Vampire State Of Mind

20. Januar 2010, 05:50


Foto: ProSieben

Sind Vampire wirklich die Lösung?

Seit ProSieben das quotenträchtige Seriendoppel aus Desperate Housewives und Grey’s Anatomy auseinandergerissen hat, um auch in der anderen Jahreshälfte etwas zu haben, das mittwochs um 20.15 Uhr gesendet werden kann, sucht der Sender eine Serie, für die die Zuschauer von Desperate Housewives noch eine Stunde länger dranbleiben.

Der Gedanke, Lipstick Jungle im Anschluss zu programmieren, war grundsätzlich nicht schlecht, Genre, Anmutung, und Darstellerinnen sprachen formal die gleiche Zielgruppe an. Schlecht war aber leider Lipstick Jungle, und deshalb funktionierte es nicht. Vorher hatte sich schon Pushing Daisies nicht bewährt.

Der neue Versuch ab heute ist The Vampire Diaries, eine Teenieserie, die so ist wie alle Teenieserien sind, außer dass die Hälfte der Hauptfiguren Vampire sind und einige von ihnen gelegentlich mal jemanden totbeißen. Das ist besonders schlimm für Lieblingsvampir Stefan, der doch so gern ein unauffälliges Menschenleben mit seinem Schwarm Elena in diesem kleinen Kaff führen würde und schon lange niemanden mehr gebissen hat. Der Oberböse ist nämlich ausgerechnet sein Bruder.


Foto: ProSieben

Das erinnert alles sehr an Roswell, wo die Vampire noch Außerirdische waren und die meisten auch gute Seelen und gut integrierte Bürger, mit Ausnahme dieser einen intriganten Verwandten, die den Menschen eben doch Böses wollte.

The Vampire Daisies The Vampire Diaries ist gar nicht schlecht und im Rahmen dessen, was Teenieserien zu leisten vermögen, ganz unterhaltsam und zuweilen spannend. Es ist um Längen besser als als 90210 und One Tree Hill und nicht so schickimicki wie Gossip Girl. Außerdem sind Vampire im Moment ja ohnehin sehr gefragt. Das heißt aber noch nicht, dass verliebte Mädchen um die 16 und blutsaugende Schönlinge um die 150 die Richtigen sind, um die Fans von verzweifelten Hausfrauen um die 50 am Fernseher zu halten.

The Vampire Diaries, mittwochs um 21.15 Uhr auf ProSieben.

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Michael in Blog.

Ich geh dann mal lippenstiften

16. September 2009, 10:32

Ich habe nie verstanden, was an Sex And The City lustig gewesen sein soll, finde Grey’s Anatomy langweilig, aber Desperate Housewives und Doctor’s Diary kurzweilig und witzig, und Gilmore Girls ist für mich eine der schönsten Serien, die je gedreht wurden. Man kann also nicht sagen, dass ich Frauenserien pauschal ablehne. Als ich der neuen Serie Lipstick Jungle nichts abgewinnen konnte, weil sie mir zu problembeladen, zu spaßfrei und zu uninteressant war und mir dagegen sogar Sex And The City kurzweilig vorkam, weil deren Episoden wenigstens nur halb so lang waren, suchte ich den Fehler aber dennoch zunächst bei mir. Deshalb habe ich sicherheitshalber eine Frau gezwungen, sich die erste Episode ebenfalls anzusehen. Hier ist ihr Urteil:

Langweilig.
   

Aha. Vielen Dank. Die wenigen Fans der in den USA bereits abgesetzten Serie behaupten ja, die Serie würde ab der zweiten Folge wesentlich interessanter. Um mich bis dahin bei der Stange zu halten, hätte die erste Episode leider viel besser sein müssen.

Lipstick Jungle nach dem Lippenstift-Dschungelbuch von Candace Bushnell ergänzt ab heute um 21.15 Uhr den ProSieben-Frauenmittwoch. Vorher beginnen noch die neuen Folgen von Desperate Housewives.

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Michael in Blog.

Zweieinhalb Männer für Charlie

15. September 2009, 13:23

Es muss ungefähr der Moment gewesen sein, in dem klar denkende Menschen aufgegeben hatten, der wiederkehrenden Behauptung, die Sitcom sei tot, zu widersprechen, als sich zweieinhalb Männer anschickten, das Gegenteil zu beweisen.


Foto: ProSieben

Two And A Half Men mit Charlie Sheen und Jon Cryer ist nicht die einzige verbliebene Sitcom, die noch Erfolg hat, es ist nur die, die den meisten hat, und das trifft mittlerweile auf die USA genauso wie auf Deutschland zu. Das ist nicht selbstverständlich. Oft wurden in Deutschland Sitcoms zum Kult, die in ihrer Heimat zwar solide liefen, aber gar nicht zu den großen Überfliegern gehörten, z.B. Die Nanny oder King Of Queens, während die ganz großen US-Erfolge wie Seinfeld oder Frasier hierzulande ein Schattendasein fristeten.

Unter dem Titel Mein cooler Onkel Charlie startete Two And A Half Men vor vier Jahren auf ProSieben ebenfalls verhalten und entwickelte sich erst allmählich zum Erfolg. Ob das damit zu tun hat, dass ab der zweiten Staffel auch bei uns der Originaltitel verwendet wurde, lassen wir mal dahingestellt. Die Quoten am Samstagnachmittag stiegen, aber es musste erst Kabel 1 kommen und die Serie als Dauerschleife mit Doppelfolgen ins werktägliche Nachmittagsprogramm aufnehmen, bevor ProSieben merkte, welche Perle sie da im Programm haben.

Ab heute ist Two And Half Men im Hauptabendprogramm zu sehen, jeweils dienstags ab 21.15 Uhr zeigt ProSieben zwei neue Folgen, immer nach den Simpsons. Dass die Serie auch zur Primetime ein solch großer Erfolg wird wie nachmittags, ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, denn ProSieben hat sich für den Sendeplatz entschieden, auf dem gleichzeitig bei RTL Dr. House läuft. Aber so miserabel wie der ganze eigenproduzierte Schrott der jüngeren Vergangenheit kann es eigentlich gar nicht laufen.

Michael in Blog.

Schlag dich auf die Seite vom Raab

13. September 2009, 01:28

Wow. Ich glaube, so wenig wie heute bei Schlag den Raab haben sich Fernsehzuschauer noch nie über den Gewinn eines Kandidaten gefreut.

Teilnehmer Hans-Martin, der keine Freunde, sondern eine halbe Million gewinnen wollte, trat von Beginn an mit einer solchen, nennen wir es, Selbstsicherheit auf, dass weder Moderator Mattias Opdenhövel noch Stefan Raab, und nicht einmal Kommentator Frank Buschmann ihre Abneigung verbergen konnten. Von den Zuschauern ganz zu schweigen, denn das taten auch sie oft genug. Raab wurde bejubelt wie noch nie, und Punktgewinne des Kandidaten wurden teilweise mit einer derartigen Stille quittiert, dass ich mich zwischendurch fragte, ob überhaupt durchgehend Publikum anwesend ist. Die Buh-Rufe beantworteten die Frage dann aber recht schnell.

Wenn die Sympathie, die den Kontrahenten von Stefan Raab normalerweise zuteil wird, in den Jackpot wandert, wird Raab in der nächsten Sendung eine sehr aufgebrachte Meute gegen sich haben.

Michael in Blog.

Lang und breit

24. Mai 2009, 04:58

Bisher hielt ich immer Boston Legal für die Einzelsendung mit dem breitesten Themenspektrum innerhalb einer einzelnen Sendung, weil dort im einen Moment eine ernsthafte Diskussion über den Völkermord im Sudan geführt und im nächsten ein Witz über Penislängen gemacht werden kann. Aber erstens ist Boston Legal ja ohnehin derzeit nicht im Fernsehen, weil der Kochsender Vox hinter den vielen Töpfen keinen Sendeplatz mehr findet; und seit bei Schlag den Raab von Samstagabend bis Sonntagmorgen um drei Millionen Euro Mäxchen gespielt und Flummis gegen eine Wand geworfen wurden und zwischendurch Bilder erkannt und Quizfragen zum Bürgerkrieg in Sri Lanka beantwortet werden mussten, ist das zweitens sowieso obsolet.

Noch eine andere Sache muss man in Relation setzen: Wenn man bedenkt, dass es diesmal fast fünfeinhalb Stunden dauerte, bis entschieden war, das Raabs bisher höchster Jackpot geknackt würde und Raab das offenbar für ein ganz normales Ausmaß für eine einzelne Sendung hält, hat man eine ungefähre Vorstellung der Entscheidungswege bei der ARD, die Stefan Raab als zu lang und zu kompliziert bewertet.

Michael in Blog.

Gemany’s Next Mod-Model

22. Mai 2009, 09:48

Eine der schwierigsten und zugleich wichtigsten Aufgaben für spätere Topmodels hat sich Heidi Klum fürs Finale  aufgehoben: Die Letzten im Rennen sollten moderieren lernen und mussten deshalb gegenseitig ansagen!

Das war endlich mal eine sinnvolle Aufgabe, die sich in der Zukunft auszahlt. Wer nämlich nicht über das geringste Moderationstalent verfügt, ist im Alter darauf angewiesen, durch die Sendung Germany’s Next Topmodel zu führen.

Michael in Blog.

Nein! Oh! Tu! Wann? Oh!

17. April 2009, 06:11


Foto: ProSieben

Wären die Autoren der alten Serie Beverly Hills, 90210 auch an der Neuauflage 90210 beteiligt, würde man ihnen ihre Einfallslosigkeit vielleicht verzeihen. Nach so vielen Jahren ist man ja ausgelaugt, hat keine Lust mehr, und vor allem hat längst jeder mit jeder geschlafen. Da kann es mal passieren, dass nur noch alte Klischees aufgewärmt werden. Dass den Neuen aber auch nichts einfällt, ist tragisch: Die Neuauflage wirkt so, als setze sie an der Stelle an, an der die alte Serie aufhörte; wie Hansi Hinterseer sagen würde: Da wo die Luft raus ist. Da wo man sich wünschte, es sei bald vorbei. Da wo man allenfalls noch zusah, weil man sich an die Charaktere gewöhnt hatte und wissen wollte, ob die Serie wenigstens ein anständiges Ende zustande bringen würde.

Einige dieser Charaktere sind auch in der Neuauflage dabei: Kelly Taylor, die jetzt Beratungslehrerin an ihrer alten Schule ist, ihre alte Freundin Brenda Walsh und der alte Wirt des „Peach Pit“, Nat. Die Auftritte der Altstars Jennie Garth und Shannen Doherty und des Uraltstars Joe E. Tata sind leider nur Gimmicks, um Fans von früher für die Serie zu interessieren, nennenswerte eigene Handlungsstränge haben ihre Charaktere nicht.

Das wäre zu verschmerzen, wenn die Handlungsstränge der neuen Hauptcharaktere wenigstens einigermaßen interessant wären, aber auch das ist leider nicht der Fall. Die Intrigen, Betrüge, Liebschaften und Geheimnisse sind bekanntes, niedriges Soap-Niveau, und gleich zu Beginn werden zu viele Fässer auf einmal aufgemacht. Dass man Teenie-Soaps auch origineller und inspirierter drehen kann, hat vor ein paar Jahren O.C., California gezeigt und zeigt in geringerem Maß an diesem Wochenende nur eine Stunde vor 90210 die ebenfalls neue Serie Gossip Girl.

In 90210 sind die Figuren so durchsichtig und ihr Tun so vorhersehbar, dass sich schon im Pilotfilm erahnen lässt, wer später mit wem (wenn’s wie früher ist, dann sowieso jede mit jedem), wer ein Kind vom wem (bekommt oder berteits ist), und wer gegen wen. Ich werde aber nicht mehr dabei sein, um mir das anzusehen.

90210, samstags um 17.00 Uhr auf ProSieben.

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Michael in Blog.

Tratschmädel

17. April 2009, 06:06

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass die Menschen, die in Teenie-Soaps die Eltern der Protagonisten spielen, meistens sehr gut und für ihr Alter jung aussehen? Das ist an sich ja schön für sie, aber da die Hauptcharaktere meistens Teenager sind, die von deutlich älteren Darstellern verkörpert werden, ist es manchmal etwas schwierig, die Familienverhältnisse schnell zu durchblicken und den 35-jährigen Vater korrekt seinem 30-jährigen Sohn zuzuordnen.

Das ist bei Gossip Girl auch so, und auch sonst ist Gossip Girl wie die meisten Teenie-Serien: Irgendwann werden alle ringsherum miteinander geschlafen haben, und dann müssen eben neue Charaktere eingeführt werden. Bis dahin geht es wie üblich um eine Clique neureicher Zicken und ihre Freunde und was sie so treiben und mit wem. Ich kann nicht genau erklären, warum das kurzweiliger ist als die eigentlich baugleiche, aber völlig uninspirierte Serie 90210, die an diesem Samstag direkt im Anschluss startet, aber sie ist es. Es kann an der unterschwelligen Gesellschaftskritik liegen, die man in der Serie aber nur sehen kann, wenn man das will, oder daran, dass sie etwas mehr den Eindruck macht, als spiele in der Gegenwart und sei nicht zu Beginn der 90er-Jahre in einer Zeitschleife gefangen.

Große Überraschungen sollten Sie trotzdem nicht erwarten.


Foto: ProSieben

Gossip Girl, samstags gegen 16.00 Uhr auf ProSieben.

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Michael in Blog.

Germany’s Next Topkanzlerin

10. April 2009, 14:53

Wer behauptet eigentlich, ProSieben würde wenig über Politik berichten? Die Kanzlerin wird derzeit ziemlich oft gezeigt.

Michael in Blog.

Bunz deutscher Mädel

24. März 2009, 00:58


Foto: ProSieben

Hätte ProSieben nur die erste Folge der neuen Comedyserie Der kleine Mann verschickt, stünde hier jetzt eine ausschweifende Lobpreisung für die originelle Handlung und die witzigen Dialoge. Bjarne Mädel, bekannt als Ernie aus Stromberg, spielt den Elektrofachverkäufer Rüdiger Bunz, der in einem Werbespot mitspielt und dadurch so etwas ähnliches wie prominent wird, was ihm umgehend noch mehr zu Kopf steigt als der Schnaps, für den er wirbt. Aus dem Off, weil ja keine Serie mehr ohne Off-Erzähler auskommt (Sie kennen das aus sog. Büchern), sagt er Sätze wie:

Unsere Beziehung dauert nun schon länger als das Dritte Reich. Und ist meistens auch lustiger.

Und im Elektrofachgeschäft kommt es zu Diagnosen wie dieser, die der alte Chef über einen reparaturbedürftigen Staubsauger erstellt, während er dessen Besitzerin, eine Rentnerin, ansieht:

Ist eben alt. Und alt ist Scheiße.

Leider hat ProSieben auch die zweite Folge verschickt, die bereits weitgehend ohne Pointen auskommt, dafür mehr Fremdschämmomente enthält, wie man sie aus Stromberg kennt. Kilometer über den Berg sieht man die Peinlichkeiten kommen, und wenn sie da sind, decken sie sich exakt mit der schlimmen Vorstellung, die man gerade noch davon hatte.

Die Macher selbst sind sehr von ihrem Produkt überzeugt. In mehreren Interviews verglichen Hauptdarsteller Mädel und Autor Ralf Husmann ihre Serie mit Seinfeld, was ungefähr so vermessen ist, als vergliche sich ein Realschul-Physiklehrer mit Albert Einstein oder wir unsere kleine Freizeit-Internetseite mit dem Feuilleton der New York Times.

Aber immerhin die erste Folge heute Abend kann ich empfehlen.

Der kleine Mann, heute um 22.45 Uhr auf ProSieben.

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Michael in Blog.
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