Ach was!

Der nachfolgende Dialog ist zwar aus dem Zusammenhang gerissen, war aber im Wortlaut so in den Tagesthemen zu hören. Loriot hätte ihn nicht besser schreiben können.

Moderator Tom Buhrow: „Wie sieht’s aus?“
Reporterin Anna Kyrieleis: „Ja, das stimmt.“

Zum Vergleich Loriots Jodelschule: „Wie erklären sie sich den ständig wachsenden Zulauf ihres Instituts?“ – „Da haben Sie ganz Recht.“

Ach, der ist das!

RTL bietet in seinen Presseinformationen zu CSI: Miami Hintergrundwissen zur Besetzungsliste an:

David Caruso… Lt. Horatio Caine

(Bekannt u.a. als Lt. Horatio Caine aus C.S.I. Miami…)

Ah ja, vielen Dank.

Akt der Güte

Wenn Professor Freise, der einst bei Günther Jauch als erster Kandidat die Million abräumte, weiterhin als einer der klügsten Köpfe Deutschlands gilt, dann ist Oliver Pocher Deutschlands klügster Prominenter.

Beim 16. Prominenten-Special von Wer wird Millionär? bei RTL rief Oliver Pocher seinen Telefonjoker an: ARD-Programmdirektor Günter Struve.

Günther Jauch:
„Mein Lieblingsprogrammdirektor der ARD. Dass ich es nicht zur ARD schaffe, das wurde mir irgendwann klar. Aber dass Sie es bis zu RTL schaffen, das ist die eigentliche Leistung.“
Günter Struve:
„Es ist ein Akt der Güte, lieber Herr Jauch.“


Foto: RTL / Stefan Gregorowius

Zum ersten Mal zeigte RTL das Prominenten-Special an einem Freitag. Und zum ersten Mal wird es wiederholt (Samstag um 15.45 Uhr).

Ach ja: Und am Ende gewann Oliver Pocher dann eben als erster Prominenter die Million.


Foto: RTL / Stefan Gregorowius

Aktenzeichen XY unbekleidet

Nachdem sich ProSieben diese Woche schon um zwei andere Kernsendeplätze gekümmert und One Tree Hill am Sonntagmorgen um 10.00 Uhr und Brothers & Sisters am Mittwochabend um 22.15 Uhr abgesetzt hat, wird jetzt der Samstagnachmittag neu bestückt. Da liefen zuletzt Wiederholungen der beiden nicht abgesetzten Serien Desperate Housewives und Grey’s Anatomy, doch deren neue Staffeln sind vergangene Woche zu Ende gegangen, und Wiederholungen der Wiederholungen will wohl selbst ProSieben (noch) nicht zeigen.

Deshalb kommt nun Freddie zum Einsatz — endlich mal wieder eine ansehnliche Sitcom im klassischen Stil: auf einer Bühne vor Publikum mit einer völlig unoriginellen Ausgangssituation. Beim erfolgreichen Single Freddie zieht seine gesamte weibliche Verwandtschaft samt Schwägerin und Oma ein. Wurscht. Eine gute Sitcom zeichnet sich nicht durch eine originelle Grundkonstellation aus, sondern dadurch, aus jeder x-beliebigen Situation eine Handlung mit guten Gags machen können. Das klappt einigermaßen. Freddie ist keine überragende Sitcom, aber ein guter Beweis dafür, dass dieses oft totgeredete Genre noch Leben in sich hat. Freddie selbst überlebte in den USA leider trotzdem nur eine Staffel.

In der Hauptrolle: Freddie Prinze Jr., den wir zuletzt als Donnie Crane in Boston Legal sahen. Und als sein bester Kumpel: Brian Austin Green! Er war Donnas David in Beverly Hills, 90210.

Freddie, samstags ab 16.05 Uhr (je zwei Folgen) auf ProSieben.

Nach Freddie kommt Kyle XY. Kyle hat ein Problem: Er weiß nicht, wer er ist und woher er kommt. Vielleicht ist nicht einmal ein Mensch, denn er kann anfangs gar nicht sprechen, hat eine ungewöhnlich hohe Hirnaktivität, aber keinen Bauchnabel.

Die Suche nach der eigenen Identität ist immer ein spannendes Thema für eine Serie, jedoch meistens erfolglos. Die letzten drei nennenswerten Serien dieser Art, Das Geheimnis der blauen Krone, Nowhere Man und Der Fall John Doe! wurden abgesetzt, bevor das Geheimnis gelüftet werden konnte. Kyle XY hat in den USA bisher immerhin zwei Staffeln unbeschadet überstanden. Die Ausstrahlung bei ProSieben ist also ein echter Härtetest.

Zu Der Fall John Doe! gibt es neben der Selbstfindungsstory zwei weitere Parallelen: Beide Serien spielen im Raum Seattle, und zu Beginn beider Serien wacht die Hauptfigur nackt an einem unbekannten Ort auf. Während Der Fall John Doe! die Identitätssuche mit einer Krimihandlung verband, mischt Kyle XY das Thema mit Teenie-Soap und Außerirdischen-Comedy. Kyle sieht so aus, wie Menschen in Teenieserien aussehen, wenn sie 16-jährige spielen (sein Darsteller Matt Dallas war zum Produktionszeitpunkt natürlich schon 23), und gerät in eine Familie mit zwei pubertierenden Kindern. Und weil ihm alles Menschliche fremd ist, er aber ein paar ungewöhnliche Fähigkeiten hat (kann schnell laufen, braucht kaum Schlaf), kommt es zu ein paar ulkigen Situationen, die an Mork vom Ork, ALF oder Hinterm Mond gleich links erinnern.

Trotz der Anleihen ist Kyle XY originell und nett umgesetzt, und wären Teenieserien wie Beverly Hills, 90210 oder Dawson’s Creek noch eine sichere Bank am Samstagmittag, hätte Kyle XY vielleicht sogar ein Erfolg werden können.

Kyle XY, samstags um 17.00 Uhr auf ProSieben.

Al in L.A.

Wer wissen will, was Ed O’Neill in all den Jahren gemacht hat, seit er nicht mehr Al Bundy ist, oder wer sich dafür interessiert, wie Law & Order-Produzent Dick Wolf die 50er-Jahre-Serie Polizeibericht, die schon Vorlage für den deutschen Krimiklassiker Stahlnetz war, in die Neuzeit überträgt, der kann sich heute die neue Serie Polizeibericht Los Angeles anschauen, denn darin spielt Ed O’Neill die Hauptrolle. Wer nicht, nicht. Denn es passiert in der heutigen Zeit ja nicht grundlos, dass die deutsche Erstausstrahlung einer amerikanischen Krimiserie an Super RTL gefallen ist.

Polizeibericht Los Angeles, sonntags um 21.50 Uhr bei Super RTL (jeweils zwei Folgen).

Aliens In The House

Ich gehöre nicht zu denjenigen, die ständig an der deutschen Synchronisation der meisten US-Serien herumnörgeln. Natürlich lässt sich nicht jede amerikanische Wendung hundertprozentig ins Deutsche übertragen, wenn sie erstens passgenau auf den Lippenbewegungen sitzen und zweitens verständlich sein soll. Aber es gibt kein besseres oder zuschauerfreundlicheres System als die Synchronisation, um fremdsprachige Programme dem einheimischen Publikum zugänglich zu machen. Untertitel lenken beim Lesen zu sehr vom Bild ab, und eine ausschließliche Ausstrahlung im Originalton schließt zu viele aus. Wer glaubt, eine Originaltonfassung könnte auch nur annähernd ähnliche Zuschauermassen erreichen wie die Synchronfassung — oder sogar höhere, weil sich die „Fans“ ja dann „alle“ das Zeug nicht mehr dem Internet ziehen oder auf DVD kaufen müssten — irrt schlicht.

Dazu kommt, dass in keinem anderen Land die Synchronisation in solcher Perfektion betrieben wird wie in Deutschland. Selbst Die Simpsons, wo es so viele Übersetzungsfehler gibt wie in keiner anderen Serie, sind auch auf Deutsch ein Genuss.

Dr. House ist ein besonders positives Beispiel hiesiger Synchronkunst. Die deutsche Fassung von Dieter B. Gerlach funktioniert auf allen Ebenen und bringt die Serie so originalgetreu wie irgendmöglich ins deutschsprachige Fernsehen. Sie macht sogar noch Spaß, wenn man das Original schon vorher gesehen hat.
So schaffte es auch dieser Satz aus der heutigen Episode „Erster Kontakt“ in unsere Sprache, der vor 30 Jahren wahrscheinlich noch ein Grund gewesen wäre, sicherheitshalber die ganze Episode einfach gar nicht in Deutschland zu zeigen:

Mamis Körper ist wie ein kompliziertes deutsches Bahnsystem. Alle Züge verkehren pünktlich. Wenn sie schwanger wird, ist das wie die Eröffnung eines neuen Bahnhofs in Düsseldorf, organisiert von Anfängern, da muss einiges schiefgehen. Kinder spielen auf den Gleisen und kriegen einen Stromschlag, und bevor man sich umsieht, staut sich der Verkehr bis nach Berlin, und überall sitzen wütende Fahrgäste fest. Und deutsche Wut ist nicht gut für die Juden.

Umso interessanter ist es, dass dem Synchronautor wenig später ausnahmsweise ein kompletter Gag durch die Lappen gegangen ist, ohne dass es einen Grund dafür gab. An den Lippenbewegungen kann es nicht gelegen haben, denn an der fraglichen Stelle nuschelte Dr. House in seinen OP-Mundschutz, die Lippen waren also gar nicht zu sehen. An einem unbekannten Popkulturbezug auch nicht. Zwar weiß man in Deutschland nicht, was „TiVo“ ist (ein digitaler Videorekorder), doch für die Pointe spielte die genaue Art der Videoaufzeichnung keine Rolle.

Als während der Operation am ungeborenen Kind im Bauch der Mutter das Baby seine Hand aus der Gebärmutter streckte und nach Houses Finger griff, war House für einen sehr langen Moment irritiert, bevor er wieder zu sich fand und sagte:

Sorry. Ich habe vergessen, den Alien zu markieren.

Im Original war hier ein Gag, der aus der ungewohnten Irritation des Doktors sofort zurück zu seinem eigentlich Ich führte:

Mir ist gerade eingefallen, dass ich vergessen habe, „Alien“ zu programmieren.

Alkoholscout24.gov

Um 1.35 Uhr in der Nacht zum Dienstag wendet ein Wagen illegal auf einer Straße in Los Angeles. Die Polizei hält ihn an, und am Steuer sitzt leicht alkoholisiert der Mann, den wir als Jack Bauer kennen.

Es ist mutig von den Polizisten gewesen, Kiefer Sutherland mitzunehmen und erst gegen Kaution wieder freizulassen, immerhin stand vermutlich gerade mindestens die Rettung der Welt an.

Wir können uns nur vorstellen, wie Sutherland versucht haben mag, sich rauszureden. Also tun wir das doch.
   

  1. „Chinesische Terroristen haben mir Bier eingeflößt, um mich zum Reden zu bringen.“
  2. „Ich habe jetzt keine Zeit für Erklärungen, Sie müssen mir vertrauen!“
  3. „Aber Chloe hat gesagt…“
  4. „Keine Sorge, ich werde Ihren Sohn unbeschadet zurückbringen. Ich verspreche es.“
  5. „Ich habe nur fünf Minuten Werbepause und muss dringend pinkeln.“
  6. „Verbinden Sie mich mit dem Präsidenten.“
  7. „Hey, wenn ich es weiterhin schaffen soll, innerhalb von zehn Minuten mit dem Auto an jedem x-beliebigen Platz in Großraum Los Angeles zu sein, kann ich wirklich nicht auf jede Verkehrsregel achten.“
  8. „Alles klar, ich übernehme.“
  9. „Die folgenden Ereignisse finden zwischen 0,8 und 1,0 Promille statt.“
  10. „D E C K U N G ! ! ! ! !“

Alle Jubelsuperwahljahr

Wahlabende sind normalerweise keine sehr fröhlichen Fernsehabende, weil die meisten Protagonisten sehr mürrisch gucken, inhaltlos reden und depressive Stimmung verbreiten, also so ähnlich wie ein Konstanzer Tatort.

Heute ist das anders: Man sieht viele wohlgelaunte Gesichter, und am fröhlichsten von allen wirkt Julia Klöckner, die Spitzenkandidatin der rheinland-pfälzischen CDU, die sich seit Stunden freut, strahlt und euphorisch ihren Wählern für den Auftrag dankt — ähm… den Auftrag, in der Opposition zu bleiben? Sie wirkt, als halte sie es für einen enormen Erfolg ihrerseits, dass aus der roten jetzt eine rot-grüne Regierung in ihrem Land wird. Aber gut, wenn sie das so glücklich macht, bitte sehr.

Das ZDF bemüht sich derweil um ausgewogene Berichterstattung und gleichmäßige Präsenz der amtierenden Ministerpräsidenten. Das geht so: Der langmonatige baden-württembergische Regierungschef Stefan Mappus ist zwar zu hören, aber zu sehen ist währenddessen der Rücken eines Kameramannes, der einen besseren Platz ergattert hat als Stefan Mappus. Direkt im Anschluss ist der Rheinland-Pfälzer Kurt Beck klar und deutlich zu sehen, aber dafür wenigstens nicht zu hören.

Die großen Sieger des Wahlabends sind laut Eigenauskunft die Parteien, die sich für Gerechtigkeit eingesetzt haben (vielleicht hätte die FDP nicht groß „Gerechtigkeit – nein danke!“ auf die Plakate schreiben sollen), dann natürlich die Endziffer 88 (vielen Dank Frank Elstner für diese schnelle Zwischeninformation im Ersten), und die SPD in Baden-Württemberg, die sich mit einem klaren Regierungsauftrag ausgestattet sieht (wie das bei einer drittstärksten Kraft so üblich ist).

Mehr möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, wir werden das alles morgen in Ruhe analysieren und besprechen, denn jetzt schon Personalentscheidungen zu treffen, wäre verfrüht.

Alle lieben einander

Dass Gülcan Karahanci heute bei Wolfram Kons auf der Punkt-9-Couch saß, war noch kein Indiz. Die sitzt ja in jeder Show, ob es nun um ihre Erinnerungen an die 90er-Jahre oder die Größe von ausgelieferter Pizza geht. Doch neben ihr saß Eralp Uzun, der sonst eher selten als Gast in Shows eingeladen wird, und wenn man ihm zuhörte, wusste man auch irgendwie warum und so. Beide sind Hauptdarsteller in der RTL-Serie Alle lieben Jimmy, deren zweite Staffel heute beginnt. Man hätte also spätestens an dieser Stelle den Grund ihres Besuchs erahnen können. Dann fragte RTL-Kommunikationsdirektor Wolfram Kons nach einem Vorschlag, was man denn heute Abend so machen könnte. Zaunpfahl, ick hör dir trapsen! Irgendwie, oder so. Doch wer auch jetzt noch nicht wusste, worum es gehen könnte, hatte ja immer noch den riesigen „Alle lieben Jimmy“-Schriftzug, der schon die ganze Zeit im Hintergrund eingeblendet war.

Dabei bin ich mir nicht einmal sicher, ob es wahr ist, dass alle Jimmy lieben. Das ZDF behauptet zum Beispiel am Sonntagnachmittag, es sei in Wirklichkeit Julia, die alle lieben. Kabel 1 behauptet Alle lieben Raymond, und laut einer Information des Heimatkanals vom kommenden Dienstag lieben alle Peter.

Hach, Sendungstitel erfinden ist ja so einfach!

Alles anders

Am 2. Januar um 18.08 Uhr verschickte RTL seine erste Mitteilung über eine Programmänderung im Jahr 2007 (allerdings nur eine langweilige Zeitverschiebung einer Wiederholung der ultimativen Chartshow).
Das Jahr war also 42 Stunden und acht Minuten alt, als RTL zum ersten Mal das Programm änderte.

2006 änderte RTL sein Programm genau 199-mal, im Durchschnitt alle 44 Stunden. Filme wurden oft gleich mehrere Male ausgetauscht, bevor feststand, welcher nun gesendet würde, Serien flogen kurzfristig raus oder wurden ins Nachtprogramm verschoben, und manchmal wurde auch einfach nur eine andere Episode gezeigt als ursprünglich geplant.
Bleibt der neue Rhythmus bestehen, wird RTL in diesem Jahr die magische Schallgrenze von 200 Programmänderungen locker durchbrechen.

Gibt es keine besseren Vorsätze fürs neue Jahr?

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