Der bessere Fernsehpreis

Der Deutsche Comedypreis hat auch in diesem Jahr wieder mehr Zuschauer interessiert als der Deutsche Fernsehpreis. Beim Gesamtpublikum war der Vorsprung knapp, bei jüngeren Menschen gewaltig.

Dass der Eindruck existiert, der Deutsche Comedypreis werde im Vergleich zum Fernsehpreis weniger ernst genommen, kann zum einen daran liegen, dass die Juroren nicht damit aufhören können, Cindy aus Marzahn auszuzeichnen, aber auch daran, dass man in Deutschland Preisverleihungen im Allgemeinen für eine ernste Sache hält und man besser nicht nur darüber, sondern auch im deren Rahmen keine Witze macht. So ist zu erklären, warum die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises (mit Ausnahme von 2009) immer so langweilig ist.

Offenbar kommt es Zuschauern gar nicht darauf an, Zeuge der Ehrung großer Leistungen zu werden, sondern eine unterhaltsame Sendung zu sehen (und schalten deshalb eher den Comedypreis als den Fernsehpreis ein), während es den Veranstaltern des Fernsehpreises kein bisschen darauf ankommt, Unterhaltungswert zu erzeugen, sondern ausschließlich darauf, sich auf einer Bühne selbst zu preisen und oft genug zu betonen, wie unglaublich wichtig das alles ist.

Das unterscheidet ihn von der amerikanischen Emmy-Verleihung, und deshalb ist es unfair,  den deutschen mit dem amerikanischen Fernsehpreis immer wieder zu vergleichen. Die Amerikaner wollen schlicht eine gute kurzweilige Sendung auf die Beine stellen, in deren Rahmen eben ein paar Preise verliehen werden. In der Regel moderiert deshalb ein Komiker, und die Laudationes werden zum großen Teil von Schauspielern gehalten, die dafür bekannt sind, lustig zu sein.

Insofern ist das deutsche Gegenstück zu den Emmys eigentlich der Deutsche Comedypreis. Zwar ist es klar, dass bei einer fast dreistündigen Veranstaltung nicht jede Laudatio gleich lustig sein und nicht durchgehend eines jeden Humor getroffen werden kann, doch im Grunde geht es auch hier um einen unterhaltsamen Abend, in dessen Rahmen Preise verliehen werden.

Sechseinhalb Millionen Menschen, die gerade noch den Münster-Tatort gesehen hatten, schalteten vor einer Woche zum Deutschen Fernsehpreis ab. Von den gerade noch mehr als zehn Millionen blieben im Schnitt weniger als vier Millionen Zuschauer übrig. Wenig andere Sendungen im Deutschen Fernsehen haben eine so hohe Abschaltquote; kaum jemand versagt so sehr darin, sich ein starkes Vorprogramm zu Nutze zu machen.

Wenn der Fernsehpreis nächstes Jahr wieder ohne eine gute Vorlage antreten muss, könnte es also wieder deutlich düsterer aussehen. Denn es ist bemerkenswert, wie eine Sendung, deren einziger Zweck es ist, gutes Fernsehen zu ehren, konsequent so schlechtes Fernsehen sein kann.

Die Lösung wäre, den Deutschen Fernsehpreis in seiner bisherigen Form abzuschaffen und den Deutschen Comedypreis zum Gesamt-Fernsehpreis umzuwandeln. Man müsste nur ein paar Preiskategorien austauschen und das Spektrum der Laudatoren geringfügig erweitern, Dieter Nuhr unbedingt als Moderator behalten und auch sonst alles beim Alten belassen. So einfach wäre das. Schon hätte man eine Sendung, die vielleicht nicht nur ihren Machern, sondern auch dem Publikum gefiele. (Falls das nämlich nicht das Ziel des Abends ist: Es wird ja niemand gezwungen, die Verleihung im Fernsehen zu zeigen!) Und wem dann die nötige Schwere der Veranstaltung fehlt, der kann ja zu Hause bleiben. Dann würden auch weniger eitle Fernsehschaffende, die es schon als Riesenerfolg werten, wenn sie mit ihrer Arbeit mal sieben Millionen Zuschauer erreichen, sich darüber empören, wenn wieder die Protagonisten eines Fernsehereignisses, das locker vier Mal so viele Menschen anzieht, den Fernseh-Ehrenpreis bekommen, wie 2010 die Fußball-Nationalmannschaft für ihre WM-Spiele.

Michael, 16. Oktober 2010, 16:22.

6 Kommentare


  1. Also, ich kann da ja nur für mich sprechen. Und es war tatsächlich so, dass ich den Tatort voller Begeisterung und mit Absicht angeschaut habe. Danach war ich dann einer von diesen 6 Komma 5 Millionen. Und zwar nicht weil die Verleihung des Comedypreises auf dem Programm stand, sondern weil ich noch den Rest von diesem anderen Film angeschaut habe und dann auch irgendwann mal in die Falle musste.
    Was jedoch viel schlimmer ist, wie ich finde, ist der Umstand, dass ich von dem Programmpunkt „Comedypreis“ gar nichts mitbekommen habe. Vielleicht liegt es ja daran, dass ich zur Zeit nur noch ausgewählte Sendungen anschaue und mich so die Werbespots für solche Events nicht erreichen.
    Vielleicht sollte ich über so ein Abo für eine Fernsehzeitschrift nachdenken?

    Der andere Grund ist, um ganz ehrlich zu sein, ich finde solche Preisverleihungen jetzt nicht sooooo prickelnd. Ich bewundere ja die Menschen, die die ganze Nacht auf bleiben, um die Oscarverleihung live und in Farbe zu verfolgen. Natürlich sind solche Preise und Auszeichungen wichtig und ich will das auch nicht in Frage stellen.
    Mir genügt es einfach, am Tag danach auf der WeWeWe-Seite meines Nachrichtensenders mit den nötigen Informationen versorgt zu werden.
    Das Gleicht gilt übrigens für die Verleihung des Radiopreises…..davon habe ich dann auch erst hinterher und durch Zufall erfahren……apropos Radiopreis…..wann bekommt eigentlich mal dieser Michael Reufsteck so einen Radiopreis??

    😉

  2. Der Herr Reufsteck hat erst eine Chance auf den Radiopreis wenn es die Kategorie „Nervigster Dudelfunk“ gibt. Der arbeitet momentan leider beim ganz falschen Sender.

    Ein klarer Fall von Perlen vor die Säue ist das.

    Sorry, aber das mußte sein.

    PS: Phil Collins hat den Sonderpreis auch nur bekommen weil der NDR Veranstalter der Sache war und NDR 2 mit Abstand der Sender ist, der seine Platten am gnadenlosesten dauerstrapaziert.

  3. Vielleicht sollte man einfach mit einem kleinen Preis anfangen…. 9,99 oder so? ??
    Aber es stimmt schon….den ganzen Tag kann man diesen Sender nicht anhören. Und wenn ich es recht weiß, liegt der Schnitt pro Hörer bei etwas über eine Stunde pro Tag. Ich schalte auch nur stundenweise ein…so ab neun…bis 12….und dann wieder nachmittags…….bei den Moderatoren die wissen was sie tun……dann ist das mit dem Dudeln auch nicht ganz so schlimm…diese Quote gibt den Machern wohl recht…..und Phil Collins könnten die auch ruhig öfter spielen*lach*

  4. „Lustig“ und „deutscher Comedypreis“ geht für mich aber auch nicht so recht zusammen. Ich finde den überwiegenden Teil der geehrten schlicht und ergreifend nicht komisch.

  5. Komischerweise waren auf Youtube nur ein paar Tage lang einige Ausschnitte zu sehen. Mittlerweile sind sie allesamt gelöscht. Kindergarten…

  6. […] rund um den diesjährigen Deutschen Comedypreis. Das Fernsehlexikon schlägt sogar vor, den strunzlangweiligen Fernsehpreis aufzugeben und statt dessen den Comedypreis inhaltlich zu erweitern. Danke für das […]


Senf abgeben?





Das Buch

die Autoren

Weitere Bücher

New York für Fern-SeherDie kleine House-Apotheke

Links