Die neuen Abenteuer der alten Formate

Und die Sitcom ist eben doch noch nicht tot.

Seit Monaten zieht die stundenlange Sitcom-Strecke bei Kabel 1 mehr junge Zuschauer als die meisten anderen Nachmittagsprogramme. Die erfolgreichste Serie zwischen mehreren Klassikern ist dabei die relativ neue Two And A Half Men mit Charlie Sheen, ausgerechnet eine ganz herkömmliche Sitcom mit begrenztem Ensemble und klassischem Aufbau, auf einer Bühne gespielt und von Publikumsgelächter begleitet — also genau das Format, das vor ein paar Jahren zu Grabe geschrieben wurde, als Frasier und Friends zu Ende gingen. Auch bei RTL2 erreichen die Sitcoms inzwischen wieder ganz ordentliche Einschaltquoten.

Normalerweise ziehen andere Sender schnell nach, wenn ein Sender mit einem Genre erfolgreich ist — und einige der anderen mittelgroßen Sender, deren Nachmittagsprogramme seit langer Zeit erfolglos vor sich hindümpeln, würden vielleicht sogar gerne, doch dazu fehlt der Nachschub. Zu lange haben sie sich im Bereich Sitcom auf Dauerschleifen von Hör mal wer da hämmert und Die Nanny beschränkt — immer in der feigen Annahme, neue Serien würden vom Publikum ohnehin nicht akzeptiert — und die Neueinkäufe winzigen Sendern wie Das Vierte oder Comedy Central überlassen.

Und damit sind wir beim Grund, warum ich mich heute zu Wort melde. Er heißt The New Adventures Of Old Christine, startet heute bei Comedy Central und ist eine weitere ganz klassische Familiensitcom mit Publikumslachern und Kindern, die von ihren Eltern irgendwie erzogen werden müssen.

Christine: „Ich möchte auf keinen Fall, dass aus dir ein Snob wird. Du bist nicht besser als irgendwer sonst.“
Ritchie: „Was ist mit Mördern?“
Christine: „Was?
Ritchie: „Bin ich besser als Mörder?“
Christine: „Ja, Schatz. Natürlich bist du besser als Mörder. Aber das war’s auch schon.
Ritchie: „Was ist mit Rassisten?“
Christine: „Na schön. Du bist besser als Rassisten, und du bist besser als Mörder. Aber das war’s jetzt.“

 Hauptdarstellerin Julia Louis-Dreyfus gehörte als Elaine zur Besetzung der erfolgreichsten Sitcom der vergangenen 50 Jahre, Seinfeld, und beendete 2006 mit dieser neuen Serie den oft beschworenen „Seinfeld-Fluch“: Bis dahin waren alle der früheren Seinfeld-Nebendarsteller mit eigenen Sitcoms gescheitert, auch Louis-Dreyfus ging 2002 bereits mit einer eigenen Serie baden. Acht Jahre nach dem Ende von Seinfeld wurde The New Adventures Of Old Christine der erste Erfolg. Mittlerweile ist die Serie in der vierten Staffel, und Julia Louis-Dreyfus wurde mit einem Emmy als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.

Sie spielt die „alte Christine“, die Ex-Frau eines Mannes, der jetzt mit einer jüngeren Frau zusammen ist, die ebenfalls Christine heißt. Das ist auf den ersten Anblick ganz nett, aber wie bei den meisten Sitcoms braucht man eine Weile, und dann hat man die Charaktere liebgewonnen, und die Serie wird eine sehr angenehme Gewohnheit.

The New Adventures Of Old Christine, montags bis donnerstags um 21.20 Uhr und 23.05 Uhr bei Comedy Central.

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Michael, 6. April 2009, 06:43.

18 Kommentare


  1. Dass in einem Text über das angebliche, aber wohl-doch-nicht Ende der Sitcoms How I Met Your Mother nicht erwähnt ist, wundert mich. Zumal die Drehbuchautoren der Serie im Hinterkopf hatten, damit den Gegenbeweis anzutreten – erfolgreich, wie sich zeigt.
    Umdas nun nachzuholen: „How I Met Your Mother“ 🙂

    Arne

  2. Aber ist die Synchronisation denn gelungen? Comedy Central achtet da erfahrungsgemäß nicht so arg drauf, siehe Sarah Silverman Program oder Arrested Development.

  3. Endlich jemand, der The New Adventures of Old Christine erwähnt!! Hab die Serie vor über einem Jahr im Ausland auf Englisch gesehen und war schon nach der 2. Folge absolut süchtig – wirklich lustig! Allerdings bin ich wegen der Synchronisation auch vorsichtig…

  4. Dass RTLII nur auf „Nanny“ und „Tool Time“ setzte, stimmt ja nun nicht. Der Sender zeigte eine ganze Bandbreite neuerer Sitcoms: „King of Queens“, „Immer wieder Jim“, „Rodney“, „Still Standing“, „Jesse“, „Whoopi“ . . .

    Kritisch ist aber die tägliche Ausstrahlung sowie die teilweise mangelhafte Synchronisation zu sehen, so dass Qualität von drüben hier nicht als solche erkannt wird

  5. Ich kann mich nur anschließen. Sowohl „Two and a Half Men“ als auch „The New Adventures of New Christine“ sind richtig gute Sitcoms.
    Ich würde sogar sagen, weit über Mittelmaß. An Seinfeld und Frasier kommen sie zwar nicht ran, aber gut unterhalten wird man wahrlich.

    Und die Synchro von „Two and a Half Men“ kann man nun wirklich nicht beanstanden (dass Wortspiele wegfallen liegt einfach an den unterschiedlichen Sprachen).

  6. Es ist ja eine mittlerweile liebgewonnene Tradition, dass hier zur Vorstellung eigentlich guter Serien immer komplett unwitzige Zitate eingebaut werden 🙂

  7. Spiegel Online über die Synchro:

    „Die deutsche Stimme von Christine wurde, so scheint’s, von einer professionellen Porno-Synchroniteuse gesprochen. Mit rauchzart-frivoler Säuselei zerstört die nicht nur jede flinkzüngige Pointe – sondern auch den Glauben daran, dass die deutsche Christine je eine Schwangerschaftsunterhose getragen haben könnte.“

  8. Immer das gleiche. Kaum läuft eine neue Serie an, wird an der Synchro gemäckelt. Das eine mangelhafte Synchronisation aber nur denjenigen auffällt, die die Serie im Original kennen, sollte man dabei aber auch bedenken. Und das werden von den Comedy Central Zuschauern wohl nicht allzu viele sein.

    Wie auch immer. Ich freue mich schon auf die Serie und werde heute Abend sicherlich reinschauen.

  9. Wieso wird sie nicht von der selben Sprecherin synchronisiert, die damals der Elaine in Seinfeld ihre Stimme geliehen hat? Die fand ich immer sehr passend.

  10. @andreas
    Bei z.B. its always sunny in philadelphia weiss ich auch ohne das original zu kennen, dass die Synchro besch***** ist.

  11. Synchronisationen werden nicht aus Tradition bemängelt, sondern weil sie oft scheiße sind, Andreas.

  12. Kann irgendjemand bestätigen, dass das Bildschirmformat zumindest in den ersten beiden Folgen „komisch“ war. So als hätte Comedy Central ein 16:9 Format auf 4:3 zusammengedrückt (ohne Schwarze Balken).

    Vielleicht habe ich aber auch nur einen Knick in der Pupille …

  13. Mein Fernseher hat automatisch auf 16:9 umgeschaltet.

    Serie scheint ganz witzig zu sein, aber der Laughtrack und die furchtbare Musik nerven.

  14. Also wenn Julia Louis-Dreyfus eine andere Synchronstimme bekommen hat, kann man tatsächlich nur von absoluter Idiotie und Borniertheit sprechen. Die in der Synchronfirma müssen ihren Job und insbesondere die Serien echt hassen!

  15. Andere Gründe scheiden da komplett aus? Dass die Originalstimme nicht konnte oder wollte?

  16. Im Prinzip nein, das Problem ist lediglich, daß das so oft verbockt wird. Jason Alexander bei „Lass es, Larry“, der komplette Cheers-Cast bei den Simpsons, Kelsey Grammer bei „Frasier“, Johnny Depp im „Fluch der Karibik“ (wobei es da dumme Absicht war), der immer mal wieder ausgetauschte Norbert Gastell als Opa bei „South Park“, Columbo mit der sekündlich wechselnden Synchronstimme, Tim Allen in vielen seiner Filme und und und…

    Ich glaube weniger, daß da keiner der Synchronsprecher Zeit hatte/haben wollte.

  17. Sprachsynthese,

    Raoul: Und doch ist es in den allermeisten Fällen genau dieser Grund. Deutschland hat überraschend wenige profilierte Synchronsprecher (und noch weniger Aufnahmestudios) für eine ganze Reihe von zu vertonenden Rollen in Serien und Filmen. Da kann durchaus mal jemand vertraglich gebunden oder der Aufwand zu groß sein, den Sprecher ins Studio zu befördern. Da man als Synchronstimme wenig verdient, nehmen die Sprecher sehr viele Jobs an und sind daher terminlich oft eingebunden. Weiterhin ist oft auch das Synchronstudio entscheidend, die ihre festen Redner haben und nur für Hauptrollen den gewohnten Sprecher verpflichten. Und bei einer so alten Serie wie Cheers können die gewohnten Stimmen traurigerweise auch verstorben sein. William Shatner wird auchnie wieder seine deutsche „Kirk“-Stimme haben, auch wenn er in hundert Simpsons-Folgen in der Rolle vorkommen sollte. Also Raoul, das gesamte Theme ist durchaus interessant und wert, genauer betrachtet zu werden, bevor man unqualifiziert ins allgemeine Synchronbashing einstimmt.

  18. Und bedenkt bitte auch, dass der Sender als Auftraggeber die letzte Entscheidung der Stimmenauswahl trifft, nicht die synchronisierende Firma. Es ist oft nicht so, wie es scheint, da braucht man mehr Hintergrundwissen um sich eine korrekte Meinung bilden zu können!



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