Grenzfallfernsehen

Das Beste an Fringe sind die Ortsmarken zum Szenenwechsel. Wie viele andere Serien lässt auch Fringe seine Zuschauer wissen, wo man sich gerade befindet, und tut dies mit einem visuellen Running Gag: Die Ortsnamen stehen nicht einfach um unteren Bildrand, sondern stehen oder schweben als 3D-Animationen mitten in der Landschaft, als gehörten sie zur Kulisse. So fährt man auf dem Weg zum Flughafen am Schriftzug „Boston Airport“ vorbei, und nachdem man aus der Luft auf Bagdad herabgesehen und darüber die riesige Erläuterung „Bagdad, Irak“ gelesen hat, sieht man nach einem Umschnitt in Blickrichtung Himmel die gigantischen Buchstaben von der anderen Seite.

Ebenfalls gut an Fringe: Joshua Jackson. Der war als Pacey Witter die auf Dauer erträglichste Figur in Dawson’s Creek und erzählte mal bei Conan O’Brien von seinem Traum, eine lange Bierleitung durch sein Haus zu legen und in jedem Zimmer einen Zapfhahn anzubringen (vielleicht hatte er das sogar schon umgesetzt, ich erinnere mich nur noch dunkel an das Interview). Jedenfalls sollte man solche Pläne unterstützen, deshalb ist es gut, dass Jackson wieder einen festen Job hat.

Und schließlich hat Fringe, die neue Serie von J.J. Abrams, gegenüber Abrams‘ alter Serie Lost den Vorteil, dass man auch die Chance hat, sie zu begreifen, wenn man zwischendurch blinzelt.


Foto: ProSieben

Trotzdem ist der Kern der Serie wieder eine Reihe rätselhafter Vorgänge (und fängt wie Lost mit einem Flugzeugunglück an), die einem ebenso rätselhaften Muster folgen, und die Serie folgt dem Muster: Mysteriöses, paranormales Phänomen, Geheimhaltung vor der Öffentlichkeit, können unsere Helden sich mit dem Problem auseinander- und gegen die Verschwörung durchsetzen? Eine toughe Frau und ein genialer verrückter Professor klemmen sich dahinter, und Joshua Jackson spielt den ebenso genialen und schwierigen Sohn des Professors, der vermittelt. So richtig nachvollziehbar erklären, worum genau es eigentlich geht, lässt sich trotzdem nicht. Aber wer Mystery mag, ist bei Fringe genau richtig.

Wie immer bei neuen US-Serien lügt der ausstrahlende Sender übrigens über den Erfolg der Serie in Amerika und weist sie als „Nr. 1“ aus. ProSieben teilt mit:

„Fringe“ (lässt sich im Deutschen mit „Grenzwissenschaften“ übersetzen) startete im September 2008 auf dem US-Sender FOX und war mit 9,1 Millionen Zuschauern auf Platz eins am Dienstagabend.

Wenn man den Quotendurchschnitt der Serie am Dienstagabend als Grundlage nimmt, liegt Fringe aber weit hinter Dancing With The Stars, Navy CIS und The Mentalist zurück. Wertet man natürlich nur den Premierenabend, könnte es schon stimmen, dass Fringe mit 9,1 Millionen Zuschauern die Nr. 1 war, sofern es die NBC-Show America’s Got Talent es mit ihren 11 Millionen Zuschauern aus mysteriösen Gründen nur auf Platz 2 geschafft hätte. Das wäre dann ein echtes paranormales Phänomen.

Fringe, montags um 20.15 Uhr auf ProSieben.

Michael, 16. März 2009, 00:42.

19 Kommentare


  1. Keine Erwähnung bzw. kein Kommentar zu dem hier: http://www.youtube.com/watch?v=4zMcMv39YAY

    So von wegen „Grenzfall“

  2. Wenn das von J.J. Abrams ist, muss doch Greg Grundberg auf jeden Fall einen Gast- oder Kameoauftritt haben, oder nicht?

  3. *Grunberg -.-

  4. es höhrt sich stark nach der kleine schwester von Akte X an?
    ist das so, oder eher doch nach lost?

  5. Ja, deutlich mehr Akte X als Lost. Allerdings ohne paranormale Phänome und Aliens, alles wird versucht irgendwie (grenz-)wissenschaftlich zu erklären.

    Ich finde die Serie sehr gut. Guter Cast, meist spannende Fälle und sehr hochwertig produziert.

    John Noble (als der verrückte Professor) hätte man aber auch noch mal besonders hervorheben können, für mich das eigentlich Highlight der Serie (was aber auch viel mit dem Zusammenspiel mit Jackson zu tun hat). Die Serie erhält durch ihn eine ordentliche Portion (oft schwarzen) Humor, ohne den das teilweise doch arg an den Haaren herbeigezogene Wissenschafts-Geblubber wohl nur schwer zu ertragen wäre. Im Bezug auf die Logik muss man schon etwas tolerant sein, um Fringe gut finden zu können.

  6. Muss dirtspike beipflichten – eher Akte X, denn Lost 🙂

    John Noble ist sicherlich das Highlight der Show – allein schon der Running Gag mit dem tierischen Laborbewohner 😀

    @BloodyFox:
    Soweit ich weiß, hatte Greg bisher keinen Auftritt (zumindest kann ich mich nicht erinnern und auch imdb.com führt dazu keinen Eintrag), aber Greg ist ja auch mit den Heroes schwer beschäftigt 😉 Aber da Fringe derzeit einen kleinen Hiatus in den Staaten hat (und somit vermutlich erst nach Heroes sein Staffelende erreichen wird), kann es ja noch zu einem Auftritt von Greg kommen 🙂

  7. Ist hier noch jemandem die agressive und penetrante Vorankündigung der Serie bei Pro7 aufgefallen?

  8. Und das die große Charlotte Rampling mitspielt, hätte man vielleicht auch noch erwähnen können.. 😉

  9. Nachdem Desaster, was sich Pro7 in der Werbung zu dieser Produktion leistet, sollte der Sender endgültig aus bleiben. Die Buchhalter, die dort für das Programm zuständig sind, haben nichts Besseres zu tun, als allen Zuschauern eben dieses Programm zu vermiesen.

    Man hatte sich in Deutschland ja schon daran gewöhnt, dass Werbebanner für das Programm oder auch Produkte zu jeder möglichen und unmöglichen Zeit große Teile der laufenden Sendung verbargen – mit Vorliebe dann, wenn dort Plot abläuft. Erst war es etwa ein Drittel, dann die Hälfte, es wurde Ton addiert, damit man auch die Dialogue nur noch erahnen kann. Und jetzt wird der gesamte Bildschirm für die Werbung genutzt, erst eine simulierte Bildstörung, dann ein Handabdruck, dazu Ton, der nicht nur überlagert, sondern völlig überdeckt.

    Da war der Gag mit der gefakten Nachrichtenankündigung durch deren eigene Nachrichtenkulisse beinahe gnädig; schließlich hat ohnehin niemand deren News für seriös gehalten. Nur für serös.

    Wer sich so etwas ansieht, hat weder Würde noch Rückgrat. Die Pro7SAT1-Gruppe sollte genau da landen, wo die sich hingesch[…]en haben.

  10. ja. die machen ihre eh schon komischen news kaputt. naja, ist der ruf erst … blababla.

  11. Und wieder eine Serie, die nach 5 Folgen im Nachtprogramm vesendet werden wird.

  12. Tja, das mit den Buchstaben. Wir erinnern uns doch alle gern an den großen Erfolg, den ProSieben hatte, als man vor einigen Jahren riesige „Entertainment-XXL“-Letter durch New Yorker Straßenschluchten geschickt hat…

    Ein Aspekt ist hier noch gar nicht erwähnt worden. Die einzelnen Fringe-Folgen dauern jeweils netto ca. 48 Minuten, statt der üblichen 42 Minuten bei „einstündigen“ TV-Serien. Ursprünglich lag die Werbezeitkürzung darin begründet, dass der Sender FOX ausprobieren wollte, ob man nicht mehr verdient, wenn man weniger Werbung, diese dafür teurer verkauft. Aber da ProSieben zur Zeit eh ein Werbeverkaufsproblem hat (siehe die entsprechenden Einträge in den Blogs von Peer Schader) könnte die Serie für ProSieben schon allein deswegen essentiell werden, weil sie dem Sender hilft, endlich wieder sein eigentliches TV-Programm einzuhalten.

  13. @mesitermochi
    Pro7 hat Nachrich… äh.. news?
    Und ich dachte immer, dass das günstig produzierte Werbung für’s eigene Programm ist. Kommt mir zumindest immer so vor, wenn ich Punkt 12, rtl2news und besagte Pro7 newstime sehe:

    – Ein-drei wichtige Meldung(en)
    – den Rest des Weltgeschehens in 2-5 Minuten zusammengefasst (die Zone außerhalb Etsch und Belt interessiert ohnehin keine Sau)
    – Knallermeldung aus der Forschung (sehr beliebt: Heilung für Krebs)
    – dann Promis (und Leute, die sich dafür halten)
    – dumme Tusse (oft hauseigene mäßig begabte Soap-Darstellerin), die sich halbnackt irgendwo ablichten lies
    – Werbung für Produkte (Kinofilme) des eigenen Medienkonglomerats
    – Werbung für das kommende Programm (mal direkt bei den Dreharbeiten, mal indirekt als Hintergrundbericht getarnt)
    – süße Blagen (je jünger und je mehr um so besser, besonders beliebt: Massenwurf mit mehr als 4 Fohlen)
    – süße Tierbabys (Roppenpapiez auz Zhina, wie züzz!)
    – Sport (natürlich nur der wofür man Bildmaterial/-rechte hat und den man gerade beim Zuschauer pushen möchte)
    – Wetter (gutes Wetter ist das, welches der Wetterarsch denkt, das der Zuschauer momentan am ehesten haben möchte).

    Leider gleichen sich die ÖR so langsam dem Niveau an.

    Ich warte ja auf den Tag, in dem uns der RTL/RTL2/PRO7/SAT1/N24/NTV-Nachrichten-VJ begrüsst mit:

    Moin!
    Heute:
    Titten!

  14. musst immer denken, dass der Bruce mitspielen würde…

    Wäre auch ne überlegung wert 😀

  15. @Residium: Hahaha. Ja. Als Lance Reddick zum ersten Mal bei Lost auftrat dachte ich auch -wahrscheinlich weil ich im Lost-typischen „es kann jetzt alles Erdenkliche und Unerdenkliche passieren“-Delirium war- in der ersten Millisekunde, es handelte sich um Bruce.

    http://www.youtube.com/watch?v=ojG49FcYopY

  16. „Das Beste an Fringe sind die Ortsmarken zum Szenenwechsel.“
    Na, wenn das alles ist, schalt ich doch nicht ein.

  17. ich hab sofort an Akte X gedacht und nicht an Lost.
    Und wissenschaftlich erklären? *Muhahaha*

  18. “Das Beste an Fringe sind die Ortsmarken zum Szenenwechsel.”
    das ist in der Tat das Beste. Über den Rest: Schweigen.

  19. Den Rest finde ich immerhin ziemlich unterhaltsam, schon wegen John Noble und natürlich dem «Bald Guy», aber die Ortsmarken sind schon ein Knaller. Besonders die allererste in Episode #14; vgl. a. http://wortvogel.de/?p=5412. Mehr sog I net. Will ja nicht spoilern … 😉


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