In Memoriam Ernest Borgnine

Nein, den Status als Schauspiellegende hat Ernest Borgnine bestimmt nicht seiner Rolle als Vater von Uschi Glas in der RTL-Serie Tierärztin Christine zu verdanken. Und auch nicht der Serie Airwolf, obwohl es vor allem diese Serie war, die dafür sorgte, dass auch Menschen meiner Generation Ernest Borgnine kannten. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits seit mehr als 30 Jahren Oscar-Preisträger und hatte in mehr als 60 Kinofilmen mitgespielt.

Eine noch jüngere Generation in den USA kennt zumindest seine Stimme. In der Originalfassung von Spongebob Schwammkopf sprach er den pensionierten Superhelden Meerjungfraumann.

Ernest Borgnine ist im Alter von 95 Jahren gestorben.

Michael, 9. Juli 2012, 03:02.

Bates‘ Kanzlei

Kathy Bates macht uns ab heute den Harry.

Drei Hoffnungen für 2012 hatte ich vor allem halben Jahr geäußert. Modern Family und Walulis sieht fern haben inzwischen ihren Weg zumindest in die Nischen des deutschen Fernsehens gefunden, und heute startet die dritte: Harry’s Law, eine Anwaltsserie von David E. Kelley, die so ist, wie Anwaltsserien von David E. Kelley immer sind, nur dass diese im Gegensatz zu Practice – Die Anwälte, Ally McBeal und Boston Legal versehentlich nicht in Boston spielt, sondern in Cincinnati. Wir finden eine Riege skurriler, überdrehter, ex- und egozentrischer Charaktere, allen voran die resolute, miesepetrige aber herzensgute Hauptfigur Harriet „Harry“ Korn, deren Kanzlei gleichzeitig ein Schuhgeschäft ist, und ihr Gegenpart Thomas Jefferson (Christopher McDonald), eine Art Denny Crane, nur noch geringfügig mehr bei Trost. Dazu ein paar abwegige Fälle, und zwischendurch verwechselt Autor Kelley immer wieder Kanzlei mit Kanzel, wenn er seine Anwaltsfiguren im Gerichtssaal politische Predigten halten lässt.


Foto: Sat.1

Harry’s Law ist oft lustig, oft bewegend und manchmal anstrengend, aber bevor enorme Ermüdungserscheinungen eintreten können, ist die Serie auch schon wieder zu Ende. NBC setzte sie erwartungsgemäß im Mai nach 34 Folgen ab, obwohl die Serie mehr Zuschauer hatte als die meisten anderen Programme des gebeutelten Senders. Alerdings waren die Zuschauer auch bei kaum einer anderen Serie im Durchschnitt so alt. Sat.1 versucht deshalb erst gar nicht, sie auf einem prominenten Sendeplatz zu etablieren. Sie läuft ab heute immer donnerstags kurz nach 23.05 Uhr.

Michael, 5. Juli 2012, 05:43.

In Memoriam Andy Griffith

Für uns in Deutschland war Andy Griffith vor allem Matlock, der gerissene Anwalt im hellgrauen Anzug, der viele Jahre das Vorabendprogramm des ZDF und das Mittagsprogramm von ProSieben bewohnte.

In den USA kannte man ihn lange vorher als Komiker und als Star seiner eigenen Sitcom The Andy Griffith Show. Ab 1960 spielte er darin 249 Folgen lang den gutmütigen Sheriff einer Kleinstadt. Sie gilt noch heute als eine der erfolgreichsten Serien aller Zeiten. In Deutschland wurde sie nie gezeigt.

Andy Griffths Seriensohn, der kleine Ronny Howard, wurde übrigens etwas später als Ron Howard Hauptdarsteller der Serie Happy Days und viel später ein erfolgreicher Regisseur in Hollywood („Apollo 13“, „A Beautiful Mind“, „The Da Vinci Code“, „Illuminati“).

Und dann spielte Andy Griffith indirekt natürlich noch eine große Rolle in der Doppelfolge „Der Urlaubermörder“ aus der Serie Eine schrecklich nette Familie, ohne selbst dabei gewesen zu sein. Peggy und Al Bundy machen Urlaub im Kaff Dumpwater in Florida, dessen größte Attraktion ein Mann ist, der mal Andy Griffith begegnet ist.

Andy Griffith ist im Alter von 86 Jahren gestorben.

Michael, 4. Juli 2012, 08:29.

Réthy und Plethi

Vielleicht werde ich allmählich altersmilde oder altersschwachsinnig. Vielleicht wird aber auch der Fußballkommentator Béla Réthy allmählich alterskompetent.

Jedenfalls hat diese Europameisterschaft, auch wenn sie sonst nicht viel gebracht hat, dazu geführt, dass ich meinen Frieden mit Béla Réthy geschlossen habe. Dass ich nie sein allergrößter Fan war, hatte ich ja hier und da mal beiläufig angedeutet. Aber bei dieser EM habe ich mich ein paarmal dabei ertappt, dass ich über Bemerkungen Réthys lachte, die tatsächlich lustig gemeint waren. Und ihn habe ich dabei ertappt, wie er manche spannende Torchance nicht wie gewohnt ausschwieg, sondern packend kommentierte, als habe mit sechs Jahren Verspätung endlich auch ihn die Fußballeuphorie von 2006 angesteckt. Auch nimmt die Schilderung des Spielgeschehens in seinen Reportagen mittlerweile einen größeren Platz ein als Anekdoten über die Geburtstagsfeiern der Spielerfrauen.

Das Vorrundenspiel zwischen der Ukraine und Frankreich war es jedoch, bei dem Réthy besonders auffiel – genauer war es in der knappen Stunde, die das Spiel wegen des Unwetters unerbrochen war und er ausführlich den Regen kommentierte. Das war zwar nicht so gut wie damals bei Marcel Reif und Günther Jauch, die es mit einem umgefallenen Tor zu tun hatten, aber auch bei weitem nicht so schlecht wie vor vier Jahren, als Rethy während eines längeren Bildausfalls den Zuschauern größere Teile des Spielgeschehens verschwieg. Unterhaltsamer als das ganze Halbfinale zwischen Spanien und Portugal war es allemal.

Vielleicht kann Béla Réthy während der Fußballspiele endlich freier aufkommentieren, weil der Druck weg ist, weil er jetzt seine wahre Berufung gefunden hat: Regen kommentieren.

Und vielleicht birgt das die Hoffnung, dass eines Tages sogar Tom Bartels seine wahre Berufung finden wird. Zum Beispiel gärtnern. Oder schlafen.

Michael, 1. Juli 2012, 21:49.

Heute hier, morgen dort

Was Thomas Gottschalk betrifft, ist sein Wechsel zu RTL gar nicht so abwegig. Wo soll er denn sonst hin? Wer will ihn denn noch? Und so kehrt er zu dem Sender zurück, bei dem vor zwanzig Jahren sein Scheitern mit begann, mit Gottschalk Late Night. – Dass zweieinhalb Millionen Zuschauer bei einer täglichen Late-Night-Show gar kein Scheitern bedeuteten, wusste man damals noch nicht. Das Format war in Deutschland ja neu, und man hatte keine Vergleichswerte. Deshalb ging man einfach davon aus, dass es sich um ein Scheitern handelte, weil man offenbar als Vergleich die Zahlen einer Samstagabendshow anlegte. Und zu dieser kehrte Gottschalk dann eben zurück.

Der erneute Wechsel zu RTL ist die konsequente Weiterführung der kontinuierlichen Selbstverleugnung Gottschalks, der bisher noch fast jede Sendeform und Idee des Privatfernsehens, die er zuvor lautstark in der „Bild“ und im ZDF kritisiert, angeprangert und durch den Dreck gezogen hatte, sich wenig später selbst aneignete. Dass er schlussendlich gleich beim Original mitmacht, ist der logische nächste Schritt.

Interessanter ist die Frage, was RTL dazu bewegt. Von dem Sender, der nach jungem Publikum lechzt, hätte ich momentan eher erwartet, dass er sich von Günther Jauch trennt, dessen junges Publikum seit Jahren langsam, aber stetig weniger wird, als dass er Gottschalk an Land zieht, der zuletzt gar kein junges Publikum mehr hatte. Noch einmal etwas Neues, wie damals mit der Late Night, wird RTL mit Gottschalk kaum ausprobieren. Erfahrungen aus mittlerweile zwanzig Jahren und jüngst konkreten fünf Monaten haben gezeigt, dass die Zuschauer Gottschalk in etwas Neuem schlicht nicht sehen wollen. Als Juror in einer etablierten Show wie Das Supertalent wird er zumindest kaum Schaden anrichten können. Doch es kann ja nicht der Sinn sein, einen prominenten und teuren Ex-Star an Land zu ziehen, damit man ihn dann dorthin setzt, wo er den geringsten Schaden anrichtet.

Andererseits: In dem Tempo, in dem Dieter Bohlen One-Hit-Wonder, ehemalige TV-Stars und  Kinder von Prominenten als Nebenfiguren in seinen Jurys verschleißt, war es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis irgendwann auch mal Thomas Gottschalk für eine Staffel dort Platz nehmen würde.

Michael, 22. Juni 2012, 19:11.

In Memoriam Heinz Eckner und Kathryn Joosten

So wie Frauen, die lustig sind, mit dem Stempel „Ulknudel“ leben müssen, ist ein übergewichtiger Mann, der Gelächter hervorzurufen in der Lage ist, normalerweise „der lustige Dicke“. So einer war Heinz Eckner. Neben seiner Elektrikerlehre stand er schon mit 14 auf der Bühne und sang in Operetten. Das größte Publikum hatte er später immer dann, wenn der Star der Show eigentlich ein anderer war. Vor allem wirkte er an der Seite von Rudi Carrell, in dessen Am laufenden Band er fester Sketchpartner war. Immerhin zwei Jahre lang hatte Eckner seine eigene Show im Vorabendprogramm des ZDF: Ein Wort aus Musik.

Heinz Eckner ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

Kathryn Joosten begann mit der Schauspielerei erst, als sie schon über 40 war. Bis dahin hatte sie als Krankenschwester gearbeitet. Als sie bekannt wurde, war sie schon 60. Sie spielte die treue Sekretärin des Präsidenten in The West Wing, die allerdings schon in der zweiten Staffel durch einen Autounfall aus der Serie geschrieben wurde. „Sterben zu müssen, war das Beste, was meiner Karriere passieren konnte“, sagte Joosten einmal, die nach The West Wing größere und bessere Rollenangebote bekam. Bei uns wurde sie vor allem als Mrs. McCluskey bekannt, die ältere Nachbarin der Desperate Housewives. Für diese Rolle erhielt sie mit 65 ihren ersten Emmy – und drei Jahre später ihren zweiten.

Kathyrn Joosten ist im Alter von 72 Jahren gestorben.

Michael, 3. Juni 2012, 15:44.

Flüchtige Freunde

Normalerweise empfehle ich keine Sendungen des SWR, schon aus nahe liegenden Gründen. Und weil ich für den SWR arbeite, und es plump wirken könnte. Das ist mir jetzt egal, denn heute Abend zeigt die ARD einen Film, bei dem es wirklich schade wäre, ihn zu verpassen.

Maxim Mehmet (rechts im Bild) und Charly Hübner spielen die neuen Freunde David und Robert im Psychothriller Unter Nachbarn. Die Hauptfiguren haben sich gerade kennen gelernt, als sie eine gemeinsame Erfahrung machen, die sie mit niemandem teilen können. Im Auto überfahren sie eine junge Radfahrerin, und auf Drängen von Robert begehen sie Fahrerflucht. David, Journalist bei einer regionalen Tageszeitung, soll anschließend über genau diesen Unfall schreiben. Die Recherchen sind für ihn nützlich, weil er auf diese Weise erfährt, wie viel die Polizei weiß. Er lernt bei dieser Gelegenheit aber auch die Schwester des Opfers kennen, gespielt von Petra Schmidt-Schaller, verliebt sich in sie und beginnt eine Beziehung mit ihr. Sein Verhältnis zu Robert kühlt währenddessen und deshalb mehr und mehr ab und wird immer gefährlicher.

Es gibt mehrere Stellen im Film, an denen man glaubt, den Fortlauf der Handlung bis hin zum Ende nun problemlos absehen zu können, doch der Film wirkt nur stellenweise vorhersehbar. Er ist es nicht. Jedenfalls nicht an den entscheidenden Stellen. Gleichzeitig ist man immer mehr entsetzt über den Psychopathen Robert, den Charly Hübner grandios spielt, und der bis zum packenden Finale in immer neue Dimensionen vordringt, um David davon abzuhalten, seinem schlechten Gewissen nachzugeben und wahlweise seiner Freundin oder der Polizei alles zu gestehen.



Fotos: SWR/Felix Cramer

Der 90-Minüter ist das Spielfilmdebüt des jungen Berliner Regisseurs Stephan Rick, der auch Ideengeber und Co-Autor des Drehbuchs ist. Eigentlich entstand der Film für und mit dem Budget der Reihe „Debüt im Dritten“, in der der SWR Erstlingswerken vielversprechender Regisseure den Prestigesendeplatz am Mittwoch um 23.00 Uhr in seinem dritten Programm zuweist, wo sie ein Publikum erreichen, wie es sonst nur in mittelgroße Bundesligastadien passt. Ricks Film wurde aber als für diesen Sendeplatz zu gut befunden und läuft nun stattdessen um 20.15 Uhr im Ersten.

Obwohl Filme, die gleich für diesen Sendeplatz produziert werden, wesentlich mehr Geld zur Verfügung haben, kann Unter Nachbarn nicht nur in der Handlung, sondern auch in der Optik problemlos mithalten. Und nicht bloß mithalten. Es ist der ergreifendste ARD-Film seit Homevideo, der im Oktober auf dem gleichen Sendeplatz lief.

Die allgemeine Begeisterung für Homevideo teilte ich damals nur bis kurz vor Schluss. Der Film über Cyber-Mobbing endete mit dem Selbstmord des Opfers und sendete damit an Betroffene das verheerende Signal, man könne ja doch nichts tun, und einen anderen Ausweg gebe es nicht. Die Vermeidung eines Happy Ends halten deutsche Redakteure und Regisseure leider zu oft für große Kunst und besonders unkonventionell – so oft, dass es schon fast der konventionelle Weg ist. Einer solchen Versuchung widersteht Unter Nachbarn zum Glück, aber wenn Sie glauben, spätestens mit dieser Information hätte ich Ihnen das Ende nun doch verraten, täuschen Sie sich.

Unbedingt angucken: Unter Nachbarn, heute, 20.15 Uhr, ARD.

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Michael, 30. Mai 2012, 06:21.

In Memoriam Kurt Felix

Als wir in Deutschland Kurt Felix kennenlernten, hatte er in der Schweiz bereits eine lange Fernsehkarriere hinter sich. Im deutschen Fernsehen war es nur eine einzige Sendung, mit der Kurt Felix prominent vertreten war, doch die prägte das Fernsehen wie wenige andere. Verstehen Sie Spaß? war nicht einmal die erste Sendung, die Streiche mit versteckter Kamera zeigte (Chris Howland war mit Vorsicht Kamera 20 Jahre früher dran), doch erst sie löste den Boom aus, der scharenweise Nachahmer provozierte.

Von Felix selbst konzpipiert und als 30-Minuten-Donnerstagsformat gestartet, wurde Verstehen Sie Spaß? 1983 zur Samstagabendshow befördert, und Felix brachte fortan seine Frau mit zur Arbeit. Das Moderatorenpaar Paola und Kurt Felix gehörte zu den größten Fernsehstars der 1980er-Jahre, und je prominenter die beiden wurden, desto seltener konnte Kurt Felix selbst in die Rolle des Lockvogels schlüpfen.

Kurt Felix war auch der Erfinder der „Kreativpause“. Bei ihm hieß sie Ende 1990 noch „schöpferische Pause“, doch das Ergebnis war das Gleiche: Sie endete nicht. Zumindest kehrte er nicht als Moderator zurück. Ausgerechnet Harald Schmidt, der später selbst eine berühmte Kreativpause einlegte, wurde stattdessen der Nachfolger bei Verstehen Sie Spaß?

Später arbeitete Kurt Felix zumindest als Berater wieder für die Sendung, und obwohl er selbst schon lange nicht mehr im Vordergrund stand, zeigte die ARD ihn nun sogar wieder auf Anzeigenfotos für die Show. Mit Guido Cantz ist Verstehen Sie Spaß? inzwischen zum sechsten Mal neu besetzt worden, aber immer noch eine feste Größe am Samstagabend. Es ist die einzige Samstagabendshow außer Wetten, dass…?, die aus der goldenen Zeit des Genres noch übrig ist.

Wie heute bekannt wurde, ist Kurt Felix am Mittwoch im Alter von 72 Jahren gestorben.

Michael, 19. Mai 2012, 14:08.

Wird aus dem amerikanischen Frühjahrsputz ein langer deutscher Winterschlaf?

Das deutsche Fernsehen wird sich im kommenden Jahr maßgeblich ändern – weil das amerikanische es so will. Denn was in den USA nicht mehr gebraucht wird, steht auch für Deutschland nicht mehr zur Verfügung.

Gleich drei langjährige Serien, die auch in Deutschland erfolgreich waren, enden in diesem Frühling in den USA. Bei zweien, Dr. House und Desperate Housewives war dies schon länger bekannt, was den Autoren die Chance gab, jeweils ein ordentliches Finale zu schreiben – wenn es schon nicht gelungen war, ordentliche Handlungsstränge für größere Strecken der letzten Staffeln zu erfinden.

Bei Dr. House war ich zwar noch der Meinung, die Zusammenführung von House und Cuddy sei gut gelungen und habe der Serie ein paar neue Impulse geben können, aber wie sie dann mit ihrer Trennung in der siebten Staffel umgingen, hat meine Liebe zur Serie doch sehr abkühlen lassen. Die achte Staffel hat dann zwar wieder ein paar schöne Episoden, aber insgesamt ist es doch ganz gut, wenn es nun bald vorbei ist. Ein bisschen schade werde ich es trotzdem finden.

Bei Desperate Housewives kann ich das Ende dagegen kaum abwarten. Die achte Staffel zieht sich gefühlt endlos dahin, nervt nur noch mit mühsamen und vorhersehbaren Handlungskonstrukten, willkürlichen Aneinanderreihungen einzelner Ereignisse ohne größeren roten Faden und wirft die Frage auf, was die ganzen Autoren, die jahrelang gute Geschichten und schöne Gags geschrieben haben, inzwischen eigentlich beruflich machen.

Erst seit ein paar Tagen ist außerdem bekannt, dass auch CSI: Miami nach zehn Jahren nicht fortgesetzt wird. In diesem Fall habe ich zwar schon vor Jahren aufgehört zuzusehen, als ich endlich wusste, wie man eine Sonnenbrille ordnungsgemäß auf- und absetzt, bedaure für die vielen Fans allerdings, dass es hier zu keinem vernünftigen Schluss kommen wird. Als CBS die Absetzung bekanntgab, war das, was nun die letzte Folge bleiben wird, schon seit einem Monat ausgestrahlt. Das ist unbefriedigend und weder den Machern noch den Zuschauern langjähriger Erfolgsserien gegenüber fair, aber beim skrupellosen Gesamtmarktführer CBS leider gewohnte Praxis. Auf die gleiche lieblose Weise hatte CBS vor einigen Jahren auch die Dauerbrenner Für alle Fälle Amy und Without A Trace entsorgt.

Für RTL bricht damit der Rest seines verbliebenen Dienstagsprogramms weg, für ProSieben der verlässlichste Part des Mittwochs. Wie die Sender die baldigen Lücken stopfen wollen, ist offen. Weder erweckten sie jüngst den Eindruck übermäßiger Produktionswütigkeit, was eigene Serien angeht, noch gab sich irgendwer die Mühe, Nachfolger aus den USA aufzubauen. Was von dort nachkam, wurde oft ungeduldig in die Nächte oder feige zu den hauseigenen Kleinstsendern RTLnitro bzw. Sixx abgeschoben. Man muss aber auch einräumen, dass der Nachschub weniger wurde. Zwei der jetzt zu Ende gehenden Serien, House und die Housewives, starteten in der US-Saison 2004/05, einer ungewöhnlich guten Saison, die auch Grey’s Anatomy, CSI: NY und Boston Legal hervorbrachte und damit so viele Dauerbrenner wie kaum eine Saison vorher oder danach. Die letzte vergleichbare war 1994/95 mit den Starts von Friends, Emergency Room, Chicago Hope und Ein Hauch von Himmel.

Sich einfach wieder bei Vox zu bedienen wie bei CSI: Miami und CSI kommt für RTL diesmal kaum infrage. CSI: NY ist dafür längst nicht mehr erfolgreich genug und wird vermutlich nächstes Jahr um diese Zeit ebenfalls eingestellt, und die anderen Krimis laufen dort allenfalls mit Marktanteilen, die für Vox schon lediglich zufriedenstellend sind. Was dazukommt: Auf die Serien, die der zuverlässige Krimilieferant CBS inzwischen produziert und ins RTL-Format passen würden, hat RTL keinen Zugriff, seit ProSiebenSat.1 einen exklusiven Output-Deal mit CBS Studios geschlossen hat, der gerade erst verlängert wurde. Navy CIS und The Mentalist z.B. sind CBS-Serien, über die RTL jetzt vermutlich sehr glücklich wäre, die aber erfolgreich bei Sat.1 laufen.

ProSieben könnte dank dieses Paketdeals zwar problemlos auf haufenweise Krimis zugreifen, bräuchte zwischen Vampiren und Übernatürlichem aber eigentlich eher leichtere, frauenaffinere Serien und Comedys. So etwas wie Modern Family oder Nurse Jackie. Zu blöd, dass ausgerechnet diese beiden RTL gehören und bei RTLnitro versteckt werden.

Vielleicht können sich die Sendergruppen ja auf dem Schulhof treffen und ein Tauschgeschäft abwickeln.

Michael, 15. Mai 2012, 14:46.

Wo der Hammer auf Holz trifft

Wenn Politik auf Wirklichkeit trifft, dann ergibt das Sonya Kraus und irgendwas über Heimwerker. In Hart aber fair beschäftigte sich Frank Plasberg gestern mit der Frage: „Wissen, wo der Hammer hängt – was treibt die Deutschen in den Baumarkt?“.

Angesichts des großen Erfolgs (7,9 Prozent Marktanteil bei allen Zuschauern, 3,4 Prozent bei den Jüngeren – das sind noch höhere Zahlen als bei Gottschalk live) soll es in den kommenden Wochen um die folgenden relevanten Politthemen gehen:

  • Wo es um die Wurst geht — was treibt die Deutschen zum Metzger?
  • Wissen, wo der Bär steppt — was treibt die Deutschen in den Zoo?
  • Sag es durch die Blume — was treibt die Deutschen zum Floristen?
  • Wissen, wo die Post abgeht — was treibt die Deutschen zum Briefkasten?
  • Wissen, wo der Barthel den Most holt  — was treibt die Deutschen nur dazu, sich das Fernsehprogramm schönsaufen zu müssen?
Michael, 24. April 2012, 12:35.
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