In Memoriam Tony Curtis

Elvis Presley imitierte seine Frisur, und Rainer Brandt legte ihm Sachen in den Mund, die er nie gesagt hat.

Tony Curtis, Kinostar und der Eine aus Die 2, ist im Alter von 85 Jahren gestorben.

Michael, 30. September 2010, 14:04.

Die 2

1972–1984 (ZDF); 1994 (Kabel 1). 24-tlg. brit. Krimiserie von Robert S. Baker („The Persuaders“; 1971–1972).

Die beiden Playboys Lord Brett Sinclair (Roger Moore) und Daniel „Danny“ Wilde (Tony Curtis) sind im Auftrag des pensionierten Richters Fulton (Laurence Naismith) Verbrechern auf der Spur, deren Akten noch nicht geschlossen werden konnten. Mit diesem Hobby fingen sie nicht ganz freiwillig an. Der Richter versprach, sie vor dem Gefängnis zu bewahren, wenn sie für ihn arbeiteten. Sie hatten sich sofort nach dem Kennenlernen eine Schlägerei im Restaurant eines Luxushotels geliefert und waren festgenommen worden. Doch sie entdecken den Spaß an der Gaunerjagd. Wilde ist ein flapsiger Amerikaner, Lord Sinclair ein steifer Brite. Während Sinclair sich von Geburt an keine Sorgen ums Geld machen musste, wuchs Wilde in den New Yorker Slums auf und wurde an der Börse zum Millionär, verlor aber wieder alles. Mehrfach. Trotz aller Frotzeleien und Rivalitäten beim Frauenfang ist ihre gemeinsame Verbrecherjagd erfolgreich.

Nach 24 Folgen wurde die Serie in Großbritannien beendet. Roger Moore wollte lieber James Bond spielen. In den USA war die Serie ein Flop. Falsch sind die weit verbreiteten Legenden, dass sie auch im Heimatland England floppte und dass sie erst durch die deutsche Synchronisation von Rainer Brandt ihren Humor erhielt. Durch Rainer Brandt erhielt der Humor lediglich den Holzhammer. Vom Original ließ er den groben Handlungsstrang übrig. Subtile Gags flogen ersatzlos raus (Ein Killer droht: „Sie werden Maria nicht wieder sehen. Nie wieder“. Im Original stellt Danny fest: „Ich glaube, er will uns etwas sagen“, auf Deutsch sagt er: „Ich habe das todsichere Gefühl, er will uns foppen.“), kunstvolle Kalauer kamen rein: „„Mir schwellt da eine Frage im Gebeiß!“ – „Ich bewundere, wie du so ohne Butler aufs Töpfchen gehst.“ – „Du siehst aus wie ein Fußkranker mit Rabattmarken in der Tasche“ – „Ob das Bübchen echt ist oder aus Marzipan?“ – „Sie können sich ewig bei mir beliebt machen, wenn Sie sich jetzt subtrahieren.“ Es entstanden neue Vokabeln wie Stielaugen (Fernglas), Staub aus den Nebenhöhlen spülen (trinken) und Arschhebemaschine (Stuhl), aus Nasen, Mänteln und Flammen wurden Näschen, Mäntelchen und Flämmchen, aus willkürlichen Vokalen Umlaute („Es klöpft.“ – „Wer kömmt denn da?“), und Brandt dichtete Curtis die an Moore gerichtete Anrede „Euer Lordschaft“ in den Mund.

Rainer Brandt hatte auf diese Weise bereits die Serien Tennisschläger und Kanonen und Ihr Auftritt, Al Mundy aufgepeppt, auch die Kinofilme mit Terence Hill und Bud Spencer bereicherte er. Mit Die 2 hatte er seinen größten Erfolg und wurde plötzlich bekannt. Die Serie wurde ein Sensationserfolg in Deutschland und Brandt 1973 für sein Werk mit einem Bambi geehrt. Trotzdem zeigte das ZDF zunächst nur 14 Folgen am Dienstagabend und erst fast zwölf Jahre später zusammen mit einem Wiederholungsdurchlauf am Mittwoch noch zwei neue. Die übrigen Folgen waren weitere zehn Jahre später als deutsche Erstausstrahlung bei Kabel 1 zu sehen, das damit wie mit häufigen Wiederholungen der Serie noch gute Einschaltquoten erreichte. Rainer Brandt selbst war zugleich die Synchronstimme von Tony Curtis, Lothar Blumhagen sprach Roger Moore (Niels Clausnitzer war Moores spätere Stimme als James Bond). Jede Folge dauerte 45 Minuten. Die Titelmusik war von John Barry.

Vega$

1980–1981 (ZDF); 1989–1990 (Pro Sieben). 67-tlg. US-Krimiserie („Vega$“; 1978–1981).

Privatdetektiv Dan Tanna (Robert Urich) ermittelt in Las Vegas gegen Gauner aller Art. Sein unfähiger Assistent Bobby „Binzer“ Borso (Bart Braverman) und die Showgirls Angie Turner (Judy Landers) und Beatrice Travis (Phyllis Davis) unterstützen ihn in seiner Detektei, die im Hotel „Desert Inn“ untergebracht ist. Außerdem arbeitet Tanna zunächst mit Sgt. Bella Archer (Naomi Stevens) und dann mit Lt. Dave Nelson (Greg Morris) von der Polizei zusammen. Der reiche Hotelbesitzer Philip Roth (Tony Curtis), dem auch das „Desert Inn“ gehört, erteilt Tanna oft Aufträge.

Aaron Spelling und Douglas S. Cramer produzierten die Serie. 27 einstündige Folgen liefen im ZDF alle zwei Wochen mittwochs um 21.20 Uhr, der Rest später auf Pro Sieben.

Ihr Auftritt, Al Mundy

1969–1970 (ZDF), 1989–1991 (RTL). 63-tlg. US-Krimi-Comedyserie von Collier Young („It Takes A Thief“; 1968–1970).

Der Dieb Alexander Mundy (Robert Wagner) wird geschnappt, muss aber nicht ins Gefängnis. Stattdessen verpflichtet ihn Noah Bain (Malachi Throne) von der Spionageabteilung der Regierung, seine Fähigkeiten als Dieb künftig dem Staat zur Verfügung zu stellen. Diese Fähigkeiten hat Mundy von seinem Vater Alister Mundy (Fred Astaire) gelernt.

Rainer Brandt synchronisierte die Serie für das deutsche Fernsehen und reicherte sie mit lockeren Sprüchen an, für die er später in Die 2 berühmt wurde. Das ZDF zeigte nur 19 Folgen der Serie um 21 Uhr, jeweils 45 Minuten lang. Die restlichen 44 liefen erst 20 Jahre später im Vorabendprogramm bei RTL in deutscher Erstausstrahlung.

Keule gegen Brust

Eigentlich sollte Katy Perry am kommenden Montag in der US-Version der Sesamstraße auftreten.

Ebenso wie in der deutschen Fassung sind auch in der Sesame Street Auftritte von Prominenten nichts Ungewöhnliches, und Katy Perrys Lied „Hot And Cold“ eignete sich ganz vorzüglich dazu, mit geändertem Text den Kindern etwas über Gegensätze beizubringen.

Noch vor der Fernsehausstrahlung schaffte es Perrys Duett mit Elmo, einer roten, kindlicheren und nervtötenderen Version von Grobi, zu YouTube. Und das ist der Grund, warum es der Ausschnitt ins Fernsehen nicht mehr schaffen wird. Eltern beschwerten sich bei den Sesame-Street-Produzenten über eben diesen Ausschnitt, den von Katy Perry, denn der sei für eine Sendung, die sich an Vorschulkinder richte, eindeutig zu tief.

Die Sesammacher kuschten und löschten die Songparodie aus der kommenden Episode, erklärten aber, im Internet sei sie weiterhin zu sehen. Denn da kommt ja kein Kind ran. Vielleicht hätte man aber auch einfach nur ein weiteres Gegenteil dazufügen müssen. Sagen wir, Kate Moss.

Michael, 23. September 2010, 18:14.

Pinkelpause

Die neue Zeichentrickserie Ugly Americans beim US-Sender Comedy Central spielt in einem sehr multikulturellen New York, das von Zombies, Dämonen und Werwölfen bevölkert ist. Das unterstreicht der Trailer, der für die Serie wirbt, mit einer Reihe von Toilettentüren und ihren unterschiedlichen Beschriftungen.











Screenshots: Comedy Central

Das deutsche Gegenstück zur Multikulti-Metropole New York ist demnach…


Trommelwirbel

…Ottenhöfen im Schwarzwald!

Denn auch dort unterscheidet man auf den Türen öffentlicher Sanitäreinrichtungen zwischen den verschiedenen Kulturen.




Michael, 23. September 2010, 08:14.

Podcast undercover

In den USA beginnt heute offiziell die neue TV-Saison. Zu den Serien, über die schon vor ihrem Start am meisten gesprochen wird, gehört die Agentenserie Undercovers. Das liegt zum einen daran, dass es sich um die neue Serie von Alias– und Lost-Erfinder J.J. Abrams handelt, und zum anderen daran, dass beide Hauptrollen mit schwarzen Schauspielern besetzt wurden, was für eine Dramaserie im US-Fernsehen noch immer einer Sensation gleichkommt. Ebenso ungewöhnlich ist aber, dass die beiden Hauptrollen in einer US-Serie von einer Britin und einem Deutschen gespielt werden: Gugu Mbatha-Raw und Boris Kodjoe.


Boris Kodjoe und Gugu Mbatha-Raw / Foto: NBC

Boris Kodjoe wuchs in Gundelfingen in der Nähe von Freiburg auf, bevor er mit 19 in die USA ging und erst Model und dann Schauspieler wurde. Seine Hautfarbe ist wohl dafür verantwortlich, dass er nicht wie jeder andere Deutsche in Hollywood erst mal Nazis spielen musste. Im Moment ist er im Kino in Resident Evil: Afterlife zu sehen. Undercovers ist seine erste Serienhauptrolle bei einem großen Network. Und während man in seiner langjährigen Heimat Deutschland im Normalfall mit seinem Gesicht nichts anfangen kann, sieht man es in amerikanischen Großstädten derzeit auf zahllosen Bussen und Plakatwänden, wo für den Start der Serie geworben wird.

Den folgenden Podcast mit Boris Kodjoe haben wir vor gut einer Woche am Telefon aufgenommen, als er am Set von Undercovers Pause hatte. Gedreht wurde gerade an Folge 6, zehn Tage vor der Ausstrahlung von Folge 1. Die Frage, ob man unter Druck stehe, wenn die Ausstrahlungstermine für das, was man dreht, schon feststehen, konnte Boris Kodjoe, der noch nie für das deutsche Fernsehen gearbeitet hat, gar nicht richtig verstehen: Wieso? Wir haben doch schon fünf Folgen fertig!

Er erzählt außerdem, wie es ist, täglich einem seiner Idole aus der Jugend bei der Arbeit zu begegnen. Damals in Deutschland guckte er gern Simon & Simon. Heute spielen der damalige Hauptdarsteller Gerald McRaney und er gemeinsam in der gleichen Serie.

Das Gespräch endet etwas unvermittelt, weil Boris Kodjoe zum Dreh einer Szene gerufen wurde und sagte: „Ich rufe dich in acht Minuten zurück“. Das war das letzte, was ich von ihm gehört habe.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Undercovers startet am Mittwoch in den USA bei NBC. Hat die Serie Erfolg , wird sie in Deutschland voraussichtlich bei einem Sender der RTL-Gruppe zu sehen, frühestens nächsten Sommer.

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Michael, 20. September 2010, 21:53.

Simon & Simon

1986–1990 (ARD). 135-tlg. US-Krimiserie von Philip DeGuere („Simon & Simon“; 1981–1988).

Zwei ungleiche Brüder betreiben gemeinsam ein Detektivbüro in San Diego. Der konservative, ordentliche und ambitionierte Andrew Jackson Simon, genannt A.J. (Jameson Parker), versucht ständig, seinen älteren Bruder Rick (Gerald McRaney), einen draufgängerischen Lebenskünstler, zum vermeintlich Besseren zu bekehren. A.J. wohnt in einem blitzsauberen Apartment direkt hinter ihrem Büro, Rick auf einem schäbigen Hausboot. Ihre Mutter Cecilia (Mary Carver) betrachtet den Job ihrer Söhne mit Skepsis, weil sie der Meinung ist, dass man damit nicht genug verdienen kann. Konkurrenz kommt anfangs von dem sturen Brummbären Myron Fowler (Eddie Barth), der seine eigene Detektei direkt gegenüber hat. Ausgerechnet dessen Tochter und Sekretärin Janet (Jeannie Wilson) unterstützt die Simons oft bei ihren Fällen – A.J. war früher mal mit Janet verlobt und hat für Myron gearbeitet – das tut ferner der Polizist Marcel „Downtown“ Brown (Tim Reid). Seine Nachfolgerin Abby Marsh (Joan McMurtrey) ist weit weniger hilfreich.

Dank einer Mischung aus Krimi, Action, Stunts und amüsanter Geschwister-Kabbeleien eine der populäreren US-Serien der 1980er. Nach einem abendfüllenden Pilotfilm zur besten Sendezeit am Samstagabend um 20.15 Uhr liefen die einstündigen Folgen im Vorabendprogramm. 20 Folgen wurden in Deutschland nicht gezeigt.

Schlag die Außenwelt

Schlag den Raab aufzunehmen und erst später zu gucken wird allmählich ein Ding der Unmöglichkeit.

Haben Sie mal versucht, ein wichtiges Fußball-Länderspiel nicht live, sondern erst am nächsten Tag als Aufzeichnung anzuschauen, ohne bis dahin erfahren zu haben, wer gewonnen hat?

Schlag den Raab hat inzwischen ebenfalls einen Ereignischarakter erreicht, der es verbietet, Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen, wenn die Spannung beim späteren Ansehen erhalten bleiben soll. Bloß nicht mit Menschen sprechen! Die könnten es gesehen haben und das Gespräch darauf bringen, bevor man es verhindern kann. Und schon gar nicht dieses Internet aufsuchen, das sonntags ja auch nur froh ist, irgendwas thematisieren zu können.

Mein vorletzter Versuch im Frühjahr hätte beinah geklappt, bis bei Spiel 13 das liebste Wesen der Welt die Tür öffnete und den in diesem Moment blödesten Satz der Welt sagte: „Ah, du bist schon beim letzten Spiel!“ Rechnerisch konnte aus dieser Information leider nur noch ein Ergebnis resultieren.

Beim letzten Mal habe ich schon vor dem ersten Drücken der Play-Taste aufgegeben, weil ich den Fehler gemacht hatte, kurz meine E-Mails checken zu wollen und mein Mailanbieter mich schon auf der Startseite mit einer Schlagzeile begrüßte, die Raabs Sieg beinhaltete.

Diesmal hat’s geklappt. Aber der Tag bis dahin war anstrengend. Nächstes Mal muss das Leben wieder leichter werden. Dann muss wieder live geguckt werden.

Zu dieser Erkenntnis sind andere, schlauere Menschen offenbar schon vor mir gekommen. Das wäre eine Erklärung, warum die Einschaltquoten von Schlag den Raab nach vier Jahren immer noch steigen. Aufnehmen und später gucken ist zu riskant. Also live. Gestern kamen zum ersten Mal vier Millionen Zuschauer zusammen, und damit kann man die Show mittlerweile auch beim Gesamtpublikum, und nicht nur bei der privatsenderrelevanten Zielgruppe als großen Erfolg bezeichnen.

Das könnte aber auch daran liegen, dass Schlag den Raab inzwischen offenbar auch gezielt die älteren Zuschauer ansprechen will. Denn während bei Wetten, dass…? immer häufiger junge musikalische Gäste auftreten, von denen das Stammpublikum noch nie gehört hat, stellt plötzlich Phil Collins seine neue CD nicht wie gewohnt bei Wetten, dass…? vor, sondern bei Schlag den Raab. Und auch Kylie Minogue, die ohne Frage viele junge Fans hat, ist schon lang genug im Geschäft, um auch von über 50-jährigen als Star angesehen zu werden.

Wenn außerdem eines Tages sogar mal Kandidaten ausgewählt werden, die nicht aussehen wie Kojak, kann man vielleicht noch weitere neue Zielgruppen erreichen.

Haben Sie’s gemerkt? Im ganzen Text kommt kein Hinweis darauf vor, wer gestern gewonnen hat. Keine Ursache.

Michael, 19. September 2010, 21:32.

Ganz neu und doch so vertraut

Es hat mich schon ein bisschen überrascht, dass die erste Verleihung des Deutschen Radiopreises erst um Mitternacht als Aufzeichnung im NDR-Fernsehen gezeigt wurde und nicht live. Die Zusammenstellung der Laudatoren hatte eher nach einer Fernsehsendung ausgesehen und nicht den Eindruck erweckt, als scherten sich die Veranstalter auch nur im Entferntesten um eine interessante Zusammenstellung aus Mitarbeitern der gefeierten Branche. Stattdessen traten auf: Kim Fisher, Maybrit Illner, Thomas Herrmanns, Roman Knižka, Gesine Crukowski, Thomas Heinze, Reinhold Beckmann und sogar Christine Neubauer, also ohne Ende Schauspielerinnen und Schauspieler, Fernsehmoderatoren und Fernsehmoderatorinnen, die dann von Situationen erzählten, in denen sie mal Radio gehört haben. Das war beim Radiopreis ungefähr so logisch, als würden beim Deutschen Fernsehpreis als Laudatoren ausschließlich Fernsehzuschauer auftreten, die dann erzählen, wie sie abends auf der Couch sitzen und glotzen.

Man muss allerdings einräumen, dass auch die Radioleute selbst sich wenig um ihr eigenes Medium scherten, das die Veranstaltung flächendeckend bundesweit live übertrug. Ihre Dankesreden hatten in der Regel die doppelte Länge dessen, was bei den meisten ausstrahlenden Sendern als Maximum für Wortbeiträge erlaubt ist, und waren ferner so langweilig, dass jeder dieser Redakteure sie dem Merksatz „Im Zweifel lieber weglassen“ hätte zum Opfer fallen lassen.

Der Deutsche Radiopreis war nicht, wie es dem Thema angemessen gewesen wäre, eine Radiosendung, die eben auch im Fernsehen gezeigt wurde, sondern eine Fernsehsendung, die in ihrer ganzen Langeweile live im Radio übertragen wurde.

Dass es langweilig würde, war leider zu erwarten gewesen, seit bekannt war, dass man sich für den neuen Deutschen Radiopreis am Deutschen Fernsehpreis orientieren wolle, der sich selbst ja ebenfalls viel zu wichtig nimmt. Es wurde dann aber noch viel langweiliger, denn dass eventuell Spannung aufkommen könnte, wurde schon dadurch verhindert, dass es keine Nominierten gab, sondern jeweils nur der Preisträger bekannt gegeben wurde. Der zu allem Überfluss auch noch vorher wusste, dass er gewinnen würde. Letzteres war wohl organisatorisch nicht anders möglich, denn im Saal war neben Hans-Dietrich Genscher, Stefan Aust, Lena, Max Mutzke, Wladimir Klitschko, Reiner Calmund und den ganzen Fernsehmoderatorinnen und Schauspielerinnen beim besten Willen kein Platz für zusätzliche Radioleute.

Genau wie beim Fernsehpreis wurde man aber auch beim Radiopreis den Eindruck nicht los, dass manche der Preisträger nur ausgezeichnet wurden, damit die Preise einigermaßen gleichmäßig auf die gemeinsam veranstaltenden privaten und öffentlichen-rechtlichen Sender verteilt würden, die sich den Rest des Jahres eigentlich nur mit gegenseitiger Verachtung begegnen.

Immerhin am Ende gab es einen Sonderpreis für einen Mann, der private und öffentliche-rechtliche Sender verbindet, denn er ist nicht nur bei beiden zu hören, sondern füllt im deutschen Radio insgesamt so viel Sendezeit wie kein anderer Radiomitarbeiter irgendeines Sender jemals tat oder tun wird: Phil Collins. Das war natürlich nicht der einzige Grund, warum Phil Collins ausgezeichnet wurde. Der andere: Er war sowieso anwesend, um seine neue Single zu singen. Da konnte man für ihn auch gleich einen Sonderpreis erfinden.

Also doch alles genau wie bei deutschen Fernsehpreisen.

Michael, 18. September 2010, 20:25.
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