They don’t know Jack

Es ist ja schon schade, dass die Schreiber, die bei Fernsehsendern die Pressemitteilungen verfassen, sich die Sendungen, über die sie schreiben, nicht ansehen.
Sat.1 preist die heute beginnende fünfte Staffel von Without A Trace – Spurlos verschwunden wie folgt an:

Er behält immer die Nerven und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen: Anthony LaPaglia als Jack Malone.

Aha. Ob damit wohl die Folge “Requiem” von Anfang März gemeint ist, in der Jack Malone den Hintermann eines Mordes brutal verprügelt und ihm androht, ihn aufzuspüren und ohne Rücksicht auf Dienstvorschriften fertigzumachen, falls er die bis eben vermisste Familie nicht in Ruhe lasse, die vor ihm geflüchtet war? Oder die Folge “In Sicherheit” vom vergangenen Herbst, in der sonst so verständnisvolle Jack einen Wutausbruch hat und seinen Mitarbeiter Danny zur Sau macht? Oder die Folge “Malone gegen Malone”, in der er vom Scheidungsanwalt seiner Frau gezwungen wird, ein Kindheitstrauma erneut zu durchleben, was Jack dazu bringt, auszurasten und eine Scheibe im FBI-Büro einzuschlagen?

Die Sat.1-Charakterbeschreibung der Hauptfigur Jack Malone geht nicht über das obige Zitat hinaus. Beim deutschen Fernsehen rechnet vermutlich niemand damit, dass im Ausland Charaktere erfunden werden, die mehrdimensional sind.

Aber bei Sat.1 weiß man ja auch nicht, dass eine neue Staffel normalerweise mit Folge 1 beginnt. Deshalb gibt’s heute zum Auftakt der fünften Staffel Folge 2 und die eigentlich erste Folge in fünf Wochen. Vorher kommen noch Folge 3, zwei Fußballspiele und Folge 23 aus Staffel 4. Das ist zwar alles nicht schlimm, weil die falsch platzierten Folgen in sich abgeschlossen sind und keine fortlaufenden Handlungsstränge berühren, aber merkwürdig ist es trotzdem.

Michael, 22. März 2007, 08:18.

Zum Totlachen

Im zweiten Teil der dreiteiligen ARD-Dokumentation Komisches Deutschland wird heute um Mitternacht anhand des Themas „Reisen und so” veranschaulicht, wie man auch Humor eine Dreiviertelstunde lang zerreden kann. Im ersten Teil vor einer Woche ging es um „Sex und so”. Um vorzuführen, wie sich Humor in Deutschland im Lauf der letzten 60 Jahre entwickelt hat, wurden dieselben alten Sketche gezeigt, die uns die dritten Programme jedes Jahr an Silvester als humoristisches Maß aller Dinge auftischen. Kommentiert wurden sie von Humoristen der „Gegenwart”, darunter der vor neun Monaten verstorbene Robert Gernhardt (!), der von einem Legastheniker mit „Otto’s Autor” untertitelt wurde. Da ist es kein Wunder, dass man sofort überzeugt ist, dass Deutschland irgendwie komisch ist. Ob der Titel wohl so gemeint war?

Das Argument, der Deppenapostroph sei inzwischen erlaubt, gilt übrigens nicht. Zu Robert Gernhardts Lebzeiten war er es nämlich noch nicht. Vermutlich bedarf es einer eigenen Dokumentarreihe, um aufzuzeigen, wie sich Humor in Deutschland in der langen Zeit entwickelt hat, seit diese „neue” Dokumentation produziert wurde.

Michael, 21. März 2007, 12:57.

Dancing Ziering

Der Begriff „The Ziering” bezeichnet einen Schauspieler, bei dem es höchst unwahrscheinlich ist, dass er nach dem Ende seiner einen langlebigen Serie jemals wieder in einer größeren Rolle zu sehen sein wird. Philip Michael Thomas, der Tubbs aus Miami Vice, ist zum Beispiel ein Ziering, ebenso James van der Beek, der Dawson aus Dawson’s Creek. Ach ja, und natürlich Ian Ziering, der Steve Sanders aus Beverly Hills, 90210, der Namenspatron. Auserkoren von zwei Autorinnen eines Artikels für MSNBC.

Die müssen sich sehr erschreckt haben, falls sie gestern „Dancing With The Stars” bei ABC gesehen haben, die US-Version von Let’s Dance. Da ist er nämlich wieder. Ziering, der in seinen Dreißigern mit erkennbar beginnender Glatzenbildung bedingt talentiert einen Teenager spielte, ist jetzt 42, hat aus unerfindlichen Gründen immer noch Haare und probiert wahrscheinlich einfach mal aus, ob er wenigstens tanzen kann.

So ein einzelner Ziering hätte mich wahrscheinlich nicht weiter beunruhigt, hätte ich nicht erst vergangenen Donnerstag in Sat.1 Jason Priestley (Brandon Walsh aus Beverly Hills, 90210) als Geiselnehmer in Without A Trace gesehen. Gleich zwei Zierings. Aus derselben Serie. Die haben bestimmt irgendwas vor. Ich habe Angst. Dagegen wirken die Guildo Horns und Margarethe Schreinemakers’ dieser Welt, die in der zweiten Staffel von Let’s Dance ab Mai bei RTL erwartet werden, plötzlich ganz harmlos.

Michael, 20. März 2007, 22:09.

Wetten für die Welt

Nach ihrem Moderator (privat) geht im Sommer die Sendung (dienstlich) in die USA. Wie das ZDF heute (!) mitteilte, Stern online vor vier Tagen und das US-Branchenblatt „Variety” schon im Dezember berichtete, hat der amerikanische Sender ABC die Rechte an Wetten, dass…? gekauft.

Es wird diverse Unterschiede zur deutschen Version geben: Sie wird nur eine Stunde dauern und damit gefühlte acht Stunden weniger, und vermutlich werden auch weniger amerikanische Prominente zu Gast sein als in Deutschland, weil der Produzent den Gameshow-Anteil und die “gewöhnlichen” Kandidaten in den Vordergrund stellen will. Klar, dann bleibt nicht mehr als eine Stunde übrig.

Als Moderatoren wurde das britische Duo Ant & Dec verpflichtet, die früher als PJ & Duncan mal Popstars waren. Ant & Dec moderierten u.a. “Pop Idol” und “I’m A Celebrity, Get Me Out Of Here”, die Originalversionen von Deutschland sucht den Superstar und Ich bin ein Star – holt mich hier raus!. Sie sind in England so bekannt wie Thomas Gottschalk in Deutschland, in Amerika dagegen so bekannt wie Thomas Gottschalk in Amerika. Aber immerhin so lustig wie Hape Kerkeling und zusammen kaum älter als Gottschalk allein, es wird also in “Wanna Bet?” weniger Abhandlungen darüber geben, wie gut die Musik früher mal war.

Wer sich jetzt aber schon freut, wird enttäuscht: Im Gegensatz zu einem Kuchen, der, wenn man ihn nach Amerika verschickt, weg ist, wird Wetten, dass…? weiterhin auch in Deutschland zu sehen sein.

Michael, 20. März 2007, 15:49.

Altersvorsorge

Heißa, meine Damen und Herren, hier etwas Eigensächliches: Das Buch zum Onlineauftritt… ähm, oder umgekehrt, aber egal. Jedenfalls: Das gedruckte Fernsehlexikon ist jetzt endlich auch erschwinglich zu haben! Für den bisherigen Preis können Sie es ab sofort gleich zweimal kaufen (und wenn es nach uns geht, sollten Sie das unbedingt tun!), und haben selbst dann noch zehn Euro übrig. Wenn Sie also mit jemandem zusammenlegen, der auch zwei Fernsehlexika gekauft hat, können Sie gemeinsam noch ein fünftes kaufen! (Ja! Ja! Ja!) Das Buch ist übrigens „DER Geschenktipp”, habe ich früher mal in einer Anzeige gelesen.

Also: Nicht warten! Jetzt, gleich hier bestellen! Für nur noch 19,95 €! Am liebsten bei unseren Freunden von Amazon. Die Konkurrenz von BOL zum Beispiel versucht es allen Ernstes weiterhin für 43,11 €.

P.S.: Alle Links im Text führen schamlos zur gleichen Seite. Bietet sich deshalb auch als lustiges Bürospiel an: Stochern Sie wild und blind im Text herum und wetten Sie, wie oft Sie zu Amazon geleitet werden. Wenn Sie richtig getippt haben, können Sie sich ja zur Belohnung ein weiteres Fernsehlexikon kaufen.

Michael, 19. März 2007, 13:33.

Live-Ticker: Münster-Tatort

Beim Tatort aus Münster mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers weiß man nie, ob es sich um einen Krimi oder eine Comedy handelt. Deshalb klären wir das heute endlich mal. Mit einer Strichliste. Kriminalistische Momente gegen komische. Krimi gegen Comedy. Jetzt. Hier. Live.

20.17 Uhr: In der Gerichtsmedizin schleicht eine mysteriöse dunkle Gestalt herum.
Krimi — Comedy  1:0

20.20 Uhr: Kommissar Thiel und Gerichtsmediziner Prof. Boerne müssen das Taxi von Thiels Vater schieben.
Krimi — Comedy  1:1

20.21 Uhr: Boerne wird von hinten angefahren.
Krimi — Comedy  1:2

20.25 Uhr: Thiels Vermieter Boerne quartiert sich bei Thiel als Untermieter ein und verweist Thiel aufs Sofa. Boerne schnarcht natürlich, und Thiel kann nicht schlafen.
Krimi — Comedy  1:3

20.27 Uhr: Eine Leiche, eine Leiche!
Krimi — Comedy  2:3

20.28 Uhr: Thiel gießt Boerne ein Glas Wasser ins Gesicht, um ihn zu wecken.
Krimi — Comedy  2:4

20.29 Uhr: Befragung der Frau des Opfers.
Krimi — Comedy  3:4

20.33 Uhr: Weitere Befragungen, Sicherstellen von Indzien.
Krimi — Comedy  4:4

20.39 Uhr: Weiterhin ernste Ermittlungen.
Krimi — Comedy  5:4

20.41 Uhr: Nadeshda: “Wie heißen nochmal die Leute, die immer schwarz rumlaufen?” — Boerne: “Neger.”
Krimi — Comedy  5:5

20.44 Uhr: Thiel: “Man nennt die übrigens Schwarze.” — Boerne: “Schwarze?” — Thiel: “Sagen die Grünen.”
Krimi — Comedy  5:6

20.46 Uhr: Boerne läuft auf dem Friedhof einem Verdächtigen Gruftie hinterher.
Krimi — Comedy  … Tja, da weiß ich jetzt auch nicht, auf welcher Seite ich einen Strich machen soll.

20.47 Uhr: Oh, gut. Boerne ist in ein Grab gefallen. Damit ist die Sache klar.
Krimi — Comedy  5:7

20.53 Uhr: Ermittlungskram.
Krimi — Comedy  6:7

20.57 Uhr: Gerichtsmedizinerlatein und Schlussfolgerungen auf Tatwaffe.
Krimi — Comedy  7:7

21.02 Uhr: Der Fall wirkt schon fast gelöst, aber es ist ja noch früh am Abend und Sabine Christiansen hat ihre Beine vermutlich noch nicht in Position, deshalb bringt eine Zeugenaussage eine Wendung.
Krimi — Comedy  8:7

21.08 Uhr: Aufregende Verfolgungsjagd. Nun ja, Thiel folgt einer Verdächtigen im gemütlichen Spaziertempo auf dem Fahrrad, begleitet von leiser, sphärischer Fahrstuhlmusik. Aber trotzdem:
Krimi — Comedy  9:7

21.12 Uhr: Thiel konfrontiert lautstark einen Verdächtigen, der kleinlaut einräumt, möglicherweise der Täter zu sein. Er kann sich aber nicht erinnern, weil er voll wie ein Eimer war. Ist aber immer noch früh, er war’s also bestimmt nicht.
Krimi — Comedy  10:7

21.16 Uhr: Untermieter Boerne hat Thiels T-Shirt gewaschen, das dabei eingelaufen ist und nun Thiels Plauze freilegt.
Krimi — Comedy  10:8

21.16 Uhr: Homoerotisches Missverständnis: Es klingelt an der Tür, der halbnackte Thiel öffnet. Jemand fragt nach Boerne. Der liegt in Thiels Bett.
Krimi — Comedy  10:9

21.17 Uhr: Eine Bekannte Boernes liegt blutüberströmt in der Badewanne.
Krimi — Comedy  11:9

21.26 Uhr: Polizeigedöns und so.
Krimi — Comedy  12:9

21.27 Uhr: Thiel bringt einem Asiaten, der nach dem Weg zur Toilette fragt, den Satz “Eine Stange Wasser in die Ecke stellen” bei.
Krimi — Comedy  12:10

21.30 Uhr: Halb zehn. Allmählich wird’s ernst. Ist immer so.
Krimi — Comedy  13:10

21.34 Uhr: Der Asiate wendet Boerne gegenüber den eben gelernten Satz an.
Krimi — Comedy  13:11

21.34 Uhr: Boerne wird mit einem Messer bedroht und entführt.
Krimi — Comedy  14:11

21.35 Uhr: Thiel: “Wer in aller Welt ist so blöde und entführt Boerne?”
Krimi — Comedy  14:12

21.40 Uhr: Showdown auf dem Friedhof und Lösung.
Krimi — Comedy  15:12

21.43 Uhr: Thiel legt Boerne Handschellen an, knebelt ihn mit einem Schal und fährt mit ihm in einem Motorrad mit Beiwagen durchs Münsterland, um sich dafür zu rächen, dass Boerne ihm den Urlaub versaut hat, den er seit 20.15 Uhr mehrmals absagen musste.
Krimi — Comedy  15:13 (Endstand).

Puh, das war knapp. Aber damit hätten wir’s geklärt. Das war der Münster-Tatort-Live-Ticker. Zurück in die angeschlossenen Funkhäuser.

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Michael, 18. März 2007, 20:13.

Gelb spielt eine Rolle

An diesem Wochenende feiert der rote Sender Pro Sieben das gelbe Jubiläum “20 Jahre Simpsons“. Das ist sein gutes Recht, denn jeder Sender kann seine eigenen Jubiläen völlig unabhängig vom tatsächlichen Jahrfestag feiern, wann er will. Deshalb zeigt Pro Sieben zehn von Zuschauern gewählte Episoden in zwei Fünferblöcken: Am Sonntag ab 15.35 Uhr und am Montag ab 20.15 Uhr.

Der tatsächliche Jahrestag ist erst am 19. April. An diesem Datum im Jahr 1987 tauchten die Simpsons erstmals als Kurzfilm in der Tracey Ullman Show auf. Der Zeichner Matt Groening wollte eigentlich seine damals bekannten Häschen-Comics aus der Print-Serie „Life Is Hell” beisteuern, hörte dann aber eine Viertelstunde vor der entscheidenden Sitzung, dass der Auftraggeber der damals noch ganz neue und kleine Sender Fox war. „Ich hatte nicht die Absicht, meine großartigen Häschen für diesen Sender zu verschwenden, der keine Zukunft hatte. Also habe ich spontan die Simpsons erfunden. Weil ich in Eile war, gab ich ihnen einfach die Namen meiner eigenen Familie und änderte nur Matt in Bart”, erzählte Groening in dieser Woche noch einmal beim William S. Paley Television Festival des Museum of Television & Radio in Los Angeles die Entstehungsgeschichte.

Der Sender ohne Zukunft ist heute einer der größten, und Groenings Schnellschüsse werden in wenigen Wochen mit Matt Dillon und Frasier Crane gleichziehen als langlebigste Primetime-Charaktere in der amerikanischen Fernsehgeschichte. Während Marshal Dillon und Psychiater Frasier allerdings nach zwanzig Jahren abtraten, machen die Simpsons immer weiter: Bis Mai 2008 ist die Serie bereits offiziell verlängert, und niemand zweifelt daran, dass sie auch danach weitergeht.

Ehrlich gesagt ist es aber egal, wann sich das Datum tatsächlich jährt, solange die jetzige Feier dafür sorgt, dass Pro Sieben am Montagabend nicht noch zwei Stunden Gameshow-Marathon zeigt. Und das Schöne ist, dass es noch viele weitere Daten gibt, an denen Pro Sieben in Zukunft 20-jährige Jubiläen feiern könnte, zum Beispiel am 17. Dezember 2009 (20 Jahre Simpsons als eigenständige Serie / US-Sendestart bei Fox), am 28. Februar 2011 (20 Jahre Simpsons in Deutschland / Pay-TV-Sendestart auf Premiere), am 13. September 2011 (20 Jahre Simpsons im deutschen Free-TV / Sendestart im ZDF) und am 24. Januar 2014 (20 Jahre Simpsons bei Pro Sieben).

Wenige Serien waren jemals so global und allumfassend erfolgreich wie Die Simpsons. Auf der ganzen Welt sind sie populär, und aus jedem Bedarfsbereich des täglichen Lebens gibt es Fanartikel, bis hin zum Bart-Simpson-Asthma-Inhalator. Sie zogen nicht nur eine ganze Reihe weiterer Zeichentrickserien wie South Park und Family Guy nach sich, die mit krudem Humor an den Erfolg anknüpfen wollten, sondern beeinflussten in Stil, Tempo und Humor auch Realserien wie Malcolm mittendrin und Scrubs.

Ich gehöre nicht zu den Fans, die der Meinung sind, Die Simpsons seien mit der Zeit schlechter geworden. Im Gegenteil. Wer sich heute eine Episode der ersten Staffel und eine aktuelle hintereinander ansieht, wird diese Meinung ebenfalls verwerfen. Ich gehöre aber grundsätzlich nicht zu jenen, die nur darauf warten, den Niedergang einer Serie herbeireden zu können, wie es Fans bei Desperate Housewives und Lost ja schon in der zweiten Staffel taten. Die Simpsons sind, wie der Rest des US-Fernsehens, heute schneller, hintergründiger und vielschichtiger als vor 20 Jahren.

Ein Grund für den anhaltenden Erfolg der Simpsons ist ihre nach wie vor hohe Qualität und Aktualität, mit der sie auf Ereignisse aus den Nachrichten und den Medien eingehen. Der andere ist der Gewohnheitsfaktor. Die Simpsons wirken, als gebe es sie wie die Tagessschau und Wetten, dass…? schon immer. Und für viele jüngere Zuschauer ist das sogar wahr.

Ein Grund für den ursprünglichen Erfolg ist die reichhaltige Mischung, die so viele Zielgruppen gleichzeitig ansprechen kann. Formal sind Die Simpsons eine klassische Familiensitcom. Diesen Rahmen füllen sie mit hintergründiger Satire ebenso wie mit vordergründigen Kalauern. Wer das eine nicht kapiert, freut sich am anderen. Wer einen Film nicht gesehen oder ein Buch nicht gelesen hat, wer oder einen Prominenten oder amerikanische Eigenheiten nicht kennt, wer sich mit US-Politik und Popkultur nicht auskennt, versteht möglicherweise eine Anspielung nicht, bemerkt aber gar nicht, dass er etwas verpasst, sondern ordnet es als ganz normalen Dialog ein. Ebenso merkt man der deutschen Fassung erst im Direktvergleich mit dem Original an, wie viele Witze einfach aus Unkenntnis oder Schlamperei wegsynchronisiert wurden, denn es bleiben noch genug andere übrig. Deshalb sind die Simpsons sowohl bei Kindern, als auch bei höher gebildeten Erwachsenen, und sowohl im Ursprungsland Amerika, als auch in Deutschland so populär.

Eine andere Erklärung steht im Buch „752 Things We Love To Hate (And Hate To Love) About TV” der Television-Without-Pity-Autorinnen Tara Ariano und Sarah D. Bunting: „Any fictional family that can so efficiently piss off both George H. W. Bush and Bill Cosby must be doing something right.”

Der verstorbene Simpsons-Übersetzer Ivar Combrinck hätte den Satz vermutlich so ins Deutsche übertragen: Eine fiktive Familie, die so effizient mit George H. W. Bush und Bill Cosby zur Toilette geht, muss irgendwann rechts abbiegen.

Michael, 17. März 2007, 23:17.

Luttertag

Sehr zu empfehlen ist der heutige zweite Film mit Joachim Król als Lutter, der kurzweiliger, unkomplizierter und amüsanter ist als der erste Teil vor drei Wochen. Und nebenbei schildert er eindrucksvoll, wie Billighandelsketten mit ihrem Personal umgehen.

Lutter: Um jeden Preis. 20.15 Uhr im ZDF.

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Michael, 17. März 2007, 04:32.

Alle lieben einander

Dass Gülcan Karahanci heute bei Wolfram Kons auf der Punkt-9-Couch saß, war noch kein Indiz. Die sitzt ja in jeder Show, ob es nun um ihre Erinnerungen an die 90er-Jahre oder die Größe von ausgelieferter Pizza geht. Doch neben ihr saß Eralp Uzun, der sonst eher selten als Gast in Shows eingeladen wird, und wenn man ihm zuhörte, wusste man auch irgendwie warum und so. Beide sind Hauptdarsteller in der RTL-Serie Alle lieben Jimmy, deren zweite Staffel heute beginnt. Man hätte also spätestens an dieser Stelle den Grund ihres Besuchs erahnen können. Dann fragte RTL-Kommunikationsdirektor Wolfram Kons nach einem Vorschlag, was man denn heute Abend so machen könnte. Zaunpfahl, ick hör dir trapsen! Irgendwie, oder so. Doch wer auch jetzt noch nicht wusste, worum es gehen könnte, hatte ja immer noch den riesigen „Alle lieben Jimmy”-Schriftzug, der schon die ganze Zeit im Hintergrund eingeblendet war.

Dabei bin ich mir nicht einmal sicher, ob es wahr ist, dass alle Jimmy lieben. Das ZDF behauptet zum Beispiel am Sonntagnachmittag, es sei in Wirklichkeit Julia, die alle lieben. Kabel 1 behauptet Alle lieben Raymond, und laut einer Information des Heimatkanals vom kommenden Dienstag lieben alle Peter.

Hach, Sendungstitel erfinden ist ja so einfach!

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Michael, 16. März 2007, 21:04.

Postmortaler Aufschwung

Jetzt ist es vermutlich auch zu spät, aber in der gestern gezeigten letzten Folge der ersten Staffel von Post Mortem wurde zum ersten Mal die Zuschauerzahl der Vorwoche nicht unterboten. Kann man das vielleicht irgendwie als Erfolg werten?

Bis vergangenen Donnerstag hatte die so ambitionierte und triumphal gestartete Serie mehr als die Hälfte ihrer Zuschauer verloren, und vor allem die offenbar von einem Wackeldackel geführte Kamera wurde oft kritisiert. Auch war zu hören, der zweite der zwei Fälle pro Folge spiele eine zu kleine Rolle. Im Finale war das vielleicht besser so. Fall 1: Dr. Koch muss einen entführten Mörder auftreiben. Fall 2: Dr. Kochs Tochter hat Zahnweh. Sicher, man hätte sich einen spektakuläreren zweiten Fall vorstellen können, aber eigentlich gab es ja ohnehin nur den einen Fall, Fall 1, der spektakulär genug war, und letztlich führte ja doch beides zusammen.

Die Kritik und die zuletzt schwachen Marktanteile ändern nichts an meiner hohen Meinung von Post Mortem und der Anerkennung für den Versuch, eine Serie im Stil der Amerikaner zu produzieren, der doch so populär ist. Das spektakuläre Scheitern anderer hochwertiger RTL-Serien und der gleichermaßen überraschende Quotenverfall des früheren Konkurrenten-Angstgegners und Allseits-Vorbilds CSI, dessen Zuschauerzahlen bei RTL derzeit regelmäßig unter denen liegen, die die Serie zuletzt bei Vox erreichte, zeigen, dass es nicht nur an Post Mortem selbst liegen kann, dass es nicht so rund lief.
Ich plädiere deshalb für eine Fortsetzung.

Es sah außerdem so aus, als hätte niemand der Beteiligten ernsthaft mit einem Misserfolg gerechnet. Also so ähnlich wie Monrose beim Grand-Prix-Vorentscheid. Sonst wäre die womöglich letzte Folge bestimmt nicht offen mit einem Cliffhanger zu Ende gegangen. Und damit meine ich nicht die unbeantwortete Frage, ob Dr. Kochs Tochter von ihren Zahnschmerzen befreit wird. Insofern gab es sogar zwei Cliffhanger.

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Michael, 16. März 2007, 12:14.
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