Matsch-Inszenierung bei RTL, Olympia, Amthors “Gaming Night”

1. RTL beurlaubt Flut-Reporterin Susanna Ohlen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die RTL-Reporterin Susanna Ohlen wurde dabei gefilmt, wie sie sich vor einer Schalte aus dem Hochwassergebiet offenbar für mehr Drama Matsch ins Gesicht schmierte. RTL hat die Moderatorin darauf freigestellt: “Das Vorgehen unserer Reporterin widerspricht eindeutig journalistischen Grundsätzen und unseren eigenen Standards. Wir haben sie daher direkt am Montag, nachdem wir davon erfahren haben, beurlaubt.”

2. Der männliche Blick auf Frauen
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein, Audio: 5:56 Minuten)
Heute starten die Olympischen Spiele in Tokio, mit erfreulichen Entwicklungen in Sachen Gleichberechtigung und gleicher Teilhabe von Mann und Frau: Erstmals in der olympischen Geschichte hätten in Tokio alle olympischen Sportarten eine männliche und weibliche Kategorie. Über alle Kategorien gerechnet betrage der Anteil der Frauen etwa 49 Prozent – so viel wie noch nie. Die Sportjournalistin Alina Schwermer erklärt im Gespräch mit dem Deutschlandfunk, warum es damit aber noch lange nicht getan ist.

3. Von der Regierung finanziert
(taz.de, Steffen Grimberg)
Beim privaten Lokalfernsehen Sachsen TV laufen Formate wie “Martin Dulig konkret” oder “MK Direkt” mit dem sächsischen Wirtschaftsminister Dulig beziehungsweise mit Sachsen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer. Steffen Grimberg kommentiert: “Nun ist Sachsen TV wie alle Medien natürlich frei in seinen redaktionellen Entscheidungen und muss sich nicht vorwerfen lassen, wen die Redaktion in ihre Sendungen einlädt. Doch die Sache hat einen Haken: Die Produktion dieser Sendungen wird vom Sächsischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit bezahlt.”

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4. MDR will Klimaberichterstattung ausbauen
(rnd.de)
Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) will seine Berichterstattung über den Klimawandel ausbauen. So plane man eine Art “Klimaherbst” für die Zeit nach der Bundestagswahl. Außerdem würde ab heute das wöchentliche multimediale “Klima-Update” erscheinen: “Einmal in der Woche gibt der Newsletter einen Überblick über alle wichtigen Infos zum Thema: Dazu zählen Hintergrundgeschichten, Interviews, Podcasts und Dokumentationen mit Beispielen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Auch passende Inhalte aus der ARD und darüber hinaus werden im Klima-Update vorgestellt.”

5. Facebook gefällt das nicht
(zeit.de, Lisa Hegemann)
Lisa Hegemann hat “Inside Facebook” gelesen, das jüngst erschienene Buch der “New-York-Times”-Reporterinnen Sheera Frenkel und Cecilia Kang. “Über Facebook ist so viel berichtet worden, dass sich Inside Facebook wie eine Zusammenfassung aller großen Skandale der vergangenen Jahre liest. Der Verdienst von Frenkel und Kang ist es, die vielen Probleme von Facebook in Beziehung zueinander zu setzen und detailliert aufzudröseln, wie die Anfänge des sozialen Netzwerks zu seinem heutigen Image beigetragen haben. Das Buch gewährt einen Blick hinter die ohnehin schon brüchig wirkende Fassade von Facebook. Das Beunruhigende: Dahinter sieht es offenbar noch schlimmer aus, als man ohnehin schon erwartet hatte.”

6. Wahlkampfspiele
(faz.net, Axel Weidemann)
Der Chef der Jungen Union, Tilman Kuban, und der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor hatten sich zur “Gaming Night” auf Twitch verabredet, bei der sie “ungeschönt und ohne Politsprech” mit der “Community” über Politik reden wollten. Ein Himmelfahrtskommando, wie Axel Weidemann in der “FAZ” findet: “Das ist so, als wolle man in einem Flugsimulator ein Gewitter durchfliegen und dabei mit einer Schulklasse in der siebten Stunde über die Probleme des deutschen Rentensystems diskutieren – auf Finnisch.”

Utøya-Attentat, Laschet-Fauxpas, Bitte kein “Runterbrechen”

1. 10 Jahre Oslo, Utøya und die Medien: Keine Islamfeindlichkeit weit und breit
(schantall-und-scharia.de, Fabian Goldmann)
Anlässlich des zehnten Jahrestages des Utøya-Attentats blickt Fabian Goldmann auf die mediale Berichterstattung von damals zurück: “Während die Jugendlichen auf der Insel Utøya noch vor dem Rechtsextremisten um ihr Leben rannten, klärten ‘Terrorexperten’ im TV schon über dessen ‘islamistischen Hintergründe’ auf. Selbst als kein Zweifel mehr an der rassistischen Motivation des Attentäters bestand, machten manche Kommentatoren noch Muslime und Linke als eigentlich Verantwortliche aus. Und einige Medienschaffende schafften es sogar, die Taten des Massenmörders zu entschuldigen.”

2. Warum über den Fauxpas berichtet werden muss
(deutschlandfunk.de, Samira El Ouassil, Audio: 4:13 Minuten)
Während einer Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Hochwassergebiet konnte man sehen, wie Armin Laschet, Kanzlerkandidat der Union und Ministerpräsident von NRW, im Hintergrund giggelte und kicherte. Ein Fehltritt, den Medien zum Gegenstand ihrer Berichterstattung machen dürfen? Oder ein Fauxpas, über den man großzügig hinweg gehen sollte? Die Kommunikationswissenschaftlerin und Kolumnistin Samira El Ouassil denkt laut über das Für und Wider beider Vorgehensweisen nach.

3. “Bild” stoppt freien Fall, “Zeit” und “Spiegel” wachsen digital
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Die neuen IVW-Auflagenzahlen der Printmedien sind draußen, und die Springer-Publikationen melden auf den ersten Blick gute Zahlen. Uwe Mantel hat näher hingeschaut und ordnet die Zahlen ein: “Bei der ‘Welt’ beträgt das Auflagen-Plus offiziell fast 6 Prozent – allerdings nicht, weil plötzlich viele Käufer zu dem Blatt zurückgefunden hätten, sondern weil die Zahl der Bordexemplare, die während des ersten Lockdowns massiv gefallen war, sich vervierfachte. Die harte Auflage lag trotzdem fast 17 Prozent im Minus.”

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4. “Das Geschäftsmodell von Facebook und Twitter verhindert eine vernünftige Debattenkultur”
(medienpolitik.net, Daphne Wolter)
Ruprecht Polenz, ehemaliger Generalsekretär der CDU, betätigt sich seit einigen Jahren in den Sozialen Medien und vor allem bei Twitter als politischer Kommentator. Er hat dabei mehr als 63.000 Followerinnen und Follower gewonnen. Im Interview mit medienpolitik.net spricht Polenz über die Debattenkultur auf Social Media, das Freund-Feind-Denken und die Gefahren der von den Plattformen gesteuerten Algorithmen: “Insofern teile ich die Einschätzung derjenigen, die sagen, dass in der Tendenz Soziale Medien eher die Wirkung haben werden, unseren demokratischen Diskurs zu zerstören – bei allem, was sie auch Positives ermöglichen. Wir dürfen uns nicht so große Hoffnungen machen, dass man das grundsätzlich ändern kann, solange die Algorithmen so funktionieren, wie sie das tun.”

5. Konkurrenz macht Netflix zu schaffen
(tagesschau.de)
Die “Tagesschau” hat sich die jüngsten Netflix-Zahlen angeschaut. Der Gewinn sei im Jahresvergleich um fast 90 Prozent auf 1,4 Milliarden US-Dollar in die Höhe geschnellt: “Die Einnahmen stiegen um fast 20 Prozent auf 7,3 Milliarden Dollar. Daraus ergibt sich eine Umsatzrendite von knapp 20 Prozent. Ein besseres Ergebnis erzielte der Konzern bisher nur im ersten Quartal dieses Jahres.” Trotzdem falle es dem weltgrößten Streaminganbieter immer schwerer, neue Abonnenten zu gewinnen.

6. Mut zur Zumutung!
(taz.de, Anne Haeming)
Anne Haeming hat genug von den Simplifizierungstendenzen mittels journalistischem “Runterbrechen”: “Das Publikum weiß, dass es unterschätzt statt geschätzt wird. Dass ein paar neue Formate neben das Oberflächenblabla drängen, ist ein Indiz: Schluss mit der Runterbrecherei. Mehr Mut zur Zumutung! Nach dem Dauer-Lockdown gilt: Wir alle wollen Zeit sinnvoll füllen. Und sicher nicht mit Häppchenjournalismus.”

“Ich möchte nicht, dass die Bild von meinem Leid und dem meiner Nachbarn profitiert”

Seit einigen Tagen sind viele Regionen im Westen und Südwesten Deutschlands von extremen Überschwemmungen und deren Folgen betroffen. Es gibt viele Vermisste, mindestens 170 Tote und massive Zerstörung. Und “Bild” ist – buchstäblich – mittendrin:

Screenshot aus einem BILD-Video: Zwei BILD-Reporter stehen bis zur Hüfte im Hochwasser, umgeben von weggeschwemmten Autos, Bäumen und Schutt

Mehr als 100 Schlagzeilen zur “TODESFLUT” sind bislang bei Bild.de erschienen.

Eine Collage aus 100 BILD.de-Schlagzeilen zur TODESFLUT

Und weil das alles natürlich dramatisch bebildert werden muss, forderte “Bild” die Leser schon früh auf: “Zeigen Sie uns, wie es nach der Flut in Ihrem Haus aussieht”. Doch gezeigt werden nicht nur freiwillig entstandene “Horror-Bilder”. Die Redaktion veröffentlicht auch immer wieder Fotos, auch Innenansichten, von Häusern und Wohnungen, deren Bewohner der Veröffentlichung nicht zugestimmt haben. Am Montag zum Beispiel erschien in der Bundesausgabe (neben einer Auflistung von fast 40 “Bild”-Mitarbeitern, die “von der Todesflut in Deutschland berichten”) dieses große Foto:

Ausriss aus der BILD-Zeitung: Neben einer Auflistung von fast 40 Autoren ("Von der Todesflut in Deutschland berichten: ...") das Foto eines zerstörten Hauses, dazu die Bildunterschrift: "Ein völlig zerstörtes Huas im Ortskern von [...]. Es liegt direkt [...]"
(Unkenntlichmachung von uns.)

Es zeigt ein Haus, das halb weggerissen wurde; man kann in die verbliebenen Räume schauen und viele Details erkennen. In der Bildunterschrift wird ziemlich genau beschrieben, wo das Haus zu finden ist.

Kurz darauf meldete sich der Mieter der Wohnung bei Reddit zu Wort. Er schrieb:

Ich musste gerade feststellen, dass die Bild-Zeitung einen Artikel veröffentlicht hat, in der ohne meine Einverständnis ein Foto von meiner Wohnung (bzw. den Resten davon) mit deutlich sichtbarem Innenraum zu sehen ist.

An der Wand ist sogar noch mein Whiteboard mit angehefteten Noten zu erkennen. Irgendwie tut mir das weh und ich möchte nicht, dass die Bild von meinem Leid und dem meiner Nachbarn profitiert. Das lädt auch Plünderer und Gaffer ein, die das Dorf gerade überhaupt nicht gebrauchen kann.

“Und was die Sache noch morbider macht”, sagt er uns gegenüber, “ist, dass unter den Trümmer ziemlich sicher noch meine tote Nachbarin liegt”.

Nachdem er sich per Mail bei “Bild” beschwert hatte, wurde das Foto aus der Onlineausgabe entfernt. Aus der hunderttausendfach gedruckten Printausgabe aber lässt es sich natürlich nicht mehr entfernen.

Insbesondere die genaue Lagebeschreibung, so der Mieter, mache ihm “ein mulmiges Gefühl, auch wenn der Inhalt der Wohnung quasi unbrauchbar ist”.

“Sorry”, schrieb er noch, vielleicht sei er “gerade etwas überempfindlich, was den (zumindest von mir so wahrgenommenen) Voyeurismus angeht”, aber das ganze Erlebnis sei “ziemlich brutal” gewesen. Und:

Die Vorstellung, dass der Springer Verlag, der jahrelang den Klimawandel verharmlost, jetzt davon profitiert, ist einfach insult to injury.

Mit Dank an r/de, Andrea B., Peter M., Leon S. und alle anderen Hinweisgeber!

Schrems vs. Facebook, Hochwasser, Reality-Format “Princess Charming”

1. Schadensersatz für Millionen von Facebook-Nutzer:innen?
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
Der österreichische Jurist und Aktivist Max Schrems zieht erneut gegen Facebook vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH): “Verliert Facebook vor dem EuGH, müssten sie nicht nur damit aufhören, Daten zu missbrauchen, und illegal gesammelte Daten löschen, sondern auch Millionen von Nutzern Schadensersatz zahlen”, schreibt Schrems in einer Pressemitteilung seiner Organisation noyb.

2. “Wir verändern uns aus einer Position der Stärke heraus”
(journalist.de, Catalina Schröder)
Julia Bönisch war Online-Chefin der “Süddeutschen Zeitung”, eine Funktion, in der sie sich nicht nur Freunde machte. 2019 verfasste sie für den “journalist” einen bemerkenswerten Text, der immer noch lesenswert ist. Heute arbeitet Bönisch für die Stiftung Warentest. Catalina Schröder hat mit ihr über die Konflikte bei der “SZ”, den Umgang mit Zahlen im Journalismus und die Entdeckung des Verbraucherjournalismus gesprochen.

3. Medien und Behörden in der Kritik
(deutschlandfunk.de, Mirjam Kid, Audio: 10:06 Minuten)
Auch wenn NRW-Innenminister Herbert Reul es nicht wahr haben will: Die Informationsweitergabe vor und bei der Hochwasserkatastrophe scheint an mehreren Stellen nicht funktioniert zu haben. Was dazu beigetragen hat, dass Sender wie WDR und SWR die Menschen in Nordrhein-Westfalen beziehungsweise Rheinland-Pfalz nach Ansicht von Experten nicht ausreichend früh und deutlich gewarnt haben: “Medien können nur vor dem warnen, was ins Warnsystem eingespeist wurde. Beim Deutschlandfunk beispielsweise kamen keine Warnmeldungen der höchsten Kategorie an. Auf der Suche nach Verantwortlichen für Verzögerungen geht der Blick also mittlerweile nicht nur ans Ende der Warnkette, sondern auch an den Anfang.”

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4. Tarifeinigung bei Zeitungen: Freie Tage statt mehr Geld
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Der Zeitungsverleger-Verband BDZV und die beiden Gewerkschaften DJV und dju haben sich auf einen neuen Tarifvertrag für 2021 geeinigt. Der sieht keine Lohnerhöhung vor, jedoch drei zusätzliche freie Tage für “besondere Leistungen in der Coronakrise”.

5. Plagiat vs. Zitat: Was es bei der Übernahme fremder Gedanken zu beachten gilt
(irights.info, Maya El-Auwad & Georg Fischer)
Maya El-Auwad und Georg Fischer befassen sich in ihrem Beitrag mit der Abgrenzung von Plagiat und Urheberrechtsverletzung und erklären, was es bei der Übernahme fremder Gedanken zu beachten gilt. Empfehlenswert sind auch die beiden iRights.info-Beiträge über das richtige Zitieren und die Frage, wie man das Zitatrecht am besten auf Screenshots anwendet.

6. “Wir haben Reality-TV revolutioniert”
(taz.de, Carolina Schwarz)
Carolina Schwarz hat sich mit einer Teilnehmerin von “Princess Charming” unterhalten, der ersten lesbischen TV-Datingshow weltweit. Das Prinzip ist angelehnt an das Erfolgsformat “Bachelor”, bei dem 20 Kan­di­datinnen um die Gunst eines Mannes buhlen. Für die 27-jährige Wiki war die Teilnahme bei “Princess Charming” eine Art Bildungsauftrag: “Vor allem wollte ich ich selbst sein und den Zuschauer:innen, also vor allem weiblich gelesenen Menschen, vermitteln, dass sie tun und lassen können, was immer sie wollen. Unabhängig von gesellschaftlichen Normen, die uns vorschreiben wollen, dass wir nicht laut und wild sein dürfen oder dass uns Haare an den Beinen oder unter den Achseln wachsen dürfen.

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Überwachungsfan Reichelt verschweigt “Pegasus”-Affäre

Sucht man auf der Internetseite der “Süddeutschen Zeitung” nach “Pegasus”, findet man aus den vergangenen Tagen mehr als 20 Artikel, in denen es um die Spionagesoftware eines israelischen Unternehmens geht. Denn wie ein internationales Journalistenkonsortium am Wochenende enthüllte, sollen mit Hilfe der “Pegasus”-Software – die eigentlich nur bei der Überwachung von Terroristen zum Einsatz kommen sollte – zahlreiche Journalisten, Politiker und Menschenrechtler ausgespäht worden sein. Die “Süddeutsche Zeitung” hat an den Recherchen mitgewirkt, genauso wie die “Zeit”, der WDR und der NDR, die ebenfalls ausführlich über das Thema berichten.

Tatsächlich berichten so gut wie alle Medien darüber, von der “New York Times” bis zum “Sauerlandkurier”, teilweise in langen Artikeln und umfangreichen Dossiers.

Sucht man hingegen bei “Bild” nach “Pegasus”, findet man als aktuellsten Treffer:

Screenshot von BILD.de: "Chaos am Düsseldorfer Flughafen - Pegasus Airlines soll 40 Mitarbeitern gekündigt haben"

Dieser Artikel ist mehr als zwei Wochen alt. Zum aktuellen “Pegasus”-Thema und dem weltweit für Aufsehen sorgenden Skandal um die Spionagesoftware liest man in den “Bild”-Medien: kein einziges Wort.

Wir haben beim “Bild”-Sprecher Christian Senft nachgefragt, warum das so ist. Er hat nicht reagiert.

Uns würden spontan drei mögliche Gründe einfallen, warum die Sache für “Bild” kein Thema ist. Zunächst einmal stammt die Software aus Israel, und Israel steht beim Axel-Springer-Verlag seit jeher ganz weit oben auf der Freundesliste; es ist sogar ausdrücklich Teil der Grundsätze und Werte des Unternehmens (“Wir unterstützen das jüdische Volk und das Existenzrecht des Staates Israel”). Dass die Nichtberichterstattung etwas damit zu tun hat, ist aber unwahrscheinlich – schließlich berichtet die “Welt”, die ebenfalls zum Axel-Springer-Verlag gehört, recht ausführlich über das Thema.

Der Grund muss also irgendwo bei “Bild” liegen.

Vielleicht ist es einfach so, dass “Bild”-Chef Julian Reichelt den Medien, die das Thema recherchiert haben, diesen Scoop nicht gönnt und das Thema deshalb ignoriert.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Reichelt ein großer Fan von Spionagesoftware ist. Schon 2013, nachdem Edward Snowden die globalen Überwachungsmethoden des amerikanischen Geheimdienstes NSA offengelegt hatte, kommentierte Reichelt:

Ausriss aus der BILD-Zeitung: Kommentar von Julian Reichelt: "Snowden ist kein Held!"

Denn Snowden ist dafür verantwortlich, dass jeder Terrorist der Welt in den letzten Tagen sein Handy weggeworfen, seine E-Mail-Adresse abgeschaltet hat.

Er ist dafür verantwortlich, dass nun jeder detailliert im Internet und in allen Zeitungen der Welt nachlesen kann, wie die USA und ihre westlichen Verbündeten die gefährlichsten Männer dieses Planeten jagen.

Ja, wir wissen jetzt, wie umfassend die USA das Internet überwachen. Wir können das als Sieg unserer Bürgerrechte feiern.

Aber wahr ist auch: Wir feiern mit den Falschen. Snowden ist auch ein Held für all jene, die in Berlin, Madrid, London Busse in die Luft sprengen wollen.

Zwei Jahre später, nach dem Anschlag auf die französische Zeitschrift “Charlie Hebdo”, insinuierte Reichelt sogar, dass Snowden womöglich Schuld an den Anschlägen sei. Seine Quellen seien sich einig, “dass niemand der Verhinderung von Terroranschlägen so sehr geschadet hat wie Edward Snowden mit all dem, was er über technische Überwachung enthüllt hat”. Und wieder rief er:

Screenshot von BILD.de: "Zwischenruf zum Anschlag in Paris - Warum wir die Überwachung der NSA gegen den Terror brauchen"

Immerhin befänden wir uns im “Krieg gegen den islamistischen Terrorismus”, und in diesem Krieg seien die Methoden “nicht schön, aber notwendig – und geboten”.

Nicht unwahrscheinlich also, dass die “Bild”-Medien ihren Lesern die “Pegasus”-Geschichte verschweigen, weil ihr Chef so sehr auf Überwachung steht. Und ebenfalls nicht unwahrscheinlich, dass Reichelt beim nächsten Terroranschlag nicht den Terroristen die Schuld gibt, sondern den Journalisten, die solche Überwachungsmethoden enthüllen.

Mit Dank an Luca für den Hinweis.

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Nachtrag, 17.35 Uhr: Eineinhalb Stunden nachdem wir bei “Bild” nachgefragt hatten, warum dort nicht über “Pegasus” berichtet wird, erschien plötzlich dieser Artikel:

Screenshot von BILD.de: "Nur für Abonnenten von Bild+ - Nach Pegasus-Skandal - Drei Antiviren, die Stalker-Apss zu 100 Prozent erkennen"

Darin geht es auch um den “Pegasus”-Skandal – ganze drei Sätze lang.

Nachtrag, 17.40 Uhr: Der „Bild“-Sprecher hat sich nun doch noch gemeldet. Er schreibt:

Die Redaktionen bei Axel Springer entscheiden über ihre Berichterstattung unabhängig.

Übrigens ist in der BILD-Gruppe darüber berichtet worden, ausgiebig auch bei WELT.

https://www.computerbild.de/artikel/cb-News-Sicherheit-Pegasus-Journalisten-und-Menschenrechtler-systematisch-ausspioniert-30502495.html

https://www.welt.de/politik/ausland/article232595215/Cyberwaffe-Pegasus-Zahlreiche-Journalisten-und-Aktivisten-wurden-offenbar-ausgespaeht.html

Ansonsten lag der Schwerpunkt der Berichterstattung bei BILD in den letzten Tagen für alle sichtbar auf dem Hochwasser und dessen Auswirkungen auf die Menschen in den betroffenen Gebieten.

Politik auf Social Media, Westverlage im Osten, Süßes Geliergeheimnis

1. Das Social Media Dashboard zur Bundestagswahl 2021
(interaktiv.tagesspiegel.de, Madeline Brady & Benedikt Brandhofer & Lena-Maria Böswald & Hendrik Lehmann & Jesse Lehrke & David Meidinger & Helena Wittlich & Nikolas Zöller)
Der “Tagesspiegel” hat sein Social-Media-Dashboard zur Bundestagswahl 2021 auf den neuesten Stand gebracht. In Teil 1 der interaktiven Analyse stehen die Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten und deren Aktivitäten auf Facebook, Twitter, Instagram und Youtube im Zentrum. Die Daten liefern interessante Informationen, zudem ist die Analyse grafisch überzeugend umgesetzt.

2. Mehr als 100 Tote bei der #Hochwasserkatastrophe in RLP. Daher will ich nochmal über den SWR sprechen.
(twitter.com, Maximilian Rieger)
In Zusammenhang mit dem Hochwasser hat sich Maximilian Rieger nachträglich noch einmal die TV-Berichterstattung des SWR angeschaut und dazu einen Twitter-Thread verfasst. Sein Fazit: Die Berichte über die sich ankündigende Naturkatastrophe seien “teils verharmlosend, widersprüchlich und ohne konkrete Warn- und Verhaltenshinweise” gewesen.
Weiterer Lesehinweis: Die “taz” hat mit Inge Niedeck gesprochen, die jahrzehntelang als Fernsehmeteorologin beim ZDF beschäftigt war: “Man muss überlegen, wie man die Leute gezielter über mögliche Auswirkungen informiert. Nicht alle können sich unter ‘Starkregen’ etwas vorstellen. Ich muss also unter Umständen den Hinweis geben: Das kann schwerwiegende Folgen haben! Auch dann, wenn man sich noch nicht sicher ist.”

3. Wie Westverlage die ostdeutsche Regionalpresse übernahmen
(katapult-magazin.de)
Das in Greifswald ansässige “Katapult”-Magazin hat auf einer Landkarte die Verbreitungsgebiete größerer ostdeutscher Regionalzeitungen und deren Eigentümer eingetragen. Bis auf eine Ausnahme befänden sich alle im Besitz westdeutscher Verlage. Der Grund sei historisch bedingt: die Privatisierungswelle der Nach-Wende-Zeit Anfang der 90er-Jahre.

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4. Kleiner, konzentrierter, gut
(sueddeutsche.de, Gerhard Matzig)
Das ZDF präsentiert die “heute”-Sendungen aus einem neuen Studio und hat sich bei dieser Gelegenheit von dem riesigen Moderationstisch getrennt. Eine Entscheidung, die von “SZ”-Redakteur Gerhard Matzig mehr als begrüßt wird: “Man wird diesem elf Meter langen Missverständnis aus Tischler-will-ins-Buch-der-Rekorde-Ehrgeiz, Biomorphismus und formverleimter Dielenware (Nussbaum) nicht hinterherweinen. Im Gegensatz vielleicht zu Kleber. Der neue, deutlich kleinere Tisch, auch er hat sich demonstrativ der Tiny-Idee verschrieben, ist also schon mal angenehm proportioniert. L-Förmig, geschwungen (dem Gegenwartsdesign geschuldet), aus Holz (dem Gegenwartsdesign geschuldet) – aber jedenfalls nicht mehr so… so absurd futuristisch und überambitioniert. Man sollte den alten Tisch Putin schenken. Der mag so was.”

5. Zeichner Kurt Westergaard gestorben
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 6:31 Minuten)
Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard löste 2005 mit seiner Mohammed-Karikatur eine außenpolitische Krise und eine Debatte über Meinungsfreiheit aus. Für ihn persönlich hatte dies schwerwiegende Konsequenzen: Ab dem Zeitpunkt der Veröffentlichung musste er mit der Angst vor Angriffen und ständigem Personenschutz leben. Nun ist Westergaard im Alter von 86 Jahren gestorben. Der Deutschlandfunk blick auf das Geschehen von damals zurück.

6. Geliergeheimnis gelüftet: Maite Kelly und Roland Kaiser im Marmeladenbad der Gefühle
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Mats Schönauer ist nicht nur BILDblog-Autor, sondern auch der offizielle Regenbogenpressebeauftragte des medienkritischen Portals “Übermedien”. Dort ruft er regelmäßig zum “Schlagzeilenbasteln” auf: “Sie wollen lernen, wie man aus einem Pferd einen Grabstein macht, aus einem Hashtag eine bittere Demütigung und aus einem Biergartenfoto eine Sensation über Michael Schumacher? Dann sind Sie hier goldrichtig!”

Pegasus-Projekt, Es ist heiß in Dubai, Schecks “Anti-Kanon”

1. Cyberangriff auf die Demokratie
(zeit.de, Kai Biermann & Astrid Geisler & Gero von Randow & Holger Stark & Sascha Venohr)
Ein internationales Redaktionskonsortium, dem auch “Zeit”, “Süddeutsche”, NDR und WDR angehören, hat Erschreckendes zutage gefördert: Geheimdienste und Polizeibehörden haben offenbar weltweit Journalistinnen, Menschenrechtsaktivisten, Anwälte und Politikerinnen überwacht und dabei die Spionagesoftware Pegasus eingesetzt. Grundlage der Recherche ist eine Liste mit mehr als 50.000 Handynummern aus rund 50 Ländern, die den Medien und Amnesty International zugespielt wurde.
Weitere Lesehinweise: Hier der Bericht der ebenfalls an der Recherche beteiligten “Süddeutschen Zeitung”. Und hier der Text von NDR und WDR.

2. »Der Subtext dieser Erzählung bleibt ihm verborgen«
(nd-aktuell.de, Karsten Krampitz)
In seiner SWR-Sendung hat der Literaturkritiker Denis Scheck einen “Anti-Kanon” mit den angeblich schlechtesten Büchern eingeführt. Die Liste wird eingeleitet von Adolf Hitlers “Mein Kampf”, auf Platz vier befindet sich Christa Wolfs Erzählung “Kassandra”. Die ehemalige Buchverlegerin und jetzige Linken-Abgeordnete Simone Barrientos ist entsetzt über Inszenierung und Ton: “Er darf das Buch beschissen finden. Er darf auch sagen, es gehört nicht in seinen Kanon. Das Buch aber zu löschen, und das tut er, das ist infam. Und natürlich entsteht da auch eine Assoziation zur Bücherverbrennung. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass Scheck, um genau diesen Vorwurf auszuhebeln, den Verriss von Hitlers »Mein Kampf« an den Anfang der Reihe gesetzt hat. Aber ich mag mir nicht seinen Kopf zerbrechen.”

3. Nach antisemitischen Äußerungen: Verlag beendet Zusammenarbeit mit Bhakdi
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Als der umstrittene Wissenschaftler und Corona-Verharmloser Sucharit Bhakdi in einem Interview Dinge sagte, die von vielen nicht nur als absurd und falsch, sondern eindeutig antisemitisch angesehen wurden, ging sein Verlag auf Distanz: “Bevor wir jetzt mögliche weitere Konsequenzen ziehen, verlangt die Fairness, dass wir dazu mit Herrn Bhakdi sprechen. Wir haben ihn kontaktiert und warten darauf, dass er sich zurückmeldet.” Die Gespräche sind anscheinend nicht zur Zufriedenheit der Verlags gelaufen. Dieser hat die Zusammenarbeit mit seinem Bestseller-Autor beendet.

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4. “Ich glaube nicht, dass sich Jebsen über die Schlagzeilen freut”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Am Wochenende haben wir an dieser Stelle den Podcast “Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen?” mit folgenden Worten empfohlen: “Die Serie über die Verwandlung Ken Jebsens vom aufstrebenden Radiomoderator zum berühmt-berüchtigten Verschwörungsideologen ist äußerst überzeugend umgesetzt. Die Macherinnen und Macher haben mit vielen Zeitzeugen gesprochen und sind erkennbar bemüht, ein möglichst facettenreiches Bild von der Person Jebsen zu zeichnen.” Heute reichen wir das Interview mit dem Journalisten und Podcast-Macher Khesrau Behroz nach, der die Produktion umgesetzt hat.

5. Wo Sachsen-Anhalt beim Gendern steht
(mdr.de, Oliver Leiste)
“Gibt wichtigeres” – “Stört beim Lesen” – “Spaltet mehr als es verbindet”: Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch hat für den MDR sechs Thesen aus der Genderdebatte einem Realitäts-Check unterzogen.

6. Influencer sagen plötzlich »Du-bye!«
(spiegel.de, Anton Rainer)
Mehrere nach Dubai ausgewanderte Youtube- und Instagram-Stars kündigen ihre Rückkehr nach Deutschland an. Hat das etwas mit den Steuer-CDs zu tun, die Bundesfinanzminister Olaf Scholz vor rund einem Monat ankaufen ließ, wie vielfach spekuliert wurde? Eher nicht, schreibt Anton Rainer im “Spiegel”. Der Grund sei vermutlich weitaus profaner: Die Influencerinnen und Influencer hätten festgestellt, dass es in Dubai – Überraschung, Überraschung – im Sommer recht heiß ist.

Die Opfer von “Bild” (4)

In der vergangenen Woche (5. bis 11. Juli) haben die “Bild”-Medien mindestens 19 Mal Fotos von Menschen gezeigt, die Opfer eines Unglücks oder Verbrechens geworden sind. Keines der Fotos war verpixelt.

Nur bei einem Foto haben Angehörige der Veröffentlichung laut “Bild”-Angabe zugestimmt (bei einer Frau, die bei einer Bootskollision auf dem Gardasee ums Leben gekommen ist und deren Gesicht “Bild” schon in den vergangenen Wochen immer wieder gezeigt hatte).

***

Ohne erkennbare Zustimmung der Hinterbliebenen veröffentlichte Bild.de das Foto eines 12-jährigen Kindes, das erstochen wurde:

Screenshot von der BILD.de-Startseite: "Gericht spricht Urteil - 14-Jähriger tötet Kind (12) mit 70 Messerstichen", dazu ein Foto des Jungen

(Unkenntlichmachung von uns.)

“Bild” hat das Foto von einer Internetseite, auf der Spenden für die Beerdigung des Kindes gesammelt wurden.

Erschwerend kommt in diesem Fall noch hinzu, dass der getötete Junge durch die Kombination aus Foto und Schlagzeile sogar für den Täter gehalten werden kann. Denn auch von Tatverdächtigen und Tätern zeigt die “Bild”-Redaktion immer wieder unverpixelte Fotos.

***

Gezeigt wurde in der vergangenen Woche auch das Gesicht einer jungen Frau, die bei dem Messerangriff in Würzburg getötet wurde (zuvor hatte “Bild” auch das Gesicht eines anderen Opfers aus Würzburg groß und unverpixelt veröffentlicht). In diesem Fall ist es eine nachgedruckte Traueranzeige:

Screenshot von der BILD.de-Startseite: "Bewegende Traueranzeigen für Opfer von Würzburg-Attacke - So nimmt ihre Familie Abschied von [...]", dazu die Traueranzeige für die Frau, auf der auch ein Porträtfoto von ihr zu sehen ist

(Unkenntlichmachung von uns. “Bild” hat lediglich den Nachnamen der Frau verpixelt.)

Diese Traueranzeige hatte die Familie in ihrer Heimatzeitung geschaltet; “Bild” hat sie offenbar einfach kopiert. In einem ähnlichen Fall – als “Bild” nach dem Germanwings-Unglück eine Traueranzeige aus einer anderen Zeitung nachgedruckt hatte – wertete der Presserat den Nachdruck als “Verstoß gegen presseethische Grundsätze”, weil “nicht von einer grundsätzlichen Einwilligung zu einer identifizierenden Abbildung für die deutschlandweite Medienöffentlichkeit auszugehen” sei.

Im Fall der Frau aus Würzburg instrumentalisierte die “Bild”-Redaktion die Traueranzeige anschließend noch für ihre politische Agenda:

Ausriss aus der BILD-Zeitung: Oben auf der Seite groß die Traueranzeige, dazu ein Foto ihres Sarges und ein Foto des Tatverdächtigen, der von der Polizei auf den Boden gedrückt wird. Dazu die große Überschrift: "Warum schweigt die Kanzlerin bis heute zum Islamisten-Mord von Würzburg?"

Genau so waren zuvor auch Islamfeinde und rechte Stimmungsmacher vorgegangen. Zwei Tage vor dem “Bild”-Artikel hatte etwa Erika Steinbach die Traueranzeige getwittert und dazu geschrieben: “Das junge Mordopfer von Würzburg, für das die Kanzlerin bis heute kein Wort der Anteilnahme hatte.”

“Bild” verbreitete die Traueranzeige auch in Sozialen Netzwerken, allein bei Facebook gab es darauf tausende Reaktionen:

Post auf der BILD-Facebookseite: Die Trauernazeige samt Foto der jungen Frau ist groß zu sehen, die Überschrift des Artikels lautet: "Nach Messer-Attacke in Würzburg: Familie nimmt Abschied von [...] (✝24)". Der Teaser lautet: "In den Traueranzeigen spiegelt sich das Unverständnis für die grausame Tat wider." Der Post hat 7.585 Likes (und andere Reaktionen) bekommen, 1.471 Kommentare und wurde 641 Mal geteilt.

Unter dem Post sammeln sich seitdem etliche Kommentare wie …

„Mutti“ hat versagt, mit den Grünen wird es noch schlimmer. Trauriger Verlust, aber die junge Frau wird leider nicht das letzte Opfer sein. R.I.P.

oder

Wenn ihr das verhindern wollt, wählt endlich die Altparteien ab! Bald habt ihr die Möglichkeit dazu! Deutsche, wacht endlich auf!

oder

Raus mit so ein mùll

***

In einem anderen Fall veröffentlichte Bild.de das Gesicht einer jungen Frau, die mutmaßlich von ihrem Ex-Freund getötet wurde:

Screenshot von der BILD.de-Startseite: "Als sie Schluss machte, drehte er durch - Schwangere Ex mit 76 Stichen getötet", dazu ein Foto des Verdächtigen vor Gericht sowie ein Foto der jungen Frau

(Unkenntlichmachung von uns. Bild.de hat lediglich dem Verdächtigen einen schwarzen Balken über die Augen gelegt.)

Woher das Foto der Frau stammt, wird nicht angegeben. Es sieht aus, als hätte der “Bild”-Fotograf ein analoges Foto abfotografiert.

***

Gezeigt wurde auch das Gesicht einer Frau, die in Russland von mehreren umstürzenden Bildschirmen erschlagen wurde. Fotoquelle: “privat”.

Screenshot von der BILD.de-Startseite: "Tod im Nachtclub - Russin feiert Geburtstag und wird von Riesen-Fernseher erschlagen", dazu ein großes Foto der Frau

(Unkenntlichmachung – auch in allen folgenden Screenshots – von uns.)

***

Und das Gesicht eines Mannes, der in Honduras von einem Lynchmob getötet wurde.

Screenshot von BILD.de: Großes Foto eines Mannes, dazu die Bildunterschrift: "Opfer des Lynchmobs: Der Italiener [...]"

Quelle: “privat”.

***

Und das Gesicht eines Mannes, der in Teheran von seinen Eltern ermordet worden sein soll:

Screenshot von BILD.de: Großes Foto eines Mannes, dazu die Bildunterschrift: "Von den eigenen Eltern ermordet: Der Iraner [...] (†47)"

Quelle: “.”

***

“Bild am Sonntag” und Bild.de veröffentlichten auch das Gesicht eines obdachlosen Mannes, der auf einer Parkbank getötet wurde.

Ausriss aus BILD am SONNTAG: "Obdachloser nachts im Schlaf erstochen", dazu ein Foto von Forensikern, die die Parkbank untersuchen sowie ein Foto des Obdachlosen, der eine Decke umgehängt hat und einen Becher in der Hand hält

Dem Anschein nach wurde das Foto (des damals noch lebenden Mannes) aus einiger Entfernung aufgenommen.

Auch in diesem Fall könnte man durch die Kombination von Foto und Schlagzeile das Opfer für den Täter halten:

Screenshot von der BILD.de-Startseite. Große Schlagzeile: "Polizei jagt  Kapuzen-Killer", dazu das Foto des Obdachlosen sowie das Foto der Forensiker an der Parkbank

Eine Verwechslung, die nicht passieren könnte, wenn “Bild” Gesichter verpixeln würde.

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Seit einem Monat beobachten wir diese Praxis nun etwas genauer. In dieser Zeit haben die “Bild”-Medien 124 Mal Fotos von Menschen gezeigt, die Opfer eines Unglücks oder Verbrechens geworden sind. In 18 Fällen von Minderjährigen.

Nur in vier Fällen haben Angehörige der Veröffentlichung laut “Bild”-Angabe zugestimmt.

In sechs Fällen waren die Augen verpixelt, in fünf Fällen die Gesichter. In 113 Fällen verzichtete “Bild” auf jede Unkenntlichmachung.

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Nach einem Verbrechen oder Unglück in Social-Media-Profilen zu wühlen und daraus Fotos der Opfer zu veröffentlichen, ist redaktioneller Alltag bei “Bild”. Häufig erscheinen solche Fotos ohne jede Verpixelung und ohne Zustimmung der Angehörigen oder Hinterbliebenen.

In vielen Fällen werden Freunde, Kollegen oder Familienmitglieder sogar von Reportern bedrängt, damit sie Fotos der Menschen herausrücken, die sie gerade verloren haben.

“Bild” begründet die Veröffentlichung solcher Bilder damit, dass “nur so” die Tragik “deutlich und fassbar” werde.

Wie jedoch viele Betroffene selbst darüber denken, kann man zum Beispiel hier nachlesen. Dort sagt der Vater eines Mädchens, das beim Amoklauf von Winnenden getötet wurde und deren Foto in den Tagen darauf immer wieder in der “Bild”-Zeitung erschien:

Die “Bild”-Zeitung und andere, auch Fernsehsender, ziehen Profit aus unserem Leid! Dreimal hintereinander sind Bilder [unserer Tochter] erschienen, ohne dass wir das gewollt hätten. Wir hätten das nie erlaubt. Die reißen die Bilder an sich und fragen nicht danach, was wir Hinterbliebenen denken und fühlen.

Pressekodex Richtlinie 8.2

Die Identität von Opfern ist besonders zu schützen. Für das Verständnis eines Unfallgeschehens, Unglücks- bzw. Tathergangs ist das Wissen um die Identität des Opfers in der Regel unerheblich. Name und Foto eines Opfers können veröffentlicht werden, wenn das Opfer bzw. Angehörige oder sonstige befugte Personen zugestimmt haben, oder wenn es sich bei dem Opfer um eine Person des öffentlichen Lebens handelt.

In einem Interview in unserem Buch sagt ein anderer Betroffener, dessen Bruder bei einem Skiunfall gestorben ist und später ohne Erlaubnis der Angehörigen groß auf der Titelseite der ”Bild”-Zeitung zu sehen war:

Das war eines der schlimmsten Dinge an der Geschichte: Dass die “Bild” die Kontrolle darüber hat, mit welcher Erinnerung mein Bruder geht. Dass das letzte Bild von der “Bild”-Zeitung kontrolliert wird und nicht von ihm selbst oder von uns.

Auch in anderen Medien kommt es vor, dass solche Fotos veröffentlicht werden. Doch niemand macht es so häufig und so eifrig wie “Bild”. Mehr als die Hälfte aller Rügen, die der Presserat je gegen die “Bild”-Medien ausgesprochen hat, bezog sich auf die unzulässige Veröffentlichung von Opferfotos.

Um zu verdeutlichen, in welchem Ausmaß “Bild” auf diese Weise Profit aus dem Leid von Menschen zieht, wollen wir hier regelmäßig dokumentieren, wie häufig die “Bild”-Medien solche Fotos veröffentlichen.

KW 28: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. 13 Fragen: Hass im Netz
(zdf.de, Video: 30:03 Minuten)
Bei dem TV-Format “13 Fragen” wird eine Diskussion über ein strittiges Thema auf ein Spielfeld verlagert: Auf aufgemalten Feldern stehen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gegenüber, können sich aber während der Debatte noch stärker voneinander weg- oder aufeinander zu bewegen. In der aktuellen Folge geht es um das Thema “Hass im Netz” und die Frage, ob Soziale Medien stärker reguliert werden müssen. Mit dabei sind: Electra Pain (Drag Queen), Hans Block (Regisseur), Canel Ataman (Künstlerin und Aktivistin), Diana zur Löwen (Influencerin, Unternehmerin und Autorin), Linus Neumann (Chaos Computer Club) und Maya El-Auwad (Rechtsanwältin und Redakteurin bei “iRights”).

2. Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen?
(ardaudiothek.de, Audio: sechsteilige Serie)
Wir haben die sechsteilige Podcast-Produktion bereits nach zwei veröffentlichten Folgen empfohlen, nun steht sie komplett zum Abruf bereit. Daher der erneute Hörtipp: Die Serie über die Verwandlung Ken Jebsens vom aufstrebenden Radiomoderator zum berühmt-berüchtigten Verschwörungsideologen ist äußerst überzeugend umgesetzt. Die Macherinnen und Macher haben mit vielen Zeitzeugen gesprochen und sind erkennbar bemüht, ein möglichst facettenreiches Bild von der Person Jebsen zu zeichnen.

3. Wild Wild Web – Die Kim Dotcom Story
(br.de, Janne Knödler & Benedikt Dietsch & Simon Garschhammer & André Dér-Hörmeyer, Audio, sechsteilige Serie)
Unterhaltsames und informatives sechsteiliges Feature über einen der schillerndsten deutschen Internetunternehmer und Medienfiguren: “Kim Dotcom war Deutschlands berühmtester Computer-Nerd, dann der superreiche Betreiber der Plattform Megaupload und heute ein von der US-Justiz Gejagter. Die Bilder seiner Festnahme in Neuseeland gingen um die Welt. Muss Kim Dotcom für den Rest seines Lebens ins Gefängnis? Und was hat sein Fall mit der Freiheit des Internets zu tun?”

Bildblog unterstuetzen

4. Die Macht der Plattformen
(techundtrara.podigee.io, Moritz Stoll, Audio: 1:05:11 Stunden)
Der “Tech-und-Trara”-Podcast hat sich den Kultur- und Medienwissenschaftler, Sachbuchautor und Journalisten Michael Seemann eingeladen, der sich in seinem neusten Buch mit der Macht der Plattformen auseinandergesetzt hat: Wie kann man Plattformen definieren? Welche Arten von Plattformen es gibt? Und welche Macht haben sie?

5. Verantwortungsvoller Journalismus über Konflikte
(youtube.com, DJV NRW, Sascha Fobbe, Audio: 31:24 Minuten)
In der aktuellen Podcastausgabe des Deutschen Journalisten-Verbands NRW geht es um die Frage, worauf Journalistinnen und Journalisten achten sollten, wenn sie von Konflikten und Krisen reden oder schreiben. Das Stichwort lautet: konfliktsensitiver Journalismus. Das bedeute, “dass auch über Konflikte fair und korrekt berichtet wird, dass alle Parteien zu Wort kommen und dass Journalist:innen sich ihrer möglichen eigenen Vorurteile zu einem Thema bewusst sind. Auch die Auswahl der Sprache und Bilder sollte beachtet werden. Eine Missachtung der gängigen Qualitätskriterien kann bei Konfliktthemen gravierende Folgen haben, Medien können dann zur Radikalisierung des Diskurses beitragen.”

6. Medien scheitern am Hochwasser
(funk.net, Walulis Daily, Video: 12:06 Minuten)
Philipp Walulis knöpft sich die Berichterstattung über die aktuelle Naturkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vor. Er thematisiert dabei auch die Rolle von Politikern und deren mediales Auftreten. Natürlich auf gewohnt ironische Walulis-Art …

WDR-Versäumnisse, Peng!-Razzia, Propagandaspiele in Tokio

1. WDR räumt Versäumnisse ein
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein, Audio: 6:44 Minuten)
In Zusammenhang mit der Unwetter-Berichterstattung gab es teilweise heftige Kritik am WDR. So warf “DWDL”-Chefredakteur Thomas Lückerath dem Sender “unterlassene Hilfeleistung” vor und sprach von einem “Totalausfall”. Im Deutschlandfunk konfrontiert Isabelle Klein den WDR-Verantwortlichen Stefan Brandenburg mit den Vorwürfen. Der verteidigt das Vorgehen, räumt aber auch Versäumnisse ein.
Weiterer Lesehinweis: Hochwasser flutet Wuppertaler Radiosender, Journalisten berichten trotzdem die ganze Nacht durch – anders als der WDR (rnd.de, Matthias Schwarzer).

2. Peter R. de Vries gestorben
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband trauert um den niederländischen Journalisten Peter R. de Vries, der am gestrigen Donnerstag seinen schweren Verletzungen erlegen ist: “Mit Peter R. de Vries verliert der Journalismus einen engagierten, mutigen Kollegen, der Licht ins Dunkel krimineller Machenschaften gebracht hat und dafür mit dem Leben bezahlen musste.” Der Kriminalreporter war vergangene Woche Opfer eines Anschlags geworden, hinter dem die Drogenmafia stecken soll.

3. Razzia gegen Aktionskünstler wegen Online-Karte
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Die Polizei hat Büroräume des Peng!-Kollektivs und die Wohnungen von zwei Peng!-Mitgliedern durchsucht und dabei Computer, Festplatten und Aktenordner beschlagnahmt. Die Maßnahme habe im Zusammenhang mit der kolonialismuskritischen Website “Tear Down This Shit” gestanden, die Peng! gemeinsam mit der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland veröffentlicht hat.

Bildblog unterstuetzen

4. Vom Wert des Journalismus bei den Propagandaspielen in Tokio
(jensweinreich.de)
Jens Weinreich ist zu den Olympischen Spielen nach Tokio aufgebrochen, es sind seine mittlerweile achten Sommerspiele. In seinem Beitrag schreibt er über die Umstände einer Reise, bei der es, wie immer, auch um die Aufdeckung der Versäumnisse, Schwachstellen und Inszenierungsversuche des Veranstalters gehen wird. Man glaubt gerade Weinreich sofort, wenn er schreibt: “Olympia ist kein Tourismus, sondern ein Knochenjob, ziemlich brutal, wenn man es richtig macht.”

5. Fragwürdiger Verband im Rundfunkrat
(taz.de, Steffen Grimberg)
Im WDR-Rundfunkrat sitzt für die nächsten fünf Jahre der Verband kinderreicher Familien Deutschland, in dessen Umfeld sich auch einschlägig konservativ-rechtskatholisches Gedankengut tummele. Steffen Grimberg fragt: “Dass in den Rundfunkrat eine Organisation einzieht, die sich um die Belange von Kindern kümmert, ist ja eigentlich total positiv. Aber wieso erst ab drei an der Zahl? Warum wurde nicht der Kinderschutzbund ausgewählt, der auch auf der Vorschlagsliste stand?”

6. Dubai-Influencer: Wenn das Regime doch nicht so geil ist
(meedia.de, Luca Schallenberger)
In Jüngster Zeit gab es eine auffällige Abwanderung von deutschen Influencern und Influencerinnen nach Dubai. Jetzt kehren zwei der Youtube-Promis dem Emirat den Rücken zu. Luca Schallenberger spekuliert über die Gründe: “Ob die Dubai-Flucht der Influencer*innen mit dem Kauf von Steuer-Daten aus Dubai durch die deutsche Regierung zu tun haben? Unklar. Wie der ‘Spiegel’ berichtete, sollen ‘länderübergreifende Steuerstraftaten von erheblichem Ausmaß’ aufgedeckt werden. Letztendlich kann man nur hoffen, dass die Influencer*innen Dubai aufgrund der dortigen humanitären und nicht der eigenen finanziellen Lage verlassen. Letzteres wäre ein Armutszeugnis.”

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BILDblog-Klassiker

“Bild am Sonntag” serviert FIFA-Kaiserschmarrn

In einem Artikel über die FIFA und Franz Beckenbauer schrieb die “Bild am Sonntag” gestern:

Fragen zur Korruption bei der WM-Vergabe an Russland und Katar drohen Beckenbauer erneut, diesmal von der Schweizer Justiz. Die Bundesanwaltschaft ermittelt nun auch in der Sache und hat bereits zehn Mitglieder des Exekutivkomitees von 2010 als Zeugen geladen. Nach Informationen aus Justizkreisen sollen auch die übrigen 14 Mitglieder von damals vernommen werden. Darunter wäre auch Beckenbauer.

Wir haben bei der Bundesanwaltschaft nachgefragt, was an der Geschichte dran ist. Auf eine Antwort mussten wir — wie beim letzten Mal — nur wenige Minuten warten. Der Pressesprecher schreibt:

F. Beckenbauer gehört nicht zu den von der BA zu befragenden Auskunftspersonen. Dies sind explizit KEINE Zeugen, sondern Auskunftspersonen, was juristisch ein wesentlicher Unterschied ist. Weitere Personen sind zur Zeit nicht zur Befragung vorgesehen. Die Geschichte der BamS ist somit mehrfach falsch.

Und das hätte sie mit einem kurzen Anruf bei der Bundesanwaltschaft auch selbst herausfinden können. Nachgefragt hat sie dort aber nie:

Eine entsprechende Anfrage der BamS oder von Bild ist bei der BA nie gestellt worden.

Auch der Sport-Informations-Dienst (sid) hat auf die Recherche verzichtet und sich bei seiner Agenturmeldung lieber blind auf die „BamS“ verlassen:

Schlageile des sid: 'BamS: Schweizer wollen Beckenbauer befragen'

Die Meldung findet sich jetzt unter anderem auf den Seiten des „Handelsblatts“, der „Welt“, der “11 Freunde”, bei „Zeit Online“, „Focus Online“, N24.de, Sport1.de, ran.de, spox.com und vielen mehr.

So verbreitet sich zum zweiten Mal innerhalb von vier Tagen eine FIFA-Falschmeldung, obwohl das Abschreiben der Geschichten länger dauert, als herauszufinden, dass sie Quatsch sind.

Wie “Focus Online” das Misstrauen gegenüber Medien schürt

“Focus Online” hat mal wieder einen unfassbaren Flüchtlingsaufreger entdeckt. Unter der Überschrift …

Insider berichten: „Dürfen bei Lügen nichts sagen“
So ohnmächtig sind Dolmetscher im Asylverfahren

… schrieb das Portal am 30. November:

Im Asylverfahren spielen Dolmetscher eine wichtige Rolle. Zum Beispiel verlässt man sich auf sie, wenn es darum geht, ob ein Asylbewerber tatsächlich Syrer ist. Das Problem: Viele Dolmetscher, die solche weitreichenden Entscheidungen treffen, sind gar keine Profis. Und selbst die Profis stehen vor einem Dilemma: Sie dürfen nicht sagen, wenn ein Asylbewerber ihnen ins Gesicht lügt.

Für die Sache mit dem Lügen hat “Focus Online” auch zahlreiche Belege ein Indiz. Eine Dolmetscherin hat nämlich gesagt:

„Wenn jemand sagt: Ich bin in Syrien geboren, spricht aber krass Tunesisch, dann darf ich das nicht sagen“, so Dolmetscherin [N.]  zu FOCUS Online. „Ich bin nur ein Ratgeber. Der Anhörer muss sich an den Dolmetscher wenden und ihn fragen: Ist der Dialekt wirklich Syrisch? Ich darf von mir aus nicht sagen: Der lügt.“

Selbst wenn dem Dolmetscher auffällt, dass der Asylbewerber historische Fakten über sein Heimatland verdreht, dürfe er darauf nicht hinweisen, so [N.]. „Es sei denn, der Anhörer fragt. Aber das tun meiner Erfahrung nach die wenigsten.“

Ein gefundenes Fressen — vor allem für die hier:


Nun ist die Problematik rund um die Dolmetscher allerdings deutlich komplexer, als “Focus Online” sie darstellt. Fragt man etwa das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), ob die Behauptung mit den Lügen stimmt, erhält man als Antwort:

Grundsätzlich ist es so, dass der Dolmetscher lediglich das zu übersetzen hat, was der Antragsteller im Rahmen der Anhörung vorbringt. Eine gegebenfalls eigene Einschätzung des Dolmetschers über den Wahrheitsgehalt des Gesagten darf bei den Entscheidungsgründen keine Rolle spielen. Wird der Entscheider jedoch darauf hingewiesen, dass die vom Antragsteller angegebene Staatsangehörigkeit nicht stimmen kann, wird der Entscheider entsprechend nachfragen bzw. eine sogenannte Sprach-Text-Analyse durchführen, um die tatsächliche Staatsangehörigkeit des Antragstellers zu klären. Bis zur Klärung wird der Antragsteller mit der Staatsangehörigkeit „Ungeklärt“ beim Bundesamt geführt und auch nicht entschieden.

Dass “Focus Online” noch weitere Aspekte unterschlägt, wird schon deutlich, wenn man sich die Berichterstattung anderer Medien anschaut. Die “Welt” zum Beispiel hatte sich schon drei Tage vor „Focus Online“ mit den Dolmetschern in Asylverfahren befasst und nicht nur eins, sondern gleich sechs Probleme ausgemacht:

– Die Dolmetscher haben zu viel Macht
– Das BAMF hat keine Qualitätsstandards
– Falsches Dolmetschen wird nicht sanktioniert
– Das BAMF zahlt schlecht
– Die Qualität leidet unter dem Zeitdruck
– Die Flüchtlinge können sich nicht wehren

Im Text geht der „Welt“-Autor ausführlich auf diese Punkte ein, er hat eine Registrierungsstelle besucht, mit verschiedenen Verbänden und Dolmetschern gesprochen und dem BAMF Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Herausgekommen ist ein umfassender und unaufgeregter Artikel, der das Thema von verschiedenen Seiten beleuchtet.

Bei „Focus Online“ sucht man solche Bemühungen vergeblich. Das Portal zitiert lediglich zwei Dolmetscherinnen und einen Dolmetscher-Verband. “Pegida”-taugliche Überschrift, alarmistischer Teaser, fertig.

Das ist Alltag bei “Focus Online”. Trickreich und skrupellos wie kaum ein anderes deutsches Onlinemedium nutzt das Portal seit Monaten die Flüchtlingskrise und die Verunsicherung der Menschen, um Klicks abzugrasen. Das Burda-Medium verdreht Fakten, verbreitet Angst und Skepsis und setzt offenkundig gezielt auf die virale Verbreitung unter Flüchtlingsgegnern.

Im Fall der Dolmetscher-Geschichte spielt „Focus Online“ den “besorgten Bürgern” und „Lügenpresse“-Schreiern aber gleich doppelt in die Hände. Kurz nach der Veröffentlichung hat das Portal den Artikel nämlich ohne Erklärung wieder gelöscht. Wer jetzt auf den Link klickt, sieht das hier:

Seitdem lesen sich viele Facebook-Kommentare zu dem Artikel so:

Seite nicht vorhanden – alles klar

Eine Zensur FINDET statt!

Da fragt man sich doch, warum gerade DIESER Artikel offline genommen wurde. Aber Moment, es gibt in Deutschland ja keine Zensur vom System für Medien und Presse, nein nein.
Ist sicher nur ein Serverfehler oder eben purer Zufall. Fakt!

Ohh da war Mutti aber schnell!!! Die Wahrheit darf ja nicht ans dumme Volk ran!!!!

Seite war gestern abend für ca. 5 min online, danach wollte ich Sie anklicken und teilen, danach kam “Netzwerkfehler”… alles klar… Verarschung life! was will man auch erwarten? Ehrliche Berichterstattung können wir ja schon lange vergessen.

Da hat die Zensur aber schnell reagiert

hm…da wirds wohl mind. ne Abmahnung gegeben haben beim Focus für einen “ehrlichen Journalisten”…oder ein Praktikant wurde rausgeschmissen

Die Seite haben sie gelöscht: Fehlerseite
Die Seite kann nicht angezeigt werden LOL – alle “eingemerkelt

Seltsam, aber es wird einen Grund haben wieso der Artikel komplett verschwunden ist. Passt ja ins Bild zur Skepsis über die Berichterstattung.

Einige Leser haben „Focus Online“ über soziale Medien auf das Verschwinden des Artikels angesprochen – ohne Reaktion.

(Hier kann man den ursprünglichen Artikel übrigens noch lesen.)

Vergangene Woche haben wir “Focus Online”-Chefredakteur Daniel Steil gefragt, warum der Artikel gelöscht wurde und warum die Leser nicht über die Hintergründe aufgeklärt werden. Ein Sprecher von „Focus Online“ antwortete:

Der Artikel wurde veröffentlicht, bevor er komplett fertig war.

Ah ja. Erst raushauen, dann denken, so läuft das bei „Focus Online“.

Veröffentlichung und Verschwinden des Artikels liegen jetzt über eine Woche zurück, einen Hinweis für die Leser gibt es immer noch nicht, einen neuen Artikel auch nicht. Und der (eigentlich tote) Link wird weiterhin fleißig geteilt:

„Focus Online“ ist laut Burda-Verlag „die klare Nummer eins unter Deutschlands digitalen Qualitätsmedien“. Welche Kriterien bei diesem Ranking eine Rolle spielen, wissen wir nicht. Wenn es aber darum geht, die Leser in die Irre zu führen, Fremdenfeinde mit Scheinargumenten zu versorgen und das Misstrauen gegenüber Medien und Politik zu vergrößern, hat sich “Focus Online” den Spitzenplatz zweifelsohne verdient.

800 Euro für jeden: Medien führen Grundeinkommen in Finnland ein

Nehmen wir mal an, Sie betreiben einen kleinen Schuhladen in einer kleinen Stadt. Und eine Lokalzeitung schreibt, Sie würden jedem Kunden am nächsten Samstag ein paar Schuhe schenken. Dann schreiben die anderen Lokalzeitungen noch von der ersten ab. Was wird wohl am nächsten Samstag passieren?

Vielleicht kann man so noch ein bisschen besser verstehen, warum das finnische Sozialversicherungsinstitut “Kela” am vergangenen Dienstag ziemlich schnell mit einer Pressemitteilung auf weltweite Berichte reagierte, die behauptet hatten, dass Finnland bald all seinen Einwohnern ein bedingungsloses Grundeinkommen von 800 Euro im Monat zahlen werde. Zusammengefasst steht in der “Kela”-Mitteillung: Das sei totaler Quatsch. Konkrete Pläne und Summen gebe es noch keine, derzeit stünde lediglich eine vorbereitende Studie für ein geplantes Experiment im kleineren Rahmen an.

Auch deutsche Medien haben über die vermeintliche Einführung des Grundeinkommens für die Finnen berichtet. Den Start machte am Montag die “Frankfurter Allgemeine Zeitung”:

Die “Frankfurter Rundschau” hat eine mögliche Erklärung, wie die Genese dieser Meldung aussehen könnte. Der Weg in Kurzform: Die “FAZ” nenne als Quelle einen Artikel des Onlineportals “Quartz”. “Quartz” stütze sich bei der Nachricht auf die finnische öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt “Yle” sowie auf die BBC. Das Problem dabei: Die Nachricht von der BBC stamme bereits vom 20. August dieses Jahres und handele lediglich von dem Experiment der finnischen Regierung, nicht aber von der Einführung des Grundeinkommens. Und die “Yle”-Meldung sei bereits Ende Oktober veröffentlicht worden und beziehe sich wiederum auf die “regionale finnische Mediengruppe Lännen Media.” Bei “Lännen Media” sei man dann bei der Originalquelle angelangt. Und dort könne man lesen, dass das finnische Sozialversicherungsinstitut bald lediglich “mit der Arbeit an einer Studie für ein Grundeinkommen beginnen werde.”

Die Stille Post nahm dann auch in Deutschland Fahrt auf. Aus dem “offenbar” und den Vorbereitungen, von denen die “FAZ” spricht, wurde bei “Focus Online” schnell Gewissheit:

Es ist ein gigantisches politisches Experiment: Finnland hat angekündigt, ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger einzuführen. (…) Nun macht die Regierung den Plan wahr: Bis zum November des kommenden Jahres sollen alle bisherigen staatlichen Zuschüsse wegfallen, stattdessen erhalten alle erwachsenen Bürger des Landes eine monatliche Zahlung von 800 Euro.

Dass das schlichtweg nicht stimmt, bestätigt ein “Vice”-Interview. Darin erklärt Olli Kangas, der für die Durchführung des finnischen Experiments verantwortlich ist, dass Finnland von der tatsächlichen Einführung des Grundeinkommens noch weit entfernt sei. Einen Zwischenbericht zu ihrer Vorstudie wollen er und sein Team im kommenden März der finnischen Regierung vorlegen, Vorschläge, wie ein Experiment zum Grundeinkommen aussehen könnte, sollen im November 2016 fertig sein.

Schon auf die Frage, woher “überhaupt dieser Betrag von 800 Euro” stamme, antwortet Kangas:

“Das ist eine gute Frage! Das ist doch nur eine Summe, mehr nicht. Dabei steht noch überhaupt nichts fest. Es könnte diese Summe oder eine höhere oder niedrigere Summe werden.”

Als das Interview erschien, war die Geschichte in den deutschsprachigen Medien schon nicht mehr einzufangen:


(“Mopo 24”)


(“Huffington Post”, inzwischen korrigiert)


(“Berliner Zeitung”)


(“Kleine Zeitung”)


(“Mitteldeutsche Zeitung”)

Mit Dank an Rüdiger S.!

“Focus Online” fällt auf Simpsons-Wiesn-Witz mit Schwarzenegger rein

Ein Mitarbeiter des Münchner Ausbildungsradiosenders “afk M94.5” hat bei seinem Streifzug übers Münchner Oktoberfest gestern Arnold Schwarzenegger entdeckt. Er machte ein Foto des früheren US-Gouverneurs, packte eine Sprechblase drauf und postete es bei Facebook:

Der Witz dahinter: Das Zitat, das “afk M94.5” Schwarzenegger in den Mund gelegt hat, ist eine Anspielung auf “Die Simpsons – Der Film”. In seiner Gastrolle als US-Präsident sagt der gezeichnete Arnold Schwarzenegger dort:

Die haben mich gewählt, um zu lenken, nicht, um zu denken.

Im englischen Original heißt es:

I was elected to lead, not to read.

Und daraus machte das Team von “afk M94.5” dann eben Schwarzeneggers fiktives Wiesn-Zitat “I’m not here to think, I’m here to drink!”

Auf den Facebook-Post wurden ein paar andere Redaktionen aufmerksam und fragten bei “afk M94.5” nach, was es mit dem Schwarzenegger-Zitat auf sich habe. Man sagte den Anrufern, dass es sich um einen Witz handele — Sache gegessen. “Focus Online” hat hingegen nicht bei “afk M94.5” angerufen. Und so tauchte im Oktoberfest-News-Ticker der Seite (ja, doch, den gibt es bei “Focus Online” tatsächlich) diese Meldung auf:

Arnold Schwarzenegger schaltet auf der Wiesn den Kopf aus

16.02 Uhr: Der Mann, der der “Terminator” war und den “Predator” getötet hat, hat dem Oktoberfest einen Besuch abgestattet: Arnold Schwarzenegger. Begleitet wurde er von seiner Freundin Heather Milligan und mehreren breitschultrigen Leibwächtern.

“I’m not here to think, I’m here to drink”, sagte der ehemalige Gouverneur des US-Bundesstaates Kalifornien laut Radio M94.5. Frei übersetzt: Schwarzeneggers Oberstübchen hat während des Wiesn-Besuchs Sendepause, Trinken und Feiern stehen im Vordergrund.

Nun hat “Focus Online” ja sowieso immer mal wieder Schwierigkeiten beim Dechiffrieren von Witzen. Und so machte “afk M94.5” die Mitarbeiter des Portals vorhin bei Facebook darauf aufmerksam, dass sie was falsch verstanden haben:

“Focus Online” hat inzwischen reagiert und die Passage mit dem ausgedachten Zitat gestrichen. Dass Arnold Schwarzenegger “auf der Wiesen den Kopf” ausschalte, steht aber weiterhin in der Überschrift.

Mit Dank an Florian für den Hinweis!

Sigmar Gabriel hält sich nicht an die von “Bild” vorgegebene Kandidatur

Es kommt nicht häufig vor, dass die “Bild”-Medien so transparent mit einem Fehler umgehen:

Seit heute steht fest, dass Sigmar Gabriel nicht als SPD-Kanzlerkandidat in den anstehenden Bundestagswahlkampf ziehen wird. Der “Stern” und “Die Zeit” berichteten als Erste darüber — ein schöner Scoop.

Bild.de hatte — wie im Screenshot oben steht — am 9. Januar unter Berufung auf interne Parteikreise geeilmeldet und getitelt:


Einen Tag später gab es in “Bild” dann noch das volle Programm obendrauf: Riesenschlagzeile auf Seite zwei …

… und einen Brief von Franz Josef Wagner, der Sigmar Gabriel seine Bewunderung ausspricht, dass dieser sich tapfer “als Kanzlerkandidat der SPD” zur Verfügung stellt:

Andere Nachrichtenseiten zogen nach und beriefen sich dabei — mehr oder weniger deutlich — auf die “Bild”-Medien. Die “Huffngton Post” beispielsweise:

Oder “RP Online”:

Oder “Focus Online”:

Oder die “B.Z.”:

Und selbst das Team von stern.de, das sich aktuell zusammen mit den Print-Kollegen völlig zurecht für die Enthüllung des Gabriel-Rückzugs feiern lässt, übernahm vor zwei Wochen noch die “Bild”-Geschichte:

Auch die Nachrichtenagenturen berichteten, und so fand man den “Bild”-Fehler fast überall. Am 7. Januar, also zwei Tage vor der falschen Gabriel-Geschichte, feierte “Bild” übrigens auf der Titelseite einen “Riesenerfolg für BILD”:

Die Spitzenposition im “ZITATE-RANKING!” kommt nicht nur, aber auch daher, dass andere Medien Quatsch von “Bild” immer wieder ungeprüft übernehmen.

Dass Bild.de und Chefredakteur Julian Reichelt sich jetzt entschuldigen ist gut und verdient Respekt. Ad hoc fallen uns nur zwei Situationen ein, in der Reichelt ähnlich transparent reagiert hat: Als Bild.de mal bei einem “Tagesanzeiger”-Autoren ganze Passagen geklaut hatte, bat der Bild.de-Chef per Twitter um Entschuldigung; als Bild.de mal bei einem Zitat von Günter Wallraff eine nicht ganz unwesentliche kritische Stelle einfach weggelassen hatte, räumte Reichelt per Twitter einen Fehler ein. Gut möglich, dass es noch ein paar weitere Situationen geben mag. Wahnsinnig viele dürften es allerdings nicht sein.

Bei einer ganz ähnlichen Geschichte wie jetzt bei Sigmar Gabriel gab es zum Beispiele keine ähnliche Reaktion: “Bild” und Bild.de behaupteten Anfang Oktober vergangenen Jahres, dass Frank-Walter Steinmeier auf keinen Fall für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren werde:

Wenn heute Mittag die Spitzen von CDU, CSU und SPD im Kanzleramt zum Koalitionsgipfel zusammenkommen, wird es KEINE Einigung auf einen gemeinsamen Vorschlag geben. Vielmehr werden die zwei prominentesten Kandidaten aus dem Rennen genommen.

Der in fast allen Umfragen beliebteste Anwärter, Außenminister Frank-Walter Steinmeier (60, SPD), wird nicht aufgestellt, weil Kanzlerin Angela Merkel (62, CDU) klar sagt: DER NICHT!

Als dann rauskam, dass SPD und CDU Steinmeier doch als Kandidaten nominieren, gab es keine Korrektur der “Bild”-Medien, keine Entschuldigung von Julian Reichelt. Der falsche Artikel ist unverändert online.

Doch zurück zur Kanzlerkandidatur bei der SPD. Inzwischen steht fest, dass Martin Schulz für seine Partei als Spitzenkandidat bei der kommenden Bundestagswahl antreten wird.

Der “Spiegel” und “Spiegel Online” berichteten noch vor wenigen Wochen, Ende 2016, dass Schulz es nicht werden wird. Der “Spiegel” titelte etwas zurückhaltender:

“Spiegel Online” etwas deutlicher:

Und Bild.de übernahm die Geschichte und titelte ganz sicher:

Auch auf diese falsche Schlagzeile reagieren “Bild” und Bild.de nicht mit einer Richtigstellung. Dafür ist aber am frühen Abend die von Julian Reichelt angekündigte Aufarbeitung des Bild.de-Fehlers im Gabriel-Fall erschienen:

Warum? Ganz einfach: Sigmar Gabriel und seine Sprunghaftigkeit sind schuld:

Tatsächlich begleiten Gabriel seit jeher Vorwürfe, er sei politisch sprunghaft und persönlich nicht immer berechenbar. Dass er sich in der für die SPD so lebenswichtigen Frage der Kanzlerkandidatur auch kurzfristig noch einmal umentscheiden würde — vielleicht hätte auch BILD das ahnen können oder gar müssen.

Bei Personalien rund um Kanzlerkandidaturen hat “Bild” wirklich immer wieder doofes Pech.

Pressefreiheitstag, Versagen, Gelöschtes Gestern

1. Türkische Journalisten in Geiselhaft
(sueddeutsche.de, Can Dündar)
Heute beginnt in Istanbul der Prozess gegen 17 Journalisten und andere Mitarbeiter der regierungskritischen türkischen Tageszeitung “Cumhuriyet”. Ex-Chefredakteur Can Dündar ist auch mitangeklagt, kann den Prozess aber aus dem sicheren Exil verfolgen. Für die “Süddeutsche” hat er einen Gastbeitrag verfasst, in dem er auf die geradezu makabre Ironie des heutigen Datums hinweist. “Wenn das ein Zufall ist, dann gewiss ein ironischer: Der 24. Juli ist der Jahrestag der Aufhebung der Zensur in der Türkei, der seit 1908 als Pressefreiheitstag gefeiert wird. Dieses Jahr feiern wir den Pressefreiheitstag als “Kampf um die Pressefreiheits-Tag”, in Gefängnissen, in Gerichtssälen und im Exil.”

2. Haben Medien wirklich versagt?
(taz.de, Peter Weissenburger)
Die Otto-Brenner-Stiftung und der Medienwissenschaftler Michael Haller haben eine Studie über den Umgang von Tageszeitungen mit der sogenannten „Flüchtlingskrise“ durchgeführt. Die “Zeit” durfte vorabberichten und machte daraus die Vorabmeldung: „Studie der Otto Brenner Stiftung: Medien haben in der Flüchtlingskrise versagt.“ Medienwissenschaftler Haller ist entsetzt: “Die Zeit hat Zuspitzungen vorgenommen, die ich für boulevardesk halte. Das hatte ich von der Zeit nicht erwartet.” Weitere Lesetipps: Stefan Niggemeier auf Übermedien mit Alles Versager? Die mediale Sturzgeburt einer Studie und die Studienzusammenfassung in der FAZ: Wie Medien über die Flüchtlingskrise berichteten

3. Verfassungsbeschwerde abgewiesen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Verfassungsbeschwerde von “Reporter ohne Grenzen” gegen die Massenüberwachung des Bundesnachrichtendienstes wurde vom Bundesverfassungsgericht nicht zur Entscheidung angenommen. Ein anderer Teil der ursprünglichen Klage sei jedoch weiterhin beim Bundesverwaltungsgericht anhängig, wie die Organisation berichtet. Dieser Klageteil richte sich gegen das Metadaten-Analysesystem „VerAS“, mit dem der BND seit dem Jahr 2002 ohne gesetzliche Grundlage Verbindungsdaten über Telefongespräche mit Auslandsbezug sammle.

4. Macron verscherzt es sich mit den Medien
(nzz.ch, Matthias Sander)
Frankreichs Staatschef Macron spricht kaum noch mit Journalisten und fährt im Umgang mit Medien einen sehr rigiden Kurs. Matthias Sander sieht darin auch einen Vorteil: “Für die Medien könnte die Brüskierung letztlich heilsam sein. Sie sollten sich, ähnlich wie die «New York Times» und die «Washington Post» seit Trumps Wahl, auf das Wesentliche besinnen: Analysen und längerfristige Recherchen. Wo ein Mächtiger selbstherrlich agiert, sind gesprächswillige Enttäuschte meist nicht weit.”

5. Im Netz der Lügen – Falschmeldungen im Internet
(zdf.de, Video: 41:55 Minuten)
Filterblasen und “Fake News”: Wie groß ist die Gefahr durch Nachrichtenmanipulation wirklich? Und warum nehmen viele Menschen krude Verschwörungstheorien ernst? Diesen Fragen ist Mario Sixtus in seinem neuen Film nachgegangen, der noch bis Donnerstag auf zdf.de zu sehen ist.

6. Dieser Mann soll jetzt Trumps Politik anpreisen
(sueddeutsche.de, Simon Hurtz)
Trump hat einen neuen Kommunikationschef: Dem glücklosen und dauerverspotteten Sean Spicer folgt der Hedgefonds-Manager Anthony Scaramucci. Das ist insofern pikant, als dass Scaramucci in der Vergangenheit einige trumpkritische Äußerungen auf Twitter gemacht hat, die er nun prompt zu löschen beginnt. Simon Hurtz hat sich auf sueddeutsche.de die Mühe gemacht, die Scaramucci-Tweets zu dokumentieren und einzuordnen. Eine Fundgrube an Querverweisen für alle, die sich für das aktuelle Geschehen in Amerika interessieren.

Wall-Street-Würstchen, Geschlechterdebatte, Bauchgefühl

1. The Würstchen of Wall Street
(faz.net, Lars Jensen)
Sie mögen Politserien wie “House of Cards”? Dann ist dieser Artikel über den neuen Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses Anthony Scaramucci geradezu eine Pflichtlektüre. Angesichts der sich an allen Seiten auftuenden politischen und menschlichen Abgründe kann man “FAZ”-Autor Lars Jensen verstehen, wenn er sich an der einen oder anderen Stelle nur noch mit Sarkasmus zu helfen weiß: “Scaramucci kann ja nichts dafür, dass die Geschichte Hollywoods nur so wimmelt von Figuren, die aussehen wie er, die reden wie er und die irgendwann im Laufe des Films einen Widersacher durchsieben und in den Kofferraum stopfen.”

2. Vom Radio lernen …
(taz.de, Stefan Stuckmann)
Warum werden anspruchsvolle Serien auf Netflix gefeiert, scheitern aber auf Sat.1 oder RTL? Vielleicht, weil das Medium Fernsehen für diese Serien nicht mehr das richtige ist, findet Stefan Stuckmann und entwickelt einige Gegenrezepte. So empfiehlt er den privaten TV-Machern die “Gegenteil-Strategie”, eine Verbreiterung des Angebots und die Kuratierung von Inhalten. Die Öffentlich-Rechtlichen könnten sich vergleichsweise leichter gegen die Streamingdienste zur Wehr setzen: “ARD und ZDF haben durch die Beitragsfinanzierung den Vorteil, dass sie, in ihrer idealen Gestalt und, wenn sie wollten, ohnehin eher Netflix entsprechen könnten als RTL.”

3. Das Wiki ist Teil einer Radikalisierung der Geschlechterdebatte im Internet
(sueddeutsche.de, Kathleen Hildebrand)
Das Online-Portal “Agent*In” der Heinrich-Böll-Stiftung (eine parteinahe Stiftung von Bündnis 90/Die Grünen) listet Gegner feministischer Positionen auf und erntet dafür einiges an Kritik. Es geht um die Prangerwirkung der “schwarzen Liste” und darum, dass viele der Einträge unzureichend unterfüttert seien. Außerdem trage die Seite zur Radikalisierung der Geschlechterdebatte bei: “Man kann das Wiki also nicht nur – wie es seine Macher tun – als Reaktion auf, sondern auch als Teil einer Dynamik sehen, in der sich Debatten über Geschlechterfragen in den vergangenen Jahren im Internet radikalisiert haben. Online-Foren, Kommentarsektionen und viele Wikis sind keine Orte differenzierter Argumentation und sachlicher Diskussion.”

4. Fake News von Fake-Autoren
(faktenfinder.tagesschau.de, Srdjan Govedarica)
Die “Faktenfinder” der “Tagesschau” berichten von einem skurrilen Fall von Fake News in Serbien: Dort habe eine regierungsnahe in den vergangenen Monaten drei frauenfeindliche Meinungsbeiträge veröffentlicht. Die Autoren seien vermeintliche Experten aus dem Ausland mit wohlklingenden Titeln gewesen. Das Problem: Sie existieren nicht.

5. “Filterblasen sind wahrscheinlich Voraussetzung unseres Überlebens”
(derstandard.at, Klaus Taschwer)
Der “Standard” hat sich mit dem IT-Rechtler Nikolaus Forgó über das postfaktische Zeitalter, alte und neue Filterblasen, problematische Gesetzesinitiativen gegen Hatespeech und Fake News sowie die Zukunft der Medien und der staatlichen Überwachung unterhalten.

6. Royale Nicht-Neuigkeiten
(detektor.fm, Christian Bollert)
Moritz Tschermak verrät im Gespräch mit “detektor.fm”, warum man als weibliches Mitglied der britischen Königsfamilie im gebärfähigen Alter niemals, niemals, nie die Hand auf den Bauch legen sollte, sei es noch so zufällig… Transparenzhinweis: Moritz Tschermak ist nicht nur Spezialist für die sogenannte Regenbogenpresse, sondern auch Chef des BILDblogs.

Journalistische Rechtslust, Igel an den Orgeln, Herr des Türenzischens

1. Populismus und Appeasement
(journalist-magazin.de, Michael Kraske)
Der “journalist” hat seine aktuelle Titelgeschichte online gestellt. Michael Kraske führt in dem längeren Lesestück aus, wie der Rechtspopulismus auch den Journalismus erreicht: “Magazine entdecken die Lust an Krisen- und Untergangstiteln. Bild schürt wieder Ängste gegen Minderheiten. Polit-Talker treten als Volkes rechte Stimme auf, und Redakteure werben für einen verständnisvollen Umgang mit der AfD. Derweil geht das Sterben im Mittelmeer weiter. Journalisten sind dabei, Grundwerte preiszugeben. Das dürfen wir nicht zulassen.”

2. „Ohne Igel an den Orgeln“
(taz.de)
Die “taz” startet ihren traditionellen “Unterbringwettbewerb”, bei dem ein vorgegebener Nonsense-Satz in einen Zeitungsartikel, eine Radiosendung, ein Fernsehstück oder einen Internetbeitrag geschmuggelt werden muss. Je ernsthafter, desto besser! Dieses Jahr lautet der Satz: “Ohne Igel an den Orgeln keine Orgien in Georgien.” Einsendeschluss ist der 4. Oktober 2018.

3. Wisch und weg?!?
(spiegel.de, Margarete Stokowski)
Margarete Stokowski knöpft sich in ihrer neuen “Spiegel”-Kolumne die Kritiker der aktuellen Rassismus-Debatte vor: “Die aktuelle Diskussion über Özil und #MeTwo lässt sich auf die doch etwas jämmerliche Frage reduzieren: Gibt es in Deutschland mehr Rassismus als Deutsche wahrnehmen, die von Rassismus nicht betroffen sind? Das ist für diejenigen, die Rassismus erfahren, eine Frage der Sorte “Ist der Papst katholisch?” und für andere ein richtig schönes Debattenthema. Es scheint für einige Leute naheliegender, dass sehr viele Menschen, die ein Ü, Y oder Z im Namen tragen, paranoid sind und sich Diskriminierung einbilden, als dass sie selbst etwas nicht mitgekriegt haben.”

4. “Journalisten leben eben auch in einer Blase”
(ndr.de, Caroline Schmidt, Video, 8:18 Minuten)
Die Moderatorin des Schweizer Fernsehens (SRF) Susanne Wille spricht im “Zapp”-Sommerinterview über journalistische Haltungen, ihr Eintreten für den Schweizer Rundfunk und den Sinn einer emotionalen Debatte.

5. Papierzölle gefährden US-Presse
(deutschlandfunk.de, Sebastian Schreiber)
Eine Papierfabrik im amerikanischen Bundesstaat Washington hat darüber geklagt, dass kanadische Produzenten subventionsbedingt billiger anbieten könnten. Darauf hat die Trump-Regierung höhere Einfuhrzölle für kanadisches Papier verhängt. Was die amerikanische Papierindustrie stärkt, schwächt jedoch eine andere Branche: Die eh schon angeschlagene amerikanische Zeitungsindustrie. Sind die neuen Zölle ein gezielter Angriff auf die US-amerikanische Pressefreiheit?

6. Der Herr des Türenzischens ist tot
(golem.de, Tobias Költzsch)
Der US-amerikanische Sounddesigner Doug Grindstaff ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Wenn Sie von Grindstaff noch nie etwas gehört haben, trifft dies wahrscheinlich nur teilweise zu: Er hat die Klangkulisse für die Star-Trek-Serie aus den Sechzigern (“Raumschiff Enterprise”) kreiert. Von ihm stammen unter anderem bekannte Sounds wie das Zischen der Türen, die Sirenen für den roten Alarm, das Piepen der Kommunikatoren sowie das Geräusch, das die Transporter der Enterprise machen.

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Der Retweet-Gesinnungsfuror des selbstgerechten Julian Reichelt

Aus der beliebten Reihe “Die gelenkige Selbstgerechtigkeit des Julian Reichelt”: Wirft man dem “Bild”-Chef vor, dass er einen rechten Hetzaccount kommentarlos retweetet hat, fragt Reichelt: “Seit wann sind denn bitte Retweets gleich politische Unterstützungsbekundungen?”:

Screenshot eines Tweets von Julian Reichelt - Seit wann sind denn bitte Retweets gleich politische Unterstützungsbekundungen? Ich verstehe nicht, wieso Zitierungen hier gleich solche Wutwellen auslösen. Zitieren muss erlaubt sein, ohne dass gleich ein Gesinnungsnachweis beigefügt werden muss.

Die Kritik an einem Retweet (RT) sei laut Reichelt “schrecklicher RT-Gesinnungsfuror”:

Screenshot eines Tweets von Julian Reichelt - Meine Position ist, dass mein Retweet nichts mit der Person zu tun hat, dass ich in keiner Verbindung stehe und keine Agenda unterstütze. Herr Gensing sollte schlicht seine Sicht auf Feine Sahne Fischfilet erläutern. Der Screenshot wirft nunmal Fragen auf. Und dieser RT-Gesinnungsfuror ist schrecklich.

Retweetet hingegen “FAZ”-Journalist Patrick Bahners ein Gedicht des Satiremagazins “Titanic” über Sami A., in dem es unter anderem darum geht, dass der Tunesier doch mit einem Flugzeug ins Axel-Springer-Hochhaus fliegen könnte, will Julian Reichelt nichts mehr wissen von “Seit wann sind denn bitte Retweets gleich politische Unterstützungsbekundungen?” Keine Spur mehr davon, “dass mein Retweet nichts mit der Person zu tun hat, dass ich in keiner Verbindung stehe und keine Agenda unterstütze.” Und “zitieren muss erlaubt sein, ohne dass gleich ein Gesinnungsnachweis beigefügt werden muss”? Pah!

Für Reichelt ist Bahners Retweet nichts weniger als Propaganda für den Massenmord an Journalisten:

Screenshot eines Tweets von Julian Reichelt - Unter dem Deckmantel der Satire propagiert FAZ-Kollege Patrick Bahners den Massenmord an Journalisten.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Der Fall Khashoggi, Ziemlich Tauber Tweet, Beredtes Schweigen

1. Fakten, Gerüchte, Schauermärchen
(spiegel.de, Dominik Peters)
In der Affäre um den in der saudischen Botschaft verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi wurden und werden nach und nach Details bekannt. Die Quellen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, es herrschen die verschiedensten Interessenlagen. Dominic Peters berichtet, was amerikanische und türkische Medien bislang veröffentlichten und ordnet die Lage ein.
Weiterer Lesehinweis: “Zapp” hat den Autor und Chefredakteur des Magazins “Zenith — Zeitschrift für den Orient”, Daniel Gerlach, zum Fall Khashoggi interviewt. Dieser geht auch auf die Medienstrategie Saudi-Arabiens ein: “Es entsteht der Eindruck, dass sich die saudischen Informationskampagnen sehr am russischen Beispiel orientieren, das aber wesentlich weniger professionell. Die Russen benutzen Kontra-Propaganda und Gegen-Narrative ja nahezu perfekt, um westliche Narrative, Erzählmuster, zu hinterfragen.”
Und im “Tagesspiegel” kommentiert Christian Böhme das Schweigen Europas: Der Westen duckt sich im Fall Kaschoggi kläglich weg.

2. Beredtes Schweigen
(twitter.com/marcusengert)
Als politischer Reporter bei “BuzzFeed News” Deutschland ist Marcus Engert darauf angewiesen, dass ihm Pressestellen von Behörden und Organisationen Auskunft erteilen. Die Zusammenarbeit mit den Presseverantwortlichen gestaltet sich jedoch hakelig: “Wir erleben immer öfter PressesprecherInnen, die enormen Aufwand darauf verwenden, nicht mit der Presse zu sprechen. Die Antworten schicken, mit denen sie auf keine der gestellten Fragen antworten.” Anhand eines Screenshots erklärt Engert einen typischen Fall und denkt über eine mögliche Lösung nach.

3. Rommel mit Widerstand verbunden?
(faktenfinder.tagesschau.de, Patrick Gensing)
Peter Tauber (CDU) ist Staatssekretär im Verteidigungsministerium und twitterte am Wochenende eine Art Gedenktweet in die Welt hinaus: “Heute vor 74 Jahren starb Erwin Rommel, von den Nazis zum Selbstmord gezwungen.” Tauber betrachtet Hitlers Lieblingsgeneralfeldmarschall Rommel augenscheinlich nicht als Nazi, sondern als eine Art Widerstandskämpfer. Dem geht der ARD-“Faktenfinder” nach und befindet: “Dass Rommel “seine Rolle auch im Widerstand” hatte, beziehungsweise mit dem Widerstand verbunden gewesen sei, ist keineswegs bewiesen, sondern unter Historikern höchst umstritten.”
Auf die Kritik bei Twitter reagierte Tauber übrigens mit einer, nun ja, interessanten Volte: “Freue mich über die ganzen Linken, die durch ihre Tweets offenbaren, dass sie in Wahrheit Popo an Popo mit den Nazis stehen.”

4. Mit Filtern gegen Kinderpornos
(taz.de, Christian Rath)
Im Oktober 2017 trat das Gesetz zur Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken (NetzDG) in Kraft, nach dem rechtswidrige Inhalte von den Plattformbetreibern binnen sieben Tagen entfernt werden müssen, “offensichtlich rechtswidrige” Inhalte sogar binnen 24 Stunden. Wie hat sich das Gesetz auf Youtube ausgewirkt? Ist es zum befürchteten “Overblocking” gekommen? Christian Rath hat für die “taz” hingehört, was eine Google-Juristin bei einer Veranstaltung im Mainzer Abgeordnetenhaus dazu gesagt hat.

5. Diskutieren wir, statt uns zu beleidigen!
(faz.net, Stephan Stach)
Wie steht es um die Pressefreiheit in Polen? Nicht sonderlich gut, wie Stephan Stach in der “FAZ” erklärt. Er schickt sarkastisch voraus: “Was Intoleranz angeht, ist die Publizistik in Polen anderen Ländern voraus.” Wer “falsche” Ansichten äußert oder Witze über die Regierung macht, werde entlassen: “Die politische Linie erhält Vorrang vor der Debatte. Weichen Redakteure von der jeweiligen politischen Linie ab, gilt das schnell als Verrat.”

6. Er tut es wieder: Fake-Restaurantbesitzer veräppelt Medien mit Doppelgänger
(watson.ch)
Nachdem Oobah Butler es geschafft hat, bei Tripadvisor ein von ihm erfundenes, nicht-existentes Restaurant mittels falscher Bewertungen auf Platz eins zu hieven, ist er ein gefragter Ansprechpartner der Medien. Zu den Interviews schickte er irgendwelche ihm ähnlich sehenden Menschen. Und keiner merkte etwas.