Der letzte Bruch

Kleiner Sendehinweis für alle, die vergangene Woche das Ende der Serie Prison Break gesehen haben und denken, das war’s jetzt: Heute und nächsten Donnerstag gibt’s noch eine Zugabe.

In den USA war zwar nach dem dramatischen Finale der vergangenen Woche Schluss, doch RTL zeigt in zwei Teilen noch einen abschließenden Film, der dort nicht im Fernsehen gezeigt, aber auf DVD veröffentlicht wurde. Die Handlung war mit der letzten regulären Episode zwar zu einem erkennbaren Abschluss gebracht worden, der Film tritt zeitlich aber noch einmal ein Stück zurück und zeigt, wie es zu diesem Abschluss kommt. Und er bringt diese über weite Teile spannende, grandiose Serie, die in der dritten und in der Mitte der vierten Staffel mal ein paar Durchhänger hatte, spannend, würdig und rührend zu Ende.

Dem US-Sender Fox gebührt Dank, dass er das Ende der Serie, deren Quoten immer mehr bröckelten, so rechtzeitig beschloss, dass für die Produzenten genug Zeit war, ein gebührendes Ende zu drehen, wie es eine solche Serie verdient, die einem Sender über mehrere Jahre Erfolg beschert hat und viele Fans hat. Anderen langjährigen Erfolgen wie Für alle Fälle Amy oder Without A Trace wurde einfach irgendwann ohne Vorankündigung unwürdig und undankbar der Stecker gezogen.

Michael, 10. September 2009, 07:14.

Klar, wie immer!

Huch, haben Sie gerade geblinzelt? Schade, dann haben Sie leider die zweite Staffel von Doctor’s Diary verpasst, die RTL innerhalb von sechs Wochen komplett versendet hat, dank Doppelfolgen zu Beginn und am Ende.

Überraschend war die zweite Staffel sogar erfolgreicher als die erste, und dennoch hält sich RTL noch vorsichtig zurück mit einer offiziellen Bestätigung einer kommenden dritten Staffel, die eigentlich sowieso schon vor einem Jahr zusammen mit der zweiten bestellt wurde. DWDL zitiert RTL mit den Worten: „Wie immer werten wir die Staffel in Ruhe aus.“ Das ist im Grunde eine vorbildliche Vorgehensweise, irritierend ist allein die Formulierung „wie immer“. Ich behaupte nicht, dass es um alle der nachfolgend genannten Produktionen schade war, aber die Macher und/oder Zuschauer der hektisch abgesetzten RTL-Reihen Herzog, Die Anwälte, My Name is Earl, Die Show der Woche, Natascha Zuraw oder Mission Hollywood hätten sich bestimmt auch gefreut, wenn RTL die Quoten nach dem Ende der Staffel erst mal in Ruhe ausgewertet hätte.

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Michael, 8. September 2009, 19:26.

Der doppelte Hannes

Dass das deutsche Fernsehen seine Zuschauer hasst, ist bekannt. Es hört aber nicht auf, Beispiele nachzulegen.

Das ZDF zeigt heute um 20.15 Uhr die engagierte Dokumentation Hannes Jaenicke im Einsatz für Eisbären von Judith Adlhoch. Nachdem der Termin vor Wochen bekannt gegegeben wurde, beschloss Sat.1: „Mensch, 8. September um 20.15 Uhr, das wäre doch ein Spitzentermin für die Erstausstrahlung dieses neuen Films, den Hannes Jaenicke für uns gedreht hat!“ Und so geschieht es dann heute Abend. Zwei Premieren mit Hannes Jaenicke laufen gleichzeitig, Fans des Schauspielers wird es gezielt schwer gemacht, der Star selbst ist auch sauer, und Sat.1 beginnt seinen Werbetext für den Film Allein unter Schülern sogar noch mit den Worten: „Er rettet Eisbären…“ Entschuldigen Sie, dass ich schreie, aber: JA, DAS TUT ER, UND ZWAR ZUR GLEICHEN ZEIT IM ZDF!

Michael, 8. September 2009, 06:48.

Wer wird Günther Jauch?

Diese Woche wurde der Dauerbrenner Wer wird Millionär? zehn Jahre alt, und heute begingen RTL und Günther Jauch das Jubiläum mit einer Sonderausgabe von… Nein, halt, die Jubiläumsausgabe von WWM kommt erst am 11. September. Aber gut, am 11. September gibt es zum Glück ja auch sonst keine Jahrestage, die man begehen müsste.

Heute Abend spielten Fünf gegen Jauch: Fünf Kandidaten stellten in einer großen Abendshow Günther Jauch Fragen, von denen sie hofften, er könne sich nicht beantworten, denn für jede falsche Jauch-Antwort gewannen sie 10.000 Euro, aber wenn er was wusste, flogen sie raus. Oliver Pocher moderierte. Im Detail und mit allen Jokern und der Gewinnstaffelung klang die Spielerklärung zu Beginn der Sendung recht kompliziert, und durch ein Missverständnis und dank der recht langatmigen Vorstellung der Kandidaten befürchtete ich zunächst, es würden nun fünf Fragen über die Dauer von mehr als zwei Stunden gestreckt und sah schon wieder einen abendfüllenden Langweiler wie Die Weisheit der Vielen Anfang 2008 auf mich zukommen. Das war zum Glück nicht der Fall, und als die Sendung nach einer Viertelstunde in Gang gekommen war, wurde sie amüsant, interessant und lustig. Sämtliche Fragen waren auf dem Niveau der WWM-Millionenfragen, nichts konnte man aus dem Ärmel schütteln, und auch Jauch scheiterte an den meisten Fragen.

Aber falls morgen ein Passant fragt, wissen wir jetzt, dass es bei den Kommunalwahlen in Thüringen lustige Vereinigungen gab, die es in ihren jeweiligen Gemeinden auf deutlich zweistellige Ergebnisse brachten: Der Grillverein in Wingerode wurde mit 36,8 Prozent zweitstärkste Kraft, der Tischtennisclub „Schnelle Kelle“ in Deesbach und der Landknechtsverein „Verlorenes Fähnlein“ in Meusebach schafften 25,3 bzw. 16,1 Prozent, und nur der Ilmenauer Verein „Pro Bockwurst“ blieb bei 6,4 Prozent hängen.

Oliver Pocher war eine tolle Besetzung als Moderator. Pocher ist witzig, und sein Manko, dass er sich selbst meistens noch etwas witziger findet, als er ist, fiel heute gar nicht auf dank fünf Kandidaten, die sich allesamt viel witziger fanden, als sie waren. Die größten Lacher erntete aber doch wieder Günther Jauch, der, als Pocher einen Zuschauer aus dem Studiopublikum ausführlich ausfragte, irgendwann laut dazwischenrief: „Das ist doch scheißegal!“, und eine eingebildete junge Kandidatin, die auf die Frage nach ihrem Berufsziel „Günther Jauch“ geantwortet hatte, weil sie unbedingt zum Fernsehen will, mit den Worten verabschiedete: „Viel Spaß bei Sat.1!“

Bei Sat.1 wird leider Oliver Pocher bald „exklusiv“ in einer neuen Personality-Show verschwinden, die es ihm verbietet, regelmäßig bei Fünf gegen Jauch aufzutreten, was schade ist, denn Jauch und Pocher sind zur Abwechslung mal ein funktionierendes Duo. So war es auch etwas ärgerlich, dass kurz vor Ende der Sendung, als die ersten fünf Kandidaten rausgeflogen waren, noch fünf neue vorgestellt wurden, von denen dann drei nicht mal mehr zum Zug kamen. Diese fünf spielen zwar in der nächsten Sendung weiter, aber wann die kommt, ist noch offen.

Hoffentlich bald.

Michael, 4. September 2009, 23:17.

Vergleichsgegenstände

Eigentlich wollte ich über die Nominierten für den Deutschen Fernsehpreis, die heute Abend bekanntgegeben wurden, traditionell schweigen, weil man eine Preisverleihung nicht ernst nehmen kann, die jedes Jahr neue Kategorien erfindet und innerhalb der Kategorien Äpfel mit Lokomotiven vergleicht. Aber was soll’s, denn es gibt auch Lichtblicke: Für die „Beste Comedy“ ist TV-Helden nominiert, eine innovative, witzige Mischung aus intelligenter Satire und Erregung öffentlichen Ärgernisses, die RTL Anfang des Jahres versehentlich ins Programm genommen hatte, bevor der Sender zum gewohnten Niveau zurückkehrte. Die Helden treten in ihrer Kategorie gegen die vielversprechende heute-show des ZDF an und gegen Horst Schlämmer als solchen. Exemplarisch wird seine Pressekonferenz vom 4. August angeführt. Zwei Comedyshows und eine Pressekonferenz müssen sich also messen. Ein Einzelereignis einer Kunstfigur, das zufällig im Fernsehen übertragen wurde, mit zwei geschriebenen und produzierten Show-Reihen. Dazu braucht man schon einen ordentlichen Knick in der Messlatte. 

Aber wir sprechen schließlich von dem Preis, mit dem Oliver Welke 2001 als „Beste Sportsendung“ ausgezeichnet wurde. Doch, doch: Den Preis in einer Sendungkategorie erhielt damals explizit eine einzelne Person. Hach, früher war alles genauso!

Ähnlich unlogisch geht es in der Kategorie „Beste Unterhaltungssendung/Moderation“ zu, und damit meine ich nicht einmal, dass Willkommen bei Mario Barth nominiert ist, sondern dass Schlag den Raab als Gesamtwerk nominiert ist, also wohl die durchschnittliche Leistung über die Dauer einer ganzen Fernsehsaison beurteilt wird, als Gegner aber die Einzelausgabe von Wetten, dass…? vom 13. Dezember 20o8 hat. Kann bitte mal jemand Struktur in diesen Sauhaufen bringen? Entweder werden ganze Staffeln nominiert oder einzelne Beispielsendungen, aber doch bitte nicht heute Hü und in anderthalb Sekunden Trullala! Mal ganz abgesehen davon, dass schon der Sammelname der Kategorie völlig außer Acht lässt, dass durchaus gute Sendungen von schlechten Moderatoren präsentiert werden und ebenso gute Moderatoren in schlechten Sendungen festsitzen könnten.

Wären die Juroren des Deutschen Fernsehpreises für politische Meinungsumfragen zuständig, würde die Sonntagsfrage im Politbarometer vermutlich den Bundesdurchschnitt für die CDU dem SPD-Ergebnis unter Schnauzbartträgern in Köln-Nippes gegenüberstellen, und abgefragt würde vermutlich nicht nur die Beliebtheit von Parteien, sondern auch von Mähdreschern.

Schließlich schlage ich noch eine Umbenennung einer anderen Kategorie vor. Als „Beste Serie“ sind neben der BR-Serie Franzi allen Ernstes die altertümliche Klischeeserie Der Lehrer und die tumbe Kuttenklopperei Lasko — Die Faust Gottes nominiert, beide RTL. Da die deutschen Privatsender, die in den Unterhaltungs-, Comedy- und Serienkategorien gewöhnlich reichlich nominiert werden, damit sie überhaupt was gewinnen, so gut wie aufgehört haben, eigene Serien zu zeigen, standen die Juroren offensichtlich bei der Frage, was man nominieren könnte, vor einem Problem. Angemessen wäre deshalb eine Umbenennung der Kategorie von „Beste Serie“ in „Ausgestrahlte Serie“.

Dass man am Deutschen Fernsehpreis am Vorabend der Bundestagswahl dennoch Spaß haben kann, liegt allein an Sat.1, das von Beginn an als einziger Sender verstanden hat, dass diese Veranstaltung nur dann auch für Zuschauer reizvoll sein kann, wenn die Selbstbeweihräucherung der Fernsehschaffenden nicht auch noch von Moderatoren begleitet wird, wie sie RTL, ARD und ZDF seit zehn Jahren ins Rennen schicken, die immer wieder betonen, wie unglaublich wichtig das alles ist, sondern von Unterhaltern unterbrochen wird, die aus der langatmigen Gala noch ein paar Lacher rausholen können. 2001 moderierte Hape Kerkeling, 2005 Hugo Egon Balder, jeweils an der Seite von Anke Engelke. Diesmal verkleiden sich Anke Engelke und Bastian Pastewka als volkstümelndes Moderationsehepaar Wolfgang und Anneliese und werden hoffentlich retten, was zu retten ist. Vielleicht werden sie dafür nächstes Jahr wieder für einen Deutschen Fernsehpreis nominiert, zum Beispiel in der Kategorie „Bester Galaabend/Schraubstock“, zusammen mit der zweiten Halbzeit eines DFB-Pokalspiels und einem Klavier.

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Michael, 2. September 2009, 23:08.

Tukan, Orang-Utan & Co.

Vor einigen Jahren kam mal eine US-Serie im Deutschen Fernsehen. Sie handelte von einer Familie, die in einer amerikanischen Großstadt wohnt und an ihrem Haus eine Tropenhalle mit sprechenden Tieren (Seelöwe, Tukan, Krokodil,…) hat. Der Titelsong dieser Serie war „The lion sleeps tonight“. Jetzt wollte ich mal fragen, ob Sie wissen wie diese Serie hieß. — Christoph

Zunächst entschuldige ich mich bei allen, die dank der Überschrift eine neue ARD-Nachmittags-Zoodoku befürchtet hatten. Als es noch Zoos gab, in denen man problemlos die Tiere sehen konnte, weil die Gehege noch nicht von ARD- und ZDF-Kameracrews umstellt waren, mussten Zooserien noch erfunden werden. Der Name dieser kurzlebigen Sitcom im Wochenend-Mittagsprogramm von RTL (und später Super RTL) war Dschungel-Fieber.

Dschungel-Fieber

1998–1999 (RTL); 2002 (Super RTL). 26-tlg. kanad. Comedyserie („The Mighty Jungle“; 1994).

Der Alligator Vinnie, der Orang-Utan Winston, der Seelöwe Jack und die Tukanfrau Viola brechen ihren tierischen Eid und sprechen plötzlich mit Dan Winfield (Francis Guinan), ihrem Wärter im Zoo. Aber nur mit ihm. Weder Dans Chef Kennteh Crisp (Patrick McKenna), noch die Tierärztin Sylvie (Sylvie Loeillet), noch Dans Frau Susan (Charlene Fernetz) oder die Kinder Alison (Molly Atkinson) und Andrew (Noah Shebib) kennen das Geheimnis.

13 Folgen zeigte RTL am Samstagmittag, der Rest war später bei Super RTL erstmals im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen. Im Pay-TV war die Serie bereits Mitte der 90er-Jahre komplett gelaufen.

24/7

In Mainz gab es mal ein Parkhaus, an dessen Einfahrt das Schild stand: „In diesem Parkhaus gilt die Straßenverkehrsordnung“, und sobald man das Schild passiert hatte, wurde konsequent Linksverkehr praktiziert.

Ähnlich funktioniert die Serie 24: Zu Beginn der ersten Episode sagt Kiefer Sutherland aus dem Off: „Alle Ereignisse geschehen in Echtzeit“, und dann schafft er es in wenigen Sekunden, Strecken von mehreren Meilen problemlos mit dem Auto im morgendlichen Berufsverkehr zurückzulegen.

Nach einer langweiligen zweiten Hälte der sechsten Staffel und einem mittelmäßigen Fernsehfilm, den Kabel 1 heute um 20.15 Uhr zeigt, beginnt um 22.oo Uhr die siebte Staffel von 24 (auch erstmals bei Kabel 1) mit den üblichen Versatzstücken: Gute sind plötzlich böse, Tote sind wieder lebendig, und Logik ist ja sowieso noch nie da gewesen. Gegen Ende der ersten Folge kommt die Handlung in Gang, und weil 24 ja eh eine Ein-Mann-Show ist und Jack Bauer niemandem vertraut, ist es auch egal, dass es CTU nicht mehr gibt. Schade ist es nur um das prägnante Telefonklingeln.

Ja, ich schreibe diese Zeilen im vollen Bewusstsein, dass wer die Serie noch nie gesehen hat, kein Wort begereifen wird.

Dass 24 den Handlungsort verlegt hat und die Möglichkeit anerkennt, terroristische Aktivitäten könnte es tatsächlich auch mal außerhalb von Los Angeles geben, ist fast alles, was die Serie in Sachen Realismus unternimmt. Die andere Kleinigkeit ist die Senatsanhörung, in der sich Jack Bauer zu Beginn wegen seiner angewandten Foltermethoden rechtfertigen muss. Nach wenigen Augenblicken wird er allerdings zu einer dringenden Weltrettung abberufen und die Sitzung um 24 Stunden vertagt. Puh, dann haben wir diese lästige Angelegenheit für diese Staffel ja hinter uns.

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Michael, 1. September 2009, 08:28.

Houseanbau

Wenn Sie denken, das Leben anderer sei mehr wert als Ihr eigenes, dann besorgen Sie sich einen Organspenderausweis und bringen Sie sich um.

Ab heute erteilt Dr. House wieder praktische Lebenshilfe. Zum Start der neuen Folgen (21.15 Uhr bei RTL) gibt’s außerdem eine Geiselnahme und mehr Sendezeit, ohne dass Sie es merken. Die heutige Episode ist sechs Minuten länger (netto), dauert aber genau so lang wie immer (brutto). RTL kürzt dazu die Pausen, die ja ohnehin kaum ausgelastet sind, und wahrscheinlich musste der Etat zusätzlich mit einer Rolle Tesafilm belastet werden, um die Rückspultaste zu überkleben, die sonst nach der Werbung immer so gern gedrückt wird.

(Auch die anderen Dienstags-US-Serien sind ab heute mit neuen Folgen zurück.)

Michael, 1. September 2009, 07:47.
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