Von Fall zu Fall

Es war ein spannendes Experiment, es hat viele Anläufe gebraucht, aber es ist letztendlich gelungen: Zum ersten Mal Servus TV geguckt.

Und als ich nach der Landung von Felix Baumgartner, der gerade aus der Stratosphäre auf die Erde gesprungen war, zum Tatort schaltete und die ARD just in diesem Moment einblendete: “Borowski und der freie Fall”, hätte ich fast das Gefühl bekommen, der Tatort wolle sich hier schnell an einen Hype ranhängen.

Aber so etwas würde der Tatort ja zum Glück nie tun.

Michael, 14. Oktober 2012, 23:20.

In Memoriam Harry Valérien

Manchmal schien es bei ihm, als sei es noch schwieriger, die richtige Kamera zu finden als ein Loch in der Torwand zu treffen. („Wo sammer? Da sammer!“) Harry Valérien war bei der ARD-Sportschau, bevor er 1963 zusammen mit Wim Thoelke und Rainer Günzler Das aktuelle Sportstudio erfand, eine ZDF-Institution, die bis heute überlebt hat. 25 Jahre lang und 283-mal moderierte er die Sendung und wurde damit selbst eine Institution. Als er 1988 abtrat, war das nicht nur ein schwerer Schlag für die Fabrikanten bunter Strickpullover.

Harry Valérien ist im Alter von 88 Jahren gestorben.

Michael, 13. Oktober 2012, 12:46.

Linksfraktion

Während mir selbst nichts einfällt, verweise ich kurz auf Amüsantes von Anderen:

Viel Spaß!

Michael, 11. Oktober 2012, 14:27.

Ein bisschen anders, aber nicht weniger schlimm

Ausführlich möchte ich mich eigentlich gar nicht über das “neue” Wetten, dass…? auslassen, denn umfassende Besprechungen der ersten Ausgabe mit Markus Lanz findet man ja auch… ähm… richtig: überall.

Mein Fazit steht deshalb schon in der Überschrift, und darüber hinaus beschränke ich mich auf die fünf wesentlichen Erkenntnisse des Abends.

1. “Wenn man Kinder hat, muss man sich um sie kümmern. Das sind keine Haustiere.” (Zitat Karl Lagerfeld).

2. Im Gegensatz zu Thomas Gottschalk bereitet sich Markus Lanz auf seine Kandidaten und prominenten Gäste vor. Leider zeigt das im Fall der Kandidaten, dass es offenbar nicht an mangelnder Vorbereitung liegt, wenn ein Moderator sie nicht ernst nimmt. Im Fall der Prominenten macht es leider (oder zum Glück?) die Prominenten überflüssig. Denn Lanz wendet auch hier seine beliebte Interviewtechnik an, die daraus besteht, seinen Gästen zu erzählen, was sie in anderen Interviews gesagt haben, damit die das dann bestätigen können. Also im Prinzip so eine Art Presseschau in Anwesenheit Prominenter. Die braucht man halt dann nicht mehr.

3. Markus Lanz hat auch sein Talkshow-Gesicht importiert. Er setzt es auf, wenn die prominenten Wettpaten die nächste Wette erklären. Dabei sieht er dann so aus, als höre er davon zum ersten Mal. Dasselbe Gesicht verwendet er in seiner Talkshow, wenn er so tut, as finde er eine Geschichte wahnsinnig interessant.

4. Mit Twitter kann man jetzt sprechen! Eine Einblendung forderte auf: “Sprechen Sie mit auf Twitter”. Was die Twitter-Gemeinde sagte, blieb zumindest im Fernsehen geheim, aber man will ja auch nichts Negatives über die laufende Sendung einblenden.

5. “Bei der Probe war das anders.” Mindestens fünfmal erzählte Markus Lanz, der offensichtlich den Ablauf der Show selbst für suboptimal hielt, davon, wie die entsprechende Situation in der Probe verlaufen war. Vielleicht täte man ihm einen Gefallen, wenn beim nächsten Mal statt der Show nur die Probe übertragen würde.

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Michael, 7. Oktober 2012, 00:14.

Nach MTV kräht kein Hahn

Der ehemalige Fernsehsender Musiksender MTV möchte sich seine Musikkompetenz wohl im Internet zurückerobern. Schon seit Sommer zeigt MTV online nicht nur Videos aus den aktuellen Charts, sondern zum Beispiel auch den schönen Song “You Can’t Count On Me” der großartigen Gruppe Counting Crows. Die hatten in Deutschland nie einen wirklichen Hit; ihre bekanntesten Songs sind vermutlich die Joni-Mitchell-Coverversion “Big Yellow Taxi” aus dem Film “Ein Chef zum Verlieben”, “Accidentally In Love” aus dem Film “Shrek 2″ und “Mr. Jones” aus dem Radio.

Umso erfreulicher, dass MTV ausgerechnet einen unbekannten Hit über Monate fördert, der nie in den Charts war, und nicht nur dem Mainstream nachrennt. Die Frage ist allerdings: Warum findet man dieses Video dann ausgerechnet in den Charts – und zwar in den aktuellen? Vor einigen Wochen sogar in den Top 10?

Wurde der Song in einem Film verwendet? In einem Werbespot? In einer Castingshow gesungen? Und kam deshalb erstmals in die Charts?

Nichts dergleichen? Ach, schade. Das macht die Sache traurig. Denn dann ist die Präsenz der Counting Crows doch nur ein blöder Fehler an einer Stelle, an die eigentlich der Hit “Du” des Rappers Cro gehört. Der war im Sommer überall in Deutschland ein großer Hit – außer bei MTV.de, wo der Fehler vielleicht durch eine falsche Autovervollständigung in irgendeinem System entstand und seitdem mitgeschleppt wird, weil natürlich niemand beim MTV die eigene Homepage liest. Aber ich bin sicher, sobald mal ein Nutzer darauf aufmerksam macht, wird der Fehler zügig korrigiert.

Nicht. Aha.

Michael, 5. Oktober 2012, 20:18.

ZDF sendet an Elstner vorbei

Hoffentlich hat Frank Elstner, der in diesem Jahr beim Deutschen Fernsehpreis zum Abschluss der Veranstaltung den Ehrenpreis für sein Lebenswerk erhielt, nach der Ausstrahlung der Verleihung noch zwei Minuten länger ferngesehen. Denn das ZDF sendete einen Programmhinweis nur für ihn.

Elstner lobte in seiner Dankesrede die Moderatoren des Abends, Oliver Welke und Olaf Schubert. Als TV-Produzent frage er sich, warum die beiden noch keine Sendung hätten. Er könnte ihnen jede Woche zusehen.

Die Moderatoren ließen das unkommentiert. Sofort im Anschluss zeigte das ZDF aber einen Trailer für die heute-show, die wöchentliche Sendung mit den beiden.

Ob Frank Elstner das noch gesehen hat, ist natürlich fraglich. Da war er bestimmt längst in einem Produzentenmeeting und schlug vor, man solle dieser lustigen Martina Hill doch eine eigene Sketch-Comedy geben oder diesem eloquenten Matthias Opdenhövel eine Sportsendung.

Michael, 4. Oktober 2012, 23:11.

Frohe Weihnachten, Ally

Ich habe das Gefühl, mich entschuldigen zu müssen. Bei Ally McBeal. Oder wenigstens ihrem Schöpfer David E. Kelley.

Im Fernsehlexikon schrieben wir im Artikel über Ally McBeal:

Fast jede Folge endet damit, dass Ally allein durch die dezent weihnachtlich geschmückten nächtlichen Straßen von Boston nach Hause läuft (in Allys Boston ist ungefähr neun Monate im Jahr Advent) (…)

Ja, aus diesem Satz ist eine gewisse Gehässigkeit herauszuhören. Denn es war schon ein bisschen albern, wie es fast ganzjährig im Gebäum glänzte und glitzerte.

Nun war ich aber gerade ein paar Tage in Boston und musste feststellen: In Boston ist tatsächlich das ganze Jahr Weihnachten, wie diese Fotos von gestern Abend beweisen.


Insofern: Sorry, Ally, und frohes Fest.

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Michael, 4. Oktober 2012, 19:11.

In Memoriam Dirk Bach

Mir fehlen angesichts des plötzlichen Tods von Dirk Bach noch immer die Worte.
Mit allem, was er tat, beeindruckte er auf die eine oder andere Weise. Aber es war das Dschungelcamp, das uns auf dieser Seite wie kaum eine andere Sendung faszinierte und beschäftigte, wie man schon an dem dicken Schlagwort “Ich bin ein Star – holt mich hier raus” in der Liste rechts erkennen kann. Eine Show, von der man sich nicht vorstellen kann, dass sie ohne Dirk Bach funktioniert hätte oder funktionieren könnte.
Sicher ist das Stöbern in den alten Texten, Gags und Zitaten allein keine angemessene Erinnerung, aber zumindest eine lustige.
Und es war lustig mit Dirk Bach. Danke.

Michael, 2. Oktober 2012, 03:24.

Persönliches Desinteresse

Was ist das eigentlich für eine Serie, die sowohl in den USA als auch ab heute bei uns den Klassiker CSI nach so vielen Jahren vom angestammten Sendeplatz am Donnerstagabend verdrängt hat? (Zum Start zeigt RTL heute ab 21.15 Uhr zwei Folgen hintereiander.)

Sie heißt Person Of Interest, hinter ihr steckt u.a. Lost-Produzent J.J. Abrams, und sie ist in den USA sehr erfolgreich. Worum geht es also?


Der Schöne und der Milliardär. Sichere Bank. Foto: RTL

Ein brillianter Milliardär hat eine Wundermaschine erfunden, die Verbrechen vorhersehen kann. Aber nur sehr vage. Immer wieder spuckt “die Maschine” Sozialversicherungsnummern von Menschen aus, die in Kürze in ein Verbrechen verwickelt werden. Mehr nicht. Nur Sozialversicherungsnummern. Keine Namen, und auch keine Information über die Art des Verbrechens (aber meistens Mord) und ob die Person, der die Nummer gehört, Täter oder Opfer ist. Weil das humpelnde Genie all diese Menschen nicht selbst retten kann, beauftragt er damit einen abgebrühten Schönling, der den Leuten nachstellt und die Morde schließlich verhindert, indem er stattdessen die Mörder abknallt.

Das ist in der Umsetzung exakt so dämlich und brutal, wie es in der knappen Schilderung klingt. Michael Emerson, der in Lost Ben Linus spielte, gibt das ebenso reiche wie mysteriöse Genie, und Jim Caviezel, der in Mel Gibsons “Passion Of the Christ” als Jesus bekannt wurde, spielt diesmal gleich Gott, wenn er in Extremsituationen die Affektentscheidung trifft, dass das Leben des Opfers wichtiger ist und das des Täters deshalb ausgelöscht werden kann. Die Konstellation des wissenden Strippenziehers, der Schlimmes verhindern will, und des ausführenden Frontschweins, das die genauen Umstände herausfinden muss, erinnert entfernt an Zurück in die Vergangenheit. Die Serie nicht, denn im Gegensatz dazu ist Person of Interest völlig frei von Humor, Augenzwinkern oder Selbstironie und nimmt sich und “die Maschine” wahnsinnig ernst.

Und trotzdem ist es irgendwie beruhigend, nach all den Jahren toller Fernsehserien aus den USA wieder in Erinnerung gerufen zu bekommen, dass nicht nur in Deutschland unglaublicher Schwachsinn produziert wird.

Außerdem hat zum Glück irgendwann mal ein Genie eine Maschine erfunden, mit der man unerträgliches Programm aus seinem Fernseher entfernen kann. Jetzt muss ich nur noch einen Schönling finden, der das für mich erledigt.

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Michael, 13. September 2012, 00:22.

Comedy in Sat.1 nimmt zu

Natürlich hätte die Sitcom Mike & Molly das Potenzial, auch in Deutschland ein Hit zu werden. Aber natürlich nicht so.

Die freundliche Serie über zwei Übergewichtige, die sich ineinander verlieben, hat im zweiten Anlauf eine Heimat in Sat.1 gefunden, nachdem vor einem halben Jahr ursprünglich schon mal Kabel 1 den Deutschlandstart angekündigt hatte. Sat.1 ist nicht (mehr) für Comedy bekannt, schon gar nicht für US-Sitcoms, und der Sendeplatz am Donnerstag um 22.15 Uhr ist eigentlich als Krimiplatz etabliert.

Warum die Serie nicht auf ProSieben läuft, ist rätselhaft. Sie stammt aus dem Comedy-Lineup des US-Senders CBS, das außerdem aus How I Met Your Mother, 2 Broke GirlsThe Big Bang Theory und Two And A Half Men besteht, also ansonsten vollständig bei ProSieben zu sehen ist. Und zwar unentwegt. Produzent der Serie ist Chuck Lorre – daneben verantwortlich für The Big Bang Theory und Two And A Half Men. Sind Dicke etwa nicht cool genug für das coole ProSieben? Ist es dem angestrebten jungen Publikum nicht zuzumuten, Menschen zuzusehen, die sich schon für einen Partner entschieden haben und ihm treu sind? Wird die erforderliche Mindestanzahl an Sexwitzen unterschritten? Muss aus diesen Gründen die Serie jetzt auf dem “Familiensender” der Sendergruppe laufen?

Mike & Molly ist harmlose, traditionelle, durchaus lustige Comedykost irgendwo zwischen Verrückt nach dir und King Of Queens, mit zwei liebenswerten Hauptfiguren in Melissa McCarthy (bekannt als Sookie aus Gilmore Girls) und Billy Gardell (nicht bekannt). Man muss das nicht gezielt einschalten, kann sich aber amüsieren, wenn man es tut. Zwei Folgen laufen ab heute immer donnerstags ab 22.15 Uhr.

Trotzdem wird auch diese Serie wie die meisten anderen US-Sitcoms vermutlich erst dann ein Erfolg in Deutschland, wenn sie auf irgendeinem Sender in Dauerschleife mit mehreren Folgen an jedem Tag laufen wird. Also erst mal nicht.

Michael, 6. September 2012, 00:39.
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