Zur Sache, Kanzler

1993–1994 (Sat.1). Interviewsimulation mit Heinz Klaus Mertes in der Rolle des Gastgebers und Helmut Kohl als Kanzler.

Kohl empfängt mehrere freundliche Journalisten und gibt ihnen Gelegenheit, die Pausen zwischen seinen Monologen mit eigenen Fragen zu füllen. Teilweise kommen auch Bürger zu Wort, in einer Sendung etwa Unternehmer (im Fernsehstudio) und Arbeiter (zugeschaltet vom Marktplatz in Castrop-Rauxel).

Die Sendung brachte es nur auf neun Ausgaben, schaffte es aber, Sat.1 jahrelang als „Kanzlersender“ in Verruf zu bringen und Legionen von Journalistenschülern als Negativbeispiel für Hofberichterstattung in der Politik zu dienen. CSU-Mitglied und Sat.1-Programmdirektor Heinz Klaus Mertes war sichtlich darum bemüht, mit der Sendung Kohl ein Podium zu bieten, auf dem er sich ungestört von kritischen Nachfragen ausbreiten konnte. Er sprach von einem „leichtfüßigen Hearing-Charakter“, den die Sendung haben solle, um „Kohl, dieses Kaliber“ angemessen zu präsentieren.

Kohl hatte die Sendung nach einem Bericht des „Spiegel“ selbst mitentwickelt und nahm auch Einfluss auf die Auswahl der Interviewer. Die vermutlich kritischste Frage der ersten Sendung stellte Kohls Freund und späterer Biograf Kai Diekmann, damals stellvertretender Chefredakteur der „Bild“-Zeitung: „Wann haben die Menschen wieder Arbeit?“

Die Sendung lief etwa zweimonatlich mit mäßiger Publikumsresonanz an verschiedenen Tagen im Abendprogramm. Nach der Bundestagswahl 1994 fiel sie in einen Winterschlaf, aus dem sie nicht mehr erwachte.

2 Kommentare


  1. […] Älteren werden sich erinnern – um einen Ausschnitt aus der legendären Sat.1-Sendung Zur Sache, Kanzler – einer „Interviewsimulation mit Heinz Klaus Mertes in der Rolle des Gastgebers und […]

  2. […] Schröders unfreundliches „der Professor aus Heidelberg“, die für Wirbel sorgten. Es gab auch Dauerwerbesendungen von Sat1 für Kirchs Busenfreund Helmut Kohl. Aber die Selbstbeweihräucherung des Regenten waren ebenso langweilig wie ähnliche […]


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