„Das wär‘ jetzt aber blöd, wenn das nicht ankommt“

Dem Autor Orkun Ertener verdankt das Fernsehen den überdeutschen türkischen RTL-Ermittler Sinan Toprak, den knurrigen Kieler Tatort-Kommissar Klaus Borowski — und die atemberaubende und preisgekrönte Krimiserie KDD — Kriminaldauerdienst. Ab Freitag zeigt das ZDF die zweite Staffel der nicht nur für ZDF-Verhältnisse außergewöhnlichen Serie. Ein Werkstattgespräch.

 

Woher kam die Idee zu Kriminaldauerdienst?

Orkun Ertener: Vor vielen Jahren, ungefähr 2002, haben mich die Produzenten Mischa Hofman und Kathrin Breininger gefragt: Hast du nicht Lust, eine authentische, aber billige Krimiserie zu schreiben? Ich war schon damals Liebhaber von amerikanischen Ensemble-Stücken und hatte das Gefühl, das haben wir im deutschen Fernsehen noch gar nicht: diese horizontalen Erzählstrukturen mit Geschichten, die sich über mehrere Folgen erstrecken. Ich wollte gerne ein Medical Drama mit einem Police Drama kombinieren, so etwas wie E.R. auf der Polizeiwache. Und dann haben wir lange daran entwickelt.

Eine „billige“ Krimiserie?

Eine kostengünstige. Es ist dann aber doch eine eher teure, gut ausgestattete Produktion geworden.

Aber was heißt der Auftrag „billig“ für einen Autor?

Zum Beispiel wenig Aufmerksamkeit in abstürzende Polizeihubschrauber zu legen, sondern auf den Dialog: ein echtes Drama.

Wie kam das ausgerechnet ins ZDF?

Der Redaktion, Klaus Bassiner und Axel Laustroer, hat das Pilotbuch, das wir ohne Senderauftrag entwickelt hatten, gefallen, nach der Legende hat es dann auch der Programmdirektor irgendwann im Flieger gelesen und gesagt: Wir machen das. Am Anfang gab es noch den Plan, es mittwochs zu senden, auf dem Platz, an dem Kanzleramt untergegangen ist — was nach meiner Vermutung KDD genauso ergangen wäre. Dann entschied das ZDF, das am Freitag laufen zu lassen…

… auf dem traditionellen Platz für die biedersten Krimis im deutschen Fernsehen.

Das ist sehr, sehr zweischneidig. Einerseits glaube ich wirklich, wir wären am Mittwoch untergegangen. Andererseits ist die erste Staffel am Freitag kaum wahrgenommen worden. Das ZDF hat, glaube ich, zu wenig kommuniziert: Das ist zwar der Termin, auf dem auch Der Alte läuft, aber was dann kommt, Kinder, ist was ganz anders — Publikum mit Herzbeschwerden bitte abschalten, die anderen bitte zuschalten. Es gab dann bei Quoten auch eine richtige Kurve nach unten.

Woran lag das?

Das ist schon ein Kulturschock. Es ist kein Wunder, dass viele traditionelle ZDF-Krimi-Zuschauer abschalten; es müssten aber andere hinzukommen, und das ist in der nicht ausreichend passiert. Aber wenn man das besser kommuniziert, was bei der zweiten Staffel mehr geschieht, ist der Freitag gar nicht schlecht.


Foto: ZDF

War KDD als Berlin-Drama konzipiert?

Nein. Ich hatte viel hier in Köln recherchiert und wollte das hier auch erzählen. Ich dachte, Berlin könnte zu klischiert sein, bei den Geschichten, die ich erzählen wollte. Das ZDF fand aber, dass Köln ein bisschen abgefilmt ist. Was kommt dann in Frage? Kreuzberg, Neukölln — immer noch mit großen Ängsten von mir begleitet. Aber das hat sich als großartige Senderentscheidung erweisen. Ich würde heute sagen, das könnte nirgends anders spielen — obwohl viele Geschichten gar nicht von dort kommen.

Vieles an KDD ist ungewöhnlich. Zum Beispiel erzählen Sie realistisch anmutende soziale Dramen, entscheiden sich aber im Zweifelsfall für den größeren Knall, den besseren Unterhaltungswert.

Ja. Mir war die Dramaturgie oft wichtiger als Realismus oder die Anmutung von Authentizität. Wir reden von Fiktion, nicht Dokumentation.

Andererseits ist es kein Märchen, die Geschichten wirken echt.

So gut wie jeder Kriminalfall in KDD ist wahr. Ich möchte erfahren: Wie können Menschen sein? Was passiert ihnen? Ich war für ein paar Tage hier beim KDD, um zu sehen: Wie sind die, was reden die, wann kriegen die glänzende Augen? Dann erzählen die diese unglaublichen Geschichten wie die von der Mutter, die behauptet, ihr Kind sei entführt worden – dabei hatte sie es nur erfunden, um jahrelang Sozialleistungen zu bekommen. Wenn sechs, sieben Leute da arbeiten und ihnen solche Geschichten begegnen, und jeden Tag eine neue: Was macht das mit denen? Das ist die Grundfrage, der Motor der Serie.

Die ganze Geschichte mit dem erfundenen Kind ist eine von vielen Miniaturen in KDD. Sie ist, alles in allem, vielleicht fünf Minuten lang.

Höchstens.

Sie tippen das nur einmal an und sagen: Ich habe hier folgende Geschichte. Die führt aber nicht irgendwo hin, sondern funktioniert als Pointe.

Ja. Viele Geschichten, nicht alle, sind auf einen überraschenden Moment hin erzählt. Das Erzählkonzept beruht aber auch darauf zu sagen: So ist es da ja im Kriminaldauerdienst, die die Fälle nur am Anfang bearbeiten und dann weitergeben. Aber so ist es in unserem Leben und unserer aller Arbeit ja auch oft: Man hat nur einen Eindruck, kann kurz auf etwas reagieren, und das war’s. Ich wollte die Splitter zeigen, ohne die Geschichte von vorne bis hinten zu erzählen und zu wissen, wie sie moralisch zu bewerten ist. Das ist ein Anspruch von mir: nicht zu moralisieren, sondern moralische Fragen aufzuwerfen.

Im „Tatort“ hätte die Kindesgeschichte allein 90 Minuten gefüllt.

Es gibt eine bestimmte Erzähltradition beim Tatort, zum Glück nicht die einzige, die ich ganz entsetzlich finde. Da werden Dinge zerdehnt und bewertet und dadurch verlieren sich die Impressionen, die bohrende Fragen, die sie auslösen können.

Bei manchen dieser Miniaturen habe ich mich gefragt, ob das nicht auch etwas Frivoles hat – kurz das Elend von Personen zu zeigen, die man dann sofort wieder aus den Augen verliert, nur um eine Pointe zu setzen.

Das ist in der Tat eine berechtigte, hochmoralische Frage. Da ist diese ganz kurz erzählte Geschichte mit der Frau, die Krebs hat und aus Geldgründen, ihrer Familie zuliebe, Selbstmord begeht. Ich finde, diese Figur ist ernsthaft erzählt und auch so inszeniert. Dann darf man sie auch benutzen: Wenn man das Gefühl hat: Es sind nur 20 Sekunden, aber es ist ein wahrhafter Augenblick. Und es gibt ein paar wirklich wahrhafte Momente in KDD.


Foto: ZDF

KDD hat aber auch etwas von einer Seifenoper. Manchmal übertreiben Sie es mit den Geschichten und den Knalleffekten, die Sie Ihren Figuren zumuten. Ist es gefährlich, mit den Figuren so frei spielen zu können?

In der ersten Staffel haben wir experimentiert, manchmal mit einer kindlichen Freude, die Formen auszuprobieren. Die Figuren haben alle eine Macke: Der eine verliert die Tochter, der andere muss mit seinem Alkoholismus kämpfen. In der Anhäufung ist das schon gefährlich. Vielleicht war da auch die Angst, dass das womöglich die einzige Staffel ist, die es geben wird — ich will da alles erzählen. Sonst hätte man es eher wie bei amerikanischen Vorbildern gemacht, die sagen: Den Charakter können wir auch in Staffel sieben noch zum Tablettenabhängigen machen. Aber in der Zukunft heißt es für KDD vielleicht auch, die Häufung von persönlichen Schicksalsschlägen wieder ein bisschen zurückzunehmen.

Ist denn eine dritte Staffel schon sicher?

Ja, es gibt einen Auftrag, und ich sitze gerade an der Entwicklung. Gut, falls die Quoten miserabel sind,stellen sich vielleicht wieder Fragen.

Ist das normal, dass ein Sender das vorab in Auftrag gibt? Schon die zweite Staffel war angesichts der Quoten ja keine Selbstverständlichkeit.

Sie haben zum Glück nach den ersten drei oder vier Folgen entschieden, da war der Schnitt noch okay.

Es hat gerade gereicht.

Ja. Und die gute Presse hat sicher geholfen und später die Preise. Es ist eine Art ungeliebtes Wunderkind: Eigentlich möchten das alle machen, aber es hat noch nicht den Quotenauftrag erfüllt.


Foto: ZDF

Die erste Staffel endet dramatisch offen: Einer völlig misslungenen Aktion, an deren Ende das ganze Personal im Blut liegt. Das wirkt, als wollten Sie sich die Möglichkeit offen lassen, das halbe Ensemble auszutauschen.

Nein, das war keine Option. Es war aus dramaturgischen Gründen klar, dass Rainer Sallek (Christian Redl) stirbt. Aber sonst niemand. Und die Figur des internen Ermittlers Stieglitz war schon lange vor der Besetzung meine Lieblings-Nebenfigur, dann kam Michael Rotschopf als Schauspieler, und der ist so großartig, der muss auf jeden Fall am Leben bleiben.

Aber Sie hatten auch einfach kindliche Lust, mit dem fiesestmöglichen Cliffhanger aufzuhören, oder?

Ja, aber wir wollten auch sagen: Es hört noch nicht auf, Kinder, es geht weiter. Wir haben Zeit — wir haben uns sehr gehetzt in der ersten Staffel, aber es kommt eine zweite. Ich möchte den Figuren lange nachgehen und versuchen, so ernst wie möglich zu erzählen, wie sie in dieser Zeit sind. Es gibt da die Kristin, die Saskia Vester spielt, das ist eine alte Figur: Ich habe bei Recherchen für Stahlnetz mit einer Polizistin über Mobbing bei der Polizei gesprochen, und da fiel der Nebensatz: Und wenn man jetzt noch lesbisch wäre, das wäre tödlich. Aus so einem Satz entsteht manchmal eine ganze Figur: Was wäre wenn? Vielleicht würde man in anderen Serien erst einmal nur diese Geschichte erzählen und die anderen Polizisten wären eher unauffällig — bei KDD ist es so, dass jede einzelne Figur so einen interessanten Kern hat.

Die lesbische Polizistin hat sich aber vorerst mal einen Mann gesucht. Es gibt die Kritik, dass hinter der modernen Fassade von KDD ein sehr konservatives Weltbild stecke. Finden Sie das eine legitime Kritik?

Grundsätzlich nein. Andererseits ist es natürlich so, dass zum Beispiel in 24, einer Serie, die ich dramaturgisch unglaublich toll finde, ein Weltbild transportiert wird, das mich zum Kotzen bringt. Schon das Szenario der permanenten Bedrohung, und es gibt nur die Lösung durch Gewalt. Ich glaube aber nicht, dass in KDD eine Lebensart diffamiert und eine andere gefeiert wird. Wir zeigen: Es gibt Gewalt. Es gibt auch eine Gewaltbereitschaft bei Polizisten. Aber da wird keine Ideologie transportiert.


Foto: ZDF

Sind Sie jetzt angefixt, was das Serien-Schreiben angeht?

Vor vier, fünf Jahren, habe ich gedacht: Die Serie ist die Königsdisziplin des Fernsehens, und ich möchte das gerne machen. Eigentlich ist das auch jetzt noch so — theoretisch. Aber die letzten Jahre frage ich mich: Was soll ich hier erzählen? Alles, was mich interessiert, floppt. Ich habe das Gefühl, als befänden wir uns in einer Beerdigungsphase: das Ende der Fiktion. Es gab ein Projekt, auf das ich viel Lust hatte, eine Krankenhausserie, sehr realistisch erzählt, auch ein bisschen ambitionierter (was auch immer das heißt). Ich habe lange recherchiert, war im Krankenhaus, und es waren auch schwere Geschichten: Wenn Kinder sterben, ist das nicht so schön. Der Sender hat dann irgendwann gesagt, so schwer geht das nicht. Nicht im Moment. Wenn es überhaupt noch Fiction gibt, ist die Frage überall: Kriegen wir das nicht auch ein bisschen leichter?

Die Sender wollen keine düsteren Serien.

Ja, aber was ist „düster“? Was ist „hell“? Ich finde KDD überhaupt nicht düster.

Nicht?

Nein. Eigentlich, um es ganz pathetisch zu formulieren, obsiegen doch am Ende immer die positiven Werte. Es gibt eine Loyalität in dieser Gruppe von Polizisten, sie werden aufgefangen, alle miteinander, wem auch immer es schlecht geht. Es gibt Figuren wie Stieglitz, die sich in eine Sache reinwühlen, um sie aufzuklären, das ist für mich hell. Aber natürlich sieht das düster aus. Aber was mit den Kriterien „düster“ und „hell“ gemeint ist, ist vermutlich Eskapismus: Hilft es mir, mich wegzuträumen, oder hilft es mir nicht?

In dem Sinne ist KDD beides: fantastisch und realistisch.

Wenn die Dinge im Fernsehen fiktional authentischer erzählt werden, heißt es: Können wir nicht mehr in Richtung Märchen gehen, mit einer schönen moralischen Auflösung? Gleichzeitig gibt es ein unglaubliches Bedürfnis nach Authentizität — im nicht-fiktionalen Bereich, mit Schuldnersendungen zum Beispiel, auch ohne Happy End. Ich habe mal eine leichte, durchaus auch eskapistische Serie über einen Insolvenanzwalt vorgeschlagen. Die Antwort war: Das ist zu düster. Da geht es um Schulden, existenzielle Krisen, Arbeitslosigkeit… Dabei funktioniert das im Doku-Bereich hervorragend.

Es gibt wenige deutsche Serien, in die das Leben schwappt.

In Serien nicht, aber in Einzelstücken, den Tatort. Aber was wirklich fehlt und mich auch als Zuschauer interessiert: Ein moralisches Dilemma hinzustellen und es nicht zu lösen. Weil, woher soll ich die Lösung wissen? Ich sehe bei den Serien auch kein Licht am Horizont. Ich würde gerne eine BND-Geschichte machen, erzählt durch eine Paartherapie von einem Ehepaar, das zusammen arbeitet und Spionagegeschichten zum Therapeuten bringt. Das hab ich gar nicht erst versucht. Sobald Sie das jemandem erzählen, wird der Ihren Puls fühlen. Das ist zu komplex.


Foto: ZDF

Haben Sie mit der Resonanz auf KDD gerechnet?

Ich hab wirklich eineinhalb bis zwei Jahre nichts anderes gemacht als das. Das war quasi mein Leben. Und ich hatte wirklich das Gefühl, dass wir alle etwas Großartiges machen: Lauter verrückte Menschen, die da zusammen gearbeitet haben. Mit Kathrin Breininger der Glücksfall einer mutigen, klugen Produzentin. Dann Nessie Nessauer, die das Casting gemacht hat, was sie sonst für Serien nie macht. Saskia Vester als lesbische Polizistin zu besetzen — was ist das denn für eine Idee! Ich hatte das Gefühl, ich schreibe etwas Großartiges — und das habe ich selten. Ich habe nicht gedacht, ich mache das perfekt, aber es ist etwas Neues. Und dann kam immer eine Schicht dazu: die unglaubliche Ausstattung, eine tolle Kamera, dieses großartige Ensemble. Und wir haben so gearbeitet, wie andere nicht arbeiten. Mit ausführlichen Leseproben vor jedem Block. Jetzt sprechen wir sogar vor der Staffelentwicklung mit den Schauspielern, das ist ein großer Luxus und macht ungeheuren Spaß. Und ich hatte tatsächlich das Gefühl: Das wär‘ jetzt aber blöd, wenn das nicht ankommt. Mit dieser positiven Resonanz habe ich aber trotzdem nicht gerechnet.

Meinen Sie, dass so was eine Wirkung hat und andere ermuntert, ähnliches zu probieren?

Dafür hätte es schon der überragende Quotenerfolg sein müssen. Es ist ja nicht so, dass die Sender denken: Das ist qualitativ toll, das wollen wir auch, weil wir auch Preise wollen. Es gab die letzten zwei Jahren, glaube ich, keine einzige erfolgreiche Serie außer dem Bergdoktor.

KDD – Kriminaldauerdienst, freitags, 21.15 Uhr, ZDF.

Das Gespräch ist die Langfassung eines Interviews, das in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ erschienen ist.

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Stefan, 30. April 2008, 13:48.

24 Kommentare


  1. […] Das ganze Gespräch steht nebenan, beim Fernsehlexikon. […]

  2. Ich spüre hier einen großen Disconnect zwischen den Entscheidern in den Sendern, die es gerne leicht verdaulich hätten und den Leuten die sich genau den schweren und düsteren UK und US Serienstoff notfalls grau aus den Ursprungsländern selbst importieren, weil er hier nicht gezeigt wird.

    Nun es hängt wohl auch damit zusammen das die deutsche Serie – nach Jahrzehnten voller Derrick, biederem Tatort und miesen drittklassigen US.Kopien – ein großes Imageproblem hat.

    Entweder hat das ganze das Niveau eines unser Charly oder es ist nachgemacht, meistens ohne den verve und die Qualität des Originals zu erreichen.

    Was manche auch nicht kapieren ist, das eine deutsche Serie auch ein wenig deutsch sein sollte. Post Mortem mag zwar gut gemacht sein, guckt sich aber doch eher wie ein CSI Köln, denn wie ein authetischer Versuch eine Idee nach Deutschland zu portieren. da fragt man sich dann selbst als offener Geist wozu Post Mortem angucken, wenn ich auch CSI Las Vegas sehen kann.

    Da gehen dann selbst authentische Produktionen wie KDD im Grundrauschen unter, insbesondere wenn sie wie beim ZDF auch kaum beworben werden auf einem sehr sehr ungünstigen Sendeplatz laufen.

    Freitag Abend wo traditionell eher Ware der Art Derrick, der Alte oder ein Fall für Zwei läuft und wo die Zielgruppe in der Regel besseres vor hat als vor dem Fernseher zu sitzen.

    Ohne Fernsehlexikon hätte ich nicht mal erfahren das es die Serie überhaupt gibt.

  3. In der Tat ist KDD eine klasse Serie. Ich habe jetzt die erste Staffel durch und freue mich auf die Zweite.

    Mich würde aber schon interessieren, inwiefern sich Orkun Ertener auch von The Shield hat inspirieren lassen, manches wirkt nämlich wirklich sehr nah dran (und wie ich woanders schon schrieb – ich finde das eigentlich sehr gut).

  4. Eine wirklich großartige Serie, die beste Serie aus Deutschland zur Zeit… Kompliment an die Entscheider im ZDF, zu ihrem Produkt zu stehen!!

  5. […] Stefan hat sich mit dem Autoren von KDD unterhalten. Das lesenswerte Interview gibt es HIER im Fernsehlexikon. […]

  6. Ich hab die Serie jetzt durch den Programmtipp von Stefan Niggemeier und die Mediathek entdeckt. Die ersten fünf Folgen: großartig.

    Aber dann kam irgendwann die Wende. Statt Kriminalfälle zu lösen, waren nach und nach alle Polizisten mit sich selbst beschäftigt. Die Authenzität wird gegen immer abgedrehtere Plots eingetauscht. Eine Polizistin wird von der Straße weg entführt, kann dann aber in der Wohnung noch zwei Mal telefonieren. Die Story rund um Han wird konfus und unlogisch. Was soll bei dieser Übergabe eigentlich übergeben werden?

  7. soviel. danke. ein jahr lang lebte ich mit der manchmal besinnungslos machenden angst, stieglitz könnte es nicht geschafft haben.
    jetzt die erlösung! und dann noch ne 3.staffel! großartige news zu ner großartigen serie.
    können wir uns mal treffen?
    ich liebe Sie übrigens.

  8. […] tatsächlich zum Konsum der ZDF-Serie KDD haben verleiten lassen (wir berichteten), könnte auch dieses Interview von Stefan Niggemeier mit dem Autoren Ortun Ertener für sie von Interesse […]

  9. Nach dem Tipp drüben auf Stefan Niggemeiers Blog habe ich mir die erste Episode in der Mediathek angeschaut und bin jetzt süchtig.
    Zum Glück geht’s Freitag schon weiter. Viel länger hätte ich nicht ausgehalten.

  10. Die Frage nach „The Shield“ habe ich v.a. in diesem Blog allerdings auch vermisst.
    Übrigens Danke, dass ich jetzt an den Start der 2. Staffel erinnert wurde. Erstmal den Receiver programmieren.

  11. […] Im Fernsehlexikon äußert sich Orkun ERtener zu KDD. Er spart dabei nicht mit Kritik an sich und dem […]

  12. @ Sebastian und Timm:
    Unter Genreaspekten betrachtet war meine Kernvorstellung für KDD erst einmal so etwas wie „Police Drama meets Medical Drama“. Zum Zeitpunkt der Konzeptentwicklung kannte ich, Hand auf Herz, „The Shield“ noch gar nicht.
    Bei der Entwicklung der großen Horizontale, der Korruptions- und Drogengeschichte um den Polizeivizepräsidenten und das LKA, sind aber auch Inspirationen aus „The Shield“ eingeflossen. Allerdings ist gerade dieser Erzählstrang keineswegs meine persönliche Lieblingsebene von KDD, sondern in meinen Augen eher eine Art „Achillesferse“ der Serie.

  13. Danke für die Antwort :-)
    Ich glaube das auch einfach mal.

    So gehen die Geschmäcker auseinander, gerade diese Ebene mit der Korruption bei der Polizei mag ich besonders, während ich zum Beispiel dem Scheidungsdrama Enders‘ nicht viel abgewinnen kann. Aber so wird halt jeder glücklich.

    Sehenswert sind jedoch alle Szenen mit Anna Fischer und Alma Leiberg 😉

    (Und nicht so sehr mit Manfred Zapatka(?), er spielt meiner Meinung nach seeehr hölzern.)

  14. In englischsprachigen Blogs und Foren (und nicht nur dort?) gehört es sich, SPOILER-WARNUNG über so ein Gespräch zu schreiben. Ich habe die erste Staffel noch nicht gesehen und hätte auf die Information, welcher Haupt-Charakter sie nicht überlebt, gerne verzichtet.

    Ansonsten hochinteressant, vielen Dank!

  15. Ich finde die Serie auch super. Ohne die Berichterstattung bei Stefan Niggemeier hätte ich sie vermutlich gar nicht entdeckt. Und vermutlich wäre ich auch nie dazu gekommen, sie mir anzuschauen, wenn es die Folgen nicht im Internet gäbe.

    Die Idee mit der lesbischen Polizistin ist übrigens nicht ganz neu – sie spielt auch eine entscheidende Rolle bei der norwegischen Krimiautorin Anne Holt. Deren Heldin Hanne Wilhelmsen muss sich auch mit ganz ähnlichen Problemen auseinander setzen: Die langjährige Lebensgefährtin ist sauer, weil Hanne Wilhelmsen in Polizeikreisen partout nicht zu ihrer Beziehung stehen will.

  16. Himmel, Gesäß und Nähgarn, wie das doppelte Lordchen gelegentlich zu sagen pflegte, wenn Dannyboy nicht in der Nähe war –

    Eigentlich hatte ich ja deutsche TV-Serienkost mangels Nährwert und Ereignishorizont schon länger von meinem mentalen Speiseplan gestrichen. Diese jedoch feuerte aus der Hüfte ein derart knackfrisches Fernsehereignis auf mich ab, dass mir beinahe der Sessel umgekippt wäre. Das vermutlich knitterigste Erlebnis seit Schimanskis Freizeitjäckchen, rauh und dreckig, mit Figuren die schwitzen, bluten und kotzen, beinahe wie echte Menschen. Die Millieuskizzen treffen voll ins Schwarze, dampfender Sex und sinnlose Gewalt wechseln sich ab mit Momenten höchster Zartheit, tiefer Ehrlichkeit und Freundschaft. Korruption kollidiert mit Idealismus, zuweilen sogar in ein und derselben Figur, es wird geliebt, gelitten und enthüllt, dass die dramaturgische Schwarte nur so kracht, bis plötzlich ein Lichtstrahl des in hunderten von Überstunden geschliffenen Diensthumors (analog zur Dienstwaffe) die emotionalen Ungewitter durchbricht.

    Kurz gesagt, so etwas wie „KDD“ habe ich in der Innovationswüste deutscher Kriminalgeschichten schon lange nicht mehr gesehen. Da hat sich tatsächlich mal jemand die Vorbilder aus den USA sehr, sehr genau angeguckt (Straßenfeger wie „24“ oder die Mobster mit Polizeimarke aus „The Shield“) und ihren Stil und Spannungsaufbau kongenial ins Deutsche übertragen, ohne lediglich platt zu kopieren: Nervöse Handkamera, unverblümte Sprache, Ambivalenz und offene Fragen statt vorgestanzter Moralitätskorsette und einfacher Lösungen. Da passt es hervorragend ins Bild, das der Autor im Interview erläutert, viele (aber nicht alle) der enthaltenen Fälle beruhten auf wahren Begebenheiten – solch kranke Geschichten wie z.B. die Sache mit der Tagesmutter schreibt nur das Leben selbst. Und eben das ist das große Ereignis bei „KDD“ – hier wird, bei aller dramaturgischen Überhöhung, ein Gefühl von Authentizität vermittelt, von Echtheit und Unbeständigkeit, als sei man irgendwie live dabei. Und fast wie im richtigen Leben sind die Protagonisten beileibe keine strahlenden Helden, zumindest nicht im herkömmlichen Sinne. Dafür ist jeder von Ihnen ein Held des Alltags, der trotz diverser Charakterschwächen nur versucht, im richtigen Moment das Richtige zu tun. So wie wir alle.

    Und ja, ich hätte das alles auch mit wesentlich weniger blumigen Worten sagen können: Respekt, mein lieber Herr Ertener! Und bitte weiter so.

  17. […] Niggemeier hat mit Orkun Ertener, dem Schöpfer der Serie, gesprochen. Ausführlich und äußerst lesenswert. Darin sagt Ertener unter anderem: “Ich finde KDD […]

  18. […] hat den Autor interviewt, eine dritte Staffel ist ab Herbst geplant und mein Fernsehfreitagabend hat ab sofort eine […]

  19. Ich finde die Serie eigentlich sehr gut: die Darsteller spielen toll, das Buch ist klasse. Ich spüre eine Leidenschaft aller Beteiligten.
    Dennoch hatte ich während der ersten Staffel Schwierigkeiten mir das anzuschauen.

    Ich versuch das mal zu erklären:
    Die Serie ist vielleicht nicht inhaltlich düster, eher realistisch, aber vieles drumherum ist es: die Farben sind grünlich braun, die Musik mit der Rückwärtsspur löst bei mir Beklemmung aus, die Kamera ist dokumentarisch nah dran.
    Die Serie lässt mich nicht durchatmen, lässt keine Entspannung zu. Es geht mir nicht ums Wegträumen, aber viele Serien, die ich mag, leben vom Wechsel zwischen An- und Entspannung (z.B. CSI Las Vegas, Lost, The Closer), ohne dabei Tiefe einzubüßen.

    Ich möchte die Serie mal mit „Lost“ vergleichen, weil KDD für mich weniger Krimi als Drama-Serie ist, und weil in beiden Serien jederzeit überraschend etwas Dramatisches und Unglaubliches passieren kann, das Abgründe menschlichen Verhaltens offenbart.
    Bei „Lost“ jedoch gibt es immer wieder diese wahnsinnig schönen – aber nie kitschigen – Momente. Sie haben für mich etwas Versöhnliches. Und sie tauchen das Abgründige in ein menschliches Licht. Bei KDD gib es kaum Atempausen. Die hellen Momente gibt es vielleicht inhaltlich, sie spiegeln sich aber nicht in der Inszenierung wider.

    Vielleicht sagt deshalb mein Verstand ja, mein Geist jedoch häufig nein.

  20. Ich fand den Staffelauftakt im Übrigen grandios. Da war so viel drin, weit besser als Finale der ersten Staffel. Der Fall mit dem Stalker war extrem gut (und man darf gespannt sein, was da noch kommt), dann dieser ominöse Louis, Han dreht frei und wird jetzt wahrscheinlich doch wieder das Geschäft an sich reissen…

  21. […] startete solide in die neuen Folgen.” Im Fernsehlexikon gibt’s die Langfassung eines Werkstattgesprächs mit KDD-Autor Orkun Ertener von Stefan […]

  22. Ich bin erst durch die ZDF-Mediathek auf die Serie gestossen, welche ich eigentlich gar nicht vor hatte, mir anzusehen, da ich eh schon zu viele Serien gucke.
    Aber was soll ich sagen – Auftaktfilm gesehen und dann natürlich hängen geblieben.
    Die Serie ist so total anders, als ich es bisher von den öffentlich-rechten gewohnt war. Es „passiert“ einfach immer was. Keine LANGweiligen Dialoge, alles ist irgendwie spannend und die Auswahl unserer deutschen Schauspieler – und ich meine auch die Gastdarsteller oder Nebenrollen – ist erste Sahne.
    Die Serie hat mich auf den ersten Blick an „Polizeirevier Hill Street“ erinnert. Liegt wohl daran, dass es mehrere Hauptdarsteller waren, die alle auf einem Revier arbeiten und um deren Fälle und Privatleben es ging – wie hier ja auch.
    Alles andere wurde hier eigentlich schon gesagt, daher möchte ich nur noch sagen, dass ich mich sehr darüber freue, dass die Serie fortgesetzt wird.

  23. Es ist in der Tat eine extrem gut gemachte Serie. Dass wir in D richtig geile Schauspieler haben, ist nix Neues. Man muss sie nur auch mal lassen.

    Und auch die kleinen übertriebenen „auf Pointe“ erzählten Übertreibungen kann ich nach diesem Interview nun verschmerzen. Erklärung akzeptiert! 😉 (Auch wenn ich glaube, dass die Serie das gar nicht nötig hätte.)

    Denn neben dem ganzen unglaubwürdigen, gestylten CSI-Einheitsbrei vermittelt diese Serie endlich mal ein glaubwürdig-realistisches Bild.

    ciao
    Rainer

  24. Ich konnte die neue Staffel bisher nicht sehen, war unterwegs, blieb aber ruhig, denn da ist ja noch die Mediathek. Und jetzt der Schock! Den Piloten gibts schon nicht mehr, Sendungen sind wohl nur zwei Wochen lang drin?
    Deprimierend. Keine Lust einfach heute abend einzuschalten. Bis zur Wiederholung kann ich lang warten. Super.


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