Die Pfeifen von Sat.1

Hören Sie hier den sensationell aufregenden Moment aus der heutigen Folge von K11 — Kommissare im Einsatz, als ein Kommissar bei der Rückkehr ins Auto feststellt, dass sein Kollege Gerrit mit einem Betäubungspfeil beschossen wurde:

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Nein, das ist nicht Gerrits Handy, das da mitten in der Szene klingelt. Das ist auch nicht der Mörder, der da flötend vorbeigeht. Und es ist nicht der Teekessel, den man aus der Souterrain-Wohnung von Hausnummer 35 herüberpfeifen hört.

Das ist die Tonfolge, die seit heute passend zum neuen On-Air-Design von Sat.1 immer dann ertönt, wenn der Sender irgendeine wichtige Information oben ins laufende Programm einblendet, im konkreten Fall die, dass nach dem Ende dieser Folge K11 eine weitere Folge K11 zu sehen sein wird.

Ich glaube, es war Pro Sieben, die damit angefangen haben, nicht nur alle paar Minuten irgendwelche Dinge auf den Bildschirm zu schreiben, sondern für den Fall, dass das allein noch nicht nervig genug wäre, auch noch ein Geräusch dazu zu machen. Immerhin war dieses Geräusch bei Pro Sieben ein kurzes Ping. Sat.1 bekam zum selben Zweck ein unangenehmes und — je nach Programm, das gerade lief — sehr verwirrendes Brtzl-Geräusch.

Es war schwer vorstellbar, dass es Sat.1 gelingen würde, für die neue Senderverpackung einen Soundeffekt zu finden, der noch mehr stört. Hut ab: Sie haben es geschafft.

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Stefan, 17. März 2008, 21:34.

Limbourg an der Lahm

Heute und morgen interessiert sich die Medienöffentlichkeit mal wieder kurz für die Sat.1 Nachrichten, bevor sie anschließend erneut dort verschwinden, wo sie herkamen: in der Bedeutungslosigkeit. Heute bekommen sie nämlich mal wieder einen neuen Namen, einen neuen Sendeplatz und einen neuen Moderator, und wenn diese Änderungen bei Sat.1 nicht regelmäßig vorgenommen würden, hätte vermutlich schon seit 1995 niemand mehr Notiz davon genommen, dass Sat.1 überhaupt Nachrichten sendet. Es ist der fünfte Wechsel des Sendeplatzes, der siebte Name und der zwölfte Moderator, Wochenendmoderatoren nicht mitgerechnet. Zählt man die Moderatoren der Wochenendausgaben doch mit, ist interessanterweise Hans-Hermann Gockel die einzige jahrzehntelange Konstante in den Nachrichten bei Sat.1.


Foto: Sat.1

Ab heute hat Sat.1 wie RTL einen eigenen Nachrichtenpeter. N24-Chefredakteur Peter Limbourg, der ein fast genauso spritziges Energiebündel ist wie Gockel, übernimmt die Moderation der werktäglichen Hauptausgabe, und insofern wird wenigstens ein bisschen die Tradition gepflegt. Peter Limbourg war vor sechs Jahren mal für 75 Minuten prominent, als er zusammen mit Peter Kloeppel vor 15 Millionen Zuschauern das erste „Kanzlerduell“ zwischen Gerhard Schröder und einem Mann namens Edmund Stoiber moderierte.

Es muss schwer gewesen sein, für die neuen Sat.1 Nachrichten einen Sendeplatz zu finden, auf dem sie noch nicht liefen. 20.00 Uhr ist so ein Sendeplatz, denn warum sollte ein Sender ernsthaft mit seinen Nachrichten gegen die Tagesschau antreten wollen, wenn die Desinteressierten doch schon gleichzeitig von den RTL II News abgegriffen werden. Aber genau da kommen sie ab heute. Inhaltlich liegen sie schließlich auch irgendwo zwischen diesen beiden. Also dann: „Natürlich um 20 Uhr“, wie Peter Limbourg sagt. Natürlich.

Dennoch sind für die Zukunft noch ein paar Sendeplätze frei. Um 19.30 Uhr liefen in Sat.1 zum Beispiel noch nie Nachrichten, wie die nachfolgende Tabelle der bisherigen Inkarnationen zeigt.
 

Jahre Name Moderatoren Sendeplatz
1985-1986 APF Blick Armin Halle
Karl-Ulrich Kuhlo
Eddie Lange
Andrea Scherell
18.30 Uhr
1986-1991 Sat.1 Blick Andrea Scherell
Armin Halle
Hans-H. Gockel
18.45 Uhr
1991-1992 Guten Abend,
Deutschland
Dieter Kronzucker 18.45 Uhr
1992-1993 Sat.1 News Hans-H. Gockel
Karin Jacobi
18.45 Uhr
1993 Sat.1 Newsmagazin Hans-H. Gockel
Karin Jacobi
18.30 Uhr
1993-1995 Sat.1 Newsmagazin Hans-H. Gockel
Karin Jacobi
19.00 Uhr
1995-1998 18:30 Ulrich Meyer 18.30 Uhr
1998-2004 18:30 Astrid Frohloff 18.30 Uhr
2004-2007 Sat.1 News Thomas Kausch 18.30 Uhr
2007-2008 Sat.1 News Katja Losch 18.30 Uhr
2008- Sat.1 Nachrichten Peter Limbourg 20.00 Uhr

Erstellt man eine baugleiche Tabelle mit den Hauptnachrichtensendungen von RTL, kommt man auf eine Idee, warum RTL aktuell erfolgreich und Peter Kloeppel bekannt ist. Das hat nämlich nicht nur mit den großen Plakaten zu tun. Und auch nicht nur mit Inhalt.
 

1984-1988 7 vor 7 Hans Meiser 18.53 Uhr
1988-1992 RTL aktuell Hans Meiser 18.45 Uhr
1992- RTL aktuell Peter Kloeppel 18.45 Uhr
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Michael, 17. März 2008, 05:45.

RTL aktuell

Seit 1988 (RTL). 20‑minütige Hauptnachrichtensendung von RTL und der einzige rundum erfolgreiche Versuch eines Privatsenders, eine eigene Nachrichtenkompetenz aufzubauen.

Der Name RTL aktuell war schon vorher für die kürzeren Ausgaben der RTL-Nachrichten verwendet worden, die Hauptsendung hieß aber 7 vor 7. Mit der Umbenennung begann die Sendung acht Minuten früher und blieb dauerhaft auf dem Platz um 18.45 Uhr. Anchorman war zunächst Hans Meiser, ihm folgte im April 1992 Peter Kloeppel. Neben ihnen saßen in der Anfangszeit zwei weitere Moderatoren: einer für die Auslandsnachrichten (u. a. Brigitte Reimann und Olaf Kracht) und einer für den Sport (u. a. Ulrike von der Groeben und Ulli Potofski). Der Platz für den Auslandspräsentator fiel Mitte der 90er-Jahre weg, und Kloeppel und von der Groeben waren von nun an als Duo zu sehen.

Mit der Umbenennung der Sendung begann RTL allmählich, sich nicht nur als der Sender mit den lockereren Nachrichten zu profilieren, sondern die Unterhaltung mit seriöser Information zu verbinden. Katastrophen, bunte Geschichten und Sport dominierten zwar noch lange die Sendung, hinzu kam aber der Versuch, Politik in attraktiver Form zu präsentieren. Für Aufsehen sorgte ein Interview, das Hans Meiser mit dem damaligen Republikaner-Chef Franz Schönhuber führte und in dem er ihn, sichtlich emotional, in zuvor ungekannter Weise hart anging.

Servicebeiträge zu Themen wie Finanzen, Reise oder Einkaufen bildeten einen wichtigen Teil von RTL aktuell. Die Erkenntnis, dass deutsche Fernsehzuschauer auch im Privatfernsehen keine Witz- oder Krawallnachrichten sehen wollten, setzte RTL beharrlich um und wurde dafür schließlich mit hoher Glaubwürdigkeit und hervorragenden Zuschauerzahlen belohnt. Aus der Delle, die die Nachrichten zunächst noch im Quotenverlauf des Senders darstellten, wurde ein Berg, und bei jungen Zuschauern konnte es RTL schließlich sogar mit der ARD-Tagesschau aufnehmen.

Meiser und vor allem Kloeppel wurden zu bekannten und beliebten Aushängeschildern des Senders, die für Seriosität bürgten. Wochenendmoderatoren und Kloeppels und Meisers Urlaubsvertreter waren u. a. Christoph Teuner, Michael Karr, Petra Schwarzenberg, Susanne Kronzucker und Ilka Essmüller. Durchs Wetter führten Maxi Biewer, Antonia Langsdorf und dann für viele Jahre der Meteorologe Christian Häckl. Bis 1991 kommentierte direkt im Anschluss an die Sendung Karlchen das Tagesgeschehen.

Peter Kloeppel erhielt 2003 den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Beste Moderation Information, 2007 setzte es erneut einen Deutschen Fernsehpreis, diesmal für RTL aktuell als beste Informationssendung.

7 vor 7

1984–1988 (RTL). „Die Bilder des Tages“. Hauptnachrichtensendung von RTL seit Sendestart, täglich um 18.53 Uhr.

7 vor 7 wurde von drei Moderatoren präsentiert, die verschiedene Zuständigkeitsbereichen hatten: Inland, Ausland und Sport. Der für Inland Zuständige war zugleich Anchorman, also Hauptmoderator: Es war Hans Meiser. Zu den weiteren Moderatoren für die anderen Bereiche gehörten u. a. Geert Müller-Gerbes, Björn Hergen Schimpf (der ab September 1984 außerdem als Karlchen immer nach den Nachrichten ebendiese kommentierte), Olaf Kracht und Ulli Potofski. 1988 wurde die Sendung um acht Minuten vorverlegt und in RTL aktuell umbenannt.

Sat.1 Nachrichten

Ab 17.03.2008 (Sat.1). Weitere Inkarnation der Sat.1-Hauptnachrichten und Nachfolger der Sat.1 News,  Jetzt eine Viertelstunde lang und um 20.00 Uhr, wie die Tagesschau. Neuer Moderator ist N24-Chefredakteur Peter Limbourg.

Sat.1 News

1992–1994; 2004–2008 (Sat.1). Zunächst neuer gemeinsamer Name der Sat.1-Hauptnachrichten, die vorher Guten Abend, Deutschland, und der anderen Sat.1-Nachrichten, die vorher Sat.1 Blick hießen. Nach gut einem Jahr wurden die Hauptnachrichten in Sat.1 Newsmagazin umbenannt, die gelegentlichen anderen Nachrichten (vor allem im Frühstücksfernsehen) nannten sich aber noch bis Dezember 1994 Sat.1 News.

2004 kam der Name zu neuen Ehren. Er bezeichnete wieder alle Sat.1-Nachrichten, insbesondere die Hauptausgabe am Vorabend, die zuletzt unter dem Namen 18.30 gelaufen war. Gleichzeitig erhielt die Sendung wieder ein neues Gesicht: Thomas Kausch hatte sich als entspannter Moderator von heute nacht einen Namen gemacht, bekam reichlich Vorschusslorbeeren und ein neues, teilweise virtuelles Studio. Zusätzlich zur 20‑minütigen Sendung um 18.30 Uhr wurden nun noch einige Kurzausgaben zwischen die Gerichtsshows am Nachmittag und ins sonstige Tagesprogramm eingestreut. Gerade als Kausch der Sendung einen Hauch von Seriosität zugeführt und einige neue Zuschauer gewonnen hatte, wurde er im Rahmen eines Rundumschlags im Sommer 2007 gefeuert und ab Mitte Oktober von Katja Losch ersetzt. Diese Personalie hielt genau ein halbes Jahr, bevor Peter Limbourg die neu betitelten Sat.1 Nachrichten übernahm.

18:30

1995–2004 (Sat.1). „Die Sat.1-Nachrichten“. Halbstündige Hauptausgabe, die täglich um 18.30 Uhr lief und zuvor Sat.1 Newsmagazin geheißen hatte. Präsentator war zunächst Ulrich Meyer, nach drei Jahren übernahm Astrid Frohloff.

Zur Identität von Sat.1 gehört es, regelmäßig, spätestens beim Wechsel des Geschäftsführers, über den Zustand der Nachrichten zu klagen, Design, Namen und Moderatoren auszutauschen und zu erklären, dass man nach dieser „Informationsoffensive“ nun so aufgestellt sei, dass man endlich den anderen Sendern zeigen könne, wo der Hammer hängt. Der spektakulärste Relaunch war der Ende 1995 nach dem Amtsantritt von Fred Kogel. „Es beginnt eine neue Nachrichten-Zeit in Deutschland“, jubelte die PR-Abteilung. Kogel holte den vorher als Krawallmacher aufgefallenen Ulrich Meyer (Ulrich Meyer: Einspruch; Alarm!) als Anchorman und trimmte die Nachrichten ganz auf amerikanisch. Hinter Meyer lief eine in den USA gekaufte Endlosschleife, in der Journalisten in einer fiktiven Redaktion auf mehreren Etagen geschäftig vor sich hin wuselten. Der Quote half das ebenso wenig wie die Boulevardisierung der Nachrichten; schon nach einem halben Jahr musste Sat.1-Chefredakteur Jörg van Hooven seinen Hut nehmen.

Meyer gab den Nachrichten erstmals so etwas wie Identität, aber nicht die erhoffte Informationskompetenz. Ende 1998 löste Astrid Frohloff ihn ab, die früher als Nahost-Korrespondentin gearbeitet und Meyer schon vertreten hatte. Den Sportteil in 18.30 präsentierte u. a. Gaby Papenburg. Am Wochenende durfte Hans-Hermann Gockel weitermachen, der vorher das Sat.1 Newsmagazin moderiert hatte.

Nachdem Dekoration, Design und Konzept noch ein paarmal geändert wurden, waren irgendwann auch wieder der Präsentator und der Name dran, und aus 18:30 wurden die Sat.1 News.

Sat.1 Newsmagazin

1993–1995 (Sat.1). Hauptausgabe der Sat.1-Nachrichten, die zuvor bereits APF Blick, Sat.1 Blick und Guten Abend, Deutschland hießen.

Heinz Klaus Mertes, der neue „Programmdirektor Information“, hatte das Konzept entwickelt, sich von der Doppelmoderation verabschiedet und auf ein bemüht seriöses Design in Grautönen gesetzt. Zu den Moderatoren gehörten Hans-Hermann Gockel und Karin Jacobi.

Die Sendung war rund 20 Minuten lang und lief werktags um 18.30 Uhr, ab Juli 1993 um 19.00 Uhr. Im September 1995 wurde Mertes gekündigt; nach gut zweieinhalb Jahren war eine weitere Reinkarnation der Sat.1-Nachrichten fällig. Sie hieß 18:30.

Ursprünglich sollten die Sat.1-Nachrichten „Tagesreport“ heißen. Der NDR erwirkte dagegen – wegen vermeintlicher Verwechselungsgefahr mit der Tagesschau – jedoch eine einstweilige Verfügung, die von verschiedenen Gerichten bestätigt wurde. Erst 2001 entschied der Bundesgerichtshof, dass Sat.1 den Namen „Tagesreport“ verwenden dürfe sowie Pro Sieben den Namen „Tagesbild“. Dann wollten beide aber nicht mehr.

Guten Abend, Deutschland

1991–1992 (Sat.1). 20‑minütige werktägliche Hauptnachrichtenausgabe um 18.45 Uhr mit Dieter Kronzucker und Brigitte Weirich, gelegentlich auch mit Hans-Hermann Gockel, der bereits die Vorgängersendung Sat.1 Blick moderiert hatte.

Kronzucker war damals ein teurer Hoffnungsträger (angeblich zahlte Sat.1 eine halbe Million DM, um ihn vom ZDF wegzukaufen) und der erste einer ganzen Reihe von Moderatoren, von denen sich Sat.1 im Lauf der Jahrzehnte „Newskompetenz“ erhoffte (Ulrich Meyer, Astrid Frohloff, Thomas Kausch). Kronzucker war auch der Erste, der diese Hoffnung gründlich enttäuschte. Seine erste Sendung begann er mit den Worten: „Der Nachrichtentag und unsere Redaktion bieten Ihnen heute: Golfkrieg, Genscher vor seiner Nahostreise, Karneval.“

In der Branche wurde Guten Abend, Deutschland auch „Gute Nacht, Sat.1″ genannt. 1992 hängte Kronzucker die News-Show wegen schwacher Quoten an den Nagel. Die Sendung hieß dann eine Weile Sat.1 News, bevor sie zum Sat.1 Newsmagazin wurde. Es blieb nicht die letzte Umbenennung.

Sat.1 Blick

1986–1992 (Sat.1). Die Nachrichten in Sat.1, die zuvor unter dem Titel APF Blick gelaufen waren.

Es gab täglich mehrere Kurzausgaben, die 20‑minütige Hauptausgabe lief werktags um 18.45 Uhr. Sie wurde von jeweils drei Moderatoren zugleich präsentiert, darunter Andrea Scherell, Armin Halle und Hans-Hermann Gockel. 1991 wurde die Hauptausgabe in Guten Abend, Deutschland umbenannt, die Kurzausgaben am Tag hießen noch eine Zeit lang Blick.

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