Bei Margarethe unterm Dach

Eigentlich sah schon ihr Studio, aus dem sie Schreinemakers live sendete, so aus, als hätte sie es im Hobbyraum einer Doppelhaushälfte ungebracht: mit dieser billigen Pappdekoration und den eineinhalb Zuschauerreihen. Jetzt sendet Margarethe Schreinemakers tatsächlich aus dem Dachgeschoss ihres Hauses in Belgien, und im Vergleich zu ihrer Sat.1-Show damals, die immerhin zu den erfolgreichsten Sendungen des deutschen Privatfernsehens gehörte, wirkt diese selbstgestrickte Variante, die im Internet und auf 9live zu sehen ist, erstaunlicherweise auch nicht billiger.

Es ist, als wäre sie nie weggewesen: die Stimme, der betroffene Blick, die nie unpeinlichen Outfits – und vor allem die Gespräche. Marijke Amado ist zu Gast und erzählt noch einmal von ihrem „Abo darauf, den falschen Mann zu haben“. Ein Buch hat sie sogar darüber geschrieben, auch als Warnung für andere, und Margarethe Schreinemakers sagt: „Das ist nicht das Buch, wo man sagt, das ist hohe Literatur, aber es ist echt.“ Einen Psychologen hat sie sich eingeladen, der Beziehungstipps geben soll. Ein kurzer Film hatte in die komplexe Materie mit dem Satz eingeführt: „Paare sind einfach zu unterschiedlich, weil sie Männer und Frauen sind.“ Zu dem älteren Taxifahrer, der angeblich anruft, weil er dauernd diese tollen Frauen im Rückspiegel sieht, während seine Ehefrau nur Blumen-Ikebana macht, fällt der versammelten Kompetenz im Studio nicht viel ein. Aber für die Frau, die schildert, wie aus ihrer Beziehung die Lust raus ist, dass sie mit ihrem Mann kaum noch etwas unternimmt, seit die Kinder da sind, nehmen sie sich viel Zeit. Nicht einmal halbkonkrete Tipps bekommt sie mit auf den Weg, aber stattdessen zum Schluss den Schreinemaker-Satz: „Ich finde es unwahrscheinlich intensiv, was Sie hier schildern, und unglaublich gelebt.“

Frank, 32, ist der Single der Woche: „Er möchte von Ihnen, meine Damen, gefunden werden.“ Und alle plaudern darüber, wie toll das ist, dass man auf schreinemakers.de jetzt seine eigenen Videos hochladen kann, wenn man Hilfe sucht, Freunde oder Partner — schon weil man mit Fotos ja immer tricksen kann, aber bei bewegten Bildern sofort einen richtig guten Eindruck bekommt. Marijke Amado äußert zwar eine gewisse Grundskepsis gegenüber dem Gedanken, Beziehungen übers Internet anzubahnen, aber gerade sie ist ja der beste Beweis, dass es ohne Internet auch gerne schiefgeht.

Nächste Woche geht es dann darum, wie man sich am besten trennt, und bis dahin kann man versuchen herauszufinden, wie man dieses aufwendige Telefonsystem nutzt, mit dem man (für immerhin nur 14 Cent pro Minute) sich zu merkwürdigen Experten durchstellen lassen und mit Unbekannten über irgendwas reden kann, und vor allem: warum. „Rufen Sie an zu allen Fragen, die Sie haben“, sagt Margarethe.

Ich war fest entschlossen, das grauenvoll zu finden, bereit, es in Bausch und Bogen zu verdammen, schon wegen des Senders, auf dem das läuft, und dem etwas irren Anspruch, als erster in Deutschland verstanden zu haben, wie man Internetfernsehen machen muss — nur: schlimmer als das, was sonst so in diesem Genre läuft im Fernsehen, nur mit viel mehr Aufwand produziert, war das auch nicht. Und dafür kann Frau Schreinemakers machen, was sie immer schon gemacht hat, nur schön von zuhause. Beneidenswert.

Schreinemakers 01805 100 232, freitags, 18.45 Uhr auf 9live — und immer im Internet: schreinemakers.de.


Fotos: 9live

Stefan, 26. April 2008, 07:54.

10 Kommentare


  1. „wegen dem Sender“? Hoppla. Du meinst, „wegen dem Sender, der wo sonst immer nur Gewinnspiele machen tut“?

  2. Ja. Hoppla.

  3. Ende 2. Absatz: „Nicht einmal halbkonkrete Tipps bekommt sie nicht mit auf den Weg, aber stattdessen“ – ist da nicht ein „nicht“ zu viel?

  4. Ja.

    Hoppla.

  5. Das kommt davon wenn man zu viel 9live schaut. *g*

  6. Ja.

    Hoppla.

  7. Und du meinst bestimmt „untergebracht“ statt ungebracht, oder?

    Na komm, sag es noch einmal 🙂

  8. Der um 12:32 war ich nicht, das isn Fake. Aber: Ja.

  9. War aber n schöner Fake.

  10. Ex-Dschungel-Camp-Guckerin,

    Das mit dem Hinweis auf „kommt vom zuviel 9live gucken“, fand ich aber auch gut *hihi*
    M. Schreinemakers konnte ich wegen ihrer Stimme schon früher nicht gucken. Daß sie nun noch ihren halb so alten Manager vermarktet („neuer Liebhaber“9, um für ihre Sendung zu werben und Seelsorge à la „Maggi“ betreibt, zeigt mir nur, daß hier jemand den Hals nicht voll kriegt….Beim Promikochen beim Vox wirkte das ja wenigstens noch elegant…dabei finde ich es egal, ob Schreinemakers das gut oder schlecht macht. Gib‘ ihr ein 3/4 Jahr und sie wird zur Dauerwerbesendung wie Big-Brother-Jürgen. So kann man auch sein Geld verdienen, nur: gutes TV sieht anders aus!



Das Buch

die Autoren

Weitere Bücher

New York für Fern-SeherDie kleine House-Apotheke

Links