Jauch das noch!

Zwei Moderatoren, die jeder kennt, beginnen in den nächsten Tagen Sendungen, die auch jeder kennt. Und trotzdem könnte die mediale Aufmerksamkeit kaum größer sein.

Bevor Harald Schmidt ab Dienstag die Harald Schmidt Show wieder zu Sat.1 trägt, talkt Günther Jauch ab Sonntag nach dem Tatort in der ARD zu politischen Themen.

Jauch selbst stapelt seit Wochen tief in dem Bemühen, die hohe Erwartungshaltung zu dämpfen. Diese Erwartungshaltung an ihn ist enorm, denn er ist ja bekanntermaßen der Heiland. Mehr als 100 Interviews seien angefragt worden, sagte er in einem Interview, und das ist der Stand von vor 10 Tagen. Er verstehe das nicht ganz, denn es gebe die Sendung im Prinzip bereits seit 14 Jahren, und sie habe regelmäßig mehr als vier Millionen Zuschauer. Einen Grund, sie maßgeblich zu verändern, gebe es also nicht.

Vielleicht verändert sich aber die Wahrnehmung, die die Zuschauer von Günther Jauch haben. Dem Bild seiner Vorgängerinnen hat dieses Format nicht gutgetan.

Sabine Christiansen war als Moderatorin der Tagesthemen nie besonders negativ aufgefallen, vermieste dann aber zehn Jahre lang den Deutschen Woche für Woche die Stimmung, wenn sie den einen Sonntag darüber diskutieren ließ, ob Deutschland am Abgrund stehe, und den anderen Sonntag, wie sehr.

Und Anne Will, die für ihre Interviews in den Tagesthemen vorher so gelobt worden war, fiel auch recht schnell in den christiansenschen Trott, ihre Gesprächspartner nur um des Unterbrechens willen zu unterbrechen, meistens dann, wenn es gerade zum ersten Mal interessant zu werden drohte. Positive Assoziationen verbindet man auch mit Anne Will heute kaum noch.

Günther Jauch ist bisher der Liebling aller. Vielleicht tanzt er mit dem Polittalk ja aus der Reihe und bleibt es, findet die richtigen Themen, stellt die richtigen Fragen und greift an den richtigen Stellen ein, aber nur, wenn es nötig ist.

Ungeachtet dessen, was ich eben schrieb, und obwohl der Sonntagspolittalk für mich schon lange keine Sehgewohnheit mehr ist, werde ich mir Jauchs Premiere jedenfalls ansehen.

Denn bisher hat Günther Jauch den Beweis noch zu erbringen, dass es irgendetwas gibt, das er nicht kann.

Michael, 10. September 2011, 14:20.

10 Kommentare


  1. Nach dem ersten Satz „Zwei Moderatoren beginnen in den nächsten Tagen..“ dachte ich erst, da kommt auch noch ein Kommentar über den Zweitgenannten, nämlich Harald Schmidt.
    Wobei, nach Lektüre der Interviews aus dem Lager Kogel/Schmidt fällt einem wirklich nichts mehr ein.

  2. Also ich habe den Überblick verloren, wer im Fernsehen gerade bei welchem Sender welche Sendung moderiert. Dieses *Bäumchen wechsel dich* ist mir echt zu wirr. Zum Glück gibt es ja noch das Radio. Das weiß man wenigstens noch was man hat.

  3. Für mich ist Jauch in etwa so aktuell wie Helmut Kohl, Rudi Carrell, Meister Propper/Eder und Pumuckel, die D-Mark oder das „Glücksrad“.

    Gute alte Bundesrepublik halt, im Rückblick vielleicht ein goldenes Zeitalter. Aber vor allem eines: GESCHICHTE.

  4. Anscheinend ist in Vergessenheit geraten, oder nie ganz aufgefallen, wie grauenhaft schlecht Jauchs Fragetechnik sein kann, was er zum Beispiel bei SternTV bewies, als Thilo Sarrazin zu Gast war.

  5. Jauch ist ein schlechter, da desinteressierter, seine Kärtchen abarbeitender Interviewer. Heute werde ich mir seine neue Sendung ansehen – aber ich mag nicht so recht hoffen, dass er etwas dazugelernt hätte.

  6. Berlin 21:57h. Die Frisur sitzt….nur die Krawatte nicht…..und ich will auch so eine Brille….wie der Herr Jauch

  7. Kurz reingezappt. Entsetzt. Allein diese Kärtchen! Tiefste 80er. Dann die furchtbare Betulichkeit…
    Da ist nichts, kein Biß, kein Hunger, kein Esprit, kein Zupacken. Der berühmte Jauch-Charme – abgewetzt wie ein altes Sofa.
    Nicht vergessen: dieser Mann ist der Prototyp der Schwiegermutterschwarm-Moderatoren a’la Kernerbeckmannpilawalanz! Aargh…

  8. @FF

    Soll er jetzt ein i-phone/pad vor sich ehrhalten? was ist an kärtchen so tragisch?

  9. Tragisch ist nichts daran. Jauch klammert sich aber seit Jahr und Tag derart an die Kärtchen und damit an die vorgegebenen Fragen, dass unter seiner Leitung kein Gespräch zustande kommt – Frage-Antwort-Pingpong, bestenfalls. (Auch wenn ich diese erste Sendung nicht ganz so schlecht fand, wie ich befürchtet hatte.)

  10. @FF: Nanana, Pumuckl schreibt sich erstens ohne „e“ und ist zweitens zeitlos (und) genial, das kann man sich auch heute noch sehr gut ansehen. Nur weil’s 80er ist, ist es nicht altmodisch und unzeitgemäß.
    Jauch hingegen nervt in der Tat nur noch. Als Entertainer bei WWM & Co. ist er klasse (wobei er auch da seine besten Tage hinter sich hat), aber er ist einfach kein sonderlich guter Talker, schon gar kein politischer.


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