Ja, ich will

Gute Nachrichten: Deutschland ist glücklich, verliebt, niemand ist mehr Single, und alle haben ihren Traumpartner fürs Leben gefunden. Deshalb stellt RTL seinen digitalen Dating-Sender Traumpartner.TV heute endlich ein.

Michael, 31. Oktober 2007, 00:18.

Hellsehen und hochstapeln

Irgendwie gehören Monk und die neue RTL-Serie Psych zusammen. In den USA laufen sie direkt hintereinander mit gleichem Erfolg, sie haben die gleichen Fans, und amazon.com verkauft die aktuellen Staffeln von Monk und Psych als gemeinsames DVD-Boxset („TV-Marathon-Detektiv-Zweierpack“). In Deutschland hat Monk ab heute für ein paar Monate Pause. Den Sendeplatz übernimmt Psych.

Die Gemeinsamkeiten der beiden Serien sieht man weniger, man fühlt sie. Es ist die Anmutung, das Leichte, das Sympathische, das Skurrile, das Augenzwinkern. Monk und Psych sind die neue Generation des Schmunzelkrimis, der seine beste Zeit vor Jahrzehnten hatte und dank dieser beiden eine Renaissance erlebt. Sie sind der Gegenpol zu den coolen Wissenschaftlern der Forensikerkrimis. Sie verlassen sich auf ihre Intuition. Beide Protagonisten sind private Ermittler, die für die Polizei arbeiten, dort aber mit großer Skepsis konfrontiert werden. Und da enden die Gemeinsamkeiten der Hauptfiguren.

Shawn Spencer (Psych) und Adrian Monk könnten kaum unterschiedlicher sein. Shawn ist ein cooler Frauenheld. Ein entspannter Lebenskünstler. Ein verlogener Hochstapler. Er behauptet, ein Hellseher zu sein, um nicht ins Gefängnis zu müssen. In Wirklichkeit beobachtet er einfach nur schärfer und schlussfolgert schneller als andere. Verbrechensaufklärung auf den ersten Blick. Weil die Polizei ihn für einen Mittäter hält (wer sonst sollte so viele Informationen haben?) und Shawn nicht glaubt, sie könnten ihm seine wirkliche Gabe abnehmen, erfindet er kurzerhand die Sache mit dem Hellsehen. Die ist zwar noch viel absurder, aber die glauben sie ihm. Sehr widerwillig zwar, aber zumindest kommt er damit durch und zu einem Job im Polizeiauftrag.
Und so löst dieser Mann, der noch keinen Job länger als ein paar Wochen behielt, fortan verzickte Kriminalfälle, immer unter der Tarnung des Hellsehers. Sehr zum Missfallen seines grimmigen Vaters, einem ehemaligen Polizisten, der von seinem Sohn ohnehin schon enttäuscht war: „Bei der Polizei haben wir zwei Dinge gehasst: Privatdetektive und Hellseher. Herzlichen Glückwunsch. Du hast es geschafft, beides auf einmal zu sein.“

Psych ist sehr nett anzusehen, denn die Serie ist amüsant und ein bisschen spannend, vermeidet aber das Abdriften ins Alberne, obwohl die Versuchung sehr groß ist. Die Serie startet mit einem Fall in Spielfilmlänge, bei dem man ein paarmal den Eindruck hat, nun sei die Sache aber gegessen, bevor die Geschichte doch noch eine neue Wendung nimmt. Ab nächster Woche haben die Episoden reguläre Serienlänge mit einer Stunde Bruttolaufzeit.

Man muss kein Hellseher sein, um der Serie auch in Deutschland gute Einschaltquoten vorherzusagen. Wer Monk mag, wird auch Psych mögen. Und wer Dr. House als Vorprogramm hat, kann sowieso kaum verlieren.

Psych, dienstags um 22.15 Uhr bei RTL.

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Michael, 30. Oktober 2007, 07:11.

In Memoriam Evelyn Hamann

…Auf dem Landsitz North Cothelstone Hall von Lord und Lady Hesketh-Fortescue befinden sich außer dem jüngsten Sohn Meredith auch die Cousinen Priscilla und Gwyneth Molesworth aus den benachbarten Ortschaften Middle Fritham und Nether Addlethorpe, ferner ein Onkel von Lady Hesketh-Fortescue, der 79-jährige Jasper Fetherstone, dessen Besitz Thrumpton Castle zur Zeit an Lord Molesworth-Houghton, einem Vetter von Priscilla und Gwyneth Molesworth, vermietet ist.

Gwyneth Molesworth hatte für Lord Hesketh-Fortescue in Nether Addlethorpe einen Schlipth…

Die englische Inhaltsangabe, Loriot IV, 7.11.1977.

Stefan, 29. Oktober 2007, 14:25.

Nur eine Projektion

Am Freitag beginnt die dritte Staffel von Pastewka.
Ist es eigentlich Pflicht, Comedy ausschließlich freitags zu zeigen?

Bastian Pastewka: „Ja. Offenbar. Lustigerweise probiert ja ProSieben parallel dazu immer wieder einen Comedymontag einzurichten, und immer wenn sie das erfolgreich geschafft haben, legen sie aus Versehen zwei Mysteryserien auf den Plattenteller.“

ProSieben ist doch sowieso Spitze darin, Serien möglichst kurz nur zu zeigen, bevor wieder was völlig anderes kommt.

Bastian Pastewka: „Da weiß man nie: Ist es noch abgesetzt? Ist es nur eine Projektion von irgendwas, das man früher mal gesehen hat?“

Das Gespräch mit Bastian Pastewka ging noch wesentlich länger. Eine ausführliche Version lesen Sie am Donnerstag an dieser Stelle, und noch mehr hören Sie dann in unserem Podcast.

Podcast? Verdammt, das haben wir ja noch nie gemacht. Hoffentlich kriegen wir das hin…

Michael, 29. Oktober 2007, 07:09.

Psych

Seit 2007 (RTL). US-Krimiserie von Steve Franks („Psych“; seit 2006).

Der Lebenskünstler und Frauenheld Shawn Spencer (James Roday) ist kein Hellseher, tut aber so. Seit seiner Kindheit hat er eine besondere Beobachtungs- und Auffassungsgabe. Schneller als jeder andere überblickt er auch in den unübersichtlichsten Situationen jedes noch so kleine Detail und zieht daraus Schlüsse. Meistens die richtigen. Schon oft hat er der Polizei telefonische Hinweise gegeben, die zur Ergreifung eines Verbrechers führten, und die er sich allein aus den Fernsehnachrichten zusammengereimt hatte. Als die Polizisten Carlton Lassiter (Timothy Omundson) und Juliet O’Hara (Maggie Lawson) zu ihrem eigenen Schluss kommen, die vielen Informationen könnten nur von einem Insider stammen, nehmen sie Shawn fest, und sein einziger Ausweg ist die Behauptung, Hellseher zu sein. Die kommissarische Polizeichefin Karen Vick (Kirsten Nelson) schenkt ihm einen Vertrauensvorschuss und beauftragt ihn mit einem Fall. Fortan klärt Shawn zusammen mit seinem widerwilligen besten Freund Burton „Gus“ Guster (Dulé Hill), einem auf Seriosität bedachten Pharmavertreter, und der gelegentlichen Hilfe seines grimmigen Vaters Henry Spencer (Corbin Bernsen), einem ehemaligen Polizisten, verzwickte Kriminalfälle auf. Die Tarnung erhält er aufrecht und nennt sein neues Detektivbüro deshalb „Psych“.

Netter Schmunzelkrimi im sympathischen Stil von Monk, der auf dessen Sendeplatz dienstags um 22.15 Uhr läuft.

Listen To The Music

Listen. Wir lieben sie. Hier ist eine mit Serien, die normalerweise mit gesprochenem Wort arbeiten, aber zwischendurch eine Musical-Episode einlegten, in der große Teile der Handlung durch Gesang und Tanz ausgedrückt wurden. Hinter dem Episodentitel und dem Erstausstrahlungsjahr steht die Entschuldigung, die herhalten musste.
(Die ersten vier wurden nicht in Deutschland ausgestrahlt.)
   

  1. I Love Lucy: „Lucy Goes To Scotland“ (1956). Traum.
  2. The Honeymooners: „Away We Go“ (1957). Europareise. Fröhliche Sache. Die Episode gilt als verschollen und wurde seit ihrer Erstausstrahlung nicht mehr gezeigt, weshalb die genaue Handlung nicht nachvollziehbar ist.
  3. The Dick van Dyke Show: „The Alan Brady Show Presents“ (1963). Die Hauptfigur ist Fernsehproduzent und stellt eine Weihnachtsshow auf die Beine, in der alle singen müssen.
  4. Gilligans Insel: „Don’t Bug The Mosquitoes“ (1965). Die Inselbewohner gründen verschiedene Bands. Es folgte noch eine weitere Musical-Episode.
  5. Happy Days: „Valentinstag“ (1978): Spezielle Märchenfolge mit einer Tagträumerfantasie von Joanie, in der alle Figuren in anderen Charakteren auftreten und Standards singen.
  6. Maxe Baumann: „Maxe Baumann aus Berlin“ (1987). Special zum 750. Geburtstag von Berlin.
  7. Die Simpsons: „Das magische Kindermädchen“ (1997). Das englische Kindermädchen Shary Bobbins (eine Parodie auf Mary Poppins) fällt in Springfield ein und singt. Es folgten weitere Musical-Episoden.
  8. Chicago Hope: „Am Rande des Wahnsinns“ (1997).  Dr. Aaron Shutt bricht mit einem Aneurysma zusammen und sieht sein Leben als Musical an sich vorbeiziehen.
  9. South Park: „Hankey, der Weihnachtskot“ (1997). Ein singender Scheißhaufen springt aus der Toilette und eint die Menschen. Muss man wirklich noch mehr erklären?
  10. Xena: „Die bittersüße Symphonie“ (1998). Sturz in eine Traumwelt nach einem Kampf zwischen Xena und ihrer Freundin Gabrielle, zu dem Kriegsgott Ares sie verleitet hatte. Es folgte später eine weitere Musical-Episode.
  11. Ally McBeal: „Not nach Noten“ (2000). Staffelfinale. Anstrengendes Abendessen mit den Eltern. Keine echte Entschuldigung. Die Lieder halten die Handlung auch eher auf, als sie voranzutreiben. Es folgte später eine weitere Musical-Episode.
  12. Buffy — Im Bann der Dämonen: „Noch einmal mit Gefühl“ (2001). Ein Dämon hat Sunnydale mit einem Bann belegt, der die Bewohner dazu zwingt, sich singend auszudrücken.
  13. Die wilden Siebziger: „Das wilde Siebziger!-Musical“ (2002). Fes stellt sich vor, alle würden singen, während tatsächlich für ein Schulmusical geprobt wird. Außerdem war es die 100. Folge.
  14. Eine himmlische Familie: „Rote Socken“ (2005). Familie Camden feiert Valentinstag und singt Klassiker. Da es sich um Familie Camden handelt, wundert sich darüber niemand.
  15. Scrubs – Die Anfänger: „Mein Musical“ (2006). Eine Patientin leidet an einem Hirntrauma, infolge dessen sie sich einbildet, alle um sie herum würden singen, tanzen und sich in Reimen ausdrücken.

(Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, Ergänzungen willkommen.) 

Und warum steht diese Liste hier?

Deshalb: Die Musical-Episode aus Scrubs, der zweitbeliebtesten Serie der Fernsehlexikon.de-Leser, kommt heute zum ersten Mal im deutschen Fernsehen.
Um 15.05 Uhr auf ProSieben.

Michael, 27. Oktober 2007, 00:08.

Die wilden Siebziger!

2000–2005 (RTL); seit 2008 (Kabel 1). 200-tlg. US-Sitcom von Bonnie Turner, Terry Turner und Mark Brazill („That 70’s Show“; 1998–2006).

Während der Disco-Ära Ende der 70er‑Jahre erleben die Freunde Eric Forman (Topher Grace), Donna Pinciotti (Laura Prepon), Michael Kelso (Ashton Kutcher), Jackie Burkhardt (Mila Kunis), Steve Hyde (Danny Masterson) und Fes (Wilmer Valderrama) ihre High-School-Zeit. Eric lebt bei seinen Eltern Kitty (Debra Jo Rupp) und Red (Kurtwood Smith) und seiner Schwester Laurie (Lisa Robin Kelly). Im Keller der Formans verbringt die Clique oft ihre Freizeit.

Wiederkehrende Besonderheit ist die Kameraeinstellung, wenn die vier Jungs im Keller sitzen und über das Leben sinnieren: Die gleiche Kamera zeigt dann nacheinander jeden einzeln in einer frontalen Großaufnahme, immer den, der gerade spricht, und dreht danach, ohne dass ein Schnitt gesetzt wird, weiter zum Nächsten.

128 Folgen der bunten Schlaghosenshow liefen erst am Samstagnachmittag, seit Herbst 2003 schon vormittags bei RTL. Im November 2007 begann werktags vormittags bei Kabel 1 ein Wiederholungsdurchlauf, dem sich zumindest eine bisher unausgestrahlte Staffel anschloss. Die siebte und achte Staffel wurden bisher nicht in Deutschland gezeigt.

Xena

1996–2004 (RTL); 2006 (Kabel 1). 134‑tlg. US-Fantasyserie von John Schulian und Robert Tapert („Xena: Warrior Princess“; 1995–2001).

Die früher gefürchtete Kriegerin Xena (Lucy Lawless) hat die Seiten gewechselt und tut fortan Gutes für Menschen, die sie brauchen. Spärlich mit Blech und Leder bekleidet schwingt sie Schwert und Handkante. Ihre Freundin Gabrielle (Reneé O’Connor) steht ihr zur Seite.

Spin-off der Serie Hercules, in der Lawless bereits die Rolle der Xena gespielt hatte. Die Serie war inspiriert vom Hongkong-Kino und wurde zu großen Teilen in Neuseeland gedreht. RTL zeigte beide Serien im Doppelpack am Sonntagnachmittag, zunächst mit ordentlichen Marktanteilen. Nach der fünften Staffel wartete RTL drei Jahre, bevor im Frühjahr 2004 die noch nicht gesendete letzte Staffel startete – mit jetzt geringer Resonanz. Vermutlich hatte niemand mehr damit gerechnet. Die Folge „Abgrund“ lief im Mai 2004 erst um drei Uhr nachts, weil sie zu brutal fürs Nachmittagsprogramm war. Die letzten zwölf Folgen zeigte RTL gar nicht mehr. Sie liefen erst 2006 bei Kabel 1, nachdem dort die Serie von Beginn an wiederholt worden war.

Gilligans Insel

1966 (ARD). 13‑tlg. US‑Sitcom von Sherwood Schwartz („Gilligan’s Island“; 1964–1967).

Nach einem Schiffbruch stranden Bootsmann Gilligan (Bob Denver), der Skipper (Alan Hale jr.), der Professor (Russell Johnsson), der Filmstar Ginger (Tina Louise), das Mädchen vom Land Mary Ann (Dawn Wells), der Millionär Thurston Howell III. (Jim Backus) und seine Frau Lovey (Natalie Schafer) auf einer einsamen Insel, die sie fortan nicht mehr verlassen können, weil jeder Rettungsversuch an Gilligans Ungeschicklichkeit scheitert.

Obwohl die Serie in den USA nur drei Jahre lief, wurde sie eine der erfolgreichsten Serien überhaupt. Von den 98 Folgen zeigte die ARD im regionalen Vorabendprogramm gerade mal 13. Deutschen Zuschauern dürfte die Serie daher eher aus unzähligen Parodien und Erwähnungen in anderen – auch in Deutschland erfolgreichen – US‑Serien bekannt sein, u. a. Alf und Baywatch, wo die jeweiligen Hauptdarsteller der gesamten Sippe aus Gilligans Insel im Traum begegnen, jeweils dargestellt von der tatsächlichen Crew aus Gilligans Insel. Von der Serie gibt es auch zwei Zeichentrickversionen: „Gilligans Insel“ (1974–1977) und „Gilligan’s Planet“ (1982).

Maxe Baumann

1976–1982 (DFF1). 7‑tlg. DDR-Lustspielreihe von Goetz Jaeger, Regie: Peter Hill.

Nach 50 Jahren Berufsleben geht der schrullige Max Baumann (Gerd E. Schäfer) in Rente und hat nun viel zu viel Zeit. Unter seinen Versuchen, diese sinnvoll zu nutzen und sein Leben und das anderer Leute mal richtig auf Vordermann zu bringen, leiden seine Familie und die ganze Umgebung, insbesondere Ehefrau Herta (Traute Sense). Statt Ordnung schafft Maxe natürlich nur Chaos.

Die abendfüllenden Teile liefen jährlich zu Silvester. Am 1. Mai 1987 wurde zum 750. Geburtstag der Stadt Berlin das 70‑minütige Musical-Special „Maxe Baumann aus Berlin“ gesendet, in dem Schäfer Max und seinen Bruder Fritze spielt. Die Figur des Maxe Baumann tauchte auch im Kessel Buntes häufiger auf.

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