Die große Samstagabendshow ist tot. Vor allem junge Leute setzen sich doch heute keinen ganzen Samstagabend mehr vor eine Spielshow. Günther Jauch hat durch den Erfolg von Wer wird Millionär? die klassische Samstagabendshow zerstört. Wetten, dass…? ist nur deshalb so erfolgreich, weil es das schon immer gab.
Jahrelang standen diese Aussagen im Raum, weil es keinen Gegenbeweis gab. Aber kann es vielleicht auch sein, dass einfach niemand mehr eine gute Idee für eine erfolgreiche Samstagabendshow hatte, seit mit der Rudi-Carrell-Show, Flitterabend und Geld oder Liebe die letzten erfolgreichen von uns gegangen sind? Denn siehe da: Vor allem junge Leute setzen sich heute einen ganzen Samstagabend lang vor eine Spielshow. Und ausgerechnet Pro Sieben, ein Sender völlig ohne Geschichte in diesem Bereich, rettet eines der ältesten Genres des deutschen Fernsehens.
Schlag den Raab hat alles, was alle klassischen Samstagabendshows seit den Tagen von Peter Frankenfeld und Hans-Joachim Kulenkampff und später Rudi Carrell und Joachim Fuchsberger hatten: Spielrunden, Spannung, Showblöcke, Schiedsrichter, Sichtschutzbrillen, schalldichte Kabinen und noch einige andere Merkmale mit anderen Anfangsbuchstaben. Und am Ende wird gnadenlos überzogen. Vor allem läuft Schlag den Raab nur alle zwei Monate und hat damit den Ereignischarakter, den sonst tatsächlich nur noch Wetten, dass…? hat.
Der Erfolg von Schlag den Raab ist nach der dritten Ausgabe nicht mehr zu bestreiten. Hier macht sich der Star noch selbst zum Affen! Zweimal schon hatten Kandidaten im Spielewettkampf gegen Stefan Raab verloren, am Samstagabend musste sich Raab zum ersten Mal seinem Gegner geschlagen geben, der den Jackpot mit 1,5 Millionen Euro gewann. Am Ende, als es schon weit nach Mitternacht und das Spiel extrem spannend war, schauten mehr als doppelt so viele Menschen zu wie zu Beginn zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr. Dieser Beginn hatte freilich noch ganz andere Merkmale aus der Samstagabendantike. Wie weiland bei Frank Elstner in der Anfangsphase von Wetten, dass…? dauerte es eine geschlagene Dreiviertelstunde, bis außer Kandidatenvorstellung und Spielregelerklärung überhaupt mal was passierte. Doch nachdem die Show schließlich Fahrt aufgekommen hatte, ertrug man sogar den Auftritt von Tokio Hotel ohne größeres Wehklagen. Früher wäre es eben das Medium-Terzett gewesen.
Natürlich hätte nie jemand gedacht, dass Matthias Opdenhövel einmal der große Samstagabend-Showmaster würde, aber es hätte natürlich auch niemand erwartet, dass sich Stefan Raab jemanden als Moderator für seine Show aussucht, bei dem die Gefahr bestünde, er könne lustiger sein als Raab.
Die große Samstagabendshow lebt. Und sie ist deshalb so erfolgreich, weil endlich wieder jemand eine gute Idee hatte. Willkommen zurück.
Michael, 28. Januar 2007, 19:38.