Alltagesthemen

Es war mit großem Abstand nicht das wichtigste Ereignis des Donnerstagabends, aber die Tagesthemen entschieden sich, darüber zu berichten. Dies ist der komplette Wortlaut der Meldung:

In Hamburg ist am Abend zum zweiten Mal der Deutsche Radiopreis verliehen worden. In insgesamt zehn Kategorien wurden die besten Hörfunkproduktionen des Jahres ausgezeichnet, darunter „Beste Reportage“ und „Beste Morgensendung“. Bewertet wurden die Bewerber von einer Jury des Grimme-Instituts. Der Deutsche Radiopreis ist eine Initiative öffentlich-rechtlicher und privater Radiosender. An der Preisverleihung nahmen 900 Gäste teil.

Das Schöne an solchen Meldungen ist, dass sie so viel Arbeit und Aufmerksamkeit ersparen. Wenn man nämlich auf Informationen verzichtet, muss man gar nicht abwarten, bis das Ereignis zu Ende ist, bevor man die Meldung darüber formuliert.

Um der Redaktion der Tagesthemen noch mehr Arbeit abzunehmen, habe ich hier mal ein paar Meldungen über Themen der kommenden Wochen vorformuliert, die ich den Kollegen in Hamburg für später zur freien Verwendung anbiete.

 

  • In Köln ist am Abend zum 13. Mal der Deutsche Fernsehpreis verliehen worden. In insgesamt 18 Kategorien wurden die besten Fernsehproduktionen des Jahres ausgezeichnet, darunter „Beste Unterhaltungssendung Doku/Dokutainment“ und „Förderpreis“. Bewertet wurden die Bewerber von einer Jury. Der Deutsche Fernsehpreis ist eine Preisverleihung. An ihr nahmen Gäste teil.
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  • In Berlin ist am Abend zum 17. Mal das Abgeordnetenhaus gewählt worden. Auf insgesamt 130 Sitze wurden die kompetentesten Politiker der Stadt gewählt, darunter aus dem Wahlkreisverband Marzahn-Hellerdorf und aus Spandau. Gewählt wurden die Bewerber von mehreren Wahlberechtigten. Die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus ist eine demokratische Tradition in der Hauptstadt.
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  • In Frankfurt am Main wurden am Abend die Lottozahlen gezogen. Dabei wurden automatisch und zufällig insgesamt acht Kugeln in drei Kategorien aus einer gläsernen Lostrommel entnommen, darunter „Zusatzzahl“ und „Superzahl“. Ausgelost wurden die Kugeln unter Aufsicht eines Aufsichtsbeamten, der sich vor der Ziehung vom ordnungsgemäßen Zustand des Ziehungsgerätes und der 49 Kugeln überzeugt hatte. Die Ziehung der Lottozahlen ist eine Veranstaltung des Deutschen Lotto- und Totoblocks. An dem Glücksspiel nehmen jede Woche 20 Millionen Spieler teil.
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  • In Deutschland hat sich am Mittag ein Geschehnis zugetragen. Dabei ist etwas passiert. Das Ereignis löste Reaktionen aus. Bereits in der Vorwoche war ebenfalls in Deutschland eine Begebenheit vorgefallen. Immer wieder widerfahren Menschen Erlebnisse.
Michael, 9. September 2011, 19:46.

14 Kommentare


  1. Sie sind doch nur beleidigt, dass den Kollegen Zeus und Wirbitzky nicht noch einmal gehuldigt wurde. 😉

  2. Ich bin erstaunt, dass der Radiopreis überhaupt in den Tagesthemen erwähnt wurde. Die föderale Struktur unseres Rundfunksystems führt dazu, dass es keine nationalen Radiostars gibt, so dass für die meisten Radiohörer 90 % der Preisträger völlig unbekannt sind. Selbst wenn man über Kabel alle Radioprogramme der ARD hören kann, bleibt man doch bevorzugt bei den Sendern seines Bundeslandes hängen. Legenden wie Terry Wogan oder Jimmy Young bei der BBC können so bei uns nicht entstehen.

    Anstatt die Berliner Abgeordnetenhauswahl zu parodieren, hätte eine vorformulierte Meldung zur Stadtratswahl in Hückeswagen oder Oberschleißheim besser gepasst (wenn die denn wichtig genug für die Tagesthemen sind).

    Trotzdem meine Glückwünsche an Zeus und Wirbitzky und an „Frühstück bei Stefanie“!

  3. „Dann sag mir, Junge aus der Zukunft, wer ist im Jahr 1985 Präsident der Vereinigten Staaten?“ – Marty: „Ronald Reagan!“ – Doc: „Der Schauspieler? Wer ist dann Vizepräsident? Jerry Lewis? Und John Wayne ist Verteidigungsminister?“

  4. Diese Veranstaltung interessiert doch offensichtlich nun wirklich niemanden so recht.

    Selbst DWDL brauchte ungefähr 20 Stunden um eine Meldung darüber zu veröffentlichen. Die wichtigen Themen des Tages waren abgearbeitet und in der Redaktion war wohl die Langeweile so groß, daß man sich zu einer Zusammenfassung hinreißen ließ.

    Mein Glückwunsch gilt daher der Tagesthemen-Redaktion, die mutig genug war sich nicht durch die Zugehörigkeit zum Haus dazu hinreißen zu lassen das inszenierte Ereignis in größerer Breite zu präsentieren.

  5. Wo ist hier der „gefällt mir“-Button?
    Der Beitrag hätte auch ins BILDblog gepasst!

  6. Meine Güte … Die „Zugehörigkeit zum Haus“ ist ja wohl der Grund für diese schwammige Allgemeinheit der Formulierungen. Man traute sich einfach nicht zu sagen, dass es das öffentlich-rechtliche System ist, das die Fahne des Radios noch hochhängt. Das Thema hätte man sicher schlauer angehen können. Andererseits: Ein Lob für den „schüchternen“ Redakteur resp. Formulierer. Andere sind da weit weniger zimperlich …

  7. Mit „Zugehörigkeit zum Haus“ war der Sitz der Tagesthemen-Redaktion im NDR gemeint, der auch diese unglücksselige Preisverleihung veranstaltet.

    Wenn demnächst das New Pop-Festival startet wird das bei SWR3 auch garantiert wieder in den Nachrichten behandelt. Das Thema gehört dort allerdings überhaupt nicht hin. Was einer Redaktion wirklich wichtig erscheint ist also SEHR relativ. In Hamburg hat man jedenfalls das Ereignis gemäß seiner Bedeutung richtig berücksichtigt.

  8. Unglückselige Preisverleihung? Ich fand sie spannend und unterhaltsam.

  9. Danke. Der Tagesthemen-Sprech musste dringend einmal aufs Korn genommen werden.

  10. Sehr hübsch, Herr (Radio-)Kollege! Habe übrigens gerade erfahren: In einem Blog ist heute ein Eintrag veröffentlicht worden!

  11. Ganz ehrlich: Ich habe bis zu diesem Artikel nicht mal gewusst, dass es sowas wie einen deutschen Radiopreis überhaupt gibt. Das Radio ist als Medium völlig in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, und folglich gibt es auch keinen Grund, über so ein weltbewegendes Ereignis, das viele nicht mal kennen, groß zu berichten. Es sei denn, man macht eben etwas Schleichwerbung für sich selbst.

  12. Für alle, die es immer noch begriffen haben: Ob der Deutsche Radiopreis als Thema in den Tagesthemen vorkommt oder nicht, ist mir piepegal. Er wäre bestimmt verzichtbar gewesen.

    WENN man sich aber dafür entscheidet, das Thema zu behandeln, würde ich es begrüßen, es mit etwas mehr als Allgemeinplätzen anzureichern, zum Beispiel Informationen über Preisträger.

    Entweder ernsthaft oder bleiben lassen.

  13. Also ich habe gleich beim ersten mal durchlesen kapiert, was mit dem Blogeintrag gemeint war. 😉 Vielleicht sollte man im Gegenzug einfach darauf verzichten alle Stars und Sternchen in diesem Radio zu Wort kommen zu lassen, die gerade einen Tatort, einen Fernsehfilm oder einen anderen Krimi für dieses erste Programm gemacht haben. Besonders diese Frau Furtwängler darf ja regelmäßig berichten, wenn sie sich einen neuen Nagellack gekauft hat, die Haare anders hat oder wie gerade das Wetter in München ist.

  14. ….und Herr Buhrow hätte seinen Preis für Tim fragt Tom ohne dieses Radio eher nicht bekommen….und da…da schließt dann wieder der Kreis…


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