden Fall diesen herrlichen US-Trailer vom vergangenen Sommer.

(So was wie ein Spoiler-Alarm: Der weitere Text verrät zwar das Konzept der neunten Staffel, aber keinen maßgeblichen Teil der Handlung, der noch nicht ausgestrahlt wurde. Für Menschen, die auch die achte Staffel noch nicht gesehen haben, gilt allerdings ein deutlicher Spoiler-Alarm.)

Viele erfolgreiche, langlebige Serien münden in einem großen Finale, gern im Rahmen einer Doppelfolge. HIMYM hat sich gegen eine Doppelfolge entschieden. Stattdessen gibt es eine 24-fach-Folge. Und die beginnt heute. Die Handlung der kompletten letzten Staffel umfasst nur ein einziges Wochenende. Es ist das Wochenende, an dem Ted endlich die Mutter seiner Kinder trifft. Aber selbst in der letzten Staffel ist dieses titelgebende Thema noch über weite Strecken egal, auch wenn „die Mutter“ ab und zu kurz auftaucht. Vor allem ist es das Wochenende, an dem Robin und Barney heiraten, der echte Höhepunkt, auf den über Jahre hingearbeitet wurde. Und jetzt noch über eine ganze weitere Staffel. Die Ereignisse werden teilweise in Echtzeit oder noch langsamer erzählt. Das ist ein paar Folgen lang ganz lustig und dann ein paar Folgen lang sehr schleppend. Vor allem als der Punkt kommt, an dem mir als Fan bewusst wird, dass die Serie, wie ich sie kenne, nicht allmählich zu Ende geht, sondern bereits zu Ende ist. Ich habe keine Staffel lang mehr Zeit, die Gang nochmal an ihrem Tisch in der Stammkneipe oder in Teds Wohnzimmer zu sehen, wie sie den ganz normalen Irrsinn bewältigt; keine Gelegenheit, diese Momente noch ein paarmal zu genießen und mich mit dem bevorstehenden Abschied abzufinden. Ich bin in einem kleinen Hotel auf dem Land gefangen, wo es nur noch um letzte Hochzeitsvorbereitungen geht, und ich werde dieses Hotel bis ans Ende meiner HIMYM-Tage nicht mehr verlassen. Mitten aus dem Serienleben gerissen.

Dieses unangenehme Bewusstsein ereilte offenbar auch die Autoren auf halber Strecke, und so kriegt die Serie zur Staffelmitte noch mal die Kurve.  Wir bleiben zwar im Hochzeitshotel gefangen, aber dank ausführlicher Rückblenden ist es manchmal doch wieder fast wie früher ist. Dies sind keine Rückblenden zu Szenen, die wir schon gesehen haben, sondern neu gedrehte Episodenhandlungen, die mit dem Stilmittel des Flashbacks in die Gegenwartshandlung am Hochzeitswochenende eingebettet werden. Sogar ironische Anspielungen auf die eigene Langatmigkeit der Staffel und die wahnsinnige Ereignisdichte an nur einem Wochenende gibt es. Und plötzlich bin ich wieder versöhnt.

Insofern empfehle ich, bis zum Ende dranzubleiben. Einen Durchhänger darf jeder mal haben. Aber in der Summe haben uns die Macher von How I Met Your Mother so viel schönes Fernsehen geschenkt, dass sie es verdient haben, wenn wir uns jetzt auch noch ansehen, wie es zu Ende geht. Wer weiß, vielleicht trifft Ted ja noch die Frau fürs Leben.

Michael, 26. März 2014, 07:03.

Fahrradkette

Die Harald Schmidt Show ist Geschichte. Mal wieder. Aber diesmal wahrscheinlich endgültig. Denn wo hätte Schmidt mit seiner Show nach Sky noch senden können? Außer vielleicht in diesem Internet, von dem man so viel hört. Dort, wo die letzte Show gestreamt wurde, damit wenigstens zum Abschied noch einmal ein paar Menschen auch außerhalb des Sky-Abonnentenkreises die Gelegenheit hatten, zuschauen zu können.

“Danke, dass Sie eingeschaltet haben. Wäre schön gewesen, wenn Sie es auch in den letzten drei Jahren mal gemacht hätten”, sagte Schmidt sinngemäß, sprach aber später von 19 fantastischen Jahren.

Dass die Harald Schmidt Show in den letzten 11 dieser 19 Jahre kaum noch eine Rolle spielte, ist seine eigene Schuld. Zu spät erkannte er, dass Late Night und sonst nichts seine Berufung ist. Er wäre in der Lage gewesen, dem Genre auch in Deutschland einen Stellenwert zu geben, den es in den USA hat. Aber gerade, als er seine Show nach acht Jahren nicht nur etabliert, sondern auch zu einem Erfolg gemacht und die Anzahl der wöchentlichen Sendungen von vier auf fünf erhöht hatte, warf er Ende 2003 hin. Ein Late-Night-Format lebt von der Regelmäßigkeit und der Sehgewohnheit. Eine solche Sendung nicht zu sehen, ist auch eine Gewohnheit. Harald Schmidt gab den Zuschauern ab 2004 viel Gelegenheit, sich daran zu gewöhnen, seine Sendung nicht zu sehen. Indem erst ein ganzes Jahr lang gar nicht gesendet wurde und danach über viele Jahre an mindestens vier Tagen in der Woche und vier Monaten im Jahr ebenfalls gar nicht. Denn irgendwann war schließlich immer Sommerpause, Fernsehpreis, Satire-Gipfel, Montag, Freitag oder Schmidt & Pocher. Richtig, Schmidt & Pocher. Noch zwei Jahre, in denen die regelmäßige Harald Schmidt Show aussetzte. Zwei weitere Jahre für viele der verbliebenen Fans zur Abgewöhnung.

Schmidt hat uns sich selbst über viele Jahre schrittweise abgewöhnt. Auf diese Weise ist es klar, dass man nicht ewig auf Sendung bleiben kann. Für kaum noch jemanden wird sich nach dem Ende seiner Sendung eine Gewohnheit ändern.

Hätte er Ende 2003 einfach weitergemacht, könnte er jetzt vielleicht noch unverändert fünfmal pro Woche in Sat.1 auf Sendung sein und wäre die Instanz, von der sich Deutschland vor der Bettruhe das Tagesgeschehen durch den Kakao ziehen lassen. Oder durch das deutsche Wasser. Das wäre schön gewesen. Dann hätte es ganz allein in seiner eigenen Entscheidung gelegen, ob und wann er abtritt.

Falls er abtritt.

Zum Ende der letzten Sendung wurde jedenfalls noch mal die Ticket-Hotline eingeblendet.

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Michael, 13. März 2014, 23:23.

Das Eieiei des Kolumbus

EinsPlus hat das Rad erfunden. Ach was, das Feuer entdeckt! Nein, noch besser: Der Sender blendet bald Tweets im Fernsehen ein!

So werden die Sendungen des Eurovision Song Contest zu einem “einzigartigen interaktiven Live-Erlebnis”, jubelt die Pressemitteilung.

Der ARD-Digitalkanal überträgt das Clubkonzert aus Hamburg (27.2.), den Vorentscheid (13.3.), die Halbfinals (6. und 8.5.) sowie das Finale (10.5.) live und zeigt gleichzeitig die Kommentare der Zuschauer aus den sozialen Netzwerken im selben Bild.

Das hat es so noch nie gegeben!

Fotos, Tweets und Kommentare, die Zuschauer per #ESC oder #EinsPlus via Twitter, Instagram oder Facebook absetzen, zeigt EinsPlus in seinem innovativen “One-Screen-Angebot” neben dem Fernsehbild live auf dem Bildschirm.

Potzblitz.

Damit bietet EinsPlus total exklusiven Content, denn Fotos, Tweets und Kommentare von Twitter, Instagram und Facebook können Interessierte sonst allenfalls bei Twitter, Instagram und Facebook lesen. Der Clou: Bei EinsPlus werden all diese Kommentare jetzt auch von Menschen gesehen, die sich einen Scheiß für Twitter, Instagram und Facebook interessieren, dafür aber vielleicht die Auftritte der Musiker gern auf voller Bildschirmgröße gesehen hätten.

Die deutsche Medienlandschaft atmet auf. In der verzweifelten ARD hat man einen Weg gefunden, sein gewollt junges Programm für die junge Zielgruppe des digitalen Zeitalters interessant zu machen. Man blendet einfach die Inhalte, die in den sozialen Netzwerken veröffentlicht werden, auch im Fernsehen ein. Brillant! Man könnte noch weiter gehen und auch Blog-Einträge zum Thema als Laufschrift eins zu eins durchs Bild laufen lassen. Warum nicht? Der Hilflosigkeit sind schließlich keine Grenzen gesetzt.

Wie man beispielsweise Twitter wirklich innovativ und sogar sinnvoll einbinden kann, zeigten vergangene Woche die Brit Awards beim englischen Sender ITV. Während in Deutschland, auch bei diesem ESC, die Publikumsabstimmungen grundsätzlich über teure Anrufe und SMS vollzogen werden, stimmte das englische Publikum per Twitter ab: mit einem Hashtag, einem vorgegebenen Stichwort zur Veranstaltung und dem Namen der Band, die man wählte. Also im Normalfall “#BRITsOneDirection”. Das war neu, kostenlos und auch noch fairer: Während jeder Fan beliebig oft dieselbe Telefonnummer wählen kann, wurde hier nur eine Stimme pro Twitter-Account gewertet. Dezent war es außerdem, denn Desinteressierte wurden nicht mit unqualifizierten Kommentar-Einblendungen belästigt.

Gleichzeitig war es allerdings das Ende der geheimen Abstimmung. Twitter ist öffentlich, und jeder kann nachvollziehen, wer wem seine Stimme gegeben hat. Schon allein deshalb würde dieser Weg in Deutschland nicht funktionieren. Wer würde schon öffentlich zugeben wollen, einen ARD-Jugendkanal zu gucken?

Michael, 24. Februar 2014, 17:29.

Tatort-Zuschauer kritisiert Tatort-Ermittler-Schwemme-Kritik-Schwemme

Mit der 913. Folge feiert der Tatort heute seine 900. Folge (13 österreichische Folgen aus den 80er-Jahren zählt die ARD ungern mit).

Zum Jubiläum stellt sich Sabine Postel, die in der 914. Folge, also in einer Woche, wieder die Bremer Kommissarin Inga Lürsen spielt, in eine Reihe mit den anderen Großen am Tatort, zum Beispiel Felix Klare, Jörg Hartmann, Axel Milberg und Andrea Sawatzki. Postel macht sich nämlich Sorgen um den Tatort, wegen der Ermittler-Schwemme. Es gibt zu viele, kritisiert sie diese Woche in der Programmzeitschrift “auf einen Blick“. “Da muss man aufpassen, dass das Format nicht verwässert wird.”

Und genau das stellt sie in diese eindrucksvolle Reihe, denn genau das ist offenbar ein Hobby von Tatort-Kommissaren i.F. (= in Freizeit). Jörg Hartmann (Dortmund) kritisierte die Ermittler-Schwemme im November 2012 in “In“, Dominic Raacke (Berlin) im gleichen Monat im “Focus“, Felix Klare (Stuttgart) im April 2013 in der “WAZ“, Andreas Hoppe (Ludwigshafen) im Juni 2013 gegenüber der dpa, Charles Brauer (früher Hamburg) im August 2013 im “Express“, Axel Milberg (Kiel) im Dezember 2013 im “Spiegel”, und Andrea Sawatzki (früher Frankfurt) gerade erst zwei Tage vor Sabine Postel in der “Bunten”.


Diese Tatort-Ermittler sind noch zu viel.
Fotos: SWR (2), Radio Bremen, WDR, NDR

Die Schwemme der die Ermittler-Schwemme kritisierenden Ermittler ist nachvollziehbar, hat sich doch in der Vergangenheit gezeigt, dass man es mit dieser Kritik zuverlässig in eine Überschrift schafft. Trotzdem muss es mal einer sagen: Es gibt zu viele Tatort-Ermittler, die kritisieren, dass es zu viele Tatort-Ermittler gibt! Diese Zu-viele-Ermittler-Kritik-Schwemme ist inflationär! Da muss man aufpassen, dass diese Meinung verwässert wird.









Zu viele “Zu viele Ermittler”-Überschriften bei DWDL.de, n-tv, derwesten.de, Spiegel, Express, N24, Abendzeitung, Focus (unvollständige Sammlung)

Dabei hat es im Tatort in Wirklichkeit noch nie so viel Konstanz gegeben. Als Manfred Krug und Charles Brauer 2001 nach 17 Jahren und 41 Fällen abtraten, waren sie die mit Abstand Dienstältesten nach Jahren und hatten die meisten Fälle auf dem Buckel, 41. Auf Platz 2 in der Rangliste der meisten Fälle lag mit 29 damals immer noch Götz George als Horst Schimanski, der schon zehn Jahre vorher abgedankt hatte, nach zehn Jahren. So schnell hört heute kaum noch jemand auf. Ulrike Folkerts, seit 25 Jahren als Ludwigshafener Kommissarin Lena Odenthal im Dienst, löst heute ihren 59. Fall. Auf die gleiche Anzahl kommt nächsten Monat das Kölner Duo Ballauf und Schenk (Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär), hat dafür aber nur 17 Jahre gebraucht. Behrendt hatte seine Rolle allerdings vorher schon in acht Folgen an der Seite von Martin Lüttge gespielt. Rekordhalter sind die Münchner; Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl spielten Batic und Leitmayr seit 1991 bis jetzt 66-mal. Selbst vergleichsweise junge Teams wie die Quotensieger aus Münster, die Langweiler vom Bodensee oder die Schwemme-Kritiker aus Kiel und Bremen sind jetzt schon länger dabei als es Schimanski je war – zumindest innerhalb der Tatort-Reihe.


Viel Konstanz auch in Konstanz. Ja, dieses Foto ist wirklich nur hier, damit ich dieses Wortspiel noch irgendwo unterbringen konnte.
Foto: SWR

“Ich finde es nicht gut, dass mit Einzelauftritten neuer Teams die Zuschauer verwirrt werden”, sagt Sabine Postel weiter. Bloß von wann spricht sie? Müsste sie nicht froh sein, dass genau dieses Problem behoben ist? Früher gab es immer wieder Ermittler, die nach nur einer einzigen Folge schon wieder weg waren, insgesamt 20-mal. Allein 14 davon von 1980 bis 1987. So etwas kann tatsächlich zur Unübersichtlichkeit führen. Schon seit 1996 gab es allerdings keinen solchen Fall mehr. Selbst der neue Tatort aus Weimar mit Nora Tschirner und Christian Ulmen, der eigentlich als Einzelereignis geplant war, findet nun doch eine Fortsetzung.

Richtig ist, dass in den vergangenen Jahren ein paar neue Ermittler hinzukamen. Aber ist das gleich eine Schwemme? Werden es dadurch gleich zu viele? Haben wir eine Tatort-Inflation? Es hören ja auch durchaus mal ein paar auf. Wurden nicht immer schon alte Kommissare in die ewigen Ermittlungsgründe geschickt und durch neue ersetzt? Die Anzahl der Tatort-Folgen, die jedes Jahr produziert werden, liegt jedenfalls seit zehn Jahren weitgehend konstant bei 35. (In einzelnen Jahren wurden nur 34, in anderen dafür 36 neue Folgen ausgestrahlt). Und die Zuschauer erwecken nicht den leisesten Eindruck, als seien sie des Tatorts oder seiner vielen Ermittler und Schauplätze überdrüssig. Im Gegenteil. Die durchschnittliche Zuschauerzahl der Reihe lag in jedem der vergangen fünf Jahre über der des jeweiligen Vorjahres.

Einer der ersten Tatort-Stars, die die Sorge um zu viele Ermittler äußerten, war der Darsteller des Berliners Till Ritter, Dominic Raacke. Er riet Ende 2012 der ARD, aufzupassen „die Marke Tatort nicht immer weiter aufzublasen. Am Ende platzt sie noch. (…) Es wäre an der Zeit, etwas Neues zu probieren.” Der letzte Tatort mit Raacke lief vor einer Woche. Der zuständige RBB hat Till Ritter inzwischen stillgelegt, um etwas Neues zu probieren. Insofern muss sich Sabine Postel vielleicht doch keine Sorgen um den Tatort im Allgemeinen machen. Höchstens um ihren eigenen.

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Michael, 16. Februar 2014, 08:56.
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