Reich dank Ranicki

Dafür dass Marcel Reich-Ranicki das Fernsehen so verachtet und so wenig davon versteht, ist er in jüngerer Zeit an ziemlich vielen unterhaltsamen Momenten beteiligt.

Heute verhalf er als Telefonjoker beim Prominenten-Special von Wer wird Millionär? Thomas Gottschalk dazu, als zweiter Prominenter nach Oliver Pocher die Millionenfrage richtig zu beantworten. Gottschalk hatte Glück, dass die Frage zu den Teletubbies schon hinter ihm lag („Hinter den Hügeln und keinem bekannt, hier liegt das …“? Richtig: Teletubby-Land).

Für Reich-Ranicki war rein zufällig eine Frage zu Franz Kafka übrig, die seinem Anspruchsempfinden wohl eher gerecht wurde, obwohl es auch nicht weniger abwegig ist, dass Gregor Samsa eines Morgens aufwacht und sich in einen Käfer verwandelt hat, als dass Lala, Dipsy, Tinky Winky und Po Bildschirme auf dem Bauch und Antennen auf dem Kopf haben. Zumindest wissen wir jetzt, wie Kafkas letzte Lebensgefährtin hieß.

Reich-Ranicki: „Die letzte hieß Dora Diamant. Ob er noch nebenbei eine gestreichelt hat, weiß ich nicht.“

Dora Diamant also. Wenn jemand von Gottschalks Arbeitgeber ZDF zugesehen hat, hat er wahrscheinlich eine tolle Idee für den Titel eines neuen Samstagskrimis bekommen.


Foto: RTL

Und für die Liste mit den besten Wer-wird-Millionär-Fragen aller Zeiten gab es heute folgende Ergänzung, für 64.000 Euro an Inka Bause:

Für 1899 Hoffenheim trifft in der Fußball-Bundesliga Demba…?

A: Bi
B: Ba
C: Butze
D: Mann

(Richtig: B, also Ba.)

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Michael, 20. November 2008, 23:24.

24 Kommentare


  1. Genau – „rein zufällig“. Dass WWM für das Prominentenspecial Drehbuchautoren hat konnte man spätestens seit Oli Pocher vermuten, aber seit heute ist es wohl bewiesen ;o)

  2. Viel ärgerlicher war es, dass es sich DWDL nicht nehmen ließ, schon vorher den Millionengewinn auszuplaudern und dies damit begründete, dass andere ja auch die RTL-Sperrfrist brachen.
    Selten so geflucht!

  3. Hmmm, gar nicht mitbekommen dass da ein WWM-Promispezial war. 🙂
    Hat die Bause die Hoffenheim-Frage ohne Hilfe beantworten können?

  4. Ich halte die letzte Frage für abgekartet. Aber es sei dem guten Zweck gegönnt.

  5. @ Gua:
    Nein, sie musste Ulrike von der Groeben anrufen.

  6. Hätte Reich-Ranicki die drei durchgeknallten Weiber mit Hunden die Jacob Sisters vorher gesehen, hätte er vermutlich die Antwort auf die Frage abgelehnt.

  7. "Sport"abstinenzler,

    Für 1899 Hoffenheim trifft in der Fußball-Bundesliga Demba…?

    A: Bi
    B: Ba
    C: Butze
    D: Mann

    Ich hab diese Frage & die Antwort immer noch nicht verstanden. Muss man das?

  8. Kinderreimerklärer,

    @Abstinenzler

    Nicht das alte Kinderlied bekannt?
    „Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann in unserm Haus her, fidibum“?
    Und der gute Herr von Hoffenheim heißt halt Ba

  9. Peinlich fand ich FvA:
    – mehr als 60% der Weltbevölkerung sind Frauen
    – oh – 18% der Weltbevölkerung sind Analphabeten – so wenig?
    – gehört Indien zu Asien?

    OMG

  10. @Kinderreimerklärer
    Rüttelt sich besagter Bi-Ba-Butzemann nicht anschließend gar? Manche sprechen auch von einem Schütteln. Was danach kommt wird hier aus Gründen des Anstands verschwiegen, hat aber mit einem Säckchen zu tun.

  11. @trillian
    Es ist aber schon ein arg intelligenzbeleidigendes Hütchenspiel, was dem Zuschauer da zugemutet wird, oder? Vor Jahren hat Jauch schon konzidiert, dass bei diesen Prominentensendungen die Fragen einfacher sind. Das hat aber auch damit etwas zu tun, die ach so tollen Promis nicht zu stark als Deppen darzustellen. Wenn ich das jetzt weiss, ist das okay (FvA schafft es, sich dennoch als … naja, lassen wir das). Aber das mit einem Literaturkritiker als Telefonjoker eine Literaturfrage kommt – da glaube ich eher an den Weihnachtsmann.

  12. (…)Feuerwehr konnte gestern einen unkontrolliert tanzenden Bi-Ba-Butzemann einfangen. Der offensichtlich geisteskranke Wicht(…)

  13. Eigentlich wurde alles Wichtige schon gesagt: Die Jacob Sisters sind durchgeknallt, Franziska van Almsick war peinlich (vor allem wie sie auf ihren unsinnigen Aussagen beharrte) und mindestens die letzte Frage war abgekartet. Sollte die Show womöglich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen? Geld für einen guten Zweck sammeln und nebenbei Reich-Ranicki in den Augen von Millionen Fernsehzuschauern „rehabilitieren“? Und dabei gleichzeitig deutlich machen, dass Anspruch und Niveau eben doch ihre Berechtigung haben, können sie doch eine Million Euro wert sein?

  14. @Matthias
    Naja, ob der Zweck immer die Mittel heiligt? Ich hab im Prinzip nichts dagegen, (manchmal) verarscht zu werden. Ich darf es nur nicht merken.

    Reich-Ranicki rehabilitieren? Der ist doch im Moment aufgrund der bald in die Kinos kommenden Verfilmung seines Buches so omnipräsent. (Ausserdem war die sogenannte 1 Million Euro Frage läppisch: Jeder, der nur schon einmal in einer Kafka-Biografie geblättert hat, kann das beantworten.)

  15. „Und für die Liste mit den besten Wer-wird-Millionär-Fragen ALLER ZEITEN (…)“ Nicht Niggemeier gelesen?

  16. @Gregor Keuschnig: Da Kafka mit der Dame wohl nur kurz liiert war (dann kam sein Tod dazwischen), dürfte sie in seiner Biographie keine große Rolle spielen. Ich könnte mich freilich irren, da ich noch keine Kafka-Biografie in der Hand hatte, aber ein einfaches Blättern sollte da nicht ausreichen.

    Insofern mag die Frage für einen Literaturkenner (der natürlich eine Kafka-Biografie gelesen hat und dem der „komische“ Name der Dame dabei sicherlich hängen geblieben ist) läppisch sein, für einen durchschnittlich gebildeten Mitrater ist sie dagegen einer Millionenfrage würdig und vom Schwierigkeitsgrad her auch mit anderen Millionenfragen in „normalen“ Ausgaben der Sendung vergleichbar. (Ich denke da z.B. an die Frage nach dem Sherpa von Edmund Hillary, die man nach Lektüre einer Hillary-Biografie auch einfach beantworten konnte. Aber wer hatte ein solche denn zufällig gelesen? Das ist bei Kafka nicht anders.)

  17. Nachtrag: All meine Bemerkungen ändern natürlich nichts daran, dass die Frage aus Reich-Ranickis Sicht tatsächlich läppisch war. Aber die Verantwortlichen der Sendung hatten eben ein großes Interesse daran, warum auch immer, dass er die Frage korrekt beantwortet.

  18. Ob abgesprochen oder nicht: Spaß gemacht hat es mir beim Zusehen auf jeden Fall. Vor allem, weil ich mich vorher nicht über das Special informiert hatte und so „den vollen Genuss“ zu sehen bekam, ohne irgendetwas vorher schon zu wissen.

  19. @Robert: Wir haben die Sperrfrist aus einem ganz konkreten Grund gebrochen. Weil es im Wettbewerb der Medien eine Unverschämtheit ist, dass extra nur für die Tageszeitungen Sperrfrist-Meldungen verschickt werden, die dann immer wieder ausgerechnet von den Tageszeitungen gebrochen werden, weil Sie sich – via ePaper, Online-Text oder vorab verteilter Ausgabe von morgen in den Städten – nicht dran halten.

    Sicher haben wir einigen Zuschauern den Spaß verdorben. Aber heute eine Debatte darüber angestoßen. Und vielleicht führt die ja mal zu einer vernünftigen Regelung ohne Bevorzugung von Tageszeitungen, die das dann auch noch unfair ausnutzen.

  20. das war sicher abgesprochen. aber toll wieder zu sehen: der verfluchte gottschalk ist so gut. er braucht wieder ne late night ohne quotendruck verdammt!

  21. @ Michael:
    Danke! 🙂

  22. @Matthias
    Die bei Fischer von Wagenbach erschienene Monografie über Kafka (ein Klassiker) erwähnt auf ca. 150 Seiten Dora Diamant 5 x und es gibt ein Bild von ihr. Das Buch ist ein Klassiker, Zigtausend mal verkauft.

  23. Kinderreimerklärer,

    @Matthias

    Die Frage nach Tensing Norgay war eine der läppischten Millionenfragen überhaupt. Dazu muß man keine Hillary-Biographie oder ähnliches lesen, sondern sich nur halbwegs in Zeitgeschicht auskennen. Den meisten sollte wohl das berühmte Bild von Norgay am Gipfel vor dem geistigen Auge stehen. Und sein Name wird wirklich überall gleichberechtigt mit Hillary erwähnt

  24. Für uns als Fragen-Autoren immer wieder lustig, die Diskussion um den Schwierigkeitsgrad; denn er ist für jeden individuell völlig subjektiv. Hätte einer von den Diskutanten denn denn Zitzenbecher als Teil des Melkapparates gewusst? Das wiederum ist für JEDEN Bauern, der mal ne Kuh von unten gesehen hat, eine 100-Euro-Frage. Wir überlegen uns beim Schwierigkeitsgrad lediglich, wie sähe es im Durchschnitt der Bevölkerung mit dem Wissen aus? Und da sind die Diamant und der Zitzenbecher eben im Verhältnis zu – sagen wir mal – Frau Meyer-Wölden und ner Latte Macchiato RELATIV schwer.


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