Peter Imhof

2000–2001 (Sat.1). Daily Talk mit Peter Imhof.

Die Sendung war der Nachfolger von Ricky! und genauso erfolgreich darin, die Jugendschützer in den Landesmedienanstalten gegen sich aufzubringen. Zitat aus dem Jahr 2000: „Dem Moderator gelingt es nicht, in die emotionalisierte und häufig mit Vulgärausdrücken geführte Diskussion einzugreifen und zur Versachlichung der Gespräche beizutragen.“

Nicht ganz untypisch für Imhofs Gäste war der Mann, der in der Sendung „Mein Mann schlägt mich – was soll ich tun“ relativierte: „Es ist ja nicht so, dass ich sie jeden Tag schlage.“ Ein 28-jähriger Mann aus Chemnitz, der im Juni 2000 bei Peter Imhof schrie: „Frauen gehören an die kurze Leine“, und von Imhof aus der Sendung geworfen wurde, erstach zehn Tage später seine Ehefrau.

In einer Sendung im Januar 2001 kam es beim Thema „Bei uns gibt’s ständig Zoff“ zu folgendem für die Sendung charakteristischem Wortwechsel: Ein Manfred droht seiner Ex-Freundin Christine: „Halt die Fresse, sonst komme ich da rüber“ – Imhof fragt Manfred: „Sie sind also nicht der Vater?“ – Manfred fragt: „Wieso ich?“ – Christine fragt: „Wer denn sonst?“ Imhof sagt: „Ich würde vorschlagen, wir holen jetzt mal die Gisela dazu.“

Im Juni 2000 quasselte sich Imhof ins Guinnessbuch der Rekorde, als er 24 Stunden nonstop moderierte, mit nur zwei viertelstündigen Pausen. Live wurde das nicht gezeigt, und in diesen 24 Stunden ist es auch lediglich gelungen, ganze sechs Sendungen aufzuzeichnen. Die anderen 18 Stunden waren Werbe-, Umbau-, Schmink- oder Klopausen, doch damit der Rekord galt, musste Imhof währenddessen unentwegt weiter vor sich hin moderieren. Diese Passagen wurden nie gesendet. Das wäre sicher auch für die gesamte Show die bessere Lösung gewesen.

Auf die Frage, was ihn von den anderen Daily-Talkmastern unterscheide, sagte Imhof: „Ich sehe anders aus als alle anderen Talkmoderatoren. Ich rede anders, ich bin jünger, ich bin ein ganz anderer Typ – genau wie sich alle anderen auch im Prinzip voneinander unterscheiden.“

Als Peter Imhof begann, hatte die Daily-Talk-Welle bereits begonnen abzuklingen. Seine Show konnte zu keiner Zeit als Maßnahme zur Lebensverlängerung des Genres gelten.

Als Titelmusik wurde der Song „Sex Bomb“ von Tom Jones verwendet. Die Folgen wurden werktags um 14.00 Uhr gesendet.

Wildfang

1996–1997 (RTL 2). „Der Teenie-Talk“. Tägliche Talk- und Kuppelshow für Jugendliche mit Iris von Carnap.

Pubertierende Menschen reden über die Liebe und Hindernisse in der Liebe oder über die Dinge, über die ihre Eltern bei Bärbel Schäfer reden. Also: Daniel beklagt sich, dass er seine Freundin Melanie mit Sandra teilen muss. Sandra sagt, dass sie Melanie liebt. Melanie kommt als Überraschungsgast und freut sich, dass sie in der Liebe so flexibel ist. Oder: Nicole (14) und Jürgen (18) sind seit knapp drei Wochen zusammen, aber nun kommt eine andere Nicole, die auch was von Jürgen will. Das Publikum findet, er soll die neue Nicole nehmen, Jürgen bleibt aber bei der alten.

115 halbstündige Ausgaben liefen werktags gegen 16.30 Uhr. Einige wurden vertretungsweise von David Gromer-Piani moderiert.

Das Ende der Daily-Talk-Ära

Und so endete am vergangenen Freitag nach 17 Jahren die Ära der Daily Talkshow auf RTL:

Man kann das natürlich ein bisschen unwürdig finden. Aber eigentlich war es ein angemessenes Ende für das Genre im Allgemeinen und die Oliver-Geissen-Show im Besonderen: mit noch ein bisschen Sich-gegenseitig-eklig-finden und Durcheinander-Reden, einem vagen „Wenn ihr glücklich seid, hab ich auch nichts dagegen“-Fazit und einem Moderator, der wirkte, als sei er ohnehin nur kurz vorbeigeschlappt, weil das Studio zufällig auf dem Weg vom Bett zum Badezimmer lag.

Britt, die immer noch tapfer werktags um eins Vaterschaftstests öffnet und Lügendetektor-Ergebnisse verliest, ist jetzt die letzte Vertreterin eines Genres, das es zu seiner Hochzeit in der Fernsehsaison 1999/2000 auf 13 verschiedene Sendungen täglich brachte.

Vermutlich wird man sich angesichts des pseudodokumentarischen Quatsches, der sich stattdessen im Tagesprogramm breit macht, schon bald danach zurücksehen, dass man die Hartz-IV-Empfänger wieder in irgendwelchen bunten Fernsehstudios sieht anstatt in ihren Wohnzimmern und dass sie wenigstens nur sich selbst spielen. Aber vorerst ist die Zeit des Daily Talk abgelaufen.

Zur Erinnerung an die guten, schlechten Zeiten bietet Ihnen „Das Fernsehlexikon“ die ganze Epoche auf einen Blick:

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Stefan, 31. August 2009, 13:04.

Harper’s Island

Ab 26. August 2009 (ProSieben). 13-tlg. US-Horrorserie von Ari Schlossberg („Harper’s Island“; 2009).

Sieben Jahre sind seit einem Amoklauf mit sechs Toten auf Harper’s Island vergangen, als sich eine Gruppe Menschen dort zur Hochzeit von Henry Dunn (Christopher Gorham) und Trish Wellington (Katie Cassidy) versammelt. Und wieder gibt es Tote: Folge für Folge kommt jemand durch ein Attentat, einen „Unfall“ oder einen simplen Mord ums Leben, und jeder auf der Insel ist verdächtig, der Serienkiller zu sein, darunter die beste Freundin des Bräutigams, Abby Mills (Elaine Cassidy), deren Vater Charlie (Jim Beaver) der Sheriff auf der Insel ist und ermittelt, die Brautjungfer Chloe (Cameron Richardson) und ihr Freund Cal (Adam Campbell), Brautvater Thomas (Richard Burgi), die Trauzeugen Sully (Matt Barr) und Shea (Gina Holden), der Fischer Jimmy (C.J. Thomason), Onkel Marty (Harry Hamlin)… Waren Sie schon mal auf einer Hochzeit? Dann werden Sie verstehen, dass wir beim besten Willen nicht alle angereisten Gäste aufzählen können.

Von Beginn an war die Serie auf 13 Folgen angelegt, in deren letzter das Rätsel gelöst und die offenen Fragen beantwortet werden. In den USA ist dieses Verfahren ungewöhnlich. Ein Ende ist normalerweise nicht vorgesehen, um Serien bei Erfolg unbegrenzt fortführen zu können. Im Fall von Harper’s Island dürfte der Sender nicht CBS nicht allzu traurig gewesen sein, da der Erfolg ausblieb.

ProSieben beginnt mit zwei einstündigen Folgen ab 21.15 Uhr und zeigt dann mittwochs um 22.15 Uhr immer eine.

Qual der Wahl

[Ironiealarm EIN.] Wenn ein Thema die Fernsehzuschauer so wahnsinnig interessiert wie die bevorstehende Bundestagswahl, können die Sender gar nicht genug dazu zeigen. Sat.1 hat das große Glück, gleich zwei kompetente Polittalker in einer Sendung vereinen zu können. [Ironiealarm AUS.]

Die ehemalige ARD-Schwarzseherin Sabine Christiansen und der ehemalige Spiegel-Chef Stefan Aust, der bereits weiß, wie man bei Sat.1 am Sonntagabend scheitert, präsentieren Ihre Wahl! Die Sat.1-Arena, und obwohl Christiansen gar nicht mehr beim Ersten arbeitet, sorgte ihr Ex-Arbeitgeber für das, was ein perfekter Audience-flow hätte sein können, denn so schlecht gelaunt, wie am Sonntagabend 90 Minuten lang alle im Tatort waren, wirkt sogar Christiansen wie eine Stimmungskanone.

Premierengast ist Wirtschaftsminister zu Guttenberg, und das war noch eine andere Premiere: Es kommt sonst nicht vor, dass der Politiker, der in einer Politshow zu Gast ist, die Popularität der Moderatoren übertrifft, denn im Gegensatz zu Christiansen und Aust ist Guttenberg noch gar nicht lange genug bekannt, um besonders häufig negativ aufgefallen zu sein.

Aber warten Sie, der eigentlich Höhepunkt kommt noch: „Und dann schalten wir noch zu Sebastian Krumbiegel, dem Sänger der Prinzen, der sich heute Abend zusammen mit Freunden die Sendung im Fernsehen ansieht.“ Potztausend, Herr Aust. Zu mir hat noch nie jemand geschaltet. Und ich hatte auch Freunde zu Besuch. Die gingen allerdings sechs Minuten nach Sendungsbeginn nach Hause. Sollte ich das per SMS mitteilen?

Am unteren Bildschirmrand werden polternde SMS-Texte von Zuschauern eingeblendet, die sich auf der Ebene von „Das glaubt doch kein Mensch!“ und „Die Roten machen immer nur Mist!“ an der Diskussion beteiligen. Das ist ein raffinierter Schachzug, denn im Vergleich dazu wirkt Sabine Christiansen viel kompetenter als damals im Ersten, als sie eigentlich nur dadurch auffiel, dass sie ihre Gesprächspartner immer dann unterbrach, wenn es gerade interessant zu werden drohte. Diese Gefahr besteht diesmal nicht.

Nach der ersten Werbepause sitzt auch noch Oskar Lafontaine da. Logisch, Gysi ist ja auch bei Anne Will. Das geht alles von zu Guttenbergs Redezeit ab, der bestimmt gern noch ein paar Mal „gerüttelt Maß“ sagen würde. Und auch Christiansens Redezeit wird begrenzt, indem zwischendurch Fragen von Zuschauern eingespielt werden, die sich selbst mit einer Webcam aufgenommen haben. Das filmische Niveau kennen Sat.1-Zuschauer ja aus dem Vorabendprogramm.

Und dann kommt noch die Bauunternehmerin Claudia Sturm, die nach der nächsten Werbepause von Sabine Christiansen so angekündigt und behandelt wird, als sei sie eine Passantin, die zufällig des Weges gekommen war. Und dann ist die Sendung auch schon vorbei. Halt! Herr zu Guttenberg will es sich noch herausnehmen, auf die letzte gestellte Frage, die noch offen im Raum stand und nach der Christiansen sich verabschieden wollte, zu antworten. Ha! Dieser Amateur! Stefan Aust winkt nach wenigen Halbsätzen lachend ab, und dann ist aber auch wirklich vorbei.

Immerhin hatte die Sendung im Mittelteil einen erkennbaren Informationsgehalt — in den Werbepausen. Aber was genau haben wir nun von dieser weiteren Wahlvorfeldsendung? Oh, für die Antwort haben wir leider keine Zeit mehr.

Michael, 23. August 2009, 23:35.

Ihre Wahl! Die Sat.1-Arena

Seit 2009 (Sat.1). Einstündige Polittalkshow mit Sabine Christiansen und Stefan Aust, in der in den Wochen vor der Bundestagswahl Spitzenpolitikern die üblichen Fragen gestellt werden, aber nicht nur von den Moderatoren, sondern auch von Zuschauern per SMS, Mail, Webcam-Video oder Twitter.

Läuft sonntags um 22.15 Uhr.

Chuck

Ab 22. August 2009 (Prosieben). US-Action-Comedyserie von Josh Schwartz und Chris Fedak („Chuck“; seit 2007).

Der Mittzwanziger Chuck Bartowski (Zachary Levi) ist ein langweiliger Computerfreak, der bei seiner Schwester Ellie (Sarah Lancaster) un deren Freund Devon “Captain Awesome” Woodcomb (Ryan McPartlin) wohnt und im Elektrofachmarkt Buy More in der Serviceabteilung arbeitet. Da ist auch sein bester Kumpel Morgan Grimes (Joshua Gomez) tätig. Ach ja, und in Chucks Kopf sind die gesammelten Geheimnisse der amerikanischen Geheimdienste gespeichert. Es ist ein riesiger Schatz einzelner Bilder im Unterbewusstsein, deren Zusammenhang Chuck erst klar wird, wenn er etwas sieht, das ihn daran erinnert und er sich dann ganz doll anstrengt. Sein sterbender Studienfreund Bryce Larkin (Matthew Bomer) hatte all diese Informationen gestohlen und kurz vor seinem Tod per E-Mail an Chuck geschickt. Dessen Festplatte wurde aber danach zerstört. Sprich: Die Informationen existieren tatsächlich nur noch in Chucks Kopf. CIA und NSA sind an den Informationen höchst interessiert, denn sie können Attentate verhindern, Terroristen entlarven, Bomben finden etc. Chuck hilft also fortan den Geheimdiensten. Die werden repräsentiert von Sarah Walker (Yvonne Strahovski), die sich als Chucks Freundin ausgibt und zur Tarnung einen Job als Kellnerin im Lokal neben dem Elektromarkt annimmt, und Major John Casey (Adam Baldwin), der direkt im Elektromarkt anheuert.

Kurzweilige Mischung aus rasanter Agentenserie und skurriler Nerd-Comedy, die in den USA von Beginn an die Kritiker begeisterte. Die Zuschauerzahlen waren gerade gut genug, dass die Fans den Sender NBC durch eine Rettet-Chuck-Kampagne von einer Absetzung abbringen konnten. ProSieben zeigt die einstündigen Folgen samstags gegen 17.00 Uhr.

Family Guy: Ganze Episode abgetrieben

Nur weil man der höchstbezahlte Fernsehautor ist, heißt das noch lange nicht, dass das, was man schreibt, auch ins Fernsehen kommt.

Die Produktionsfirma 20th Century Fox liebt die Arbeit von Seth MacFarlane und zahlt ihm bis 2012 das Pauschalhonorar von 100 Millionen Dollar für seine Trickserien Family Guy und American Dad und alles, was er sonst noch macht. Kein anderer TV-Autor erhält so viel Geld.

Das Publikum liebt die Arbeit von Seth MacFarlane auch. Seine Serien laufen seit Jahren erfolgreich sonntags zur Primetime, und wenn sie mal abgesetzt werden, fndet es einen Weg, den Sender von seiner Liebe zu überzeugen.

Und sogar die Kritiker lieben die Arbeit von Seth MacFarlane und haben Family Guy für einen Emmy als beste Comedyserie nominiert. Einer Trickserie gelang das nicht mehr seit Familie Feuerstein 1961.

Nur dieser ausstrahlende Sender Fox, ein Anhängsel des Produktionsriesen, steht Mr. MacFarlanes Arbeit offenbar mit Zweifeln gegenüber. Zweimal setzte er die Serie Family Guy ab und nahm sie nur deshalb wieder ins Programm, weil die Wiederholungen bei anderen Sendern so erfolgreich waren und sich die DVDs so gut verkauften. Und schon einmal weigerte er sich, eine fertig produzierte Folge überhaupt auszustrahlen. Als die Hauptfigur Peter Griffin seinen Sohn zwingen wollte, zum Judentum zu konvertieren, weil Juden ja besser mit Geld umgehen könnten, hielt der Sender Fox das für antisemitisch. Drei Jahre später zeigte er die Episode doch.

MacFarlane liebt die Kontroverse. Sonst wäre Family Guy auch nicht Family Guy, sondern Bambi. Nun hat er eine Episode geschrieben, in der es um Abtreibung geht, und wieder ist das Thema den Föxen zu heiß, die ankündigten, die Episode nicht nur nicht, sondern „niemals“ zu zeigen. Es besteht zwar kein Zweifel, dass die Episode später auf DVD erscheinen wird, doch vorher noch wählten Seth MacFarlane, der auch mehreren Figuren in der Originalfassung seine Stimme gibt, und die anderen Sprecher eine andere Form, um die Story ans Publikum zu bringen: In einem Theater in Hollywood traten sie vor Mitgliedern der Academy of Television Arts & Sciences auf und lasen die Episode live vom Blatt, inkl. Regieanweisungen, und begleitet von einem Orchester, das die Gesangseinlagen untermalte, die die Werbepausen ersetzten.

Der Hollywood Reporter gibt einen kleinen Eindruck von dem, was die Fernsehzuschauer zum Thema Abtreibung verpassen.

Peter Griffin: „Es bedeutet, Babys umzubringen! Wenn Gott gewollt hätte, dass wir Babys umbringen, hätte er aus allen chinesische Mädchen gemacht!“ 

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Michael, 18. August 2009, 17:02.

Familie Feuerstein

1965 – 1970 (ARD); 1984 (Sat.1). 166-tlg. US-Zeichentrick-Comedyserie von William Hanna und Joseph Barbera („The Flintstones“; 1960–1966).

Die Feuersteins sind eine moderne Steinzeitfamilie. Sie besitzen ein Mammut als Staubsauger und ein sWarzenschwein als Müllschlucker, außerdem ein Telefon aus Widderhorn und einen Stein-Fernseher. Familienoberhaupt Fred Feuerstein arbeitet als Dinobaggerführer im Steinbruch von Steintal, dem Städtchen, in dem die Familie wohnt. Sein Chef ist Mr. Schiefer. Fred ist ein liebenswerter Dickkopf, aber auch oft ein Choleriker, den man an seinen typischen Schreien „Wilmaaaaaa!“ und „Yabba-dabba-dooo!“ erkennt. Vor allem ist er jemand, der sich oft in verrückte Ideen verrennt, an deren Umsetzung er jedoch scheitert. Seine vernünftige Frau Wilma muss das dann ausbaden und wieder in Ordnung bringen. Am Steinherd kocht sie Fred die geliebten Brontosauriersteaks. Das Haustier, der kleine Dinosaurier Dino, komplettiert die Familie, die in der dritten Staffel noch größer wird, als Baby Pebbles geboren wird. Freds Arbeitskollege und bester Freund ist der wesentlich kleinere Barney Geröllheimer. Fred verführt Barney oft zu Unsinn, mit dem dann auch Barneys große dünne Frau Betty ihre Sorgen hat. Auch die Geröllheimers bekommen im Lauf der Serie Zuwachs: In der vierten Staffel finden sie das Kleinkind Bamm-Bamm samt Keule vor ihrer Tür und nehmen es bei sich auf. Fred, Barney, Wilma und Betty unternehmen oft gemeinsame Ausflüge im Geröllmobil, einem modernen Fortbewegungsmittel aus Baumstämmen und Palmen, das mit Fußbetrieb läuft. Bekleidet sind die Familien stets mit Fellen und Lendenschurz.

Die Serie, die im Prinzip eine animierte Sitcom war, war für ein erwachsenes Publikum produziert worden. In den USA lief sie freitags um 20.30 Uhr, und bei der Erstsendung waren die Episoden sogar mit Publikumsgelächter unterlegt, das für spätere Ausstrahlungen wieder entfernt wurde. Die Handlung bestand oft aus herkömmlichen Alltags- oder Ehegeschichten, wie man sie auch in vielen anderen Serien sehen konnte, bekam ihren besondern Reiz aber durch ihre Verlegung in eine Steinzeit, in der alle Vorzüge der modernen Zivilisation schon in irgendeiner Form vorhanden waren. Jede Folge war eine halbe Stunde lang. Es war die erste Zeichentrickserie, deren Episodenlängen die von wenigen Minuten überschritt, was bis dahin die übliche Länge für Cartoons war. Es war außerdem die erste Zeichentrickserie in der Primetime und blieb trotz des Erfolgs auch die letzte, bis mehr als 20 Jahre später Die Simpsons starteten. Auch im Kinderprogramm wurde die Serie ein Dauerbrenner. In Deutschland liefen 117 Folgen im regionalen Vorabendprogramm der ARD und wurden dort oft wiederholt, die restlichen Folgen wurden erst mit der Einführung des Privatfernsehens erstmals gezeigt und ebenfalls oft wiederholt. Deutsche Stimme von Fred Feuerstein war, je nach Synchronisation, Eduard Wandrey bzw. Heinz-Theo Branding, Barney Geröllheimer war Gerd Duwner, der seine Stimme auch Ernie aus der Sesamstraße lieh. Hier wie dort zogen die Feuersteins eine Reihe Fanartikel nach sich, vor allem Sammelfiguren und Comichefte. 1994 wagten sich Brian Levant und Steven Spielberg an eine Realverfilmung der Feuersteins fürs Kino. John Goodman spielte den Fred Feuerstein, Rick Moranis den Barney Geröllheimer. Die Namen der Hauptfiguren im US-Original: Wilma & Fred Flintstone, Betty & Barney Rubble, Dino, Pebbles & Bamm Bamm; die Stadt hieß Bedrock.

Die Dinos

1993–1995 (ARD). 65-tlg. US-Puppen-Sitcom von Jim Henson („Dinosaurs“; 1991–1994).

Familie Sinclair ist eine ganz normale Dinosaurierfamilie, die ihr Durchschnittsleben im Jahr 60.000.003 v. Chr. lebt. Vater Earl, ein Megalosaurus, arbeitet als Baumschubser, seine Gattin Fran ist Hausfrau. Sie haben drei Kinder: die Teenager Robbie und Charlene, er anti-establishment und sie verwöhnte Göre, und Baby, ein altkluges Kleinkind. Es nennt Fran „Mama“ und Earl „Nicht die Mama“, macht eine Bratpfanne zur gefährlichen Waffe und ist durch nichts kleinzukriegen. Je heftiger die Stürze und Unfälle, desto begeisterter hinterher sein Ruf: „Noch-maaaaal!“. Mit im Haus wohnt Oma Ethyl, die zwar im Rollstuhl sitzt, aber gelenkig genug ist, um dem von ihr verachteten Schwiegersohn Earl bei Bedarf eine runterzuhauen. Wenn sie Earl gerade einmal keinen Grund gibt, sein Leben zu hassen, dann tut es sein Boss B.P. Richfield. Trost findet Earl bei seinem gutmütigen, aber strunzdoofen Kollegen und Freund Roy.

Im Kern waren Die Dinos eine traditionelle Familiensitcom mit den typischen Problemen arbeitender Eltern, pubertierender Kinder und nervender Schwiegermütter, nur dass es sich eben um Dinosaurier handelte. Geschickt kombinierte die Serie diese Grundkonstellation mit Slapstick-Elementen und Running-Gags für Kinder und satirischen Kommentaren auf das Leben auf der Erde rund 60.002.000 Jahre später für Erwachsene. Parodiert wurden immer wieder das Nachrichtenfernsehen, der Konsumwahn, Rituale im Berufsleben und die Schwachstellen der Demokratie im Zeitalter der Massenmedien. Die Dinosaurier-Welt wird von der allgegenwärtigen Treufuß-Gesellschaft beherrscht, im Fernsehen läuft DNN, und das Essen im Kühlschrank ist so frisch, dass es noch lebt und jedes Mal, wenn ihn jemand öffnet, Dutzende wild gestikulierende Ärmchen sichtbar werden und Proteste zu hören sind. Die Dinos schafften es, aktuelle ethische Dilemmas und Fragen der Ökologie oder der Emanzipation der Frau zu behandeln und gleichzeitig intelligent und albern, warmherzig, relevant und witzig zu sein. Sie ähnelten damit eher den Simpsons als der Familie Feuerstein.

Die letzte Folge ist wohl das düsterste Ende aller Sitcoms. Um ihre Profite noch weiter zu vergrößern, baut die Treufuß eine Fabrik zur Produktion von Plastiknahrung über die letzten natürlichen Anbaugebiete und zerstört damit die Lebensgrundlagen der Dinosaurier. Um zu retten, was nicht mehr zu retten ist, lässt Earl im Auftrag von Richfield noch die Vulkane explodieren, was die Sonne verdunkelt und die Eiszeit auslöst. Am Ende sagt Earl zu Fran, dass Dinosaurier so lange auf der Erde gelebt hätten, die würden ja nicht einfach aussterben…

Alle Figuren waren menschengroße Puppen, in denen Schauspieler steckten; die Gesichter der Saurier waren durch eine computeranimierte Mechanik verblüffend ausdrucksstark und (für Menschen) realistisch. In mehreren Folgen waren auch reale Menschen zu sehen, die primitive, grunzende Höhlenbewohner darstellten. Für die deutsche Version wurden auch visuelle Gags liebevoll durch genaue Einblendungen übersetzt. Die deutsche Stimme der kratzbürstigen alten Ethel war Barbara Ratthey, die auch der kratzbürstigen alten Sophia aus den Golden Girls ihre Stimme lieh; das Baby wurde von Edith Hancke gesprochen.

Muppets-Erfinder Henson hatte sich die Serie ausgedacht, die nach seinem Tod im Jahr 1990 von seinem Sohn Brian realisiert wurde. Die halbstündigen Folgen liefen freitags um 18.55 Uhr.

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