Aussicht auf Erfolg

Im Herbst 2007, George W. Bush war noch US-Präsident, Frank-Walter Steinmeier deutscher Außenminister und der Papst noch unbescholten, startete Das Erste ein Experiment: Drei neue Krimiserien sollten montags abends um die Zuschauergunst kämpfen, und die erfolgreichste würde fortgesetzt. Ein Fall für Nadja, Elvis und der Kommissar und Mord mit Aussicht bekamen jeweils fünf bis sechs Folgen Zeit, ihr Publikum zu finden.

Das Attribut „erfolgreich“ konnte man anschließend ernsthaft auf keine der Serien anwenden, und so entschloss sich die ARD, stattdessen die Serie fortzusetzen, die am wenigsten erfolglos war. Das war zufällig auch die mit Abstand beste der drei, auch wenn der Unterschied bei den Einschaltquoten allenfalls mit einer Lupe zu erkennen war: Mord mit Aussicht.

Was soll man sagen, kaum sind zweieinhalb Jahre vergangen und die Serie komplett in Vergessenheit geraten, hat die ARD es auch schon geschafft, sage und schreibe sieben neue Folgen zu drehen. Die schickt sie ab Ende Juni auf Sendung, wenn die ersten sechs Folgen noch einmal gezeigt worden sind. Damit geht’s heute um 20.15 Uhr los, und das ist neben der Tatsache, dass diese schöne Serie überhaupt fortgesetzt wird, schon die zweite gute Nachricht: Mord mit Aussicht durfte den Montag verlassen und darf nun dienstags ran, auf einem Sendeplatz, der im Ersten als Platz für leichte Familienunterhaltung etabliert ist, und auf dem sogar der Erstausstrahlungs-Flop Elvis und der Kommissar im vergangenen Sommer mit Wiederholungen gute Quoten erreichte. Dienstags um 20.15 Uhr kann die ARD jede x-beliebige Serie zeigen und damit Erfolg haben. Vielleicht ja sogar eine gute.

Meine Lobpreisung zum Serienstart vom Januar 2008 ist hier nachzulesen.

Michael, 18. Mai 2010, 14:24.

14 Kommentare


  1. Das war eine klasse Serie, die schaue ich mir auch nochmal in der Wiederholung an.

  2. Tolle Serie! Vielen Dank für die Erinnerung.

  3. Danke für die Empfehlung, Michael, ich habe die Dreiviertelstunde nicht bereut – hätte auch gerne mehr sein können. Selten so lässig-bissige Dialoge gehört und gelacht bei deutschen Produktionen – ein dreifach Hoch auf die Drehbuchschreiberin Marie Reiners und die Ausführenden.

    Da könnte man den alten Smart-Claim anwenden: „Reduce to the max“.

  4. Hatte mich schon riesig gefreut, als die wunschliste.de-Mail mit den Terminen kam! 🙂

    Wunderbare Serie mit guten Schauspielern, herrlich drögen Charakteren und guten Dialogen.

  5. Super Quote! 19,3% MA!! 🙂

  6. Aber wie kommt man denn auf eine Quote von 7.7% bei den 14-49-jährigen (quotenmeter.de)? Heißt das, die Sendung wurde hauptsächlich von Kindern und der Generation 50+ geschaut?

  7. @ Helge: Ja. Das ist bei der ARD allgemein der Fall, die meisten 14-49 jährigen schalten halt eher zur privaten Konkurrenz und bekommen daher leider auch von dieser Serie nichts mit.

    Ich vermute mal, etliche der Zuschauer von gestern haben eigentlich nur auf „In aller Freundschaft“ gewartet. Hoffentlich wurden sie überzeugt, auch weiterhin bei der ARD zu warten. 😉

  8. @helge: Weniger von Kindern, eher von 50+ (also den ARD- und ZDF-gewogenen Zuschauern). 7,7% bei den so genannten „Werberelevanten“ sind übrigens für ARD-Verhältnisse auch ein ordentlicher Wert.

  9. Kinderreimerklärer,

    Hat nicht Helmut Thoma mal zugegeben, daß sie sich das mit der „werberelvanz“ nur ausgedacht hätten, weil die meisten RTL-Zuschauer zufällig 14-49 waren?

  10. Ok, Danke für die Erklärung. Hätte nicht gedacht, dass die Durchschnittszuschauer doch eher etwas älter sind, immerhin muss ja dort ein erheblich überdurschnittlicher Anteil die Sendung geschaut haben, je nachdem, wie groß der Anteil 14-49 an den Gesamtschauern ist.

  11. Ja, ja bei ARD und ZDF sitzen Sie in der ersten Reihe. Zwischen den Konserven wirdś halt langsam eng mit was neuem 😉

  12. @Kinderreimerklärer: Kommt ungefähr hin – siehe:
    http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/film_fernsehen/zapp526.html

  13. Aber die ARD hatte doch keinen Sendeplatz frei. Und Herr Struwe wollte nicht, dass im Hauptabendprogramm die Protagonistin raucht. Außerdem ist die Produktionsfirma mittlerweile pleite.
    Obs anders gekommen wäre wenn die ARD schneller mehr neue Folgen bestellt hätte? Mutmaßung.
    Aber wie gesagt, auch ich freue mich auf die Fortsetzung. Ob danach noch eine weitere Staffel folgt ist ungewiss. Schließlich kommt auch der olle Krassnitzer alias Der Winzerkönig wieder zurück, und die ARD dreht mit dem ORF an einer Serie, die, welch Wunder nach dem Erfolg der österreichischen Tierärztin im Leipziger Zoo, ebenfalls eine Pferdeserie mit österreichischer Beteiligung dreht. Daneben gibt es noch eine Serie mit einer österreichische Lehrerin auf einem potsdamer Gymnasium.
    Wo soll denn da in Zukunft noch Platz für Sophie Haas sein?
    Ach ja, den Dicken, Dieter Pfaff habe ich fast noch vergessen.

  14. […] im “Ersten” geschaut haben: Es waren über 6,2 Millionen, ein tolles Ergebnis für eine sehr gelungene Serie. Die Zuschauerzahl und der Marktanteil von 20,5 Prozent waren einsame Spitze quer durch alle […]


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